Mit der Analyse bildungsspezifischer Heiratsmuster wollen wir untersuchen, inwieweit das Partnerwahlverhalten von dem Bildungsstand der Partner beeinflusst wird. Wir wollen der Frage nachgehen, ob und, wenn ja, welche Mechanismen dabei wirken und inwiefern dadurch das Partnermuster strukturiert wird.
Das Interesse an diesem Thema ergab sich zunächst aus der alltäglichen und individuellen Bedeutung, welche die Partnerwahl für die meisten Menschen hat. Jeder Mensch sammelt im Laufe seines Lebens Erfahrungen bei der Suche nach dem geeigneten Partner. Dabei ist im Selbstverständnis der meisten Menschen die Wahl eines Partners Ergebnis einer individuellen, durch das Gefühl der Liebe und Zuneigung bestimmten Entscheidung. Tatsächlich wird die Entscheidung jedoch nicht völlig losgelöst von sozialen Einflüssen und der Eingebundenheit von Menschen in soziale Kontexte sein. Die Frage, wie stark der soziale Einfluss der Bildung ist, soll Gegenstand unserer Analyse sein.
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Die folgende Studie ist in vier große Kapitel gegliedert: Im folgenden 2. Kapitel werden die theoretischen Grundlagen gelegt. Die eigentliche Analyse beginnt mit dem 3. Kapitel, in dem mittels loglinearer Analyse das bildungsspezifische Partnerwahlverhalten in (Gesamt-)deutschland untersucht werden soll. In Kapitel 4 werden unterschiedliche Kontextfaktoren berücksichtigt: Im einzelnen soll betrachtet werden, ob sich das Partnerwahlverhalten junger Leute von älteren Personen unterscheidet, und ob sich zwischen Ost- und Westdeutschland Unterschiede ergeben. Erstmalig wird auch ein Vergleich zweier Partnerschaftsformen hergestellt - nämlich der traditionellen Hausfrauenehen mit moderneren Eheformen, in denen beide Partner berufstätig sind. Damit könnte u.a. die Frage beantwortet werden, ob sich ein verändertes - emanzipiertes - Rollenverständnis der Frau auch auf ihr Partnerwahlverhalten (in bezug auf die Bildung) auswirkt. Abschließend schauen wir im 5. Kapitel, welche Merkmale und Faktoren auf das bildungsspezifische Partnerwahlverhalten des einzelnen einwirken. Das geeignete statistische Verfahren hierzu wird die Diskriminanzanalyse sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und bisherige Forschungsergebnisse
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Sozialtheoretische Modelle der Partnerwahl und deren bildungsbezogenen Implikationen
2.2.1 Normativer Ansatz
2.2.2 Rational-choice-Ansätze
2.2.2.1 Familienökonomischer Ansatz
2.2.2.2 Austauschtheorie
2.2.3 strukturtheoretische Ansätze
2.2.3.1 Angebotsstrukturen des Heiratsmarktes
2.2.3.2 Teilheiratsmärkte
2.3 Empirische Ergebnisse bisheriger Studien
2.3.1 Deskriptive Analyse
2.3.2 Analyse dahinterliegender Mechanismen
2.3.2.1 Wesentliche Mechanismen der bildungsspezifischen Partnerwahl
2.3.2.1.1 Gelegenheitsstrukturen
2.3.2.1.2 Homogamietendenzen
2.3.2.1.3 Soziale Distanzen bzw. Affinitäten
2.3.2.1.4 Hypergamietendenzen
2.3.2.2 empirische Ergebnisse
2.3.3 Analyse unter Berücksichtigung unterschiedlicher Kontextfaktoren
2.3.3.1 Ost/West-Vergleich
2.3.3.2 Internationaler Vergleich
2.3.3.3 Alter der Partner
2.3.3.4 Soziale Herkunft der Partner
2.3.3.5 Ehe/nichteheliche Lebensgemeinschaft
2.4 Diskussion der Ergebnisse im Lichte der theoretischen Modelle
3. Bildungsspezifische Partnerschaftsmuster in Deutschland
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Beschreibung des Datensatzes
3.3 Bildungsklassifikation
3.4 Deskriptive Analyse
3.5 Loglineare Analyse
3.5.1 Statistisches Konzept loglinearer Modelle
3.5.1.1 Grundlegendes Verständnis
3.5.1.2 Das saturierte Häufigkeitsmodell
3.5.1.3 Nicht-saturierte Häufigkeitsmodelle
