Diesen Hoffnungsschimmer verdankt sie (Maria Stuart) im Wesentlichen zwei Figuren: Mortimer und Lord Leicester; wobei anzumerken ist, dass es sich bei Mortimer um eine fiktive Figur handelt. Beide haben die Absicht Maria zu befreien. Ob ihre Intentionen und ihre Formen der Umsetzung jedoch wirklich übereinstimmen, soll im Folgenden untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Maria Stuart als Trauerspiel
2. Hauptteil
2.1 Die dramaturgische Bedeutung
2.2 Die grundsätzlichen Intentionen
3. Resümee
3.1 Lord Leicester und Mortimer als Rivalen?
3.2 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die dramaturgische Funktion und die gegensätzlichen Handlungsstrategien von Lord Leicester und Mortimer in Friedrich Schillers „Maria Stuart“. Ziel ist es, anhand der Interpretationsansätze von Reinhard Leipert zu analysieren, ob die beiden Figuren als Kontrastfiguren fungieren und welche Weltanschauungen hinter ihren unterschiedlichen Rettungsversuchen für Maria Stuart stehen.
- Analyse von Lord Leicester und Mortimer als dramaturgische Mittel zur Konfliktverschärfung.
- Untersuchung der Handlungsweisen „Gewalt“ (Mortimer) und „List“ (Leicester).
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des „entfremdeten Utilitarismus“.
- Kontrastierung der emotionalen Besessenheit mit dem höfischen Machtstreben.
- Bewertung der Entwicklungstendenzen und des Scheiterns beider Figuren.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die grundsätzlichen Intentionen
„Umsonst! Mich rettet nicht Gewalt, nicht List.“12. Diese Aussage Marias im ersten Aufzug kann fast schon als Prophezeiung der sich anschließenden Ereignisse betrachtet werden. In diesem prägnanten Ausruf charakterisiert sie die Vorgehensweisen ihrer möglichen Retter genau, weist aber zeitgleich auch auf deren Scheitern hin. Trotzdem stellt sich die Frage welche grundsätzlichen Ansichten hinter den beiden Mitteln, Gewalt und List, stehen. Zunächst bedarf es jedoch einer Zuordnung der Begriff zu den Figuren.
Wie im Vorfeld bereits angedeutet lässt sich bei Mortimer eine Intensivierung der emotionalen Bindung zu Maria feststellen. Diese, in dem Zusammenhang bereits angesprochene, Besessenheit von Maria findet im dritten Aufzug ihren Höhepunkt13. Selbst in der, von ihm angestrebten, Liebesbeziehung ist er bereit sich der Gewalt als Aneignungsmittel zu bedienen. Bezüglich ihrer Rettung wird schon früher deutlich, dass Mortimer eine gewaltsame Befreiung anstrebt14. Insgesamt scheint sein Charakter für solch radikale Ansätze anfällig zu sein. Auch die Schilderung seiner Erlebnisse in Europa, vor allem im Bezug auf den katholischen Glauben und der „Künste Macht“15 ist ein Indiz für seine extremen emotionalen Ausprägungen. Leipert fasst diese Tendenzen wie folgt zusammen: „Verzichtet Leicester um der Macht willen auf eine humane Existenz, so läßt Mortimer, um der Leidenschaft willen, sich zu inhumanem Verhalten verleiten.“16. Die Intention Mortimers lässt sich somit relativ simpel fassen. Er ist geleitet von seiner emotionalen Besessenheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet Friedrich Schillers „Maria Stuart“ in der Weimarer Klassik und analysiert die Konzeption des Dramas anhand der aristotelischen Lehre der drei Einheiten sowie der Ständeklausel.
1.1 Maria Stuart als Trauerspiel: Dieser Abschnitt erläutert die Wahl der Gattung des Trauerspiels, insbesondere im Hinblick auf die Fallhöhe der Hauptfigur und das Motiv der „schuldlosen Schuld“.
2. Hauptteil: Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der zwei zentralen männlichen Figuren, Mortimer und Lord Leicester, und deren Funktion als dramaturgische Mittel zur Verschärfung des Konflikts.
2.1 Die dramaturgische Bedeutung: Hier wird die Rolle von Mortimer und Lord Leicester als potenzielle Retter Marias untersucht, wobei deren emotionale Entwicklung und die jeweilige Motivation hinter ihrem Handeln beleuchtet werden.
2.2 Die grundsätzlichen Intentionen: Dieser Teil kontrastiert die Strategien der „Gewalt“ (Mortimer) und der „List“ (Leicester) und setzt diese in Bezug zu ihren jeweiligen Weltanschauungen.
3. Resümee: Das Resümee führt die Ergebnisse zur Rivalität der Figuren zusammen und reflektiert deren abschließendes Scheitern im Stück.
3.1 Lord Leicester und Mortimer als Rivalen?: Dieser Abschnitt hinterfragt die These einer reinen Rivalität und zeigt auf, dass sich die Beziehung der Figuren im Verlauf des Dramas dynamisch verändert.
3.2 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Rolle beider Figuren als beispielhafte Vertreter entgegengesetzter innerer Triebe und Weltbilder.
Schlüsselwörter
Maria Stuart, Friedrich Schiller, Weimarer Klassik, Trauerspiel, Lord Leicester, Mortimer, Kontrastfiguren, dramaturgische Bedeutung, entfremdeter Utilitarismus, Gewalt, List, Fallhöhe, Schuld, Rivalität, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die dramaturgischen Funktionen und die charakterlichen Gegensätze der Figuren Lord Leicester und Mortimer in Friedrich Schillers Drama „Maria Stuart“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Macht, Leidenschaft, moralischer Verfehlung, die Gattung des Trauerspiels sowie die gegensätzlichen Handlungsweisen der Protagonisten.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Lord Leicester und Mortimer als bewusste Kontrastfiguren fungieren und welche spezifischen Weltanschauungen ihre jeweiligen Rettungsversuche leiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?
Der Verfasser nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sich primär auf den Interpretationsansatz von Reinhard Leipert stützt und diesen kritisch hinterfragt.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die dramaturgische Bedeutung der beiden Figuren für den Konflikt zwischen Maria und Elisabeth sowie die Intentionen hinter den gewählten Mitteln „Gewalt“ und „List“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Kontrastfiguren“, „entfremdeter Utilitarismus“, „dramaturgische Funktion“ und „emotionale Besessenheit“ geprägt.
Wie unterscheidet sich Mortimers Ansatz von dem Lord Leicesters?
Mortimer handelt als leidenschaftlich Getriebener, dessen Verhalten an Besessenheit grenzt und der auf gewaltsame Befreiung setzt, während Lord Leicester dem „entfremdeten Utilitarismus“ folgt und durch List sowie machtpolitische Kalkulation agiert.
Welche Rolle spielt der „entfremdete Utilitarismus“ in der Argumentation?
Der Begriff dient dazu, Lord Leicesters Unterordnung seiner privaten Gefühle unter das Streben nach Machterhalt und seine Anpassungsfähigkeit an höfische Zwänge zu klassifizieren.
Warum endet die Arbeit mit einer Differenzierung der beiden Figuren?
Die Differenzierung verdeutlicht, dass beide zwar das gleiche Ziel (die Rettung Marias) verfolgen, aufgrund ihrer unterschiedlichen Geisteshaltungen jedoch verschiedene Wege wählen, die schließlich beide in ein tragisches Scheitern münden.
- Quote paper
- Lukas Kroll (Author), 2009, Lord Leicester und Mortimer als Kontrastfiguren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180529