Postdemokratische Symptome der politischen Elite in der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Colin Crouch Postdemokratie
2.1 Zentrale Thesen
2.2 Die postdemokratische Entwicklung der Parteien
2.2.1 Die politische Elite im Umbau
2.2.2 Privatisierung

3 Transfer auf die politische Elite der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Zur Vergabe hoher politischer Ä mter
3.1.1 Die Bedeutung von Ressourcen
3.1.2 Die Bedeutung von Motivationen
3.1.3. Übersicht und Übertragung
3.2 Tätigkeiten hochrangiger Politiker nach der Politik
3.3 Bewertung

4 Zusammenfassung und Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Demokratie und ihre Verfahren kommen immer wieder in die Kritik. Sei es die einseitige Wirkung von massenmedialer Vermittlung politischen Geschehens, sei es der unterschiedlich hoch bewertete Einfluss von Wirtschaft auf Entscheidungsträger oder der irrationale Wähler selbst Vereinzelt treten diese und andere Kritikpunkte immer wieder in die Diskussion um Demokratie und deren Funktionalität sowie Effizienz.

Colin Crouch diagnostizierte mit seinem Werk „Postdemokratie“ verschiedenartige Mängel der Demokratie. Die Bandbreite der Verfehlungen westlicher Systeme wurde dabei nahezu erschöpfend über das gesamte Arbeitsfeld der politischen Institutionen ausgeweitet und somit auch die politischen Parteien nicht verschont. Letzteren wirft Crouch im Rahmen des von ihm beschriebenen Prozesses Entwicklungen vor, die nicht im Interesse der Gesellschaft sein können. Es sind eben diese Entwicklungen, die ich in der folgenden Arbeit rekonstruieren möchte und schließlich mit der Zusammensetzung politischer Führungskräfte der Bundesrepublik Deutschland als Kontrastfolie auf ihre Plausibilität hin prüfen möchte. Im Zentrum dieser Erörterung steht wesentlich die Frage ob die Diagnosen von Colin Crouch auf die Bundesrepublik anwendbar sind. Im Rahmen dieser Ausarbeitung kann freilich keine umfangreiche Forschung betrieben werden. Dennoch möchte ich Argumente liefern die eine Beurteilung der Lage meinerseits ermöglichen.

Zunächst möchte ich die zentralen Thesen aus Crouchs Werk wiedergeben, um daraufhin speziell die auf die Lage der Parteien im Rahmen von „Postdemokratie“ einzugehen.

2 Colin Crouch Postdemokratie

„Postdemokratie“ lässt sich meiner Ansicht nach als ein kritischer Rundumschlag innerhalb der gesamten westlichen Öffentlichkeit betrachten. Es werden neben den Parteien auch die Wirtschaft, die Medien und die Gesellschaftsstruktur beleuchtet. Nun möchte ich so prägnant wie möglich die Kernaussagen zusammenfassen um einen Eindruck der Abhandlung zu liefern. Darauf aufbauend möchte ich die Thesen, die speziell auf die Entwicklung der politischen Elite und deren Interaktion im öffentlichen Raum abzielen, darstellen und genauer erörtern.

2.1 Zentrale Thesen

Crouch fasst die Entwicklung der Demokratie als parabelförmig auf. Auf diese Weise beschreibt er ihren Verlauf als erst steigend und schließlich fallend. Das negative Vorzeichen beschreibt den Prozess der Postdemokratie: Bürgerinteressen werden unzureichend vertreten, und Macht konzentriert sich bei den Eliten der Gesellschaft. Dies führt zum Vertrauensverlust des Volks in die demokratischen Prozesse und Institutionen wie auch schwindender Partizipation.

Die Macht global agierender, einflussreicher Unternehmen befähigt diese, politische Entscheidungsprozesse zu beeinflussen. Wirtschaftlicher Druck auf die Politik setzt die Interessen einer verhältnismäßig kleinen Gruppierung durch und wird auf diese Weise zu politischer Macht. Die Anpassungsfähigkeit großer Unternehmen im Kontext einer globalisierten Welt stärkt ihren Einfluss eine Eigenschaft, von denen auch die Regierungen dieser Welt profitieren möchten und somit versuchen, Praktiken aus der Wirtschaft zu adaptieren.

2.2 Die postdemokratische Entwicklung der Parteien

Das vierte Kapitel in „Postdemokratie“ befasst sich mit der Rolle der Parteien im demokratischen Prozess und insbesondere mit deren Veränderung. Darüber hinaus werden auch in anderen Kapiteln Aussagen über den deren Verbleib getroffen. Im Folgenden möchte ich die von Crouch attestierten Wandlungen im Parteiensystem zusammengefasst wiedergeben.

