Zu Michel Foucaults "Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses"

Die Mittel der guten Abrichtung


Essay, 2011

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Biographie

3. Mittel der guten Abrichtung
3.1. Die hierarchische Überwachung
3.2. Die normierende Sanktion
3.3. Die Prüfung
3.3.1. Umkehrung der Ökonomie der Sichtbarkeit in der Machtausübung
3.3.2. Dokumentierbarkeit der Individualität
3.3.3. Mit Dokumentationstechniken wird aus jedem Individuum ein „Fall“

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit Ausschnitten aus Michel Foucaults Werk Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses. Das Buch wurde 1975 unter dem Titel Surveiller et punir und ein Jahr später auf deutsch veröffentlicht.

Die vorliegende Arbeit wird seine Ausführungen über die Disziplin erläutern. Als Strategien um Disziplin zu erlangen, gelten für Foucault unter anderem die Mittel der guten Abrichtung, die aus der hierarchischen Überwachung, der normierenden Sanktion und der Prüfung bestehen, die wiederum eine ritualisierte Kombination der beiden vorangegangen Instrumente ist. Die drei Mittel werden als Voraussetzung für die Institutionen des Militärs, der Schule und des Hospitals gesehen. Auf diese drei Techniken zur Erlangung eines gelehrigen Körpers wird noch genauer eingegangen werden. Zu Anfang wird auf das Leben und Wirken Michel Foucaults anhand einer kurzen Biographie aufgezeigt.

2. Biographie

Zunächst soll an dieser Stelle der Autor des Werkes kurz dargestellt werden. Das Bild, das Michel Foucault zeigt, soll verdeutlichen, dass er ein intellektueller und belesener Mann war.[1] Er wurde am 15. Oktober 1926 in Frankreich in der Stadt Poitiers geboren. Sein Vater war ein angesehener und wohlhabender Arzt, der für seinen Sohn den gleichen Beruf in Betracht zog. Aus diesem Grund besuchte Foucault in den Jahren 1936-1940 das Lycée de Poitiers und 1940-1945 das Lycée Henri IV. in Paris. Im Anschluss daran trat er ab 1943 sein Philosophiestudium „an der Elite-Universität École normale supérieure in der rue d’Ulm an.“[2] Seine Diplomarbeit schrieb er im Jahre 1949 über Hegel. Er erlangte das Diplom in Philosophie, Psychologie und Psychopathologie, zudem das Staatsexamen in Philosophie. Wegen vielen persönlichen Krisen, wollte er sich zweimal selbst umbringen. Im Jahr 1954 verfasst er die Einleitung zu Traum und Existenz von Ludwig Binswanger und seine Arbeit Geisteskrankheit und Persönlichkeit. Er beschäftigt sich viel mit Heidegger, Freud und Nietzsche. Nach seiner Tätigkeit als Lehrer für Psychologie an der École Normale in Lille und Repetitor für Philosophie, verlässt er Frankreich, „um die Leitung des Maison de France im schwedischen Uppsala zu übernehmen.“[3] Im Jahr 1960 kehrt er schließlich nach Paris zurück. Dort bringt er sein Werk Wahnsinn und Gesellschaft zum Abschluss. Seine Promotion war unter dem Titel Histoire de la folie à la âge classique . Bis 1966 war er Professor für Psychologie und Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand. Während der Jahre lernt er seinen Lebensgefährten Daniel Defert kennen. 1963 erscheint sein Werk Die Geburt der Klinik. Durch sein Werk Die Ordnung der Dinge (1966) wird Foucault über die Grenzen Frankreichs bekannt. Er verlässt daraufhin Paris und arbeitet bis 1968 in Tunis als Gastprofessur für Philosophie. Interessant ist, dass er „an Kundgebungen und Demonstrationen für die Belange von Gefangenen, die in Frankreich unter unzumutbaren Zuständen eingesperrt sind“[4] teilnimmt. Die erlangten Erfahrungen der politischen Umbrüche beeinflussten sein Werk Überwachen und Strafen (1974), worüber in dieser Ausarbeitung referiert wird. Am 25. Juni 1984 stirbt er in Paris an Aids.

