Verändert die stundenweise Anwesenheit einer Heilpädagogin die Arbeit in einem "Regelkindergarten"? Welche Entwicklungsfortschritte sind bei den Kindern zu erkennen? Was passiert bei den pädagogischen Mitarbeitern, dem Team und den Eltern?
Hauptgesichtspunkte meiner Arbeit sind der ressourcenorientierte Blick und die Beachtung und Einbeziehung aller Systeme im Sinne von U. Bronfenbrenner und anderen Wissenschaftlern.
Ich versuche an praktischen Beispielen sehr genau Theorie und Praxis zu verknüpfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Themenwahl
1.2 Fragestellung
1.3 Begründung des Themas
2 Das Kind im Regelkindergarten
2.1 Der Blick auf das Kind heute zwischen Erziehung und Bildung
2.2 Aktuelle Ziele der frühen Erziehung und Bildung
2.3 Kindergarten im Wandel
2.4 Anforderungen an Kinder, Eltern und ErzieherInnen
2.5 Skeptische Würdigung der aktuellen Bildungs- und Erziehungssituation
3 Kinder mit besonderen Bedürfnissen
3.1 Abweichungen von der Norm
3.2 Vorstellung der TeilnehmerInnen meiner heilpädagogischen Kleingruppe
3.3 Heilpädagogische Hilfe als sinnvolle Ergänzung
3.3.1 Für die Kinder
3.3.2 Für die Institution Kindergarten
4 Eine systemische Betrachtungsweise, ausgehend von Bronfenbrenner und Speck
4.1 Begrifflichkeiten, Definitionen und Merkmale von Systemen
4.2 Das Kind als lebendiges System
4.3 Eltern und Kind - Dynamik und Prägung im Mikrosystem
4.3.1 Ökologische Übergänge
4.4 Eltern, Kind und ErzieherInnen – ein Mesosystem mit Konfliktpotential
4.5 Das pädagogische Team als System
4.5.1 Setting
4.5.2 Kommunikation
5 Die ressourcenorientierte Sichtweise im Überblick
5.1 Ressourcenorientierung versus Defizitorientierung
5.2 Ressourcendiagnostik
5.3 Die Ressourcen der Kinder
5.4 Die Ressourcen der Eltern und Familien
5.5 Die Ressourcen im Team
5.6 Ziele ressourcenorientierten Arbeitens
6 Ressourcen- und systemorientierte Methoden
6.1 Verstehendes Beobachten und Beschreiben.
6. 2 Dialog- und Beziehungspartnerin sein.
6.3 Kommunizieren und Interagieren.
6.4 Fachmethoden situativ anwenden.
6.5 Eine Zielauswahl treffen
6.6 Die Kooperation der Systeme unterstützen.
7 Die Herausforderungen der heilpädagogischen Gruppenarbeit
7.1 Zwischen Symptomsicht und Systemsicht
7.2 Zwischen Aussondern und Eingliedern
7.3 Zwischen Einzelfall und Gruppe
7.4 Zwischen wertschätzender Annahme und Veränderungsimpulsen
7.5 Zwischen Planung und Augenblicksentscheidungen
7.6 Zwischen Zielvorstellungen und nötiger Geduld
7.7 Zwischen Teamzugehörigkeit und Supervision
7.8 Zwischen Stabilisierung und Veränderung
8 Schluss
8.1 Zusammenfassung wesentlicher Erkenntnisse
8.2 Persönliches Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht, welche Veränderungen in einem Regelkindergarten eintreten, wenn eine heilpädagogische Fachkraft durch systemische Beobachtung und ressourcenorientierte Interventionen in das System eingreift und dieses gezielt durch neue Impulse unterstützt.
- Systemische Betrachtungsweise in der pädagogischen Arbeit
- Ressourcenorientierte Sichtweise bei Kindern und Erzieherteams
- Methoden der heilpädagogischen Gruppenarbeit
- Analyse von Kooperationsprozessen zwischen Kind, Familie und Institution
- Herausforderungen in der heilpädagogischen Praxis
Auszug aus dem Buch
4.2 Das Kind als lebendiges System
Die unter 3.2 vorgestellten Kinder sind jeweils abgeschlossene psychische Systeme, die sich im Laufe ihres Lebens, in der Auseinandersetzung mit der Umwelt, so gebildet haben. Nach Maturana und Varela (1987) wird dieser Vorgang Autopoiese genannt. Der Mensch organisiert und reguliert sich selbst. Weil jeder Mensch dafür individuell andere Voraussetzungen vorfindet, und damit Entwicklungen auch völlig unterschiedlich verlaufen können, spricht man von Konstruktionen. Die Assoziation zum Konstruieren von Bauwerken finde ich persönlich sehr plastisch und hilfreich. Die menschliche Entwicklung mit dem Entstehen eines Bauwerkes zu vergleichen, das zunächst aus elementaren Bauteilen begonnen wird und später immer differenzierter und komplizierter unterteilt wird. Da jedes menschliche Wesen sein eigener Bauherr ist, gibt es unterschiedliche Pläne und Ausführungen. Z.B. das Erlebnis der Zurückweisung, kann bei dem einen Kind als „fundamentaler Bauträger“ eingesetzt werden, während das andere Kind dieses Erlebnis allenfalls im „Eingangsbereich“ seiner Persönlichkeit „einbaut“. Der Vorgang des Konstruierens findet immer im Bezug zu anderen Menschen, in sozialen und kommunikativen Prozessen statt (vgl. Greving/Ondracek, 2009, S. 65).
