„Gedichte spielen weder im Mutter- noch im Fremdsprachenunterricht eine wichtige Rolle. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Einer der Gründe besteht wohl darin, dass sie bei Schülern nicht beliebt sind.“
Diese Aussage ist aktuell und die Einstellung war schon früher bei Lernenden zu finden, nämlich dass Lyrik im Allgemeinen unverständliche und komplizierte Texte sind, die man einer rhetorischen Analyse unterziehen muss und damit die Unterrichtseinheit beendet ist. Ein solch negatives Bild der Gedichte ist zu großen Teilen die Schuld eines wenig motivierenden Unterrichts. Die Lyrikdidaktik ist, vor allem im Fremdsprachenunterricht, kein Schwerpunktthema, sodass moderne Methoden und Ansätze rar sind. Für das Fach Spanisch gibt es noch weniger spezielle Literatur als beispielsweise für das Fach Französisch, die einen angemessenen Lyrikunterricht für Schülerinnen und Schüler bieten kann. Überregional anerkannte Standards sind für die zweite und/oder dritte Fremdsprache (noch) nicht vorhanden, sodass der Unterricht auf den gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen zurückgreifen muss.
Daher sollen in dieser Arbeit Aufsätze für einen modernen Lyrikunterricht im Fach Spanisch skizziert werden. Dafür ist es, aufgrund der fehlenden einschlägigen Literatur, naheliegend und erforderlich, die Bestimmungen und Methoden aus anderen Fremdsprachendidaktiken zu analysieren und sinngemäß auf den Spanischunterricht zu übertragen. Zunächst analysiert diese Arbeit die neuere Geschichte der Fremdsprachendidaktik, um die Entwicklung zu erkennen und unterschiedliche Trends zu ermitteln. Dabei wird vor allem auf den gegenwärtig wichtigsten Aspekt der Lernerautonomie eingegangen und die Fragen, wieso diese Ausrichtung so vielversprechend ist. Daraufhin wird explizit die Literaturdidaktik näher betrachtet und die beiden letzten Strömungen, der New Criticism und die Rezeptionsästhetik beleuchtet, miteinander verglichen und die Einflüsse auf die heutige Didaktik erläutert. Von diesen Erkenntnissen ausgehend, wird explizit der kreative Ansatz behandelt, der im Fremdsprachenunterricht Schülerinnen und Schülern einen neuen Zugang zu Literatur bieten soll. Wie dies realisiert wird und was der Unterschied zum traditionellen Literaturunterricht ist, soll damit gezeigt werden. Am Ende der Arbeit steht ein Absatz zum konkreten Umgang mit Lyrik im Unterricht. Dabei spielen das Verständnis und der richtige Umgang mit dieser Gattung eine zentrale Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abriss des aktuellen Forschungsstandes des modernen Fremdsprachenunterrichts
2.1 Lernerautonomie
3. Literatur im Fremdsprachenunterricht
3.1 Der kreative Ansatz
4. Der Umgang mit Lyrik im modernen Fremdsprachenunterricht
5. Die kreative Analyse
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit skizziert moderne Ansätze für einen zeitgemäßen Lyrikunterricht im Fach Spanisch, um dem bisherigen Desinteresse der Lernenden an Gedichten durch einen handlungs- und produktionsorientierten Zugang entgegenzuwirken. Dabei wird die Entwicklung der Fremdsprachendidaktik analysiert, um geeignete Methoden für den Spanischunterricht zu adaptieren und diese mit dem Prinzip der Lernerautonomie zu verknüpfen.
- Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts und der Lernerautonomie
- Strömungen der Literaturdidaktik (New Criticism vs. Rezeptionsästhetik)
- Der kreative Ansatz in der Unterrichtspraxis
- Szenische, schreiborientierte und mediale Methoden der Lyrikdidaktik
- Bedeutung der Lyrik als authentisches und interkulturelles Medium
Auszug aus dem Buch
3.1 Der kreative Ansatz
Aufgrund zahlreicher Erkenntnisse und Veränderungen in der allgemeinen Fremdsprachendidaktik, wie der Orientierung an der Rezeptionsästhetik und der Lernerautonomie entstand der kreative Ansatz, der sich in der Praxis immer mehr etabliert. Der Begriff „kreativ“ kann hierbei zu Missverständnissen führen, da er eine ausschließlich ästhetische und subjektive Behandlung suggerieren kann. Allerdings zielt der Ansatz auf eine „Kombination mit analytischen Verfahren“ ab, sprich der ästhetisch-kreative Umgang mithilfe analytisch-strukturalistischer Verfahren. Denn gerade aktuell ist eine „Rückbesinnung auf alte Tugenden“ zu beobachten, was die analytische Behandlung von literarischen Texten angeht. Jedoch steht diese so genannte „literarische Kompetenz“ nicht isoliert und stellt nicht per se seinen Geltungsanspruch dar, sondern soll als „Teil des gesamten Interpretationsprozesses“ angesehen werden.