2.2.1 Die politische Elite im Umbau

Crouch beruft sich bei der Beschreibung des Aufbaus von Parteien auf das Modell konzentrischer Kreise1 (vgl. Abbildung 1). Mit diesem Modell wird versucht, die personale Zusammensetzung einer politischen Partei zu visualisieren. Durch einen kleineren Kreis wird eine kleinere Anzahl von Personen dargestellt, und je näher man dem Mittelpunkt kommt, desto größer ist der Einfluss auf die Programmatik, die Vergebung von Mitteln und die Ausrichtung der Partei. Auch ist hieraus ablesbar, welcher Bereich sich aus welchem herausbildet. Einfacher gesagt: Personen, die Teil des inneren Kreises sind, stellen ebenso Angehörige des äußeren Kreises dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell konzentrischer Kreise2

Crouch folgend besteht der äußerste Bereich des Modells für die Gesamtheit potentieller Wähler, welche die Partei mit ihrem Programm erreichen möchte. In Abbildung 1. bilden die Wähler die Umgebung des Modells. Schreitet man in Richtung Zentrum fort, wird der äußerste Kreis von den Stammwählern und der Partei eng verschriebenen Personen gebildet (E), diesen folgen die ihren Beitrag entrichtenden, aber abseits davon eher passiven Mitglieder der Partei (D). Letztere unterscheiden sich von den aktiven Mitgliedern (C) vor allem durch den Zeitaufwand, der für die Partei aufgewandt wird: Dieser ist bei den engagierten Angehörigen weitaus höher und oft mit finanziellem Ausgleich verbunden. Parlamentsabgeordnete schließlich (B) umgrenzen nur noch den kleinsten Kreis, den der Parteiführer und mit dieser verbundenen Stellen (A).

Jeder dieser Kreise übernimmt nach Crouch bestimmte Funktionen. Das Zentrum der Partei bestimmt die Ausrichtung der Interessenvertretung, die mittleren Kreise ermöglichen den Austausch zwischen Wählerschaft und jenen, die den Kurs bestimmen und die äußeren Kreise stellen sicher, dass die Partei gewählt wird. Dieses von Crouch ausdrücklich als idealtypisch charakterisierte Modell unterliegt im beschriebenen postdemokratischen Prozess strukturellen Veränderungen, welche Crouch anhand drei Entwicklungen beschreibt:

„ Die Veränderungen der letzten Zeit, zu denen unter anderem der Aufstieg der globalen Unternehmen und der beschriebene unübersichtliche Wandel innerhalb der Klassenstruktur zählen, hatten wichtige Auswirkungen auf das Modell der konzentrischen Kreise. Ein weiterer bedeutender Faktor war jedoch die enorme Ausweitung der Berater und Lobbyistenzirkel im Umfeld der führenden Politiker . “ 3

nicht länger als Kreise, sondern als Ellipse (Vgl. Abbildung 2) dargestellt werden müssen. Das hat seinen Ursprung in der These, dass das Personal, welches die inneren Zirkeln bildet, sich mit Gruppierungen außerhalb der Partei überschneidet: Den Lobbyisten.4 Die Führungskräfte rekrutieren sich demnach nicht länger aus ausschließlich der Partei verpflichtetem Personal, sondern aus einem neuen, postdemokratischen Personenkreis, der sich aus Lobbyisten, Spezialisten und Berufspolitikern zusammensetzt, welche beruflich zwischen Realpolitik, Interessenvertretung und Wirtschaft mobil sind. Dem folgt, dass diese Gruppe von Menschen, die zwischen den Positionen in der Wirtschaft und der Politik hin und herwechseln, sich ein Beziehungsnetzwerk aufbauen und dadurch gegenseitige Hilfestellung bei der Erlangung verschiedener Ziele leisten können. In Abbildung zwei verdeutlicht sich dieses Verschwimmen von Grenzen anhand der Verformung und Überlappung der Kreise (A) und (B), also der Führung der Partei, mit dem sich außerhalb der Partei befindenden Personenkreis der Lobbyisten (L).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Elliptische Verformung der inneren Zirkel und Überschneidung5

2.2.2 Privatisierung

Die bereits erwähnte Hilfestellung innerhalb der Ellipse manifestiert sich nach Crouch vornehmlich durch das „subcontracting“, also der zeitweise Vergabe von eigentlich indigenen Aufgaben und Funktionen der Partei bzw. des Staates an private Dienstleister und Firmen.

[...]


1 Vgl. Crouch 2008, S. 91.

2 Eigene Darstellung in Anlehnung an Crouch (2008) S.91.

3 Crouch 2008, S.93, Hervorhebungen A.W. Dies bedingt nach Crouch eine Anpassung des Modells dahingehend, dass die inneren Zirkel

4 „Lobbyisten“ bezeichnet die Mitglieder von Vereinigungen (auch: Lobby, Pressure Groups, Interessengruppe, Verband), die auf politische Entscheidungsprozesse Einfluss auszuüben versuchen, um sich auf diese Weise Vorteile einzuräumen. Vgl. dazu Daumann 1999, S. 9.

5 Eigene Darstellung in Anlehnung an Crouch (2008) S.91.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Postdemokratische Symptome der politischen Elite in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V180500
ISBN (eBook)
9783656033448
ISBN (Buch)
9783656033714
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
postdemokratische, symptome, elite, bundesrepublik, deutschland
Arbeit zitieren
Andreas Weiß (Autor), 2011, Postdemokratische Symptome der politischen Elite in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180500

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