Vom Sinn des Hörens

Portfolio zum Seminar "Vom Sinn des Hörens"


Zwischenprüfungsarbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorwissen über den Sinn des Hörens

3 Vorstellung von dem Seminar

4 Erwartungen an das Seminar

5 Kommunikationsmodelle
5.1 Anxiome im Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick
5.1.1 Begründung der Wahl des Theorieelements
5.1.2 Darstellung der fünf Axiome und eigener Lernprozess
5. 2 Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun
5.2.1 Begründung der Wahl des Theorieelements
5.2.2 Darstellung Kommunikationsmodell von Friedrich Schulz von Thun und eigener Lernprozess
5.3 Praktische Erfahrung im Seminar

6 Musikalischen Gruppenimprovisation
6.1 Begründung der Wahl des Theorieelements
6.2 Darstellung der musikalischen Gruppenimprovisation
6.2.1 Experimentelles Improvisieren mit Klängen und Geräuschen
6.2.2 Metrisch-rhythmische Improvisation einschließlich Melodiespiel
3.2.3 Beschreibung des Lernprozesses

7 Resümee

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Vom Sinn des Hörens“ lautete die Ausschreibung im Vorlesungsverzeichnis und ich konnte mir darunter anfangs nichts Konkretes vorstellen. Doch es klang dennoch irgendwie interessant, da dieser Kurs sehr viele Komponenten beinhalten konnte: „Sinne“, „Hören“, vielleicht auch „Kommunikation“?

Im ersten Teil dieser Arbeit gehe ich genauer darauf ein, was ich mir alles darunter vorgestellt hatte, als ich den Titel des Seminars im Vorlesungsverzeichnis las. Neben meinen Erwartungen und Vorstellungen von dem Seminar soll auch mein Vorwissen über den Sinn des Hörens erläutert werden. Hier beschreibe ich, unter anderem, eigene Hörerfahrungen. Desweiteren erörtere ich für mich die Frage, wie bedeutend der Hörsinn im Gegensatz zum Sehsinn ist.

Im zweiten Teil stelle ich drei Theorieelemente vor, die Kommunikationsmodelle von Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun und die musikalische Gruppenimprovisation. Nach einer kurzen Begründung zur Auswahl der jeweiligen Themenbereiche, werden die Elemente von mir erklärt und durch praktische, persönliche Erfahrungen im Seminar verdeutlicht.

Im dritten und letzten Teil dieser Arbeit stelle ich meine eigene Rolle während des Anleitens in der musikalischen Gruppenimprovisation mit den Kindern vor.

Zuletzt nehme ich noch Bezug auf die eingangs beschriebenen Erwartungen an das Seminar und gebe noch ein kurzes, allgemeines Feedback zum Seminar.

Erster Teil

2 Vorwissen über den Sinn des Hörens

Jeder stellt sich irgendwann einmal die Frage, auf welchen Sinn er eher verzichten könnte, auf den Sehsinn oder auf den Hörsinn. Ich habe mir diese Frage natürlich auch schon gestellt und habe spontan den Hörsinn genannt. Der Sinn des Sehens war mir spontan wichtiger als der Sinn des Hörens, da ich mich über meine Augen orientiere. Doch nach längerer Überlegung und Diskussion mit einer Freundin, stellte ich fest, dass ich auf meinen Hörsinn auf keinen Fall verzichten könnte. Das Argument der Orientierung war nicht stark genug, zumal man sich zu einem großen Teil über das Gehör orientiert. Die Augen sind nach vorn gerichtet und nehmen Objekte detailliert war, die sich in einem bestimmten Winkel des Sichtfeldes befinden. Mit dem Auge nehmen wir nur das war, was vor uns ist, doch was hinter uns geschieht vernehmen wir mit unseren Augen nicht. Anders verhält es sich bei unseren Ohren, mit ihnen sind wir dazu in der Lage uns rundherum, in alle Richtungen räumlich zu orientieren.

