Mit dieser Arbeit sollen auf Grundlage bisheriger theoretischer Erkenntnisse und einer eigenen durchgeführten empirischen Untersuchung Hinweise auf die motivationale Ausgangslage der Probanden gewonnen und daraus abgeleitet zielgruppenspezifische Behandlungsstrategien zur Modifizierung des Rauchverhaltens für suchtmittelabhängige Patienten in der Adaptionsphase entwickelt werden.
Methode: Untersucht wurde eine Stichprobe von 126 Patienten, die sich wegen einer Suchterkrankung in Adaptionsbehandlung befanden. Mit einem Fragebogen wurden soziodemographische Daten, der Raucherstatus, die Änderungsmotivation bezüglich der Ziele Tabakabstinenz und -reduktion, die Selbstwirksamkeitserwartung (Tabakabstinenz und -reduktion) und das Interesse zur Teilnahme an einem Kurs zur Modifikation des Rauchverhaltens erhoben.
Ergebnisse: Die Stichprobe ergab eine geringe Änderungsmotivation und Selbstwirksamkeitserwartung bezüglich dem Ziel „Tabakabstinenz“. Die Änderungsmotivation und die Selbstwirksamkeitserwartung bezüglich dem „niederschwelligen“ Ziel „Tabakreduktion“ war signifikant höher. Bei der Erhebung des Interesses an einem Kurs zur Modifikation des Rauchverhaltens gaben 51 (43%) Patienten an, kein Interesse zu haben, 20 (16,9%) haben Interesse an einem Reduktionskurs und 47 (39,8%) Interesse an einem Abstinenzkurs. Als moderierende Variablen für das Interesse an einer Kursteilnahme stellten sich die Änderungsmotivation (bezüglich beider Zielbereiche) und die Selbstwirksamkeitserwartung (nur bezüglich der Tabakabstinenz) heraus.
Schlussfolgerung: Bei dem Angebot eines Modifikationskurses muss bei der Rekrutierung aufgrund der geringen Änderungsmotivation von Teilnehmern „proaktiv“ vorgegangen werden. Das Kursangebot sollte zieloffen gestaltet sein und auch „nur“ reduktionswilligen Interessenten offen stehen. Neben Maßnahmen zur Erhöhung der Änderungsmotivation sollte der Schwerpunkt der Maßnahmen auf der Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung liegen.
Ein Programm mit der Kombination von motivationsfördernden und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Elementen ist für diese Zielgruppe zu empfehlen. Zur Erhöhung der Erfolgsaussichten bei einer Rauchentwöhnung mit dem Ziel der Abstinenz sollten beim bestehen von körperlicher Abhängigkeitssymptomen Nikotinersatzprodukte zum Einsatz kommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Historischer Abriss zum Thema Rauchen
