Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 3
1. Verbreitung des Islam 4
1.1 Vorislamische Praktiken 5
2. Vorstellungen zu Hexerei in afrikansichen Gesellschaften 7
2.1 „soul-eating“ bei den Hausa in Niger 8
2.2 Hexereivorstellung bei den Mayotte 9
2.3 Vergleich Mayotte-Hausa 10
3. Geisterbesessenheit 11
3.1 Beziehung zwischen Wirt und Geist 13
3.2 Geisterbesessenheit und Islam 15
3.3 Beispiel: bori-Kult 16
3.3.1 Blitzeinschläge 18
3.3.2 Dodo-Geister 19
3.4 Zar-Kult 20
3.5 Vergleich bori- und zar-Kult 21
4. Konklusion 22
Literaturverzeichnis 24
Einleitung
Vorstellungen zu Hexerei und Geisterbesessenheit sind heute noch in vielen Gesellschaften verbreitet und sind durch den Einfluss der Weltreligionen in den jeweiligen Gebieten nicht verschwunden, sondern haben sich laufend verändert und sich neu angepasst. Der Synkretismus, welcher zwischen einer dieser Weltreligionen, dem Islam, und den verschiedenen afrikanischen Religionen stattgefunden hat, soll die Grundlage meiner Arbeit bilden, und ich möchte aufzeigen, dass dieser sehr unterschiedlich verlaufen ist und man deshalb nicht von „dem Islam“ in Afrika sprechen kann.
Hexerei und Geisterbesessenheit können unter dem Begriff okkulte Ökonomien zusammengefasst werden, welcher von John and Jean Comaroff (1999) geprägt wurde. Er verweist auf die Einsetzung von magischen, okkulten Praktiken für materielle Zwecke. Es ist schwierig den Begriff inhaltlich zu definieren, da er je nach Kontext verschieden ist. Okkulte Ökonomien beruhen auf einheimischen Vorstellungen und stellen eine Vermischung aus Tradition und neuen Einflüssen dar. Sie sind langlebig, aber verändern sich immer wieder. Die sozialen, politischen, ökonomischen und rituellen Ungleichheiten, welche sich durch die unterschiedlichen Machtverhältnisse in den letzten Jahrzehnten ereignet haben, habe dazu geführt, dass die okkulten Ökonomien nicht an Bedeutung verloren und sich laufend verändert haben (Geschiere 2006).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Verbreitung des Islam
1.1 Vorislamische Praktiken
2. Vorstellungen zu Hexerei in afrikansichen Gesellschaften
2.1 „soul-eating“ bei den Hausa in Niger
2.2 Hexereivorstellung bei den Mayotte
2.3 Vergleich Mayotte-Hausa
3. Geisterbesessenheit
3.1 Beziehung zwischen Wirt und Geist
3.2 Geisterbesessenheit und Islam
3.3 Beispiel: bori-Kult
3.3.1 Blitzeinschläge
3.3.2 Dodo-Geister
3.4 Zar-Kult
3.5 Vergleich bori- und zar-Kult
4. Konklusion
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltende Bedeutung okkulter Praktiken, insbesondere Hexerei und Geisterbesessenheit, in muslimisch geprägten Gesellschaften Afrikas. Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Phänomene durch den Synkretismus mit dem Islam sowie durch soziale und ökonomische Wandlungsprozesse neu interpretiert werden und welche Rolle sie als Ausdruck von Machtverhältnissen und gesellschaftlichem Widerstand spielen.
- Synkretismus zwischen Islam und traditionellen afrikanischen Religionen
- Analyse von Hexereivorstellungen („soul-eating“ und lokale Hexereikonzepte)
- Vergleichende Untersuchung verschiedener Geisterbesessenheitskulte (bori- und zar-Kult)
- Die Rolle der Gender-Perspektive bei der Ausübung okkulter Praktiken
- Okkulte Ökonomien als Reaktion auf Kapitalismus und soziale Ungleichheit
Auszug aus dem Buch
3.1 Beziehung zwischen Wirt und Geist
Die Beziehungen zwischen dem Geist und der besessen Person können von ganz unterschiedlicher Bedeutung sein, und es liegen verschieden Gründe für eine Besessenheit vor. Bourguignon (2005:379) unterscheidet drei Arten von Beziehungen zwischen dem Geist und seinem Wirt. So kann er einerseits „Dienst und Schutz“ Beziehungen eingehen, wo die Wirtin einen Dienst erweist und dafür Schutz vom Geist bekommt. Es kann als Zweites eine „Besänftigung und Allianz“ -Beziehungen geben, wo die Wirtin an einer Krankheit oder an Belästigungen leidet, die von einem Geist verursacht worden sind. Sie wird jedoch geheilt, sobald sie die Forderungen und Ansprüche des Geistes eingeht und erhält Schutz von ihm. Die dritte Gruppe wird als „Schaden und Exorzismus“-Beziehung definiert.
