Der Ruf nach mehr Regulierung wird meist am Ende eines Wirtschaftszyklusses lauter; genauer dann, wenn die Marktkräfte bereits mit der Disziplinierung der Akteure begonnen haben. Im Gegensatz dazu ist der Glaube an die „Invisible Hand“ und die Selbstregulierung des Marktes in Zeiten eines Aufschwungs meist weiter verbreitet. Durch Regulierung soll Marktversagen verhindert bzw. Anreize für ein marktkonformeres Verhalten geschaffen werden. Jedoch können durch die Gestaltung von Anreizen auch unerwünschte Nebenwirkungen entstehen, was historisch bereits mehrfach geschehen ist. So wollte beispielsweise die britische Kolonialregierung in Indien einer Kobra-Plage dadurch Herr werden, dass für jede gefangene Kobra eine Rupie gezahlt wird, um somit durch das Fangen von Kobras zu incentivieren. Die Plage wurde dadurch jedoch noch stärker, da sich die Aufzucht von Kobras als lukratives Geschäft erwiesen hat. In der aktuellen Bankenregulierung wurde den „Risk-wheigted Assets“ (RWA), aller guter Intention zum Trotz, eine Sonderstellung zuteil. So haben sowohl Banken als auch die Regulatoren selbst zum Entstehen gewaltiger „Off-Balance“-Welten und einer Aufblähung des Schattenbankensystems beigetragen.
Durch eine Anpassung des Regelwerks Basel II soll nun der offensichtlich gewordene Missstand seitens der Bankenaufsicht korrigiert werden. Wie eingangs bereits darge-stellt, kann jedoch durch das Setzen „falscher“ Anreize das ursprüngliche Problem weiter verschärft werden. Durch geschicktes Ausnutzen von Regulierungslücken konnte der eigentliche Grundgedanke der risikosensitiven Regulierung von Basel II umgangen, und zum Vorteil der Banken genutzt werden. Darüber hinaus lag im Zeitraum bis zur Finanzkrise der Fokus der Banken auf der Erwirtschaftung von kurzfristig hohen Renditen, um somit den Erwartungen der Investoren gerecht zu werden. Diese Erwartungen bedingen eine Inkaufnahme von mehr Risiko, welches wiederum zwar verbrieft und kapitalunterlegungsminimierend aus der Bilanz in Zweckgesellschaften transferiert wurde, jedoch faktisch bei den Banken verblieb. Diese konnten letztendlich die Risiken nicht vollends tragen, was durch Lehman Brothers und Hypo Real Estate (HRE) eindrucksvoll bewiesen wurde. Zum Zeitpunkt des rapiden Werteverfalls der verbrieften Papiere wurden staatliche Stützungs- und Rettungsmaßnahmen in ungeahnten Ausmaßen nötig.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Problemstellung
- Zielsetzung
- Vorgehensweise
- Notwendigkeit von Bankenregulierung
- Marktunvollkommenheiten
- Vermeidung von Marktmacht
- Asymmetrische Information
- Vermeidung externer Effekte
- Ziele von Regulierungsmaßnahmen
- Schutz der Einleger und Gläubiger
- Gewährleistung eines funktionierenden Finanzsystems
- Arten der Bankenregulierung
- Selbstregulierung des Marktes
- Regulierung durch den Staat
- Protektive Maßnahmen
- Präventive Maßnahmen
- Grundlegende Probleme der Bankenregulierung
- Eigenkapital und Haftung
- Lender of Last Resort
- Too big to fail
- Bankenregulierung in Deutschland
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Deutsche Bundesbank
- Sicherungseinrichtungen in Deutschland
- Einlagensicherung bei Privatbanken
- Institutssicherung bei Genossenschaftsbanken
- Institutssicherung bei Sparkassen
- Gesetze und Normen
- Das Gesetz über das Kreditwesen
- Ergänzende Verordnungen
- Historischer Abriss
- Staatliche Eingriffe in den Finanzsektor ab 2007
- Historische Entwicklung von Basel I zu Basel II
- Regelungen von Basel III
- Anforderungen an das Eigenkapital
- Abdeckung aller Risiken
- Begrenzung der Höchstverschuldung
- Anforderungen an die Liquidität
- Stabilität des Finanzsystems
- Auswirkungen der neuen Regelungen nach Basel III
- Auswirkungsstudien
- Makroökonomische Auswirkungen
- Langfristige Auswirkungen
- Beabsichtigte Auswirkungen
- Mögliche unbeabsichtigte Auswirkungen
- Kritische Würdigung und Ausblick
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Hauptziele von Basel III?
Basel III zielt darauf ab, die Stabilität des Finanzsystems zu erhöhen, indem strengere Anforderungen an das Eigenkapital, die Liquidität und die Begrenzung der Höchstverschuldung von Banken gestellt werden.
Warum war eine Reform von Basel II notwendig?
Die Finanzkrise ab 2007 zeigte Schwachstellen in Basel II auf, insbesondere bei der Risikogewichtung von Aktiva (RWA) und dem Entstehen von Schattenbankensystemen, die durch Basel III korrigiert werden sollen.
Was bedeutet „Too big to fail“ im Kontext der Bankenregulierung?
Es beschreibt das Problem, dass bestimmte Banken so groß oder vernetzt sind, dass ihr Zusammenbruch das gesamte Finanzsystem gefährden würde, was oft staatliche Rettungsmaßnahmen erzwingt.
Wie funktioniert die Einlagensicherung in Deutschland?
In Deutschland gibt es verschiedene Sicherungssysteme für Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen, die Einleger und Gläubiger vor Verlusten bei Bankinsolvenzen schützen sollen.
Welche Auswirkungen hat Basel III auf die Realwirtschaft?
Die Arbeit untersucht makroökonomische Auswirkungen, wie etwa mögliche Änderungen in der Kreditvergabe, die durch die höheren Eigenkapitalanforderungen der Banken entstehen könnten.
- Quote paper
- Mathias Schuster (Author), 2011, Die Regelungen von Basel III für eine marktwirtschaftlich ausgerichtete internationale Regulierung des Bankensektors, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184042