2.2 Epidemiologie des Tabakkonsums
2.3 Gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte des Tabakkonsums
2.4 Pharmakologische Aspekte des Rauchens
2.5 Tabakassoziierte gesundheitliche Schäden
2.6 Entstehung und Aufrechterhaltung der Tabak- / Nikotinabhängigkeit
2.6.1 Das Trias-Modell
2.6.2 Das kognitiv-verhaltenstherapeutische Störungskonzept
2.6.3 Verlauf der Tabak- / Nikotinabhängigkeit
2.7 Klassifikation der Tabak- / Nikotinabhängigkeit
2.7.1 Definition der Abhängigkeit
2.7.2 Das dimensionale Konzept der Abhängigkeit
2.8 Stages of Change: Das Transtheoretische Modell der Verhaltensänderung
2.8.1 Grundlagen des Modells
2.8.2 Stufen der Verhaltensänderung („Stages of Change“)
2.8.3 Charakteristika der einzelnen Stufen
2.8.4 Kritik am Stufenmodell
2.9 Erkenntnisse zum Rauchverhalten von suchtmittelabhängigen Patienten
2.10 Tabakreduktion als Alternativziel?
2.10.1 Überlegungen zu Zielalternativen
2.10.2 Diskussion des Alternativziels Tabakreduktion
3 Empirischer Teil
3.1 Untersuchungsziel und Fragestellungen
3.2. Methode
3.2.1 Stichprobenbeschreibung
3.2.2 Das Untersuchungsinstrument
3.2.3 Durchführung der Untersuchung
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Stichprobenbezogene Charakteristika
3.3.2 Aktueller Rauchstatus
3.3.3 Tabakabstinenzversuche / Versuche der Konsumreduktion
3.3.4 Änderungsmotivation
3.3.5 Selbstwirksamkeitserwartung
3.3.6 Interesse an einem Programm zur Modifikation des Rauchverhaltens
3.3.7 Zusammenhänge des Teilnahmeinteresses zu möglichen moderierenden Variabeln
3.3.7.1 Teilnahmeinteresse und soziodemographische Daten/ Behandlungsdaten
3.3.7.2 Teilnahmeinteresse und Änderungsmotivation
3.3.7.3 Teilnahmeinteresse und Selbstwirksamkeitserwartung
4 Diskussion und Ausblick
4.1 Diskussion der Ergebnisse
4.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die motivationale Ausgangslage von Patienten in der Adaptionsphase hinsichtlich ihres Rauchverhaltens, um zielgruppenspezifische Behandlungsstrategien zur Modifikation des Konsums zu entwickeln, da konventionelle Entwöhnungsangebote bei dieser Gruppe bisher wenig erfolgreich sind.
- Rauchverhalten und Nikotinabhängigkeit bei suchtmittelabhängigen Patienten
- Bedeutung der Änderungsmotivation und Selbstwirksamkeitserwartung im Transtheoretischen Modell
- Diskussion der Tabakreduktion als niederschwellige Zielalternative zur Abstinenz
- Empirische Analyse des Interesses an Modifikationsprogrammen in der Adaptionsbehandlung
Auszug aus dem Buch
2.4 Pharmakologische Aspekte des Rauchens
Nikotin ist im Reinzustand eine gelblich-ölige Flüssigkeit und gilt als der Hauptwirkstoff des Tabaks. Es ist das Hauptalkaloid der Tabakpflanze und wirkt psychotrop, was bedeutet, dass es auf das seelische Befinden einwirkt und so eine psychische wie auch physische Abhängigkeit verursachen kann. Beim inhalieren durchdringt das Nikotin rasch die Blut-Hirnschranke und wird in einigen Hirnteilen, wie dem Stammhirn, Hypothalamus, Hippocampus, Septum und Cortex aktiv aufgenommen. Kleine Dosen von Nikotin erregen, während große zu hemmenden Effekten führen. Das Nikotin führt zu Veränderungen im gesamten Nervensystem (vgl. Haustein, 2001; Kröger, 2001; DHS, 2003):
Es bewirkt die Freisetzung der Transmitter Adrenalin, Noradrenalin, Vasopressin, Serotonin, beta-Endorphin, ACTH, Cortisol, Prolactin sowie von Dopamin im mesolimbischen Sytstem.
Es führt zum Anstieg der Katecholamine im strömenden Blut mit der Beeinflussung des Blutdrucks, der Herzfrequenz und von Blutgerinnungsfaktoren.
Es bewirkt die unterschiedliche Steigerung der Magensäuresekretion bei ulzerogener Wirkung über die verminderte Durchblutung der Schleimhaut.
Es führt (in niedrigen Dosen) zu einer erregenden Wirkung auf das Zentralnervensystem (Tremor, Dämpfung von Emotionen, Steigerung des Konzentrationsvermögens).
Es hat (in niedrigen Dosen) eine atemstimulierende Wirkung.
