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In wie weit war Chancengleichheit beim Übergang in die Oberschule im Schulsystem der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegeben?

Eine Untersuchung über die Jahre 1945 - 1959

Title: In wie weit war Chancengleichheit beim Übergang in die Oberschule im Schulsystem der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegeben?

Term Paper , 2010 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Maik Wunder (Author)

Pedagogy - History of Pedagogy
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Summary Excerpt Details

In der folgenden Untersuchung möchte ich der Fragestellung nachgehen, in wie weit
Chancengleichheit beim Übergang in die Oberschule im Schulsystem der SBZ bzw.
DDR in den Jahren 1945-1959 gegeben war. In aktuellen bildungspolitischen
Diskussionen ist sehr häufig die Frage zu hören, wie es gelingen kann, den
sogenannten bildungsfernen Schichten die Partizipation an höherer Bildung zu
ermöglichen. Die DDR, in ihrem Selbstverständnis ein Arbeiter- und Bauernstaat,
stand schon in ihren Anfängen - alleine aus Gründen der Selbstlegitimation - vor der
Frage, wie denn Arbeitern und Bauern der Zugang zu höherer Bildung
(Oberschulbildung) gewährt werden kann. Aus diesem Grund wird der Autor
sozialstrukturelle Kategorien, wie z.B. Geschlecht und Region in der Darstellung der
einzelnen Perioden nur am Rande erwähnen. Vornehmlich wird in der Arbeit
Chancengleichheit anhand der Stellung der Individuen im Produktionsprozess und der,
aus dieser abgeleiteten, Implikationen betrachtet. Der Fokus wird auf den Arbeiterund
Bauerkindern liegen und deren Möglichkeiten, einen Zugang zur Oberschule zu
erwerben. Wenn im Folgenden von Chancengleichheit gesprochen wird, dann folge
ich der Unterscheidung von Rainer Geißler (1990), demzufolge zwischen drei Formen
differenziert werden muss. (1) Chancengleichheit im Ergebnis gilt als dann
verwirklicht, wenn alle ein ähnlich hohes Bildungsniveau haben und damit die
Gesellschaft bildungshomogen ist. (2) Proportionale Chancengleichheit nach dem
Proporz-Modell. Sie ist gegeben, wenn der gleiche Anteil einer Bevölkerungsgruppe,
den diese in der Gesamtbevölkerung repräsentiert, auch in weiterführenden
Bildungseinrichtungen vertreten ist. Dabei wird zum einen von der Prämisse
ausgegangen, dass Leistungsfähigkeit in allen Gruppen gleichmäßig verteilt ist und
„entsprechend gleichmäßig entwickelt werden kann oder sie nimmt eine
Vernachlässigung des Leistungsprinzips bei der Auslese im Bildungssystem im Kauf.“
(1990, S. 84). (3) Leistungsbezogene Chancengleichheit: hier sollen „…gleiche
Bildungschancen mit der Auslese nach Leistung in Übereinstimmung gebracht
werden.“ (1990, S. 85). Dabei kann man entweder mehr auf gleiche
Zugangsmöglichkeiten zu verschiedenen Bildungswegen abzielen oder eher in
Richtung Chancengerechtigkeit tendieren, welche mehr die sozialen Einflüsse der
Leistungsfähigkeit berücksichtigt. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Grundlagen bei Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895):

1.2. Grundlagen bei Lenin (1870-1924):

2. Pierre Bourdieu:

2.1. Die drei Formen des Kapitals:

2.2. Die Übertragung der Kapitaltheorie auf die DDR-Gesellschaft:

2.3. Die Illusion der Chancengleichheit:

3. Die Perioden der Schulentwicklung in der DDR:

3.1. Die antifaschistisch-demokratische Schulreform 1945-1949:

3.1.1. Fazit zur oben dargestellten Periode:

3.2. Der Aufbau der sozialistischen Schule 1949-1959:

3.2.1. Entwicklung von 1949-1955:

3.2.1.1. Fazit zur oben dargestellten Periode:

3.2.2. Entwicklung ab 1955:

3.2.2.1. Fazit zur oben dargestellten Periode:

3.3. Konvergierung der Entwicklung von 1955 bis 1959 im Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens im Jahre 1959:

3.3.1. Fazit zur oben dargestellten Periode:

4. Abschließendes Fazit:

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit im Schulsystem der SBZ bzw. DDR zwischen 1945 und 1959 reale Chancengleichheit beim Übergang in die Oberschule für Kinder aus Arbeiter- und Bauernfamilien bestand und welche Rolle sozialstrukturelle Faktoren dabei spielten.