Ein sehr bedeutender Grund, warum ich nicht auf meinen Hörsinn verzichten könnte, ist die Musik. Da ich einen wesentlichen Teil meiner Freizeit meinem Hobby, dem Tanzen, widme, wäre es für mich unvorstellbar darauf zu verzichten. Beim Tanzen habe ich das Gefühl mit der Musik zu verschmelzen. Mich im Einklang mit der Musik zu bewegen bedeutet für mich Spaß, Glück, Abschalten und Loslassen. Musik bewirkt etwas in mir, deshalb kann ich nicht darauf verzichten zu hören.

Als Mutter von zwei Kindern habe ich mich während meiner Schwangerschaften sehr intensiv damit beschäftigt, welche Entwicklungsstadien das Baby in meinem Bauch gerade durchläuft. Ich war erstaunt, dass das zuerst entwickelte Wahrnehmungsorgan das Ohr ist. Offenbar räumt die Evolution dem Ohr eine vorrangige Bedeutung ein.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, wie intensiv Säuglinge auf die Stimme reagieren und wie wichtig diese für sie ist. Durch die vertraute Stimme der Mutter lassen sich Babys beruhigen und entspannen. Durch den Einsatz bestimmter Tönen (z.B. Summen, flüstern, „SchSchSchSch“, …) kann man ihnen Sicherheit und Wohlbefinden vermitteln.

Hören ist also mehr als nur die bloße Aufnahme von Geräuschen und akustischen Informationen. Hören bewirkt etwas in uns.

3 Vorstellung von dem Seminar

Als ich den Seminartitel im Vorlesungsverzeichnis gelesen habe, konnte ich mir im ersten Moment nicht so wirklich etwas darunter vorstellen. Ich dachte an das Ohr in seinem anatomischen Aufbau und an seine Funktion. Ich hätte diesen Titel spontan in Richtung Biologie eingeordnet, doch das Vorlesungsverzeichnis sagte etwas anderes.

Ich überlegte, was das alles mit Erziehungswissenschaft zu tun haben konnte und kam dann schnell auf das Thema Kommunikation, da Hören und Sprechen ja nicht weit auseinander liegen. Kommunikation ist für uns als zukünftige Lehrerinnen und Lehrer ein wesentlicher Bestandteil in der alltäglichen Praxis. Durch eine gelungene Kommunikation können Konflikte gelöst und die Zusammenarbeit innerhalb einer Schulklasse erleichtert werden. Kommunikation steht also auch für soziales Miteinander und stellt somit einen wichtigen erziehungswissenschaftlichen Teil dar.

Einen weiteren wichtigen Bereich, den ich mit dem Seminarthema in Verbindung brachte ist der Sinn des Hörens als Möglichkeit des in-sich-hinein-Hörens, des in-sich Gehens, wie ich das aus Entspannungs- bzw. aus Meditationsübungen kenne. In absoluter Ruhe und Entspannung und mit geschlossenen Augen konzentriere ich mich auf die Geräusche, die ich wahrnehme, Geräusche von außen (zum Beispiel Vogelgezwitscher) und Geräusche von meinem Inneren (zum Beispiel Herzschlag, Atem, Magengeräusche). Derartige Entspannungsübungen können Selbstwahrnehmung und Konzentration fördern. Nach diesen Überlegungen kann der Hörsinn gerade im Bereich Konzentration und Entspannung auch eine große Bedeutung für die pädagogische Arbeit sein.