Der einzelne Mensch, das Kind, hat eine Fülle von Konstruktionsmöglichkeiten, von denen nur ein winziger Ausschnitt erahnt werden kann. Die Handlungen eines Kindes zu beobachten, könnte ein Hinweis auf seine konstruierte Wirklichkeit sein, wenn man sie im Bezug zu seiner Umwelt sieht. Im systemtheoretischen Zusammenhang wird der Mensch einer Umwelt gegenüber gesetzt, auch wenn die Umwelt aus einem anderen Menschen besteht. Menschen sind sich in ihren Beziehungen gegenseitig Umwelt (vgl. Joswig, 2007, S.55). Die Heilpädagogik geht davon aus, dass die Handlungen von Menschen einem individuellen und subjektiven Sinn folgen (vgl. Greving/Ondracek, 2009, S. 65). Für die Heilpädagogik ist entscheidend, ob der Mensch als Objekt oder als Subjekt gesehen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Fragestellung, wie heilpädagogische Interventionen ein Kindergartensystem beeinflussen können.
2 Das Kind im Regelkindergarten: Analyse der aktuellen Bedingungen und Anforderungen, denen Kinder, Eltern und Erzieher im heutigen Regelkindergarten ausgesetzt sind.
3 Kinder mit besonderen Bedürfnissen: Vorstellung der Teilnehmer der heilpädagogischen Kleingruppe und Begründung der heilpädagogischen Hilfe.
4 Eine systemische Betrachtungsweise, ausgehend von Bronfenbrenner und Speck: Theoretische Fundierung der Arbeit durch systemische Konzepte und Analyse der verschiedenen beteiligten Systeme (Kind, Familie, Team).
5 Die ressourcenorientierte Sichtweise im Überblick: Definition von Ressourcen und Darstellung der ressourcenorientierten Arbeitsweise im Gegensatz zur Defizitorientierung.
6 Ressourcen- und systemorientierte Methoden: Konkrete methodische Ansätze wie Beobachtung, Beziehungsgestaltung und psychomotorische Methoden in der Praxis.
7 Die Herausforderungen der heilpädagogischen Gruppenarbeit: Reflexion der Herausforderungen in der Arbeit anhand von verschiedenen polaren Spannungsfeldern.
8 Schluss: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und ein persönliches Resümee der Autorin zur 10-monatigen Maßnahme.
Schlüsselwörter
Heilpädagogik, Regelkindergarten, Systemtheorie, Ressourcenorientierung, Gruppenarbeit, Psychomotorik, Konstruktivismus, Beobachtung, Erziehungspartnerschaft, Kleingruppe, Sozialkompetenz, Inklusion, Reflexion, Entwicklung, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit dokumentiert eine heilpädagogische Gruppenmaßnahme in einem Regelkindergarten und reflektiert diese anhand systemtheoretischer und ressourcenorientierter Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die systemische Betrachtungsweise, das Erkennen und Fördern von Ressourcen, heilpädagogische Methoden und die Kommunikation zwischen den Systemen Kindergarten, Familie und Kind.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie eine heilpädagogische Fachkraft durch gezielte Beobachtung und Intervention die Entwicklung der Kinder fördern und das pädagogische Team unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt einen eklektischen Ansatz, der vor allem auf systemisch-ökologischen Orientierungsmodellen, konstruktivistischen Sichtweisen und fachmethodischen Elementen der Psychomotorik basiert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt der Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die systemische Analyse der beteiligten Akteure, die Ressourcendiagnostik bei Kindern und Eltern sowie die Anwendung konkreter Methoden wie Beobachtung und Psychomotorik in der Gruppenstunde.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Systemtheorie, Ressourcendiagnostik, heilpädagogische Gruppenarbeit, Autopoiese und Beziehungsgestaltung aus.
Wie unterscheidet sich die heilpädagogische Herangehensweise der Autorin von der Defizitorientierung?
Anstatt nur Fehlverhalten oder Defizite bei den Kindern zu identifizieren, legt die Autorin den Fokus auf die Entdeckung und Nutzung persönlicher Stärken und Fähigkeiten, um die Selbstwirksamkeit zu fördern.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Kooperation zwischen Kindergarten und Familie bei?
Die Autorin sieht diese Kooperation als essenzielles Mesosystem an, in dem Konfliktpotentiale bestehen, die durch eine ressourcenorientierte Kommunikation und gegenseitige Wertschätzung in konstruktive Bahnen gelenkt werden können.
- Quote paper
- Doris Brandt (Author), 2011, Heilpädagogische Arbeit mit einer Kleingruppe im Regelkindergarten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183023