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Politisierung von Religion in Konflikten

Hat Religion im Libanon eine konfliktverschärfende oder konfliktentschärfende Funktion?

Title: Politisierung von Religion in Konflikten

Term Paper , 2008 , 30 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jessica Plambeck (Author)

Politics - Region: Near East, Near Orient
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Trotz Gegenteiliger Annahmen, dass Religion als eine politische Kraft aus der modernen Gesellschaft langsam verschwindet, ist in weiten Teilen der so genannten Dritten Welt, aber auch in manchen Industriestaaten, allen voran den USA, in den letzten zwei Jahrzehnten eine „politische Renaissance religiöser Gemeinschaften“ zu beobachten.Bisher lässt sich nicht absehen, ob es sich nur um eine Politisierung der Religion, im Rahmen der bisherigen Regelungen des Verhältnisses von Religion und Politik, religiösen Gemeinschaften und Staat handelt, oder ob nicht vielmehr eine genuine Renaissance der Religion im Gange ist. Eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Entwicklungen deutet dabei auf die Beharrlichkeit von Religion in der Politik und ihre veränderte Rolle zur Politik hin. Hierzu zählen nicht nur die Entstehung fundamentalistischer Bewegungen, sowie ihre zunehmende Mobilisierung in nahezu allen religiösen Traditionen, sondern auch die steigende Zahl der gewaltsam ausgetragenen Konflikte, in denen religiöse Komponenten eine wesentliche Rolle spielen.
Gewaltsam ausgetragene Konflikte werden häufig durch religiöse Motivlagen beeinflusst. Dabei können religiös verfasste Institutionen, religiös motivierte Personen, religiöse Praxis und Tradition, sowie theologische Lehrbildung sowohl konfliktverschärfend als auch konfliktentschärfend wirken.[...]
Die Schwächung staatlicher Institutionen und nationaler Identitäten führt vor allem in Ländern der Dritten Welt zu einem ideologischem Vakuum, in dem religiöse Traditionen Mittelpunkt neuer kultureller Identitäten und transnationaler Einheitsprojekte werden.
Es lässt sich somit feststellen, dass dem Verhältnis von Politik und Religion, insbesondere seit 9/11, erhöhte Aufmerksamkeit im wissenschaftlichen Diskurs zukommt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Religion auch in der Politikwissenschaft, die das Feld bisweilen überwiegend den Religionssoziologen und Staatskirchenrechtlern überließen, oder ihr allenfalls marginale Betrachtung schenkte, Einzug erhält[...]
Nach einer kurzen theoretischen Einleitung, die auf dem Ansatz von Andreas Hasenclever und Volker Rittberger beruht, soll die Rolle von Religion im libanesischen Bürgerkrieg, welche von 1975 bis 1990 andauerte, untersucht werden. Im Speziellen wird die Frage behandelt werden, inwieweit man von einer Politisierung der Religion im Libanon sprechen kann bzw. inwieweit Religion während dieses Konfliktes von den einzelnen Konfliktparteien instrumentalisiert wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Ansatz und Einfluss von Religion in politischen Konflikten

2.1 Primordialisten

2.2 Instrumentalisten

2.3 Konstruktivisten

2.4 Gegenüberstellung der Positionen „Religion in Konflikten“

3. Ist Religion konfliktverschärfend oder –entschärfend?

3.1 Mobilisierbarkeit der Anhänger

3.2 Religiöse Aufklärung

3.3 Strukturelle Toleranz bzw. Religiöses Bewusstsein

3.4 Innerreligiöse Öffentlichkeit

3.5 Religiöse Autonomie

4. Einleitung zum Empirieteil

5. Historischer Abriss

5.1 Vom Osmanischen Reich zum Nationalstaat Libanon

5.2 Politisches System im Libanon

5.3 Ursachen, Auslöser und Verlauf des Bürgerkrieges

6. Beteiligte Gruppen

6.1 Die maronitische Religionsgemeinschaft

6.2 Die sunnitische Religionsgemeinschaft

6.3 Die schiitische Religionsgemeinschaft

7. Profil der Gruppen mit Bezug auf den Bürgerkrieg

7.1 Maroniten

7.2 Sunniten

7.3 Schiiten

7.4 Externe Akteure

8. Analyse

8.1 Konfliktverschärfend bzw. -entschärfend

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Religion und Politik im Kontext gewaltsamer Auseinandersetzungen, mit besonderem Fokus auf den libanesischen Bürgerkrieg (1975–1990). Ziel ist es zu analysieren, ob Religion als konfliktstiftende Ursache fungiert oder als Instrument zur politischen Mobilisierung eingesetzt wurde, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit Religion im Libanon eine konfliktverschärfende oder konfliktentschärfende Funktion einnimmt.

  • Theoretische Einordnung von Religion in politischen Konflikten (Primordialisten, Instrumentalisten, Konstruktivisten)
  • Analyse der Instrumentalisierung religiöser Symbolik und Identität in Krisenzeiten
  • Historische Entwicklung des libanesischen Konfessionalismus und des Nationalpakts
  • Detaillierte Untersuchung der Akteursrollen von Maroniten, Sunniten und Schiiten während des Bürgerkriegs
  • Überprüfung der Wirksamkeit von Religion als friedensstiftender oder gewaltfördernder Faktor

Auszug aus dem Buch

3 Ist Religion konfliktverschärfend oder –entschärfend?

Ausgehend von der Grundannahme, dass Religion sich sowohl konfliktverschärfend als auch konfliktentschärfend auswirken kann, soll nun herausgearbeitet werden unter welchen Umständen politische Eliten Religion für die Austragung von Konflikten oder zur Stiftung von Frieden einsetzen. Konflikt wird in dieser Hinsicht als Positionsdifferenz zwischen Gruppen in Bezug auf die Verteilung materieller und immaterieller Güter gesehen. Zudem sollte darauf hingewiesen werden, dass die Arbeit im Folgenden den Prämissen des instrumentalistischen Ansatzes folgt. Religion wird somit nicht als genuine Konfliktursache gesehen. Eliten werden dabei als zweckrationale Akteure verstanden, die ihre Handlungsstrategien nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten auswählen. Des Weiteren sind die handelungsstrategischen Optionen der Eliten begrenzt, da ihre Wahl durch den Wertehorizont ihrer Parteigänger beschränkt werden (Hasenclever/ Rittberger 2000a: 141).