  • Analyse der bildungspolitischen Grundlagen des Marxismus-Leninismus.
  • Anwendung des Kapital-Modells von Pierre Bourdieu auf die DDR-Gesellschaft.
  • Untersuchung der Schulentwicklungsphasen 1945-1949, 1949-1955 und 1955-1959.
  • Bewertung des Einflusses von Bildungsmonopol, Quotenregelung und politischem Kapital auf den Bildungszugang.
  • Diskussion der Reproduktion sozialer Ungleichheit trotz ideologischer Gleichheitsziele.

Auszug aus dem Buch

2.1. Die drei Formen des Kapitals:

Der französische Soziologie Pierre Bourdieu weitet in seinem Modell den marxschen Begriff des Kapitals aus. Nicht allein der Besitz oder Nichtbesitz von Produktionsmitteln oder sonstigen ökonomischen Kapitals ist entscheidend für die Platzierung des Individuums im sozialen Raum, vielmehr bestimmt die spezifische Kombination des ökonomischen Kapitals zusammen mit dem kulturellen Kapital und sozialen Kapital die Klassenzugehörigkeit. Die Kapitalsorten werden nun im Folgenden kurz beschrieben: „Das ökonomische Kapital ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in der Form des Eigentumsrechts…“ (Bourdieu 1983, S. 185).

Vom kulturellen Kapital können drei Formen unterschieden werden: zum einen kulturelles Kapital im inkorporierten Zustand, es ist körpergebunden und setzt einen Verinnerlichungsprozess voraus (1983, S. 186). Dieser Prozess kostet Zeit, z.B. in Form von Unterrichts- und Lernzeit, aber auch …“die Primärerziehung in der Familie muss in Rechnung gestellt werden…“. (1983, S. 186). „Unterschiedliches Kulturkapital in der Familie führt zunächst zu Unterschieden beim Zeitpunkt des Beginns des Übertragungs- und Akkumulationsprozesses, sodann zu Unterschieden in der Fähigkeit, den im eigentlichen Sinn kulturellen Anforderungen eines langandauernden Aneignungsprozess gerecht zu werden.“ (1983, S. 188). Diese Kapitalform ist durch die Inkorporation zum Habitus geworden.

„Habitus […] ist eine inkorporierte Geschichte, eine Körper gewordene Geschichte, eingeschrieben in das Gehirn, aber auch in die Falten des Körpers, die Gesten, Sprechweisen, den Akzent, in die Aussprache, die Ticks, in alles, was wir sind. Diese inkorporierte Geschichte ist der Ursprung, von dem aus wir Antworten…“ (Bourdieu 2001, S. 165). Dieser Sacherhalt, den Bourdieu hier aufdeckt, ist für unsere Fragestellung von besonderer Relevanz, denn es wird deutlich, dass keineswegs alle Individuen mit der gleichen „Menge“ an inkorporierten, kulturellem Kapital ihre Schullaufbahn beginnen.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Chancengleichheit in der DDR und theoretische Einordnung mittels Rainer Geißler und Pierre Bourdieu.

1. Grundlagen bei Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895): Untersuchung der marxistischen Ansätze zur Klassengesellschaft und Bildung als Basis für das DDR-Schulverständnis.

1.2. Grundlagen bei Lenin (1870-1924): Analyse der leninistischen Auffassung von Schule als Instrument der Diktatur des Proletariats und Bedeutung der Wissensvermittlung.

2. Pierre Bourdieu: Darstellung der Kapitaltheorie Bourdieus und deren Übertragbarkeit auf die soziale Struktur.

2.1. Die drei Formen des Kapitals: Definition und Erläuterung von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital.

2.2. Die Übertragung der Kapitaltheorie auf die DDR-Gesellschaft: Anwendung des Modells auf die DDR, wobei politisches Kapital als entscheidende Größe identifiziert wird.

2.3. Die Illusion der Chancengleichheit: Diskussion, wie Bildungssysteme soziale Ungleichheit reproduzieren, anstatt sie aufzuheben.

3. Die Perioden der Schulentwicklung in der DDR: Historischer Überblick über die Etappen der DDR-Schulpolitik von 1945 bis 1959.

3.1. Die antifaschistisch-demokratische Schulreform 1945-1949: Analyse der ersten Nachkriegsjahre, geprägt von den Bestrebungen, das Bildungsmonopol zu brechen.

3.1.1. Fazit zur oben dargestellten Periode: Zusammenfassende Bewertung der strukturellen Veränderungen hinsichtlich der Chancengleichheit in der frühen Phase.