Nachdem ich die Seminarinformationen im Reader gelesen hatte und die verschiedenen Inhalte durchgegangen bin, stellte ich fest, dass sich einige meiner Vermutungen und Vorstellungen von dem Seminar mit bestimmten Themenbereichen im Großen und Ganzen deckten. Was mir allerdings sehr positiv auffiel und womit ich nicht gerechnet hatte war, dass ein wesentlicher Teil des Seminars der Klangerzeugung, bzw. der musikalischen Improvisation gewidmet war, ein für mich sehr wichtiger Bestandteil des Seminars, auf den ich mich besonders freute. Es wurde im Reader darauf hingewiesen für die Dauer des gesamten Seminars Musikinstrumente und Gebrauchsgegenstände zur Klangerzeugung mitzubringen, woraus sich schließen ließ, dass wir nicht nur mit Instrumenten, sondern auch mit Gebrauchsgegenständen experimentieren würden. Die Vorstellung, mit alltäglichen Gebrauchsgegenständen Klänge und Töne zu erzeugen, hat mich sehr neugierig gemacht. In einer Gruppe von ca. 30 Studierenden musste bestimmt ein großes Repertoire an verschiedenen Klangvariationen zu Stande kommen.

4 Erwartungen an das Seminar

Um das System Ohr zu begreifen und genauer kennen zu lernen, wäre es natürlich erforderlich über den Aufbau, die Funktion der einzelnen Elemente des Ohres zu mehr zu erfahren.

Eine weitere Frage, die ich mir stellte, ist, wie bedeutend der Sinn des Hörens für die pädagogische Arbeit mit Kindern ist. Mit welchen Höraufgaben, Experimenten und Klangübungen kann der Hörsinn sensibilisiert werden? Diesbezüglich stelle ich mir die Musikalische Gruppenimprovisation als bedeutende Methode vor.

Muss ich Musik studiert haben, um Kindern ein Gefühl für Rhythmus und Melodie zu vermitteln?

In welchem Verhältnis stehen Ton, Geräusch und Klang zueinander und wie differenziert man diese Begriffe?

Ferner stellte ich mir die Frage, inwiefern, bzw. ob sich die Sensibilisierung des Hörsinns auf eine gelungene Kommunikation auswirken kann.

Da ich mich eher als praktischer Mensch einschätze und am besten durch praktischen Bezug und praktischer Erfahrung lerne, erhoffte ich mir weniger theoretische Elemente, dafür aber viele aktive Übungen, Experimente und praktische Aufgaben im Seminar.

Am meisten freute ich mich auf die Anleitung einer musikalischen Improvisation in der Schulklasse, bei der wir das erworbene Wissen ausprobieren und anwenden konnten.

Zweiter Teil

5 Kommunikationsmodelle

5.1 Anxiome im Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick

5.1.1 Begründung der Wahl des Theorieelements

Ich habe das Thema Axiome gewählt, weil sie mir in meinem späteren Beruf eine gewisse Richtlinie geben können, um eine gelungene Kommunikation mit Kindern, Eltern und Kollegen zu erlangen. Außerdem finde ich es sehr wichtig sich einmal zu vergegenwärtigen, dass Gespräche immer zwischenmenschliche Prozesse sind und nicht nur ein sachlicher Austausch von Informationen. Es spielt sich also viel auf der Gefühls- und Beziehungsebene ab. Deshalb ist es interessant zu sehen, welchen Stellenwert soziale und zwischenmenschliche Beziehungen in jeglicher Art von Kommunikation haben. Gerade dann, wenn man mit Kindern zu tun hat, ist eine gelungene Kommunikation auf zwischenmenschlicher Ebene wichtig.

5.1.2 Darstellung der fünf Axiome und eigener Lernprozess

Watzlawick entwickelte eine Kommunikationstheorie, die auf fünf pragmatischen Axiomen aufbaut. Diese pragmatischen Axiome sind als Kommunikationsregeln zu verstehen, durch deren Beachtung eine erfolgreiche und gelungene Kommunikation ermöglicht werden kann.[1] Im folgenden Teil werden diese fünf Axiome erläutert. Zudem gehe ich noch bei den einzelnen Punkten auf meinen eigenen Lernprozess während der Wissensaneignung ein.