Ebenso kann unterstellt werden, dass Eliten weder zu Gewalt neigen, noch dass sie Gewalt ausschließen, damit Gegner ihre Forderungen befolgen. Da Gewalt ein Mittel darstellt, dessen Einsatz in den meisten Fällen Gegengewalt hervorruft, in Konfrontationen endet, deren Dauer teils länger andauert als erwartet, dessen Resultat die Desintegration der eigenen Gruppierung darstellen könnte, sowie in der Regel hohe Opportunitätskosten aufweist und hohe organisatorische und materielle Kosten mit sich führt, stellt der Einsatz von Gewalt in Konflikten ein riskantes Mittel dar (Hasenclever/ Rittberger 2000: 651).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die politische Renaissance religiöser Gemeinschaften und die theoretische Notwendigkeit, das ambivalente Konflikt- und Friedenspotenzial von Religion wissenschaftlich zu untersuchen.

2. Theoretischer Ansatz und Einfluss von Religion in politischen Konflikten: Dieses Kapitel differenziert zwischen den drei sozialwissenschaftlichen Positionen der Primordialisten, Instrumentalisten und Konstruktivisten in Bezug auf die Rolle von Glauben in politischen Auseinandersetzungen.

3. Ist Religion konfliktverschärfend oder –entschärfend?: Hier wird untersucht, unter welchen Bedingungen politische Eliten Religion zweckrational instrumentalisieren und wie Faktoren wie Mobilisierbarkeit und religiöse Bildung die Konfliktdynamik beeinflussen.

4. Einleitung zum Empirieteil: Dieser Abschnitt überleitet von der Theorie zur praktischen Analyse des libanesischen Bürgerkriegs und der Frage nach der Instrumentalisierung religiöser Identitäten.

5. Historischer Abriss: Es wird die Genese des libanesischen Nationalstaates, des Konfessionalismus und der Ursachen des Bürgerkriegs nachgezeichnet.

6. Beteiligte Gruppen: Eine detaillierte Darstellung der drei Hauptkonfessionen (Maroniten, Sunniten, Schiiten) und ihrer Rolle im politischen System des Libanons.

7. Profil der Gruppen mit Bezug auf den Bürgerkrieg: Dieses Kapitel skizziert die spezifischen Interessen und militärischen Strategien der verschiedenen Religionsgruppen und der externen Akteure im Konfliktverlauf.

8. Analyse: Die abschließende Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Instrumentalisierung von Religion den Bürgerkrieg verschärft hat, Religion jedoch nicht als genuine Konfliktursache anzusehen ist.

Schlüsselwörter

Libanon, Bürgerkrieg, Religion, Politik, Konfessionalismus, Instrumentalisierung, Nationalpakt, Maroniten, Sunniten, Schiiten, Machtkalkül, Mobilisierung, Identität, Konflikttheorie, Nahost.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis zwischen Religion und Politik am Beispiel des Libanon, um zu klären, welche Rolle religiöse Identität in einem gewaltsamen Bürgerkrieg spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die theoretische Konfliktforschung, die historische Entwicklung des libanesischen Konfessionalismus und die politische Instrumentalisierung von Konfessionen durch Eliten.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Religion im Libanon eher konfliktverschärfend oder konfliktentschärfend gewirkt hat.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin nutzt den instrumentalistischen Ansatz der Politikwissenschaft, um Akteure als zweckrationale Strategen zu betrachten, deren Handeln von Kosten-Nutzen-Kalkülen bestimmt wird.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, einen historischen Abriss des libanesischen Staates und eine detaillierte Profilanalyse der beteiligten Religionsgemeinschaften während des Bürgerkriegs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?

Besonders prägend sind Begriffe wie Konfessionalismus, politische Instrumentalisierung, Machtkampf und die spezifischen Akteursgruppen Maroniten, Sunniten und Schiiten.

Warum spielt die Angst der Akteure eine so zentrale Rolle im Text?

Angst fungiert als Triebkraft für politisches Handeln; die Furcht vor Machtverlust oder physischer Vernichtung führt zur Anreicherung politischer Konflikte mit religiöser Rhetorik.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Nationalpakts von 1943?

Der Nationalpakt wird als ein instabiler Kompromiss gewertet, der zwar kurzfristig zur nationalen Identitätsbildung diente, langfristig jedoch das politische System in starre konfessionelle Blöcke zementierte.

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Details

Title
Politisierung von Religion in Konflikten
Subtitle
Hat Religion im Libanon eine konfliktverschärfende oder konfliktentschärfende Funktion?
College
University of Hamburg  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Islam in Südostasien
Grade
1,7
Author
Jessica Plambeck (Author)
Publication Year
2008
Pages
30
Catalog Number
V183237
ISBN (eBook)
9783656074533
ISBN (Book)
9783656074670
Language
German
Tags
politisierung religion konflikten libanon funktion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jessica Plambeck (Author), 2008, Politisierung von Religion in Konflikten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183237
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