3. Mittel der guten Abrichtung

Foucault ist der Ansicht, dass die Mechanismen der Disziplin der individuellen und kollektiven Unterwerfung der Körper dienen. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt für Wallhausen die „rechte Disziplin oder Zucht“[5] als ein Geschick der „guten Abrichtung.“[6] Foucault beschreibt die Gewalt über die Zucht als eine Kontrolle, die „anstatt zu entziehen und zu entnehmen, vor allem aufrichtet, herrichtet, zurichtet“[7] für anschließendes verstärktes entziehen und entnehmen. Die Disziplin nimmt Unterscheidungen vor. Sie ist die Technik einer Macht, die Individuen als Objekte und als Instrumente einsetzen kann. Zudem ist sie eine „bescheidene und mißtrauische Gewalt, die als eine sparsam kalkulierte, aber beständige Ökonomie funktioniert.“[8] Die Techniken zur Herstellung von gelehrigem Körper erlangt Erfolg durch die Mittel der guten Abrichtung. Diese setzen sich aus den drei Instrumenten, dem Einsatz von hierarchischer Überwachung, der normierten Vergeltungsmaßnahmen und ihr Zusammenspiel in der Prüfung, zusammen.[9]

Im folgenden Verlauf wird explizit auf diese drei Instrumente eingegangen werden.

