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Ein Europa ohne öffentliche Meinung? Zur Entstehung und Bedeutung einer europäischen Öffentlichkeit

Título: Ein Europa ohne öffentliche Meinung? Zur Entstehung und Bedeutung einer europäischen Öffentlichkeit

Trabajo , 2000 , 22 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Daniela Schroeder (Autor)

Medios / Comunicación - Medios y política, comunicaciones políticas
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Ein altbekanntes Lied: ,,Europa hat keine öffentliche Meinung" (Schmid 1996); es herrscht ,,Mangel an einer europäischen Öffentlichkeit" (Lepsius 1991: 266). Auf ökonomischer und politischer Ebene sei der Integrationsprozess weit fortgeschritten, jedoch fehle eine öffentliche Meinung dazu (vgl. Sievert 1998: 20). Ansichten zum Thema Europa sind in erster Linie vom nationalen Standpunkt geprägt. Die Mehrheit der Bürger denkt kaum in europäischen Dimensionen; Politiker argumentieren erst allmählich europäisch. Der Integrationsprozess leidet definitiv unter einem Öffentlichkeits- und Demokratiedefizit. Eine europäische Öffentlichkeit existiert nur in Ansätzen: ,,Während der ökonomische und politische Integrationsprozess weit fortgeschritten ist, hinkt die Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit dieser Entwicklung weit hinterher." (Gerhards 1993: 96).

In der vorliegenden Arbeit werden zwei mögliche Öffentlichkeitsmodelle für den Kommunikationsraum Europa diskutiert. Es wird versucht neben den jeweiligen Problemen, die der Realisierung der Modelle im Weg stehen, als auch mögliche Chancen ihrer Entstehung darzustellen. Damit soll ein Überblick auf das Thema geboten werden, der die wichtigsten Aspekte anreisst, aufgrund der Rahmenbedingungen dieser Arbeit jedoch nicht detailliert analysiert. Wenn nicht explizit erwähnt, beziehen sich alle Angaben und dargestellten Meinungen auf die Situation in Deutschland.

Zentrales Problem des vielzitierten Öffentlichkeitsdefizits ist, dass eine europäische Öffentlichkeit Voraussetzung für eine europäische Identität und damit eine europäische Staatlichkeit zu sein scheint, in welcher Form auch immer diese realisiert werden kann. Abschliessend soll daher als Weiterentwicklung der Ausgangsfrage nach den Entstehungsbedingungen einer europäischen Öffentlichkeit ihre Bedeutung bei der Bildung einer gemeinsamen Identität der Europäer skizziert werden, um dann die Frage aufzunehmen, in welcher politischen Organisationsform ein geeintes Europa angesichts fehlender europäischer Öffentlichkeit und Identität gegenwärtig überhaupt verwirklicht werden kann.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Zum Konzept der Öffentlichkeit

2.1. Öffentlichkeit und öffentliche Meinung: Definitionen und Funktionen

2.2. Die Rolle der Massenmedien bei der Entstehung von öffentlicher Meinung

3. Das Modell einer einheitlichen europäischen Öffentlichkeit

3.1. Schwierigkeiten bei der Entstehung einer einheitlichen europäischen Öffentlichkeit

3.1.1. Die nationalstaatlich orientierte Organisation der Medien

3.1.2. Unterschiedliche Definitionen der Journalisten-Rolle

3.2. Chancen der Entwicklung einer einheitlichen europäischen Öffentlichkeit

4. Das Modell einer Europäisierung der nationalen Öffentlichkeiten

4.1. Schwierigkeiten bei einer Europäisierung der nationalen Öffentlichkeiten

4.1.1. Die nationale Perspektive in der Berichterstattung

4.1.2. Die Struktur der EU-Institutionen

4.2. Chancen einer Europäisierung der nationalen Öffentlichkeiten

4.2.1. Reform der EU-Institutionen

4.2.2. Verbesserung der EU-Öffentlichkeitsarbeit

4.2.3. Verankerung von EU-Themen in lokalen Medien

4.2.4. Europäisierung der journalistischen Ausbildung

5. Auf dem Weg zu einer europäischen Identität?

6. Eine politische Organisationsform für Europa

7. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht das sogenannte Öffentlichkeitsdefizit der Europäischen Union und analysiert, inwieweit die Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit eine Voraussetzung für eine europäische Identität und Staatlichkeit darstellt. Dabei werden zwei theoretische Modelle – eine einheitliche europäische Öffentlichkeit versus eine Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten – auf ihre Hindernisse und Chancen hin geprüft.

  • Analyse des Begriffs der Öffentlichkeit und der Rolle der Massenmedien.
  • Untersuchung von Barrieren bei der Etablierung eines einheitlichen europäischen Mediensystems.
  • Diskussion der Europäisierung nationaler Medien durch Institutionenreformen und Korrespondentenarbeit.
  • Verbindung von europäischer Öffentlichkeit mit der Bildung einer gemeinsamen europäischen Identität.
  • Reflektion über zukünftige politische Organisationsformen für ein geeintes Europa.

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Unterschiedliche Definitionen der Journalisten-Rolle

Um eine einheitliche europäische Öffentlichkeit, d.h. ein eigenständiges europäisches Mediensystem schaffen zu können, bedarf es auch eines transnationalen Konsens darüber, welche Aufgaben der Journalismus innerhalb der Gesellschaft erfüllen soll. Zudem ist jedes Journalismus-System „nationalstaatlich rückgekoppelt“ (Sievert 1998: 20). Das Thema Europa wird daher unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet.

