Herztransplantation - soziale, ethische und rechtliche Diskussion


Seminararbeit, 2011

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Zur Ethik in der Medizin allgemein

2. Historisches

3. Rechtfertigung der Transplantation und seelische Probleme der Beteiligten

4. Herz und Seele

5. Menschenversuch

6. Hirntod - Transplantation als Mord am Spender?

7.0rganhandel

8.Xenotransplantation

Fazit

Literaturverzeichnis

Einführung

Die erste Transplantation eines menschlichen Herzens stellte einen Meilenstein in der Entwicklung der Medizin dar. Und er beschränkte sich nicht nur auf die Medizin, sondern löste vielmehr eine breite öffentliche Diskussion aus, an der eine ganze Reihe von Fachrichtungen beteiligt waren. Diese Diskussion hat bis zum heutigen Tage Bestand, auch wenn sie inhaltliche Veränderungen erfahren hat.

„Die Herztransplantation hat eine einzigartige Stellung unter allen Operationen inne. Bei ihr geht es nicht nur um den Ersatz eines nicht mehr funktionsfähigen Organes, sondern auch um die Konfrontation mit schwer abwägbaren symbolischen und mythologischen Vorstellungen.“1 Zudem ist sie mit einer großen Zahl rechtlicher, ethischer, finanzieller, sozialer und medizinischer Fragen verbunden. Nur wenige Jahre nach der ersten Organtransplantation schrieb Strätz, dass „die grundsätzliche Erlaubtheit solcher Operationen vom Recht her ebensowenig wie von der Ethik her in Zweifel gezogen [wird]“2. Doch ganz so einfach ist es nicht. Es gibt ein großes Spektrum von Problemen und Diskussionspunkten in Bezug auf die Transplantation von Herzen. Die vorliegende Arbeit will einen Überblick über diese geben: welche Fragen wurden und werden im Zusammenhang mit der Herztransplantation diskutiert und wie stellt sich diese Diskussion dar?

Dazu führt das erste Kapitel in die Thematik der Ethik der Medizin im Allgemeinen ein und zeigt deren Besonderheit auf. Anschließend geht es um Herzverpflanzung im Besonderen. Hierbei wird zunächst ein historischer Einblick geboten, der eine Einführung in die ersten Diskussionen zum Thema liefert. Anschließend werden einige Punkte im Einzelnen herausgegriffen und vorgestellt. Hierbei kann jeweils nur ein Überblick über die Diskussionen geboten werden, da diese komplex und schwierig sind. Trotzdem wurden möglichst viele Punkte berücksichtigt, um einen breiten Eindruck der Thematik zu vermitteln.

Aufgrund ihrer oben angeführten Sonderstellung gibt es anhaltende, interdisziplinäre und kontroverse Diskussionen um die Herztransplantation. Demzufolge tauchen immer wieder neue rechtliche, ethische, medizinische und soziale Fragen auf, deren endgültige Beantwortung kaum möglich ist. Die vorliegende Arbeit führt immer wieder auf diese Fragen zurück und zeigt auf, welche Argumente existieren.

1. Zur Ethik in der Medizin allgemein

Ethik in der Medizin ist ein schwieriges Thema. Warum ist das so?

Ethisches und technisches Handeln fließen in die Ethik der Medizin ein. Dieser Zusammenhang verleiht, nach Lanzerath, „der medizinischen Ethik ihren besonderen Charakter.“3 Er manifestiert sich in einem besonderen Berufsethos. Äußere und innere Gesetze, sowie Gebote und Verbote bestimmen das ärztliche Denken und Handeln und ergeben in ihrer Gesamtheit diesen Ethos.4 Er wird sichtbar gemacht in Form eines Berufsgelöbnisses einerseits5 und festgesetzt durch Vorschriften und Richtlinien andererseits, die Ärztekammern, Berufsverbände u.a. herausgeben. Diese Organe verfügen sogar über ein eigenes Gremium, die Ethik-Kommission6, zur Überwachung der Regeln. Ethik-Kommissionen sind „z.B. an Ärztekammern, med. Fakultäten u. anderen Einrichtungen der med. Forschung arbeitende unabhängige interdisziplinäre (Medizin, Theologie, Rechtswissenschaft, Biologie, Biostatistik usw.) Konsilien, die die ethischen und rechtlichen Implikationen z.B. von Versuchen am Menschen u. sensiblen Bereichen wie der Gentechnologie u. Transplantationstechnologie u. der Intensivmedizin, [...] diskutieren und Empfehlungen u. allgemeine Leitsätze z. Unterstützung der ärztlichen Entscheidungsfindung erarbeiten.“7 Diese Definition der Ethik-Kommission gibt einen guten Eindruck von der Schwierigkeit der medizinischen Ethik. So ist das Gremium interdisziplinär und nicht nur die verwandte Wissenschaft der Biologie spielt eine Rolle, sondern ebenso juristische und religiöse Anschauungen. Es ist nachvollziehbar, wie schwer ein Konsens in diesen verschiedenen Disziplinen zu finden sein wird. Und das, was am Ende erarbeitet wird, sind „nur“ Empfehlungen und allgemeine Leitsätze. Klare Gesetze und Bestimmungen zu definieren scheint unmöglich oder zumindest sehr schwer und so obliegt es in der medizinischen Praxis wiederum dem einzelnen Arzt die Empfehlungen in der spezifischen Situation anzuwenden.