3.1. Die hierarchische Überwachung

Als erstes Instrument zur Erlangung von Disziplin wird die hierarchische Überwachung angeführt. Die Überwachung ist unabdingbar um Disziplin zu erlangen. Im Laufe der Zeit entstehen immer mehr „Observatorien“[10] als Beobachtungsstationen. Zudem entstehen Werkzeuge, die das Überwachen von Personen, erleichtern. Denn im Zuge der „neuen Physik und Kosmologie“[11] entstehen beispielsweise „Fernrohre, [...] Linsen [und] [...] Lichtkegel.“[12] Dadurch ist es nun möglich, andere Menschen zu sehen, ohne selbst dabei gesehen zu werden. Die entstehenden Observatorien bedienen sich dem Aufbau des Militärlagers, weil es als „die Hauptstätte einer Macht“[13] gilt. Hier nimmt die Überwachung einen gesonderten Stellenwert ein und jedes Detail der Raumordnung ist exakt geplant. „Das Netz der einander kontrollierenden Blicke wird geknüpft.“[14] Das Konzept von „räumlichen Verschachtelung(en) hierarchisierter Überwachungen“[15] soll in mehreren Institutionen greifen. Die Räumlichkeiten sollen so gestaltet werden, dass man alles und jeden sehen kann. Sie soll zur Umformung der Individuen führen, indem sie das Verhalten der Menschen beeinflusst und ihnen Erkenntnis gibt, sodass sie sich ändern. Anstatt hoher Mauern und das Prinzip der Geschlossenheit, tritt das Konzept der Öffnung mit „Wänden und Zwischenräume(n)“[16], um ein Durchlaufen und Durchschauen zu ermöglichen. Dadurch werden auch die Hospitale adäquater erbaut, wodurch die ärztlichen Versorgungen nützlicher werden, in dem zum Beispiel die Kranken getrennt werden und sie besser beobachtet werden können. Die Architektur für die Militärschulen soll so ausgestattet sein, dass anhand der Überwachsungs­möglichkeiten „kräftige Körper [herangezogen] [...], fähige Offiziere [erlangt] [...], fügsame(s) Militär [ausgebildet] [...] und Homosexualität [unterdrückt]“[17] werden kann. Dabei sollen aber auch „Trennwände“[18] dazu dienen, dass die Schüler sich gegenseitig nicht sehen können. Diese Institutionen der Disziplin haben einen Mechanismus der Kontrolle hervorgebracht, wodurch jedes Verhalten gesichtet werden kann. Um die Menschen wurde ein „Beobachtungs-, Registrier-, und Dressurapparat aufgebaut.“[19] Foucault bringt an, dass der „perfekte Disziplinarapparat“[20] dann bestehen würde, wenn alles durch einen Blick gesehen und kontrolliert werden könnte, damit dem Beobachter nichts entgeht, als „ein vollkommenes Auge der Mitte.“[21] Dies wird in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts oft mit einer kreisförmig angeordneten Architektur versucht. Besser geeignet scheint jedoch die Pyramidenvernetzung, wodurch „ein lückenloses Netz“[22] gebildet und die „Angriffspunkte“[23] erhöht werden konnten. Allerdings sollte beim Bau Diskretion herrschen, um Disziplinierung nicht einzuschränken. Dabei muss sich der Komplex „in die Disziplinaranlage [...] integrieren“[24], um deren Potenzial zu verstärken. „Die Überwachung [muss] auf(ge)glieder(t) und funktionstüchtig“[25] gemacht werden. In den Werkstätten und Fabriken dagegen zeigt sich eine neue Art der Überwachung, die von innen her kommt und intensiver zu sein scheint. Nun wird nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Verlauf der Arbeit beobachtet und überwacht. Dabei werden „Angestellte, Aufseher, Kontrolleure, Vorarbeiter“[26] zu Überwacher, die exakt auf ihre Funktion hin geschult werden müssen, aber „nur Angestellte, die direkt vom Besitzer abhängen und allein mit dieser Aufgabe betraut sind, [können] darüber wachen“[27], damit sie genauer beobachten können. Die Überwachung hängt hierbei stark mit der Ökonomie der Fabriken zusammen. In den Schulen wird die Aufgabe der Überwachung immer mehr verstärkt und „in das Erziehungsverhältnis integriert“[28], weil die Zahl der Schüler steigt. Dabei wird nicht allein der Lehrer als Überwacher bestimmt, sondern auch bestimmte Schüler als „Intendanten, Beobachter, Monitoren, Repetitoren, Vorbeter, Vorschreiber, Tintenmeister, Almosenmeister [und] Visitatoren.“[29] Hier zeigt sich, dass die Aufgaben unterteilt werden in substanzielle und überwachende. Die Beobachter, Admonitoren und Visitatoren müssen ihre Mitschüler bei schlechtem Verhalten melden. Die Intendanten müssen alle anderen Offiziere bewachen. Bei Demia bekommen alle Überwachungsaufgaben einen pädagogischen Bezug mitbestimmt, wodurch mehr Wissen angeeignet wird und eine „gegenseitige und hierarchisierte Beobachtung“[30] stattfindet. Durch die Zuordnungen findet eine normative innere Überwachung statt.

[...]


[1] Vgl. Monès, Bruno de: Une histoire de la vérité, 19.

[2] Jäger, Kurz: Biographie.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Wallhausen, Kriegskunst zu Fuß, 13.

[6] Ebd.

[7] Foucault, Überwachen und Strafen, 220.

[8] Ebd.

[9] Vgl. ebd.

[10] Ebd., 221.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd., 222.

[16] Ebd.

[17] Ebd., 223.

[18] Ebd., 224.

[19] Ebd.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Ebd., 225.

[23] Ebd.

[24] Ebd.

[25] Ebd.

[26] Ebd., 225-226.

[27] Ebd., 226.

[28] Ebd., 227.

[29] Ebd.

[30] Ebd., 228.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zu Michel Foucaults "Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses"
Untertitel
Die Mittel der guten Abrichtung
Hochschule
Universität zu Köln  (Pädagogik/ EWS)
Veranstaltung
Perspektiven des interaktionstischen Konstruktivismus
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V182706
ISBN (eBook)
9783656066026
ISBN (Buch)
9783656132813
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucault, Überwachen und Strafen, Geburt des Gefängnisses, Disziplin, Mittel der guten Abrichtung, Hierarchische Überwachung, Normierende Sanktion, Prüfung, Biographie Michel Foucault
Arbeit zitieren
Elisabeth Esch (Autor), 2011, Zu Michel Foucaults "Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182706

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