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Naturbegegnung und -bewältigung im Frühmittelalter

„Multa debent mala precurrere, ut illa valeant sine omni fine ventura nunciare.“

Titre: Naturbegegnung und -bewältigung im Frühmittelalter

Dossier / Travail de Séminaire , 2010 , 31 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Sebastian Ernst (Auteur)

Histoire de l'Europe - Moyen Âge, Temps modernes
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In einem 2010 online erschienenen Nachrichtenartikel wurde von einem Meteoritenabsturz auf ein Haus berichtet. Dies allein ist zwar statistisch selten, jedoch nicht ungewöhnlich. In diesem Fall war es jedoch der sechste in kürzester Zeit, was den Besitzer zur Vermutung führte, er werde von Aliens als Ziel eines Spaßes benutzt.
Das Ereignis in diesem Artikel zeigt, dass auch heute noch bestimmte ungewöhnliche Naturereignisse auf ganz bestimmte und zugleich unterschiedliche Art gedeutet und bewältigt werden müssen. Dabei wird nicht selten sehr erregt und hitzig über Deutungsmöglichkeiten gestritten, in denen immer auch die jeweilige Weltanschauung mitschwingt, so dass die Deutung immer auch ein Schlachtfeld ist, auf dem um die „wahre“ Beschaffenheit der Welt gestritten wird.
Für die Betroffenen ist jedoch das Bedürfnis nach Bewältigung zentral. Es beschreibt den Versuch, der Ohnmacht des Zufalls oder der Sinnlosigkeit zu entkommen.
Nun ist dieser Fall recht außergewöhnlich, jedoch erliegen weitaus profanere Ereignisse ähnlichen Bedürfnissen nach Deutung und Sinnstiftung. Praktisch alle bedrohlichen und katastrophenhaften Naturerscheinungen erfreuen sich schon immer großer Beliebtheit in diesem Spiel.
Im Rahmen dieser Arbeit soll nun der Frage nachgegangen werden, wie mit solchen Problemen im Frühmittelalter umgegangen wurde und werden musste. Gerade das Frühmittelalter eignet sich für eine solche Untersuchung besonders, ist es doch auf den ersten Blick einerseits stärker mit der Natur verbunden als das moderne Mitteleuropa mit seinen Industrienationen und andererseits viel weiter entfernt, wenn man moderne Ökophilosophie oder Tierechtstheorien als Maßstab nimmt.
Wie sah also die Bewältigung von Natur und Naturkatastrophen im Frühmittelalter aus, welche Strategien und Möglichkeiten wurden wie genutzt und was steht dahinter? Dabei sind Naturkatastrophen nicht im engen modernen Sinne zu verstehen. Vielmehr sind damit alle vorkommenden, ängstigenden und bedrohlichen Naturerscheinungen, die in den Quellen genannt werden, gemeint.
Zeitlich und räumlich orientiert sich diese Untersuchung dabei an den Karolingern und Ottonen und damit zugleich auf den Anspruch und das Bestreben nach Christianisierung. Den Rahmen bildet somit ebenso das Einsetzen der karolingischen Renaissance auf der einen und der Wandel in der Naturwahrnehmung, der mit dem 11. Jh. angesetzt wird, auf der anderen Seite.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Die Quellen

II Natur- und Naturbegegnung in den Quellen

1. Natur als Rechts-und Grenzraum

2. Natur als Nutzungsraum für den Menschen

3. Natur als (potentielle) Bedrohung

III Die Bewältigung von Natur

1. Pragmatisch

2. Magisch/religiös

a. Deutung

b. Ritual

3. Rational

Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie Menschen im Frühmittelalter mit bedrohlichen Naturereignissen umgingen und welche Strategien sie entwickelten, um diese psychologisch zu bewältigen und in ihr Weltbild zu integrieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern Deutungsmuster und Rituale nicht nur der Bewältigung dienten, sondern auch als Instrumente kirchlicher und politischer Machtausübung fungierten.

  • Anthroprozentrische und christozentrische Naturwahrnehmung
  • Die Rolle von Deutung und Ritual als Bewältigungsmechanismen
  • Instrumentalisierung von Naturereignissen für Machtansprüche
  • Spannungsfeld zwischen rationalen Erklärungen und magisch-religiöser Interpretation

Auszug aus dem Buch

3. Natur als (potentielle) Bedrohung

Zu fassen ist die Bedrohlichkeit als erstes in Form s.g. „widriger Orte“, also Gebiete der Naturlandschaft, die als gefährlich wahrgenommen und in der Regel gemieden werden. Prominentes Beispiel sind Gebirge: „Qui mons cum altitudine coelum pene contingat, asperitate cautium horreat, opacitate silvarum tenebrescat, angustia viae vel potius semitae commeatum non mod tanto exercitui, sed paucis admodum pene interculdat, Christo tamen favente, prospero emensus est itinere.“ Überstehen die Reisenden die erste Überquerung noch, so sterben einige auf der Rückreise.