3.5.1.4 Messung und Anpassung der Modellqualität
3.5.2 Der Einfluss der Bildungsverteilung und die Unabhängigkeit der Partnerwahl
3.5.2.1 Die Bildungsverteilung als Angebotsstruktur des Heiratsmarktes
3.5.2.2 Modellierung des Unabhängigkeitsmodells
3.5.2.3 Durchführung der loglinearen Analyse
3.5.2.4 Analyse der Ergebnisse
3.5.2.5 Zwischenergebnis
3.5.3 Strukturen der bildungsspezifischen Partnerwahl
3.5.3.1 Das Linear-by-linear-Modell
3.5.3.2 Quasi-Unabhängigkeit
3.5.3.3 Symmetrie-Modelle
3.5.3.3.1 Das Allgemeine Symmetrie-Modell
3.5.3.3.2 Das angepasste Symmetrie-Modell
3.5.3.3.3 Modell der angepassten Quasi-Symmetrie
3.5.3.4 Zwischenergebnis
3.5.4 Modellierung bildungsspezifischer Präferenzen
3.5.4.1 Einführende Überlegungen
3.5.4.2 Modellierung der bildungsspezifischen Nachfragemechanismen
3.5.4.2.1 Homogamieeffekte
3.5.4.2.2 Soziale Affinität
3.5.4.2.3 Hypergamieeffekt
3.5.4.3 Modellformulierung
3.5.4.4 Ergebnisse der Modellüberprüfung
3.5.4.5 Zwischenergebnis
3.6 Ergebnis
4. Bildungsspezifische Partnerschaftsmuster im Vergleich
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Räumlicher Vergleich: Paare aus Ost und West
4.2.1 Bedeutung des Analyseraums der ehemaligen DDR
4.2.2 Spezifische Verhältnisse zu Zeiten der DDR und eventuelle Rückwirkungen in Bezug auf die theoretischen Grundlagen
4.2.3 Deskriptive Analyse
4.2.4 Loglineare Analyse
4.2.5 Zwischenergebnis
4.3. Zeitlicher Vergleich: junge Paare – alte Paare
4.3.1. Bedeutung des zeitlichen Vergleichs
4.3.2 Rückwirkungen auf die theoretischen Grundlagen
4.3.3 Deskriptive Analyse
4.3.4 Loglineare Analyse
4.3.4 Zwischenergebnis
4.4 Sozialer Vergleich: Hausfrauenehe und Doppelverdiener
4.4.1 Einführende Überlegungen
4.4.2 Vergleich der Partnermuster
4.4.3 Loglineare Analyse
4.4.4 Zwischenergebnis
4.5 Ergebnis
5. Gruppenspezifische Betrachtung des Heiratsverhaltens: Aufwärtsheirat, Abwärtsheirat oder Homogamie
5.1 Vorbemerkungen
5.2 Statistisches Konzept der Diskriminanzanalyse
5.2.1 Grundlegende Problemstellung
5.2.2 Formulierung und Schätzung der Diskriminanzfunktion
5.2.3 Prüfung der Diskriminanzfunktion
5.2.4 Prüfung der Merkmalsvariablen
5.2.5 Die Klassifizierung der Fälle
5.3 Durchführung der Diskriminanzanalyse
5.3.1 Beschreibung des Datensatzes bzw. der Variablen
5.3.2 Bildung der Diskriminanzfunktion
5.3.3 Prüfung der Diskriminanzfunktionen
5.3.4 Prüfung der Merkmalsvariablen
5.3.5 Klassifizierung der Fälle
5.4 Ergebnis
6. Fazit und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
8. Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Bildungsstandes auf das Partnerwahlverhalten in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, inwieweit soziale und strukturelle Mechanismen die Wahl eines Partners determinieren und ob sich hierbei Unterschiede zwischen verschiedenen demografischen Gruppen, wie etwa in Bezug auf das Alter oder die regionale Herkunft (Ost vs. West), feststellen lassen.
- Analyse bildungsspezifischer Heiratsmuster mittels loglinearer Modellierung.
- Untersuchung von Kontextfaktoren wie regionaler Vergleich und Alterskohorten.
- Überprüfung der Bedeutung von sozioökonomischen und normativen Faktoren.
- Anwendung der Diskriminanzanalyse zur Identifikation gruppenspezifischer Merkmale (Aufwärts-/Abwärtsheirat vs. Homogamie).
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Mit der Analyse bildungsspezifischer Heiratsmuster wollen wir untersuchen, inwieweit das Partnerwahlverhalten von dem Bildungsstand der Partner beeinflusst wird. Wir wollen der Frage nachgehen, ob und, wenn ja, welche Mechanismen dabei wirken und inwiefern dadurch das Partnermuster strukturiert wird.