Die rhetorische Analyse bildet hierbei nicht das Ziel, sondern das Mittel, um eine ganzheitliche Behandlung des vorliegenden Werkes zu gewährleisten. Neben diesen herkömmlichen analytischen Methoden sollen demnach „kreative Schülerinterpretationen“ genauso wie handlungs- und produktionsorientierte Ansätze gefördert werden, die das „Erstellen von Produkten als Antwort auf literarische Texte sowie den Ausdruck der subjektiven Empfindungen und Verstehensweisen der Lernenden“ im Unterricht etablieren. Bei der Behandlung eines literarischen Textes sollte es daher zwei Phasen geben: zum einen die imaginativ-produktive und zum anderen die analytische Phase, die sich ergänzen und den Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu unterschiedlichen Ebenen geben soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Problematik der Unbeliebtheit von Lyrik im Fremdsprachenunterricht und stellt das Ziel der Arbeit dar, durch moderne Didaktik einen neuen Zugang zu schaffen.
2. Abriss des aktuellen Forschungsstandes des modernen Fremdsprachenunterrichts: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Fremdsprachendidaktik nach und fokussiert auf kommunikative Kompetenz und Handlungsorientierung.
2.1 Lernerautonomie: Hier wird das Konzept der Lernerautonomie als essenzielle Methode für freien, schülerzentrierten Unterricht und zur Binnendifferenzierung erläutert.
3. Literatur im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel diskutiert die Rolle von Literatur als wichtiges interkulturelles Instrument und vergleicht New Criticism und Rezeptionsästhetik.
3.1 Der kreative Ansatz: Es wird dargelegt, wie analytische Verfahren durch kreative und produktionsorientierte Methoden ergänzt werden können, um ein ganzheitliches Textverständnis zu ermöglichen.
4. Der Umgang mit Lyrik im modernen Fremdsprachenunterricht: Das Kapitel thematisiert, wie Lyrik durch Zeitersparnis und hohe Interpretationsvielfalt besonders gut für moderne Ansätze geeignet ist.
5. Die kreative Analyse: Hier werden konkrete kreative Methoden vorgestellt, wie Perspektivwechsel, Umgestaltung und visuelle/akustische Gestaltung von Lyrik.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein Umdenken der Lehrkräfte hin zu handlungs- und produktorientierten Methoden notwendig ist, um Lyrik nachhaltig im Spanischunterricht zu verankern.
Schlüsselwörter
Lyrikdidaktik, Spanischunterricht, Lernerautonomie, Kreativer Ansatz, Rezeptionsästhetik, Fremdsprachendidaktik, Interkulturelles Lernen, Literaturdidaktik, Handlungsorientierung, Produktionsorientierung, Ganzheitlichkeit, Schülerzentrierung, Textanalyse, Moderne Sprachvermittlung, Sprachkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Vermittlung von Lyrik im Spanischunterricht auseinander und plädiert für einen modernen, schülerzentrierten Ansatz.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Fremdsprachendidaktik, das Prinzip der Lernerautonomie, literaturwissenschaftliche Strömungen und kreative Methoden für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein Modell für einen kreativen und aktiven Umgang mit Lyrik im Fach Spanisch zu entwickeln, das die Schüler zum Sprechen und Schreiben motiviert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die bestehende Theorien zur Fremdsprachendidaktik und Literaturdidaktik auf den Spanischunterricht überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Didaktik, einen Vergleich von Analysestrategien und eine detaillierte Ausarbeitung kreativer Übungsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Lernerautonomie, Lyrikdidaktik, kreativer Ansatz, Rezeptionsästhetik und Handlungsorientierung.
Warum wird gerade das Fach Spanisch für diese Analyse gewählt?
Das Fach Spanisch wird gewählt, weil es im Vergleich zu anderen Sprachen einen Nachholbedarf an spezifischer Lyrik-Methodik aufweist und die Lehrkräfte oft auf eigene Materialien angewiesen sind.
Wie unterscheidet sich der kreative Ansatz vom traditionellen Literaturunterricht?
Im Gegensatz zum traditionellen, rein analytischen und lehrerzentrierten Unterricht legt der kreative Ansatz Gewicht auf subjektive Erfahrung, Produktion und handlungsorientierte Ergebnisse.
Welche Rolle spielt die Lernerautonomie für den Erfolg des Unterrichts?
Die Lernerautonomie ermöglicht es Schülern, eigene Interpretationen zu finden, was zu einer höheren Motivation und Identifikation mit dem Lernstoff führt.
Wie soll das Feedback in einem kreativen Unterricht gestaltet sein?
Es wird eine tolerante, konstruktive Feedback-Kultur gefordert, in der Interpretationen der Lernenden wertgeschätzt werden, anstatt sie als „richtig“ oder „falsch“ zu klassifizieren.
- Arbeit zitieren
- Carlos Steinebach (Autor:in), 2011, Moderne Literatur- und Lyrikdidaktik im Fremdsprachenunterricht Spanisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183931