Die Vorstellung der Ärzte von ihrem Beruf und dessen moralischer Verantwortung, sowie die Ansprüche und Erwartungen der Gesellschaft an den Ärztestand haben sich in der Geschichte gewandelt.8 Dies macht die Beantwortung der Frage was die Medizin darf umso schwerer und vergrößert das Spannungsfeld von technischer Durchführbarkeit und ethischer Vertretbarkeit.

Trotz allem können aber doch gemeinsame Punkte definiert werden, die die Ethik der Medizin ausmachen. Das Gebot, Leben zu retten und zu erhalten, gehört dazu, ebenso wie das Ziel, Schaden vom Patienten abzuhalten.

Nun sind aber die Interpretation und Durchführung dieser ethischen Prinzipien in der Praxis das große Problem der Medizin. Ein schwer kranker Patient beispielsweise, der nur noch von Maschinen am Leben erhalten wird - inwieweit gilt hier das Gebot der Lebenserhaltung im Angesicht der Verlängerung des Leidens des Patienten ohne Aussicht auf Heilung oder zumindest Zustandsverbesserung? Ebenso schwierig ist es mit dem Ziel, Schaden abzuhalten. Wie wird Schaden in diesem Zusammenhang überhaupt definiert? Jeder chirurgische Eingriff stellt zugleich eine Verletzung dar; manche Medikamente verschlechtern erst den Zustand bevor es zur Besserung kommt. Ist dies Schaden am Patienten oder nicht? Oder der Fall eines Kranken, dem ein Körperglied amputiert werden muss, um ihn zu heilen. Kann hier nicht auch von Schaden am Menschen gesprochen werden, da er durch den Mediziner eines Körpergliedes beraubt wird? Oder argumentiert man, dass unter dem höheren Ziel der Heilung die Maßnahme akzeptabel ist als notwendiges Mittel zum Zweck? Und auch hier kann die Diskussion noch weitergehen und nach der Heilung fragen. Denn der Heilung des Körpers kann gegenüberstehen, dass der Verlust eines Körperteils zu schweren seelischen Problemen führt.

2. Historisches

Versuche an Tieren und verbesserte Medizintechnik führten zur weltweit ersten erfolgreichen Herztransplantation am 3. Dezember 1967. Diese führte der Chirurg Christiaan Barnard im südafrikanischen Kapstadt durch. Nur wenige Tage später wurde in New York ein Kinderherz transplantiert. Die erste Herzverpflanzung in Europa glückte Anfang des Jahres 1968 in Paris.

Diese Entwicklung brachte aber viele rechtliche und ethische Fragen mit sich9, denn „als am 3. Dezember 1967 zum ersten Mal ein menschliches Herz verpflanzt wurde, war dies ein Kulturschock und ein Durchbruch der Transplantationsmedizin zugleich.“10

Der erste Patient in Südafrika überlebte die Operation nur um 18 Tage, da er an einer Lungenentzündung erkrankte und starb. Auch in den folgenden Jahren blieb die Überlebensrate gering. Erst 1980 waren hochwirksame Medikamente bereit, die die Abwehrreaktion des Körpers unterdrückten, sodass in den Folgejahren die Überlebensrate kontinuierlich und rasch stieg.11

Zu Beginn der Herztransplantationsforschung lag der Fokus auf der Frage nach Überlebensraten (Überlebt der Patient?). Als sich in der Folgezeit die chirurgischen Techniken und medikamentösen Möglichkeiten verbesserten, trat die Lebensqualitätsforschung in die Betrachtungen ein (Wie überlebt der Patient?). Mitte der 80er Jahre schließlich wurde die Lebenszufriedenheit ein wichtiger Punkt zur Evaluierung des Operationserfolges (Ist der Patient mit dem neuen Leben zufrieden?).12

Die Transplantation eines Herzens war ein bedeutender medizinischer Meilenstein und eröffnete ein großes Diskussionsfeld mit Fragen vielerlei Art. So beispielsweise danach, ob nach der Operation der Empfänger mit dem Spenderorgan lebt oder ob der Spender durch sein Organ im Empfänger weiterexistiert. Wellendorf weist darauf hin, dass diese Frage zwar heute nicht mehr gestellt wird, sie aber deswegen noch lange nicht beantwortet ist.13