1.Axiom → „Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren“

Die Behauptung, dass man nicht nicht kommunizieren kann, bedeutet, dass man immer Signale aussendet, egal ob verbal oder nonverbal. Alleine durch die Art und Weise, wie man sich seinem Gegenüber in einer zwischenmenschlichen Situation verhält, sendet man schon Signale aus, die dann von Seiten des Empfängers interpretiert werden. Ob man nun handelt oder auch nicht handelt, ob man spricht oder schweigt, der Gesprächspartner wird immer beeinflusst und kann nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren. Verhalten hat also einen Mitteilungscharakter, ist also Kommunikation. Wenn man nun bedenkt, dass es unmöglich ist, sich nicht zu verhalten, dann folgt daraus, dass man auch nicht nicht kommunizieren kann.[2]

Als dieses erste Axiom vorgestellt wurde, musste ich als erstes an meine vierjährige Tochter denken, die mir des Öfteren, wenn wir diverse Unstimmigkeiten haben, mit verschränkten Armen und schmollender Mimik vor mir steht. Damit will sie mir ihren Unmut demonstrieren und mir signalisieren. „ich bin jetzt eingeschnappt!“ Auf nonverbaler Ebene drückt sie ihre Stimmung aus und sendet so Signale. Ich reagiere wiederum auf ihre Signale, entweder verbal oder auch nonverbal.

Durch ein weiteres Beispiel aus dem Seminar verfestigte sich das neu erlangte Wissen:

Beispiel: Eine Person sitzt mit verschränkten Armen im Wartezimmer und starrt auf den Boden. Mit diesem Verhalten, das von Gestik und Mimik unterstützt wird, signalisiert sie auf nonverbale Weise, dass sie keinen Kontakt aufnehmen möchte und löst entsprechend Reaktionen bei den anderen Menschen im Wartezimmer aus. Sie kann sich nicht nicht verhalten, bzw. nicht nicht kommunizieren. Dementsprechend können sich auch die anderen nicht nicht verhalten, bzw. nicht nicht kommunizieren, sie lassen die Person in Ruhe.

2. Axiom → „der Inhalts- und der Beziehungsaspekt einer Kommunikation“

Der Inhaltsaspekt hat die Aufgabe Informationen zu vermitteln. Der Beziehungsaspekt gibt Aufschluss darüber, wie die Beziehung vom Empfänger aufgefasst wird. Bezüglich der Übertragung auf die Kommunikationssituation lässt sich sagen, dass es keine rein informative Kommunikation gibt. Jede Äußerung enthält eine Beziehungsaussage, die durch Gestik, Mimik und Tonfall des Sprechers beim Angesprochenen verschiedene Reaktionen auslösen kann.[3]

Beispiel : "Sie haben aber eine schöne Perlenkette. Ist die echt?"

Diese Frage kann vom Angesprochenen unterschiedlich aufgefasst werden, je nachdem wie der Sprecher seine Frage stellt (Tonfall, Gesichtsausdruck, der Kontext).

[...]


[1] Seminarmitschrift vom 5.10.1010, Vortrag „Kommunikationsmodelle

[2] Watzlawick, Paul: Beavin, Janet H.; Jackson, Don D.(Hrsg.): Menschliche Kommunikation, Formen, Störungen, Paradoxien. 10. Auflage. Bern: Verlag Hans Huber, 2000, S. 51

[3].Ebd, S.53-56

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Vom Sinn des Hörens
Untertitel
Portfolio zum Seminar "Vom Sinn des Hörens"
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Allgemeine Pädagogik: Vom Sinn des Hörens
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V184027
ISBN (eBook)
9783656085119
ISBN (Buch)
9783656085362
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
allgemeine Pädagogik, Hörsinn, Wahrnehmung, musikalische Gruppenimprovisation, Sinn des Hörens, Didaktik, Unterrichtspraxis, Kommunikation, Kommunikationsmodelle
Arbeit zitieren
Myriam Eichinger (Autor), 2010, Vom Sinn des Hörens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184027

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