Die Rolle der Sozialarbeit im Nationalsozialismus dargestellt am Beispiel von Janusz Korczak


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Zeit des Nationalsozialismus
1.1 Die Bedeutung von Nationalsozialismus
1.2 Widerstand gegen den Nationalsozialismus

2 Die Bedeutung der sozialen Arbeit im Nationalsozialismus
2.1 Die Wohlfahrtspflege während des NS-Regimes
2.2 Soziale Berufe im Nationalsozialismus

3 Janusz Korczak
3.1 Wer war Janusz Korczak?
3.2 Das Leben im Ghetto

4 Lernen aus der Geschichte

Literaturverzeichnis

„Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint.

Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle.

Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt.“

(in Warschauer Ghetto)

„Mein Leben war schwer, aber interessant, ein solches erbat ich mir vor Gott, als ich jung war.“[1]

„Ich bringe dir keine langen Gebete, Gott. Noch sende ich zu dir zahlreiche Seufzer... Aufrecht stehend, stelle ich meine Forderungen, denn ich verlange nichts für mich.

Gib den Kindern einen guten Willen, unterstütze ihre Anstrengungen, segne ihre Mühen. Führe sie nicht den leichtesten Weg, aber den schönsten.

Und als Anzahlung für meine Bitte nimm mein einziges Juwel: die Traurigkeit. Meine Trauer und Arbeit.“[2] („Gebet eines Erziehers“, Janusz Korczak)

„Die Jahre in seinem Haus waren glücklich. Er lehrte mich, ehrlich zu sein [...]. Meine Jugend verbrachte ich in einer Atmosphäre von Vertrauen und Toleranz. Dies gab mir die Kraft, die Schwierigkeiten des Lebens zu bewerkstelligen.“[3] (Erinnerungen von „Korczak-Zöglingen“)

1 Die Zeit des Nationalsozialismus

1.1 Die Bedeutung von Nationalsozialismus

Die vorliegende Hausarbeit gibt einen Überblick über Geschichte der Sozialen Arbeit in der Zeit des Nationalsozialismus. Dieser Zeitabschnitt ist interessant und spannend, weil er sich schon von den anderen geschichtlichen Abschnitten sehr stark unterscheidet und in der Geschichte u. a. bezüglich der Wohlfahrtstätigkeit eine Sonderstellung einnimmt. Der Gedanke daran, dass Sozialarbeit unter dem Einfluss des NS-Regimes stand, erweckt schon großen Forschungseifer und Wissbegierigkeit.

Der Nationalsozialismus ist eine politische Bewegung, die eine radikal antisemitische, antimarxistische und antidemokratische Weltanschauung beinhaltet. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war eine in der Weimarer Republik entstandene politische Partei, die seit ihrer Machtergreifung in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 die einzige zugelassene Partei war. Die Mitglieder der NSDAP errichteten 1933 unter Führung von Adolf Hitler eine Herrschaft einer totalitären Diktatur, den „Führerstaat“ bzw. das „Dritte Reich“.[4] Hitler hatte das Ziel, Russland zu unterwerfen bzw. einen Krieg zur Errichtung der Weltherrschaft zu führen. Um dieses zu erreichen, hatte er folgende Maßnamen durchgeführt. Das öffentliche und private Leben sollte mit der nationalsozialistischen Ideologie uniformiert und gleich gestaltet werden. Die Minderheiten, die dem „arischen“ Ideal nicht entsprachen, sollten ausgerottet und Deutschland für einen Krieg ausgerüstet werden. Nach dem Gesetz vom 7. April 1933 war der „nicht arisch“, der von einem Eltern- oder Großelternteil jüdischen Glaubens abstammte. Die Bevölkerung bejahte die Einschränkungen der jüdischen Freiheitsrechte, denn sie glaubte an den nationalen Regenten. Die NS-Volkswohlfahrt, Minderung der Arbeitslosigkeit, Mutterschaftsidealisierung, Winterhilfswerk (WHW), die Organisation Kraft durch Freude u. a. hatten beim Volk das Gefühl einer solidarischen Volksgemeinschaft herbeigeführt.[5] Seit 1939 vollzogen Nationalsozialisten Eroberungskriege, die den Zweiten Weltkrieg auslösten. Dabei verübten sie ab dem Jahr 1942 im oberen Osten und nicht vor den Augen der Bevölkerung den Holocaust an mindestens 5,6 bis 6,3 Millionen europäischen Juden. Diese wurden aufgrund ihrer bloßen Existenz von NS-Regime zur Ermordung vorgesehen und hatten fast keine Überlebenschancen. „Weitere nationalsozialistische Massenmorde an Millionen so genannter Slawen, meist Polen und Russen, an hunderttausenden Behinderten, etwa 20.000 deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten, 5.000 Homosexuellen und 1.200 Zeugen Jehovas zielten nicht auf die völlige Ausrottung der betroffenen Gruppen. Sie werden daher meist nicht in den Holocaustbegriff eingeschlossen.“[6] Unterschiedliche Gruppen bzw. einzelne Menschen haben versucht dem Nationalsozialismus Widerstand zu leisten. Hitler vernichtete jedoch alle Menschen in Deutschland, die gegen seine Ideologie waren.