Hier finden Besessenheiten von bösen Geistern statt, welche einem Individuum Schaden zufügen möchten und nur durch Spezialisten wieder ausgetrieben werden können. Diese grobe Unterteilung, in die drei Gruppen, lässt sich nicht exakt auf jede Gesellschaft übertragen, sondern kann je nach soziokulturellem Kontext ihre eigenen charakteristischen Eigenschaften aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der okkulten Ökonomien und deren Fortbestand trotz islamischer Einflüsse sowie Darlegung der Forschungsabsicht.
1. Verbreitung des Islam: Untersuchung der historischen und regionalen Variabilität des Islams in Afrika und Einordnung vorislamischer Praktiken.
2. Vorstellungen zu Hexerei in afrikansichen Gesellschaften: Analyse von Hexerei als soziale Kritik und Machtausdruck anhand der Beispiele „soul-eating“ bei den Hausa und Hexereivorstellungen bei den Mayotte.
3. Geisterbesessenheit: Theoretische Auseinandersetzung mit Trancezuständen, Identität und den spezifischen Kulten wie bori und zar, inklusive der Beziehung zwischen Wirt, Geist und Islam.
4. Konklusion: Synthese der Ergebnisse, wonach okkulte Praktiken widerstandsfähige, sich anpassende Instrumente innerhalb sich wandelnder gesellschaftlicher Machtstrukturen darstellen.
Schlüsselwörter
Okkulte Ökonomien, Hexerei, Geisterbesessenheit, Islam, Synkretismus, bori-Kult, zar-Kult, Hausa, Mayotte, Identität, Machtverhältnisse, Gender, Kapitalismus, Tradition, Widerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser ethnologischen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie Vorstellungen von Hexerei und Geisterbesessenheit in afrikanischen Gesellschaften mit muslimischer Prägung fortbestehen und sich im Kontext von sozialem und religiösem Wandel anpassen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte der „okkulten Ökonomien“, das Verhältnis zwischen islamischer Kosmologie und lokaler Besessenheitspraxis sowie die soziokulturelle Funktion dieser Praktiken für die Betroffenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, dass okkulte Praktiken keine rückständigen Überbleibsel sind, sondern aktive, sich wandelnde Mechanismen darstellen, um auf soziale Ungleichheit und politische Machtstrukturen zu reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer ethnologischen Literaturanalyse, in der Fallbeispiele (Hausa, Mayotte, bori-Kult, zar-Kult) vergleichend gegenübergestellt und theoretisch eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Islamisierung, spezifische Fallstudien zu Hexerei sowie eine detaillierte Analyse der Geisterbesessenheit und ihrer verschiedenen Beziehungsmodelle zwischen Wirt und Geist.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Okkulte Ökonomien, Synkretismus, Geisterbesessenheit, Identität, Macht und soziale Differenzierung.
Welche Rolle spielt der Islam in Bezug auf Geisterbesessenheit?
Der Islam bietet eine offizielle religiöse Ordnung, während Geisterbesessenheit einen komplementären Raum für individuelle Bewältigungsstrategien bietet, die oft im Widerspruch oder als Ergänzung zum islamischen Glauben stehen.
Warum sind primär Frauen von Geisterbesessenheit betroffen?
Die Autorin diskutiert dies unter anderem als Ausdruck von Geschlechterverhältnissen und als Möglichkeit für Frauen, Autorität in Bereichen zu erlangen, die traditionell männlich dominiert sind.
Wie unterscheiden sich bori-Kult und zar-Kult?
Der bori-Kult ist stark im ländlichen Niger verwurzelt und dient oft als Antwort auf soziale Benachteiligung, während der zar-Kult eher ein urbanes Phänomen bei wohlhabenderen Frauen darstellt, um interpersonelle Netzwerke zu pflegen.
Warum wird Hexerei in der untersuchten Literatur so selten behandelt?
Die Autorin stellt fest, dass Hexerei im Vergleich zur Geisterbesessenheit oft als moralisch illegitim gilt und daher heimlich stattfindet, was die ethnologische Datenerhebung und theoretische Behandlung erschwert.
- Citar trabajo
- Nadja Schloss (Autor), 2007, Okkulte Ökonomien im muslimischen Afrika, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181094