Von Qualifikationen zu Kompetenzen

Stationen einer andauernden Debatte über den Stellenwert fachübergreifender Kompetenzen


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2011

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einführung

2.Begriffsklärung
2.1 Bildung
2.2 Qualifikation
2.3 Kompetenz

3. Der Perspektivenwechsel von Qualifikation zu Kompetenz
3.1 Das Schlüsselqualifikationskonzept von Dieter Mertens
3.2 Berufliche Handlungsfähigkeit als moderne Zielkategorie der Beruflichen Bildung

4.Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Unsere heutige Zeit ist geprägt von der stetigen Entwicklungsdynamik und fortwährenden modernen Arbeitsprozessen, die neue Anforderungen an den Einzelnen stellen. Der Mensch unterliegt somit einem Prozess des lebenslangen Lernens um dieser Dynamik der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes gegenüber treten zu können und den Forderungen gerecht zu werden. Innerhalb der modernen Wissensgesellschaft steigen so nicht nur die Qualitätsanforderungen an den einzelnen Menschen, es ändern sich auch die Arten der Qualifikationen. Die Notwendigkeit der Weiterbildung rückt immer mehr in den Mittelpunkt.

Daher erfahren die BegriffskonstrukteBildung, sowie auch Qualifikation und Kompetenzentwicklung immer wieder in den bildungspolitischen und wissenschaftlichen Debatten einen nahezu inflationären Gebrauch mit vielen verschiedenen Konnotationen. Vor diesem Hintergrund erachte ich es für sinnvoll und notwendig, die unterschiedlichen Konstrukte vorzustellen, miteinander zu vergleichen und mögliche Grenzen zwischen ihnen zu ziehen. Daraus entsteht folgender Aufbau meiner Seminararbeit: Um zunächst ein besseres Verständnis der Begriffe Bildung, Qualifikation und Kompetenz zu geben, werden Positionen und Definitionen verschiedener Autoren im Kapitel zwei vorgestellt und Unterschiede herausgearbeitet. Der Begriff der Bildung stellt den Ausgangspunkt und auch den Zielpunkt der Seminararbeit dar.

Ferner wird im primären Teil der Seminararbeit die adäquate Beschreibung des Terminus: ,,Der Perspektivenwechsel von Qualifikation zu Kompetenz“ unter der historischen Betrachtung des Entwicklungsprozesses in Kapitel drei vorgenommen. Hierbei wird unterAnderem das Schlüsselqualifikationskonzept von Dieter Mertens erläutert, um anschließend das moderne Konzept der Beruflichen Bildung darzustellen.

Hierbei soll überprüft werden, warum die Kompetenzentwicklung von so großer Bedeutung für die Berufliche Weiterbildung ist und ob sie gleichzeitig eine Notwendigkeit darstellt, den Anforderungen der modernen Wissensgesellschaft gerecht zu werden.

Abschließend werden im Kapitel vier weitere Denkanreize aufgezeigt, die sich im Laufe der Seminararbeit ergeben haben und ein Fazit bezüglich der Entwicklung der Begriffe gezogen.

2.Begriffsklärung

2.1 Bildung

Bildung ist wie Erziehung einer der beiden Grundbegriffe in den Erziehungswissenschaften. Doch auch bei diesem Begriff sind die Inhalte nicht klar und einheitlich zu definieren. Im Englischen bedeutet education sowohl Bildung als auch Erziehung.[1] Dieses macht zum Einem deutlich, dass der Begriff Bildung von dem Begriff der Erziehung abzugrenzen ist, und zum Anderen zeigt es die Schwierigkeit den Begriff allgemeingültig zu definieren.

Eine Definition gibt das Lexikon der Berufsausbildung, dass Bildung eine ,,Veränderung bzw. Entwicklung des Menschen in Richtung auf Werte, Leitbilder, Fertigkeiten, Kenntnisse“ sei, ,,die von der Gesellschaft als bedeutsam angesehen werden. Bildung kann ein Prozess dieser Veränderungen sein, aber auch das Ergebnis oder Ziel dieses Vorgangs.“ [2] , was heißen soll, dass sich die Bildung sowohl auf einen stetigen Prozess des sich Bildens als auch auf den erreichten Zustand des gebildet sein bezieht.

Der Bildungsbegriff ist bestimmt durch verschiedene Bildungsideen und Strömungen, die vom Zeitgeist, den Normen und Werten ihrer Epochen beeinflusst wurden. Im folgenden Textverlauf wird nun die historische Entwicklung des Begriffes betrachtet, um seine Entstehung und die heutige Assoziierung mit dem Begriff nachvollziehen zu können.

Die Ursprünge des deutschen Bildungsbegriffes finden sich im Mittelalter, wo der Theologe und Philosoph Meister Eckhart, der Führer der norddeutschen Dominikaner, den Begriff in die deutsche Sprache einführte und ihn dort manifestierte. Bildung war für ihn das Erlernen von Gelassenheit und eine Gottessache mit der Intention, dass der Mensch Abbild Gottes werden soll.[3] Bildung wurde nun auf die imago-Die-Lehre angewendet, die genau diese Intention postulierte. Imago-Die-Lehre ist lateinischer Abstammung und hat folgende Bedeutung: Imago, das Bild und Die von dem Wortstamm deus, der Gott, demnach die Lehre des Gottesbildes.[4]

In zahlreichen religiösen Quellen wird der Bildungsbegriff mit der Schaffung von Etwas in Relation gesetzt, denn „Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen.“ [5]

Mit Einbruch der Epoche der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert änderte sich nicht nur das Menschenbild, sondern auch der Bildungsbegriff: Die ursprüngliche theologische Auffassung, dass der Mensch sich zu einem Abbild Gottes entwickeln soll, nähert sich nun eher der platonischen Auffassung, die das Ziel hat, dass der Mensch nach Vervollkommnung streben soll. Diese Idee lässt sich bei den Zeitgenossen wie Goethe, Schiller oder Immanuel Kant finden. Ferner entstehen mit der Umformung des Bildungsbegriffes auch neue Bildungsziele: Vor der Aufklärungsepoche waren die Ziele von Gott gegeben, doch nun werden diese von der Gesellschaft selber vorgegeben, nach welchen Idealen gelebt werden soll. Diese Idealvorstellungen sind aber noch immer von außen festgelegt.[6]

Zur Zeit des deutschen Idealismus changierte sich dieses: Bildung wird nun von der Bildung des eigenen Geistes gegeben, was bedeutet, dass die Ziele vom Subjekt selber her entwickelt und angestrebt werden.