3.2. Der Aufbau der sozialistischen Schule 1949-1959: Untersuchung der Phase nach Staatsgründung, in der ideologische Ziele und Arbeitskräftebedarf zunehmend die Schulpolitik bestimmten.

3.2.1. Entwicklung von 1949-1955: Fokus auf die Einführung von Quotenregelungen zur Bevorzugung von Arbeiter- und Bauernkindern.

3.2.1.1. Fazit zur oben dargestellten Periode: Analyse der Wirkung von Quoten und des fortbestehenden Einflusses kulturellen Kapitals.

3.2.2. Entwicklung ab 1955: Darstellung der Wende hin zu mehr Leistungsgerechtigkeit und der Rolle der Zehnklassenschulen.

3.2.2.1. Fazit zur oben dargestellten Periode: Bewertung der Entwertung politischen Kapitals und der zunehmenden Schließung von Chancenstrukturen.

3.3. Konvergierung der Entwicklung von 1955 bis 1959 im Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens im Jahre 1959: Analyse der Bündelung bildungspolitischer Maßnahmen im Gesetz von 1959.

3.3.1. Fazit zur oben dargestellten Periode: Zusammenfassung der Folgen für das kulturelle Kapital und die soziale Selektion.

4. Abschließendes Fazit: Synthese der Ergebnisse, wonach am Ende der 50er Jahre soziale Ungleichheit weitestgehend über das Schulsystem reproduziert wurde.

Schlüsselwörter

Chancengleichheit, DDR, Schulsystem, Bildungsmonopol, Arbeiter- und Bauernkinder, Pierre Bourdieu, kulturelles Kapital, politisches Kapital, Klassenstruktur, Sozialismus, Schulentwicklung, Leistungsprinzip, Quotenregelung, Reproduktion, soziale Ungleichheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Chancengleichheit beim Übergang in die Oberschule im Schulsystem der SBZ und DDR zwischen 1945 und 1959.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Bildungspolitik, soziale Schichtung, die Theorie des Kapitals nach Pierre Bourdieu sowie der Einfluss politischer Ideologien auf den Bildungszugang.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob die angestrebte Umwandlung der Sozialstruktur durch das Bildungssystem gelang oder ob soziale Ungleichheit durch neue Mechanismen reproduziert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie die historische Schulgeschichte der DDR mit dem soziologischen Kapital-Modell von Pierre Bourdieu verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die drei Phasen der Schulentwicklung (1945-1949, 1949-1955, 1955-1959) unter Berücksichtigung von Gesetzen, Quotenregelungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Chancengleichheit, kulturelles Kapital, DDR, Bildungsmonopol und Klassenstruktur.

Warum spielt die Unterscheidung von Rainer Geißler eine wichtige Rolle?

Die Unterscheidung zwischen Ergebnisgleichheit, proportionaler Chancengleichheit und leistungsbezogener Chancengleichheit dient als definitorischer Rahmen, um die bildungspolitischen Maßnahmen der DDR präzise zu bewerten.

Welche Rolle spielt das politische Kapital nach 1955?

Nach 1955 verlor das "ererbte" politische Kapital durch die Änderung der Definition des Arbeiterbegriffs an Wert, wodurch sich die Chancen für Kinder aus privilegierten oder politisch aktiven Familien sowie der loyalen Intelligenz auf Kosten der tatsächlichen Proletarierkinder verbesserten.

Führte die Einführung der Polytechnischen Oberschule zu mehr Chancengleichheit?

Obwohl die Polytechnisierung dem Habitus vieler Proletarierkinder eher entsprach, reproduzierte das System die soziale Ungleichheit, da die Anforderungen stiegen und der reale Aufstieg in die Erweiterte Oberschule durch informelle Verdrängungsprozesse erschwert wurde.

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Details

Title
In wie weit war Chancengleichheit beim Übergang in die Oberschule im Schulsystem der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegeben?
Subtitle
Eine Untersuchung über die Jahre 1945 - 1959
College
University of Hagen
Course
Bildungswissenschaften/Soziologie
Grade
1,3
Author
Maik Wunder (Author)
Publication Year
2010
Pages
27
Catalog Number
V181590
ISBN (eBook)
9783656049180
ISBN (Book)
9783656049647
Language
German
Tags
DDR Schulsystem Chancengleichheit Bildungssystem Bildungssystem
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maik Wunder (Author), 2010, In wie weit war Chancengleichheit beim Übergang in die Oberschule im Schulsystem der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegeben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181590
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