„Im Jahre 1526 wurde unser Herr, der König, mit lügenhaften Berichten und verderblichen Behauptungen hintergangen, denn man hat sich ja immer bemüht, ihm die Wahrheit über die Schäden und Verluste zu verbergen, die Gott, die Menschen und sein Staat in Westindien erlitten, und daher verlieh und gewährte er den deutschen Kaufleuten ein großes Reich [...], nämlich Venezuela [...], und das durch [...] einen Vertrag, den er mit ihnen schloss“.
In so kritischen Worten beschreibt der Dominikaner Bartolomé de las Casas den Beginn des Venezuela-Unternehmens der Welser, die von ihm als „leibhaftige[ ] Teufel“ bezeichnet werden. Von 1528 bis 1556 kontrollierte das Oberdeutsche Finanzhaus der Welser auf Grundlage des bei Las Casas angesprochenen Vertrags mit der spanischen Krone die Geschicke der Provinz Venezuela. Als Hauptergebnis dieser Verwaltung führt Las Casas die Entvölkerung der Provinz infolge der Versklavung und Ausrottung der indianischen Bevölkerung an.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die Venezuela-Verträge der Welser von 1528. Zum Vergleich wird das gescheiterte Chile-Unternehmen der Fugger von 1531 untersucht, um danach Motive und Strategien der Welser’schen Verwaltung zu analysieren. Als Hauptquellen werden dazu der Asiento (Kronvertrag) der Welser vom 27. März 1528 und der nicht in Kraft getretene Vertrag der Fugger herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Venezuela-Verträge der Welser
1. Voraussetzungen
2. Venezuela – Ein Projekt von Ehinger und Sailer?
3. Der Asiento vom 27. März 1528
4. Die übrigen Verträge
III. Das Chile-Unternehmen der Fugger
1. Genese des Unternehmens
2. Der Vertrag zwischen der Krone und den Fugger
3. Die Verträge der Welser und Fugger im Vergleich
IV. Motive und Strategien der Welser’schen Verwaltung
V. Schluss
VI. Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Venezuela-Verträge der Welser von 1528 und vergleicht diese mit dem gescheiterten Chile-Unternehmen der Fugger von 1531, um daraus die spezifischen Motive und Strategien der Welser'schen Kolonialverwaltung abzuleiten.
- Analyse der rechtlichen und politischen Voraussetzungen für deutsche Handelsunternehmen in der Neuen Welt.
- Untersuchung des "Asiento"-Vertrags und der damit verbundenen Rechte und Pflichten der Welser.
- Vergleichende Betrachtung der Unternehmensstrukturen von Welsern und Fuggern.
- Bewertung der administrativen Strategien sowie der Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung.
- Kritische Aufarbeitung der kolonialen Expansionsbestrebungen und deren wirtschaftlicher Realität.
Auszug aus dem Buch
3. Der Asiento vom 27. März 1528
Das Kernstück der Venezuela-Übereinkünfte war der Asiento vom 27. März 1528, der formal Heinrich Ehinger und Hieronymus Sailer, faktisch aber den Welsern die Provinz Venezuela übertrug, um sie zu „entdecken, erobern und besiedeln“; bei einem Ausfall von einem der Welser-Bevollmächtigten sollte Heinrich Ehingers Bruder Georg oder Ambrosius Dalfinger nachrücken. Der Vertrag legte außerdem fest, dass der Gouverneur García de Lerma bei der militärischen Befriedung seiner Provinz Santa Marta unterstützt werden sollte. Zu diesem Zweck und zur Eroberung und Besiedlung von Venezuela verpflichteten sich die Bevollmächtigten der Welser darauf, eine Flotte von mindestens vier Schiffen mit insgesamt dreihundert Mann auszurüsten. Als Grenzen der Provinz Venezuela wurde im Osten das Cabo de la Vela, im Westen das Cabo de Maracapana festgelegt. In Nord-Süd-Richtung sollte sich die Provinz „von einem Meer zum anderen“ erstrecken, d.h. von der Atlantikküste aus Richtung Süden. Ausgenommen waren davon die der Küste vorgelagerten Inseln Aruba, Buenaire und Curaçao, die der königliche Factor Juan de Ampiés schon in Encomienda erhalten hatte. Zudem mussten die Welser innerhalb von zwei Jahren mindestens zwei Siedlungen gründen und für jede von ihnen dreihundert Siedler ins Land bringen. Außerdem sollten fünfzig deutsche Bergleute nach Venezuela und in die übrigen Teile des spanischen Westindiens gebracht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt das koloniale Engagement der Welser kritisch vor und benennt die Forschungsfrage, die das Welser-Unternehmen mit dem Chile-Projekt der Fugger vergleicht.
II. Die Venezuela-Verträge der Welser: Dieses Kapitel erläutert die Voraussetzungen, den Ursprung des Projekts durch Ehinger und Sailer sowie die inhaltlichen Details des Asiento-Vertrags von 1528.
III. Das Chile-Unternehmen der Fugger: Hier wird die Genese und Ausgestaltung des Fugger-Projekts in Chile analysiert und ein direkter Vergleich zu den vertraglichen Regelungen der Welser gezogen.
IV. Motive und Strategien der Welser’schen Verwaltung: Das Kapitel analysiert die unternehmerischen Strategien der Welser und widerlegt die Annahme eines einheitlichen "Wirtschaftsplans".
V. Schluss: Der Schlussteil bilanziert das wirtschaftliche Scheitern des Venezuela-Unternehmens und bewertet die berechtigte Kritik an der Verwaltungspraxis.
VI. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der relevanten wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Welser, Fugger, Venezuela, Chile, Asiento, Kolonialismus, Karl V., Konquista, Indienrat, Sklavenhandel, El Dorado, Ambrosius Dalfinger, Wirtschaftsgeschichte, Frühe Neuzeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ökonomischen und politischen Verträgen deutscher Handelshäuser (Welser und Fugger) mit der spanischen Krone im 16. Jahrhundert für Gebiete in der Neuen Welt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kolonialverträge, die unternehmerische Organisation von Expansionen und das Verhältnis zwischen Konzernführung und den Akteuren vor Ort.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Analyse der Motive und Strategien der Welser in Venezuela sowie ein Vergleich mit dem gescheiterten Chile-Unternehmen der Fugger.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die auf den originalen Asiento-Verträgen und zeitgenössischer sowie moderner Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Welser-Verträge, das Fugger-Projekt in Chile und die anschließende analytische Gegenüberstellung der Unternehmensstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Welser, Fugger, Venezuela-Vertrag, Konquista und historische Wirtschaftsstrategien charakterisiert.
Warum scheiterten die Chile-Pläne der Fugger?
Der Hauptgrund war ein Meinungsumschwung des Indienrats hinsichtlich der Molukken-Ansprüche, wodurch das eigentliche Ziel des Unternehmens hinfällig wurde.
War die Kritik von Las Casas an den Welsern gerechtfertigt?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Kritik an der Welser-Verwaltung trotz polemischer Züge aufgrund der systematischen Ausbeutung und Entvölkerung in der Provinz als berechtigt einzustufen ist.
- Quote paper
- Helmut Strauss (Author), 2002, Die Venezuela-Verträge der Welser und das Chile-Unternehmen der Fugger - Pläne Oberdeutscher Handelshäuser in Übersee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18387