Raucher erlangen rasch eine Toleranz gegenüber den anfänglich aversiven Effekten des Nikotins und gewinnen an Sensitivität bezüglich der stimulierenden Effekte. Die unmittelbare Wirkung, die wenige Sekunden nach der Inhalation am Wirkort angenehme psychotrope Effekte entfaltet, erklärt die hohe Suchtpotenz dieser Substanz (vgl. Batra, 2000).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangsbeobachtungen im Adaptionshaus und die Forschungsfragen zur Motivation zur Tabakmodifikation bei Suchtpatienten.
2 Theoretische Grundlagen: Erläutert die Geschichte, Epidemiologie, Pharmakologie und die Modelle zur Suchtentstehung, insbesondere das Transtheoretische Modell.
3 Empirischer Teil: Stellt die Untersuchungsmethode, Stichprobe und die Ergebnisse zur Motivation und Selbstwirksamkeit der Patienten dar.
4 Diskussion und Ausblick: Diskutiert die Ergebnisse im Kontext bisheriger Forschung und leitet Empfehlungen für eine zielgruppengerechte therapeutische Praxis ab.
Schlüsselwörter
Adaptionsphase, Suchthilfe, Tabakkonsum, Nikotinabhängigkeit, Rauchverhaltensmodifikation, Änderungsmotivation, Tabakreduktion, Transtheoretisches Modell, Selbstwirksamkeitserwartung, Suchttherapie, Raucherentwöhnung, Suchtmittelabhängigkeit, Motivationsförderung, Intervention, Gesundheitsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Rauchverhalten und die Änderungsmotivation von suchtmittelabhängigen Patienten in der Adaptionsphase der Rehabilitation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Es werden die theoretischen Grundlagen der Tabakabhängigkeit sowie die praktische Eignung von Interventionsstrategien, wie Tabakreduktion und Tabakabstinenz, bei dieser spezifischen Zielgruppe diskutiert.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Ableitung zielgruppenspezifischer Behandlungsstrategien, die eine hohe Akzeptanz bei Patienten finden, die bisher von klassischen Entwöhnungsprogrammen nicht erreicht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für den empirischen Teil verwendet?
Es wurde eine schriftliche Befragung (Screening) von 120 Patienten mittels eines standardisierten Fragebogens durchgeführt, um Motivation, Selbstwirksamkeit und Teilnahmeinteresse zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung des Themas Rauchen und eine empirische Analyse der Daten aus verschiedenen Adaptionseinrichtungen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Adaptionsphase, Tabakreduktion, Suchtmittelabhängigkeit, Änderungsmotivation und Transtheoretisches Modell.
Warum wird die Tabakreduktion als Alternative diskutiert?
Weil viele Suchtpatienten nicht zu einer vollständigen Abstinenz motiviert sind und durch das Ziel der Reduktion die Hemmschwelle für ein Behandlungsangebot gesenkt werden könnte.
Welche Rolle spielt die Selbstwirksamkeit?
Die Selbstwirksamkeit ist ein entscheidender Prädiktor für den Therapieerfolg; eine Steigerung dieser Erwartung ist zentral für eine erfolgreiche Verhaltensänderung bei Suchtpatienten.
Wie unterscheidet sich die Zielgruppe von der Allgemeinbevölkerung?
Die Patienten in der Adaptionsphase weisen eine deutlich höhere Raucherprävalenz und einen höheren Grad an Nikotinabhängigkeit auf als die rauchende Allgemeinbevölkerung.
Was empfiehlt der Autor für die therapeutische Praxis?
Es wird ein niederschwelliges, proaktiv beworbenes Angebot empfohlen, das sowohl Abstinenz als auch Reduktion als Ziele zulässt und die Motivationsförderung in den Vordergrund stellt.
- Citation du texte
- Joachim Finking (Auteur), 2004, Zielgruppenspezifische Behandlungsstrategien zur Modifikation des Rauchverhaltens bei suchtmittelabhängigen Patienten in der Adaptionsphase, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183669