Am 8 Mai 1945 wurde die totalitäre Diktatur mit allen ihren Machtbereichen als verbrecherische Organisation anerkannt und aufgelöst. Die Wehrmacht hatte ganz kapituliert und ihr Vermögen wurde beschlagnahmt.[7]

1.2 Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Der Widerstand war eine unaufhaltsame Folge des totalitären Regimes.

Es gab Menschen, die auf dem Prinzip ihrer Selbstbestimmung beharrten und die mit Mehrheitsmeinung nicht einverstanden waren. Denn ein totalitärer Staat hat keinen freien Raum für eine andere Meinung oder Diskussion. Er lässt nur das zu, was seiner Ideologie entspricht. Daraus folgen Widersprüche zwischen dem Staat und dem Denken des Einzelnen.[8]

Deutsche Widerstandskämpfer waren meist Einzelkämpfer. Die Kirchen bzw. die kirchliche Einrichtungen haben keinen Widerstand geleistet. Es waren einzelne Christen in der Kirche, die den Widerstand auf einem unebenen, ungewissen und gefährlichen Weg mit ihrem Leben riskierten. Im Ausnahmefall kam es zu offenen Kämpfen. Der größte Anteil der Mitchristen, vor allem die höhere kirchliche Instanz war nicht damit einverstanden, etwas gegen die NS-Regierung zu unternehmen. Laut vielen Zeugenberichten hatte sich die Kirche eher mit dem NS-Staat arrangiert. Die einzelnen Kämpfer aus ihren Reihen fühlten sich von ihr allein gelassen.[9] „Die christlichen Einzelnen waren ihren Kirchen an Mut und Entschlossenheit weit voraus.“[10] Erinnert sei dazu der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Er kritisierte aufs Schärfste den Nationalsozialismus, die eigene Kirche und die Kirche der „Deutschen Christen“. Als Christ verstand er seine Aufgabe darin in jener Zeit aktiv gegen die politische Strömung anzukämpfen. Mit 39 Jahren im Jahr 1943 wurde er verhaftet und in einem Konzentrationslager vernichtet.[11] Ein weiterer Widerstandskämpfer war Pfarrer Paul Schneider. Mit seinen provozierenden Stellungsnahmen kämpfte er gegen das Vorhaben der NS-Partei. Er versuchte zu verhindern, dass der Staat die Kirche zu politischen Zwecken manipuliert. Auch er wurde mit 42 in einem KZ-Lager mit einer Giftspritze umgebracht.[12]

Nach Beginn des zweiten Weltkrieges dehnte sich der Widerstand seitens der Juden deutlich gegen ihre Feinde aus. Eines der bekannteren Beispiele dafür war der Aufstand im Warschauer Ghetto vom 19. April bis zum 16. Mai 1943, der mit Ihrer Kapitulation aufgrund zu starker SS-Einheiten endete. Nur wenige von den Aufständischen konnten durch die Gänge der Kanalisation fliehen. Am 14 Oktober 1943 wurde von einem jüdisch-russischen Kriegsgefangenen ein Aufstand im Vernichtungslager Sobibor angeführt. Es gelang ihnen neun Wächter zu töten, die Tore zum Lager zu öffnen und 320 jüdische KZ-Insassen konnten fliehen. Schätzungsweise waren europaweit ca. 1,5 Millionen Juden am regulären militärischen Kampf als auch im Untergrund als Partisanen aktiv am Widerstand gegen die nationalsozialistische Tyrannei beteiligt.