Orientiert man sich am dem klassischen Muster von Wilhelm von Humboldt (1768-1835) dann definiert sich Bildung als eine Art Entfaltung der Kräfte des Menschen. Dieser Gedanke folgt dem idealistischen Denken seiner Epoche. Humboldt ist der Auffassung, dass sich das Individuum entwickelt und bildet, wenn es sich täglich mit seiner natürlichen Umwelt auseinandersetzten würde. Dieser Gedanke sei laut Humboldt zentrales Denkmotiv, eine Wechselwirkung zwischen Mensch und Welt, welche er durch folgendes Zitat beschreibt:

„Der Mensch kann wohl vielleicht in einzelnen Fällen und Perioden seines Lebens, nie aber im Ganzen Stoff genug sammeln. Je mehr Stoff er in Form, je mehr Mannigfaltigkeit in Einheit wandelt, desto reicher, lebendiger, kraftvoller, fruchtbarer ist er. Eine solche Mannigfaltigkeit aber gibt ihm den Einfluss vielfältiger Verhältnisse. Je mehr er sich demselben öffnet, desto mehr neue Seiten werden in ihm angespielt, desto reger muß seine innere Tätigkeit sein, dieselben einzeln auszubilden, zusammen zu einem Ganzen zu verbinden.“ [7]

Das Bedürfnis sich zu bilden liegt nach Humboldt im Inneren des Menschen selber und müsse nur geweckt werden. Jeder, so Humboldt, soll Zugang zur Bildung haben. So folgte die Erschaffung eines mehrgliederigen Schulsystems durch Humboldt selber.

Ein weiteres Denkmotiv dieses deutschen idealistischen Ansatzes ist derjenige, dass das Individuum durch seine Auseinandersetzung mit der Natur Spuren hinterlässt, die Humboldt „verschiedene Offenbarungen der menschlichen Geisteskraft“ [8] nennt. Dieser Gedanke deutet die menschliche Reflexion des Menschen mit der Umwelt an, welche jedoch nur mittels Sprache funktioniere, da die Sprache „eine auf einen bestimmten Zweck ausgerichtete Gegebenheit“ [9] sei.

Demzufolge hat auch die Sprache eine existentielle Bedeutung für den deutschen Bildungsbegriff. Wie aber lässt sich das Humboldt`sche Gedankenkonstrukt auf die heutige Sicht projizieren?

Humboldt ist mit seiner Definition der Ansicht, dass sich die Welt durch das Individuum zwangsweise zum Positiven entwickelt. Dieses entspricht in vollen Zügen dem Idealismus. Der Grundidee, dass sich die Welt durch die Einwirkungen des Individuums verändern würde, können wir heute zustimmen, jedoch muss der Optimismus Humboldts negiert werden.

Eine weitere Vorstellung finden wir im 18. und 19. Jahrhundert, indem sich das Bildungsbürgertum gegenüber dem Adel behauptete. Hier wird deutlich, dass Bildung mit ,,gebildet sein“ gleichgesetzt wird und nicht mit dem Statuserwerb durch die Geburt.[10] Dieser Gedanke hat sich in der heutigen Zeit etabliert und wird am häufigsten mit dem Begriff Bildung assoziiert. Plausibel gesagt gilt derjenige als gebildet, der viel weiß.

Schon bald im Zeitalter der Industrialisierung nahm der Begriff breitere Dimensionen ein, von nun an galt derjenige als gebildet, der dem Ideal des Alleswissers folge.[11]

Demzufolge hat Bildung hat eine Art Orientierungsfunktion für den Menschen sich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Das wirft gegenwärtig die Frage auf, wie die Orientierung in einer Wissensgesellschaft möglich ist?

[...]


[1] Vgl. Freese, Krüger, & Wolters, 1997, S.93

[2] Zit. nach Gröner und Fuchs-Brüninghoff, 2004, S.111

[3] Vgl. Groothoff, 1971, S.138

[4] Vgl. Stowasser, 2004

[5] Zit. aus der Bibel: 1 Mose,1,26-27

[6] Vgl. Groothoff, 1971, S.139

[7] Humboldt, zitiert in: Marotzki, Nohl, Ortlepp, 2006, S.165

[8] Humboldt, Zitiert in: Marotzki, Nohl, Ortlepp, 2006, S.166

[9] Humboldt, Zitiert in: Marotzki, Nohl, Ortlepp, 2006, S.166

[10] Vgl. Lepsius, 1993

[11] Lenzen, 2007, S. 179

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Von Qualifikationen zu Kompetenzen
Untertitel
Stationen einer andauernden Debatte über den Stellenwert fachübergreifender Kompetenzen
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V182785
ISBN (eBook)
9783656067283
ISBN (Buch)
9783656067641
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kompetenz, Qualifikation, Qualifizierung
Arbeit zitieren
Jannina Schreiber (Autor:in), 2011, Von Qualifikationen zu Kompetenzen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182785

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