Das Interesse an diesem Thema ergab sich zunächst aus der alltäglichen und individuellen Bedeutung, welche die Partnerwahl für die meisten Menschen hat. Jeder Mensch sammelt im Laufe seines Lebens Erfahrungen bei der Suche nach dem geeigneten Partner. Dabei ist im Selbstverständnis der meisten Menschen die Wahl eines Partners Ergebnis einer individuellen, durch das Gefühl der Liebe und Zuneigung bestimmten Entscheidung. Tatsächlich wird die Entscheidung jedoch nicht völlig losgelöst von sozialen Einflüssen und der Eingebundenheit von Menschen in soziale Kontexte sein. Die Frage, wie stark der soziale Einfluss der Bildung ist, soll Gegenstand unserer Analyse sein.
Aufschlussreich ist die Untersuchung bildungsspezifischer Heiratsmuster jedoch noch aus einem anderen - gesellschaftlichen - Aspekt. So sind Heiratsbeziehungen zwischen sozialen Gruppen seit Max Weber in der Soziologie eine feste Kategorie in der Erforschung sozialer Ungleichheit. Das Ausmaß, in welchem innerhalb sozialer Gruppen (Homogamie) bzw. zwischen sozialen Gruppen (Heterogamie) geheiratet wird, ist - neben der beruflichen Mobilität - ein wesentlicher Indikator für die Geschlossenheit bzw. Offenheit einer Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und definiert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich des Einflusses der Bildung auf das Partnerwahlverhalten.
2. Theoretische Grundlagen und bisherige Forschungsergebnisse: Hier werden relevante sozialtheoretische Modelle wie der normative, der rational-choice- und der strukturtheoretische Ansatz vorgestellt und bisherige Studien diskutiert.
3. Bildungsspezifische Partnerschaftsmuster in Deutschland: Dieses Kapitel bildet den methodischen und empirischen Kern der Arbeit, indem es den Allbus-Datensatz loglinear analysiert.
4. Bildungsspezifische Partnerschaftsmuster im Vergleich: Eine differenzierte Betrachtung verschiedener Kontextfaktoren wie Ost-West-Unterschiede, Generationenvergleiche und verschiedene Partnerschaftsformen.
5. Gruppenspezifische Betrachtung des Heiratsverhaltens: Aufwärtsheirat, Abwärtsheirat oder Homogamie: Anwendung der Diskriminanzanalyse zur Untersuchung individueller Faktoren, die den Einzelnen zu bestimmten Heiratsmustern führen.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und Diskussion der wissenschaftlichen Implikationen.
Schlüsselwörter
Partnerwahl, Bildung, Heiratsmuster, Homogamie, Heterogamie, loglineare Analyse, Diskriminanzanalyse, Bildungsstruktur, Allbus, soziale Ungleichheit, Hypergamie, Hypogamie, Partnerschaftsform, Wertewandel, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie stark der Bildungsstand einer Person deren Partnerwahlverhalten beeinflusst und welche Mechanismen – angebotsseitig oder nachfrageseitig – dabei eine Rolle spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Untersuchung von Homogamie (Heirat innerhalb des Bildungsniveaus), die Bedeutung von Teilheiratsmärkten sowie der Einfluss von sozialen Schichten und dem gesellschaftlichen Kontext auf die Eheschließung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, ob die Partnerwahl ein zufälliger Prozess ist oder ob sie durch den Bildungsstand und damit verbundene soziale Barrieren strukturiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorinnen nutzen vornehmlich die statistische Modellierung mittels loglinearer Analysen zur Strukturaufdeckung sowie die Diskriminanzanalyse, um die Merkmale einzelner Heiratsgruppen voneinander abzugrenzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einbettung, eine deskriptive Analyse, eine loglineare Modellierung verschiedener Kontextfaktoren sowie eine gruppenspezifische Diskriminanzanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Partnerwahl, Bildung, Homogamie, loglineare Analyse, Diskriminanzanalyse und soziale Schichtung sind die prägenden Begriffe.
Wie beeinflusst das Bildungssystem die Partnerwahl laut den Ergebnissen?
Das Bildungssystem fungiert als Teilheiratsmarkt, der durch eine räumliche und zeitliche Trennung der Schülerpopulationen die Kontaktchancen zwischen unterschiedlichen Bildungsgruppen begrenzt und so bildungshomogame Ehen begünstigt.
Gab es signifikante Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland?
Die Analyse zeigt, dass das Partnerwahlverhalten im Osten und Westen grundlegenden Mustern folgt, die Unterschiede jedoch statistisch signifikant sind, wobei das DDR-System durch die Bildungsangleichung zu symmetrischeren Mustern beigetragen hat.
- Citation du texte
- Christian Gahrmann (Auteur), Wiebke Schnittger (Auteur), 2001, Wer heiratet wen? Eine empirische Analyse bildungsspezifischer Heiratsmuster, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1844