2 Die Bedeutung der sozialen Arbeit im Nationalsozialismus

2.1 Die Wohlfahrtspflege während des NS-Regimes

Im Jahr 1932 trat das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz in Kraft, in dem es darum ging die Führsorgeerziehung zu untersagen, wenn es keine Aussicht auf Erfolg gab. So kam es zur selektiven Leistungsgewährung und zum Auslesegedanken. Nach der Machtübernahme kam es zu tief greifenden Veränderungen in der Wohlfahrtspflege. Die Sozialpolitik wurde als ein Instrument zur Durchsetzung nationalsozialistischer Ziele gebraucht und missbraucht. An ihre Stelle wurde die Rassenpolitik in den Vordergrund gerückt. Dadurch waren alle Politikbereiche mit dem rassistischen Gedankengut vergiftet. In erster Linie wurde die Familienpolitik angegriffen. Für die Menschen, die eine „arische Unbedenklichkeit“ nachweisen konnten, gab es zum Beispiel unverzinsliche Ehestandsdarlehen, oder Kinderzuschläge in der Sozialversicherung, oder kinderzahlabhängige Steuerermäßigungen, oder Kinderbeihilfen für Familien mit mehr als drei Kindern. Somit erreichte die NS-Regierung eine Erhöhung der Geburtenrate von „arischen“ Kindern. Diese eugenische Ideologie durchdrang auch die Jugendpolitik, die für nicht „erbgesunde“ oder für nicht „eingliederungsfähige“ Jugendliche Jugendschutzlager, Arbeitshäuser oder sogar KZ-Lager vorsah. In der Fürsorgepolitik entstand 1933 ein dominierender Träger der Wohlfahrtspflege, der den Namen Nationalsozialistische Volkswohlfahrt e.V. (NSV) trug. Andere soziale Einrichtungen wurden kontrolliert und diskriminiert. Im Jahr 1934 wurde Hilfswerk „Mutter und Kind“ gegründet. Dabei ging es um Unterstützung und Betreuung derer, die es unter rassischen Gesichtspunkten würdig waren. Die hilfsbedürftigen Familien erhielten medizinische Betreuung, Wohnungshilfe und Kinderbetreuung. Das Ziel der Wohlfahrtspflege wurde ein homogenes Volk zu errichten. Aus diesem Grund kam es zum Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und zum so genannten Blutschutzgesetz, das „rassische“ Bedingungen bei Eheschließungen vorschrieb. Damit diese Rassentheorie wirklich totalitär verbreitet wurde und es dadurch zu einer funktionstüchtigen Volksgemeinschaft kommen sollte, versuchte der Erziehungsstaat die pädagogische Betreuung in allen Bereichen/ Altersstufen anzubieten.[13]

[...]


[1] Korczak (1942) in: Licharz (1991), S. 85

[2] Korczak (o. J.) in Dauzenroth (1989), S. 71

[3] Gelluseau (o. J.) in: Klein (1996), S. 21

[4] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

[5] vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/index.html

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

[7] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

[8] vgl. Steinbach (2001), S. 15 –18

[9] vgl. Maier (2003), S. 167-170

[10] Maier (2003), S. 172

[11] vgl. Amthor (2005), S. 386

[12] vgl. Forster (2001), S. 8

[13] vgl. www.janstetter.de/wissen/referate/fürsorgerinnen.html

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Sozialarbeit im Nationalsozialismus dargestellt am Beispiel von Janusz Korczak
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Veranstaltung
Historische Entwicklungslinien der Sozialen Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V184409
ISBN (eBook)
9783656092452
ISBN (Buch)
9783656092582
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, sozialarbeit, nationalsozialismus, beispiel, janusz, korczak
Arbeit zitieren
Olga Stebichow (Autor), 2008, Die Rolle der Sozialarbeit im Nationalsozialismus dargestellt am Beispiel von Janusz Korczak, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184409

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rolle der Sozialarbeit im Nationalsozialismus dargestellt am Beispiel von Janusz Korczak



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden