Reflexionen über die Existenz des Teufels nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil


Seminararbeit, 2008

11 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Die „Rede vom Teufel“ gerechtfertigt an eigenen Erfahrungen

Der Teufel – noch personal existent im Volk Gottes?

Abschied vom Teufel – Historisch kritische Untersuchungen Haags

Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Die Welt zeigt sich im Lichte zahlreicher Kontraste. Schwarz-Weiß, Tag-Nacht, Gut-Böse. Gerade das letzte Begriffspaar beschäftigt die Theologie seit der Zeit Ihrer Entstehung. Das Alte Testament kennt - genauso wie das Neue Testament – das Böse, die Sünde, die Verdammnis.

Die Erfahrung des Bösen zwingt den religiös geprägten Menschen seit Urzeiten den Grund dafür zu suchen. Erzählt Jesus uns im Neuen Testament von einem gütigen, liebenden Gott, so ist mit diesem auf den ersten Blick das in der Welt existente Böse nicht in Einklang zu bringen, genauso wenig wie die Kreuzigung des Herrn selbst, die ebenfalls als Akt des Bösen gesehen werden kann. Wie schließlich, so könnte man fragen, kann ein dem Menschen wohl gesonnener, väterlicher Schöpfergott seinen Söhnen und Töchtern Böses antun oder dieses zulassen?

So ist es nur eine logische Konsequenz dieser Gedanken, dass Gott einen Kontrahenten, einen Feind, einen Gegenspieler haben muss. In der christlichen Theologie wird dieser bald mit dem Namen „Satan“ oder „Teufel“[1] bezeichnet werden.

Ob die Frucht dieser Überlegungen aus heutiger theologischer Sicht tragbar ist, wird die vorliegende Hausarbeit, die den Titel „Reflexionen über die Existenz des Teufels nach dem II. Vatikanischen Konzil“ trägt, zu beantworten versuchen. Insbesondere nach der Liturgiereform des letzten Konzils hat sich die Rede vom Teufel[2] stark verändert oder gänzlich aufgelöst. War vor dem Konzil in jeder Stillmesse der Erzengel Michael gebeten worden, die Gläubigen im Kampfe gegen den Teufel zu verteidigen[3] und war die Taufwasserweihe vormals auch von einem Ritus der Dämonenabwehr beherrscht, so wurden aus den nachkonziliaren Messformularen die meisten Anklänge dieser Art entfernt.[4] Ebenfalls vermisst man in diversen Lexika jüngeren DatumsEinträge zum Teufel oder Satan und muss zur Kenntnis nehmen, dass sich in der öffentlichen Diskussion selbst namhafte Theologen wie der in Tübingen in Fundamentaltheologie promovierte, heutige Rottenburger Bischof, Gebhard Fürst, dem Thema scheinbar verschließen.[5]

Die Hausarbeit wird im Vergleich der Werke „Abschied vom Teufel“ des bereits verstorbenen Tübinger Theologen Herbert Haag, sowie „Kein Abschied vom Teufel“ der in Fulda lehrenden Theologin Ute Leimgruber, sowie im Lichte eigener Überlegungen, den Versuch einer Antwort aufzeigen, ob der seit dem II. Vatikanischen Konzil angeklungene „Abschied vom Teufel“ theologisch gerechtfertigt werden kann.

Die „Rede vom Teufel“ gerechtfertigt an eigenen Erfahrungen

Ute Leimgruber untersucht in ihrer Dissertation „Kein Abschied vom Teufel“ unter der Wahl empirischer Mittel die Rede vom Teufel im Volk Gottes.

Hier ist bereits eine wichtige Unterscheidung zu treffen. Ob der Teufel tatsächlich existiert oder nicht, kann – da es sich um eine Frage des Glaubens handelt – nie absolut geklärt werden. Wohl aber kann die Frage gestellt werden, inwiefern die „Rede vom Teufel“ einen Sinn hat.[6]

Ein vermeintlich unwissenschaftlicher Blick auf die eigene Erfahrungswelt sei erlaubt: Hier ist zu verzeichnen, dass wohl jeder normal konstituierte Mensch das Böse verneinen und das Gute wählen wird. Dennoch kennt auch der von Grund auf „gute“ Mensch das Gefühl der „Verführung“. Das Böse scheint sich in den Kopf einzuschleichen, im harmlosesten Fall zu einer Lüge oder einer Entscheidung zum eigenen Vorteil, unter Inkaufnahme des Nachteils des Anderen, zu verführen. Will man doch eigentlich niemandem etwas Böses, scheint man vom Bösen – so sehr man versuchen kann dagegen anzukämpfen – manchmal geradezu überfallen, befallen oder besessen.

Dass der christlich orientierte Mensch darauf eine Antwort zu finden sucht und somit das Bild des Teufels, der den Menschen besetzt und in seinen Bann zieht wählt, kann nachvollzogen werden. Das Böse wird personifiziert, der Teufel nimmt Gestalt an, um die „Rede vom Teufel“, das Böse, die Sünde, anschaulicher zu machen.[7]

Der Teufel – noch personal existent im Volk Gottes?

Dennoch scheint nicht allein die bloße Rede vom Teufel im Sinne einer Personifizierung des Bösen eine Rolle in den christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften zu spielen. Selbst in religiösen Gruppen, die am Rande der katholischen Kirche stehen, sowie insbesondere in evangelikalen Freikirchen ist eine „Renaissance des Teufels“ zu beobachten.[8] „Der Teufel, der ‚Fürst dieser Welt’, ist ein personales Geistweisen, der über die Mächte und Gewalten der Finsternis herrscht“, beschreibt Leimgruber die Haltung dieser christlichen Vereinigungen gegenüber dem Teufel.[9] Den christlichen Großkirchen wird von Seiten dieser Randgruppierungen sogar die Schuld für das Böse in derWelt zugeschrieben,sei doch der Verzichtauf das Gebet um Befreiung, wienach dem zweiten Vatikanischen Konzil mit der Abkehr vom Messformular der „Stillmesse“ geschehen[10], der eigentliche Grund, weshalb der Teufel walten könne, wie er wolle.[11]

Auch Ute Leimgruber lässt keinen Zweifel daran, dass der Abschied vom Teufel in der Gestalt des Angst verursachenden, in „menschenverachtende Drohpastoral“[12] involvierten, „jedes schwarze Schaf mit Vergnügen in seine ewigen Höllenabgründe“[13] führenden Antagonisten Gottes unbedingt nötig wäre und ist sich hier einig mit der Position Herbert Haags, die im Laufe dieser Arbeit noch genauer untersucht werden soll. Wohl aber weist Leimgruber ebenso darauf hin, dass der Teufel nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, obgleich aus diversen Messformularen verschwunden, nach wie vor in katholischen Lehrbüchern äußerst präsent ist. So wird zum Beispiel der vom heutigen Papst und damaligen Kurienkardinal Joseph Ratzinger verfasste und von Papst Johannes Paul II. aufs Äußerste gelobte Katechismus der Katholischen Kirche von 1992 angeführt. Selbiger beinhaltet eine klare Lehrmeinung - die jeder nachkonziliaren Zurückhaltung gegenüber dem Thema Teufel entbehrt – die den Teufel klar als gefallenen Engel personell präsent auf der Erde verkündet[14]. Ebenso weist Leimgruber mit Hilfe diverser Interviews auf die Stimmung im Volke Gottes hin, in welcher – zwar unterschiedlich konnotiert, je nach Bildungsstand, Beruf und Prägung - die Verankerung der Rede vom Teufel oder gar seiner personellen Präsenz deutlich wird.[15] Sieht man also die Gemeinschaft der Glaubenden als locus theologicus[16] an, als „Ort“ aus welchem theologische Bezeugungskraft hervorgeht – und sieht man die wichtige Rolle der Tradition im katholischen Glauben – so muss dieser Rede vom Teufel im Volk Gottes großes Gewicht beigemessen werden. Umso verständlicher also auch die Kritik Leimgrubers, dass es eben falsch ist, wenn in der Verkündigung der Teufel keine Rolle mehr spielt. Die Kirche verliert an Glaubwürdigkeit, wenn sie in Ihrer Verkündigung nicht die Bedürfnisse der Glaubenden hinsichtlich ihrer theologischen Fragen und Auffassungen ernst nimmt und berücksichtigt.[17]

Abschied vom Teufel – historisch-kritische Untersuchungen Haags

Der ehemalige Tübinger Theologieprofessor Herbert Haag wählt für seine Argumentation für den Abschied vom Teufel einen anderen Ansatz. Haag bedient sich stark der historisch-kritischen Analyse der Bibelstellen, in denen vom Teufel die Rede ist. Dabei weist er auf, dass es semantisch betrachtet den Begriff Teufel in der Bibel nicht braucht. Vielmehr könne man an jeder fraglichen Stelle das Wort Teufel schlicht durch „das Böse“ oder „die Sünde“ ersetzen.[18] Die Neigung wiederum Böses zu tun, sieht Haag als zutiefst menschliche Eigenschaft, die Frucht der Freiheit des Menschen ist. Der Mensch sei vielmehr vor sich selbst nicht sicher, wie die Geschichte von Adam und Eva aufzeige. Adam sei logischerweise nicht als der erste Mensch zu verstehen, sondern als eine Art „pars pro toto“, wie der Mensch eben sündig konstitutiert sei.[19] Das Böse in der Welt sei also etwas zutiefst menschliches. Selbst in der Bibel werde nicht dem Teufel dafür die Schuld gegeben, sondern der Sünde.[20] Der Mensch selbst – aus dem Alltagsleben heraus nachvollziehbar – sucht für seine Sünden aber stets einen Mitschuldigen, um nicht selbst die volle Verantwortung übernehmen zu müssen. Die Mitschuld wird somit quasi in die Figur des Teufels, des Verführers, projiziert.[21]

[...]


[1] Ich halte es wie im Neuen Testament und verwende die Worte „Satan“ und „Teufel“ wie Synonyme. Wohl wissend aber, dass bei genauer semantischer Untersuchung dem hebräischen Wort „Satan“ eher die Bedeutung „Feind“ und „Widersacher“ im profanen Sinn zukommt, ebenso wie mit „Satan“ auch der Ankläger beim jüngsten Gericht gemeint ist, welcher die Sünden des Angeklagten in die Wagschale wirft. „Teufel“ hingegen, vom griechischen „diábolos“ kommend, heißt klassisch-griechisch übersetzt „Verleumder“. Es kann schlicht als ein „Exponent des Bösen“ verstanden werden. Vgl. EICHER, Neues Handbuch Theologischer Grundbegriffe, S.262 sowie HAAG, Herbert, Abschied vom Teufel, Benziger, Zürich, 1990, S. 45 und S. 61

[2] Zum Begriff „Rede vom Teufel“ siehe auch nächstes Kapitel

[3] HAAG, Abschied vom Teufel, S. 13

[4] Vgl. HAAG, Abschied vom Teufel, S. 13 und S. 9

[5] Wie beim Versuch eines Interviews über dieses Thema im Rahmen der Arbeit für katholikentag.de durch den Verfasser geschehen.

[6] Vgl. LEIMGRUBER, Ute, Kein Abschied vom Teufel, LIT, Münster, 2004 S. 27 und S. 28

[7] Vgl. LEIMGRUBER, Kein Abschied vom Teufel, S.28 und HAAG, Abschied vom Teufel, S.62

[8] Vgl. LEIMGRUBER, Kein Abschied vom Teufel, S.15 und 16

[9] ebd.

[10] Vgl. HAAG, Abschied vom Teufel, S.9

[11] Vgl. LEIMGRUBER, Kein Abschied vom Teufel, S. 15 und 16

[12] LEIMBGRUBER, Kein Abschied vom Teufel, S.335

[13] ebd.

[14] Vgl. LEIMGRUBER, Kein Abschied vom Teufel, S.89

[15] Vgl. LEIMGRUBER, Kein Abschied vom Teufel, S. 137 - 289

[16] Vgl. HÜHNERMANN, Peter, Neue Loci Theologici – Ein Beitrag zur methodischen Erneuerung der Theologie in: DENZINGER, Heinrich, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Herder, Freiburg, Basel, Rom, Wien, 2001, S.3

[17] Vgl. LEIMGRUBER, Kein Abschied vom Teufel, S. 297 und 298

[18] Vgl. HAAG, Abschied vom Teufel, S. 67

[19] Vgl. HAAG, Abschied vom Teufel, S.12, S.36, S.17, S.40

[20] Vgl HAAG; Abschied vom Teufel, S.28

[21] Vgl. HAAG, Abschied vom Teufel, S.41

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Reflexionen über die Existenz des Teufels nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Katholische Theologie)
Note
2,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V180997
ISBN (eBook)
9783656037385
ISBN (Buch)
9783656037835
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reflexionen, existenz, teufels, zweiten, vatikanischen, konzil
Arbeit zitieren
Marc Weyrich (Autor), 2008, Reflexionen über die Existenz des Teufels nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180997

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