Darüber hinaus gilt, dass die Rolle des Journalisten in den europäischen Ländern verschieden definiert wird. Das Selbstverständnis der Medienakteure ist denn auch von Land zu Land anders. In England und Deutschland fühlen sich Journalisten eher der Tradition des investigativen Journalismus verpflichtet. Besonders in Deutschland werden die Medien als vierte Gewalt im Staat gesehen. Die Medien haben eine Kontrollfunktion gegenüber dem Staat inne. Unabhängigkeit und Überparteilichkeit lauten die offiziellen Leitlinien. Auch die englischen Journalisten sehen sich als „watchdog“ gegenüber dem Staat, obwohl sie finanziell noch nie unabhängig von ihm gewesen sind.

Weder Kontrolle des Staates noch Unabhängigkeit von ihm prägen dagegen den italienischen Journalismus. Und in Frankreich bestand schon immer eine enge Verflechtung von Politik und Medien. Diese werden sogar als traditionell politisches Gut betrachtet. Statt investigativem Journalismus setzen die Franzosen auf Analyse, Kommentar und Chronik der Ereignisse. Die Gründe für die Verschiedenartigkeit der europäischen Journalismussysteme sind sicher in der Geschichte der Staaten und damit verbunden in den jeweiligen herrschenden und vergangenen Staatsformen der einzelnen Länder festzumachen. Auch der Blick auf die journalistischen Ausbildungswege in Europa zeugt bereits von der unterschiedlichen Interpretation der Berufsaufgaben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Es wird die Problemstellung des sogenannten Öffentlichkeitsdefizits der EU skizziert und der methodische Rahmen für die Analyse zweier Öffentlichkeitsmodelle gesteckt.

2. Zum Konzept der Öffentlichkeit: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen politischer Öffentlichkeit sowie die zentrale Rolle der Massenmedien bei der Konstitution öffentlicher Meinung.

3. Das Modell einer einheitlichen europäischen Öffentlichkeit: Es werden die Schwierigkeiten durch nationale Medienstrukturen und unterschiedliche Journalisten-Rollen aufgezeigt, die eine einheitliche europäische Öffentlichkeit erschweren.

4. Das Modell einer Europäisierung der nationalen Öffentlichkeiten: Das Kapitel analysiert die Möglichkeiten, EU-Themen durch Reformen der Institutionen, eine stärkere EU-Öffentlichkeitsarbeit und eine europäisch ausgerichtete Journalisten-Ausbildung in den nationalen Räumen zu verankern.

5. Auf dem Weg zu einer europäischen Identität?: Hier wird die Frage erörtert, ob eine gemeinsame Identität ohne einen geteilten historischen Erfahrungshorizont und trotz nationaler Bindungen überhaupt möglich ist.

6. Eine politische Organisationsform für Europa: Das Kapitel reflektiert, welche komplexen politischen Ordnungsmodelle – jenseits klassischer Nationalstaatskonzepte – für die Zukunft Europas in Betracht kommen.

7. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine Europäisierung der nationalen Öffentlichkeiten realistischer ist und die Zukunft eher in der visionären Gestaltung einer komplexen, neuen Staatlichkeit liegt.

Schlüsselwörter

Europäische Öffentlichkeit, Öffentliches Defizit, Europäische Identität, Europäisierung, Massenmedien, Journalismus, EU-Institutionen, Integration, Politische Kommunikation, Medienberichterstattung, Europäische Union, Demokratiedefizit, Staatsverständnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit und deren Bedeutung für die Entwicklung einer europäischen Identität und staatlicher Strukturen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Mediensysteme in Europa, der Einfluss nationaler Perspektiven auf die Berichterstattung sowie die Rolle der EU-Institutionen bei der politischen Kommunikation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zwei Modelle der Öffentlichkeitsbildung zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit diese die Akzeptanz und Identifikation der europäischen Bürger mit dem Einigungsprozess fördern können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Diskussion und Literaturanalyse, die verschiedene Ansätze zur europäischen Integration und Medienpolitik systematisch aufarbeitet.

Was ist der Kern des Hauptteils?

Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Hindernisse für ein einheitliches europäisches Mediensystem und zeigt Wege auf, wie nationale Öffentlichkeiten durch Reformen stärker auf EU-Themen ausgerichtet werden könnten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Europäische Öffentlichkeit, Demokratiedefizit, Europäisierung, Identitätsbildung und politische Integration.

Warum wird die nationale Perspektive in der Berichterstattung als Hindernis gesehen?

Weil die Medien in den EU-Staaten nach wie vor stark nationalstaatlich orientiert sind und Ereignisse primär aus der Sicht des jeweiligen Heimatlandes interpretieren, statt eine gesamteuropäische Perspektive einzunehmen.

Welche Rolle spielt das "Demokratiedefizit" für die europäische Öffentlichkeit?

Das Demokratiedefizit wirkt abschreckend auf das Publikum, da politische Entscheidungsprozesse in Brüssel oft als intransparent wahrgenommen werden und die Bürger keine direkte Möglichkeit sehen, durch Wahlen einen politischen Wandel in der EU herbeizuführen.

Final del extracto de 22 páginas  - subir

Detalles

Título
Ein Europa ohne öffentliche Meinung? Zur Entstehung und Bedeutung einer europäischen Öffentlichkeit
Universidad
University of Bamberg  (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft)
Curso
Hauptseminar Europäische Öffentlichkeit und europäischer Journalismus
Calificación
1,3
Autor
Daniela Schroeder (Autor)
Año de publicación
2000
Páginas
22
No. de catálogo
V1814
ISBN (Ebook)
9783638111157
Idioma
Alemán
Etiqueta
Medien/Europa/Öffentlichkeit/Berichterstattung
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Daniela Schroeder (Autor), 2000, Ein Europa ohne öffentliche Meinung? Zur Entstehung und Bedeutung einer europäischen Öffentlichkeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1814
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