Auch an den widrigen Orten zeigt sich das anthroprozentrische Wahrnehmen. Die entsprechenden Gebiete sind vor allem Gebirge, Sümpfe, in Teilen der Wald und auch das Meer. Dabei ist bei all jenen Gebieten auch eine Ambivalenz erkennbar, besonders jedoch beim Wald, dient dieser doch zugleich auch als wichtiger Rohstofflieferant und damit ebenso als „Warenhaus“. Ist der Wald noch recht nützlich, so ist aber vor allem der Sumpf im Normalfall von minderem Wert, da er eben nicht dem Menschen nützt.

Darüber hinaus sind, wie auch heute noch, gerade Naturkatastrophen und -gewalten oder abweichende Besonderheiten besonders im Fokus der Aufmerksamkeit. Neben den hier ausgeklammerten wahrgenommenen Bedrohungen durch andere Tiere, treten diese am häufigsten in den Quellen auf.

Allein bereits das häufige Vorkommen und damit das häufige Erinnern lässt sich mit dem Umstand verstehen, dass derartige Ereignisse als besonders bedrohlich innerhalb der Lebenswelt empfunden worden sein müssen und schwer bewältigt werden können. Diese Ereignisse stellen wichtige Einschnitte dar, was sich nicht nur darin zeigt, dass sie reichlich erwähnt werden, sondern auch in bestimmten Jahren in den Geschichtsbüchern (fast) das einzig erwähnenswerte zu sein scheinen. Natürlich gibt es verschieden intensive Erwähnungen dieser Ereignisse, auf die noch eingegangen werden muss, der allgemeinen Wichtigkeit tut dies aber keinen Abbruch. Vielmehr scheint es unterschiedliche Deutungen zu geben und persönliche Distanz könnte eine Rolle spielen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung thematisiert das menschliche Bedürfnis nach Deutung von Naturereignissen und führt in die Fragestellung ein, wie das Frühmittelalter mit solchen Phänomenen umging.

I Die Quellen: Dieses Kapitel erörtert die schwierige Quellenlage und die Notwendigkeit, chronistische Texte gezielt auf lebensweltliche Aussagen hin zu befragen.

II Natur- und Naturbegegnung in den Quellen: Hier werden verschiedene Formen der Naturwahrnehmung als Rechtsraum, Nutzungsraum und Bedrohung analysiert.

III Die Bewältigung von Natur: Das Hauptkapitel untersucht pragmatische, magisch-religiöse und rationale Strategien zur Bewältigung von Naturgewalten und deren Instrumentalisierung.

Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Naturwahrnehmung und -bewältigung im Frühmittelalter ein komplexes System bilden, das eng mit religiösen und politischen Ansprüchen verknüpft ist.

Schlüsselwörter

Frühmittelalter, Naturwahrnehmung, Naturbewältigung, Naturkatastrophen, Quellenkritik, Deutungsmuster, Rituale, Instrumentalisierung, Christentum, Heidentum, Mentalitätsgeschichte, Zeichenhaftigkeit, Pragmatismus, Rationalität, Alltagsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verständnis und den Umgang des Menschen im Frühmittelalter mit Naturgewalten und deren Deutung als bedrohliche oder zeichenhafte Ereignisse.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Wahrnehmung von Natur als Lebens- oder Bedrohungsraum sowie die Analyse verschiedener Bewältigungsstrategien wie Deutung und Ritual.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch Deutungsmuster und Rituale Ohnmachtsgefühle gegenüber der Natur bewältigt wurden und wie diese Prozesse politisch oder kirchlich instrumentalisiert wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer quellenanalytischen Untersuchung von Chroniken und Annalen, ergänzt durch die kritische Auswertung historischer Konzepte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die pragmatischen, magisch-religiösen und rationalen Ansätze, mit denen Menschen im Frühmittelalter auf Naturereignisse reagierten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Frühmittelalter, Naturwahrnehmung, Deutungsmuster, Rituale, Instrumentalisierung und mentale Bewältigung geprägt.

Warum spielt die Rolle der Kirche bei der Bewältigung eine so große Rolle?

Die Kirche nutzte die Deutung von Naturkatastrophen oft als Instrument, um Sündenbewusstsein zu fördern, ihre eigene Autorität zu stärken und Missionsarbeit voranzutreiben.

Welche Bedeutung haben heidnische Rituale in diesem Kontext?

Heidnische Rituale stellen eine parallel existierende Form der Bewältigung dar, die von der zeitgenössischen Kirche scharf kritisiert wurde, da sie eine alternative, nicht-christliche Weltdeutung transportierte.

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Titre
Naturbegegnung und -bewältigung im Frühmittelalter
Sous-titre
„Multa debent mala precurrere, ut illa valeant sine omni fine ventura nunciare.“
Université
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Note
1,3
Auteur
Sebastian Ernst (Auteur)
Année de publication
2010
Pages
31
N° de catalogue
V184054
ISBN (ebook)
9783656086857
ISBN (Livre)
9783656086703
Langue
allemand
mots-clé
naturbegegnung frühmittelalter Naturbewältigung Kulturgeschichte Karolinger Ottonen Naturerfahrung Naturwahrnehmung Natur
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sebastian Ernst (Auteur), 2010, Naturbegegnung und -bewältigung im Frühmittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184054
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