Einer der Hauptpunkte der Diskussion war in den Anfangsjahren der Herztransplantation die Frage, ob man ein Männerherz in einen Frauenkörper transplantieren dürfe und umgekehrt. Die Angst war, dass damit auch geschlechtsspezifische Merkmale weitergegeben würden. Vieles, was typisch Mann /Frau ist, wird durch die Gesellschaft und kulturelle Prägung dem Individuum anerzogen. Aber nicht alles. Es spielen auch die Gene eine Rolle. Bis heute kann die Forschung nicht bis ins Detail erklären, was uns zu einer Frau oder einem Mann macht. So ist die Angst der Patienten durchaus berechtigt und kann ihnen bis heute nicht genommen werden.

In den Anfängen der Transplantationsgeschichte erhielt der Empfänger zudem Informationen darüber, wer der Spender war. Der Patient hatte ein Bild des Menschen vor Augen, dessen Herz nun in seiner Brust schlug. So suchte er bei sich selbst Veränderungen nach der Operation, die an den Spender erinnern. Die seelische Belastung war enorm.

Um dies den Patienten zu erleichtern, wurde das Transplantationsgesetz geändert. Heute erfolgt die Spende völlig anonym und der Empfänger erfährt keine Details über den Verstorbenen. Es hat sich gezeigt, dass es diese Anonymität den Menschen einfacher macht, das Organ anzunehmen.14

Die erste Transplantation fand in Südafrika zur Zeit der Apartheid statt. Diese Epoche der Rassentrennung brachte noch einen weiteren Aspekt in die Transplantationsdiskussion mit ein, der heute nur noch punktuell in Einzelfällen auftaucht. Es ging um die Diskussion, ob Organe zwischen Weißen und Farbigen transplantiert werden dürfen.

Auslöser war wiederum Denise Darvall. Sie hatte nicht nur das Herz für Barnaards Transplantation gespendet, sondern auch die Nieren. Diese wurden dem farbigen Jungen Jonathan van Wyk eingesetzt. Die Kluft von Schwarz und Weiß war groß und ebenso der Aufschrei in der Gesellschaft.

Die schwarzafrikanische Bevölkerung wurde diskriminiert und unterdrückt. Sie wurde als weniger wertvoll angesehen und somit kam der Vorwurf auf, dass es ein Farbiger nicht verdient hätte, Organe eines höher stehenden Weißen zu bekommen und dieses auch nicht wert sei. Bei einem farbigen Spender äußerten viele Weiße die Meinung, die Organannahme zu verweigern, da sie dadurch quasi verunreinigt würden.

Nur kurze Zeit nach der ersten Transplantation wurde am 2.Januar 1968 wiederum ein Herz von Christian Barnaard verpflanzt. Diesmal war der Spender dunkelhäutig, der Empfänger ein Weißer. Dem Empfänger war mehr Glück beschieden und er überlebte eineinhalb Jahre mit dem Organ. Die Presse riss sich um ihn. Für die farbige Bevölkerung war es ein Beweis für den Wert und die Stärke ihrer Rasse, da das Herz so gut funktionierte.

Das Ende der Apartheid im Jahre 1994 und schnell steigende Operationszahlen bereiteten der rassistisch bedingten Diskussion ein Ende.

[...]


1 Bunzel 1993, S. 155, Z.17 - 20

2 Strätz 1971, S.5,Z.6- 7

3 Lanzerath 2000, S.79, Z. 17-18

4 Vgl. Glaser 1967, S.167

5 Vgl. hierzu beispielsweise den Eid des Hippokrates

6 Siehe beispielsweise die Zentrale Ethik-Komission der Bundesärztekammer unter http://www.zentrale- ethikkommission.de/

7 Pschyrembel 1986 S. 488, Sp. 2, Z. 65 - S. 489, Sp. 1, Z. 11

8 Vgl. Lanzerath 2000, S.80; Glaser 1967, S. 167 - 175

9 Zur Ethik der Transplantationsmedizin allgemein siehe beispielsweise Choi 1998, S.4-28

10 Eckart 2007, S. 1, Z. 1-3

11 Zu historischem Überblick siehe auch Strenge 1994, S.2-3

12 Vgl. Bunzel 1993, S. 68

13 Vgl. Wellendorf 1993, S. 18

14 Vgl Eckart 2007

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Herztransplantation - soziale, ethische und rechtliche Diskussion
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V181551
ISBN (eBook)
9783656047032
ISBN (Buch)
9783656047285
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herztransplantation, diskussion
Arbeit zitieren
Katja Keyser-Elbradey (Autor), 2011, Herztransplantation - soziale, ethische und rechtliche Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181551

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