An deutschen Hochschulen wird versucht das Gender Mainstreaming-Konzept einzusetzen, um ein geschlechtergerechtes Lernen und Lehren zu implementieren.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sieht eine solche Implementierung realpolitisch aus? Wer gibt die Vorgaben für ein Gender Mainstreaming an deutschen Hochschulen? Welchen Nutzen erhofft sich eine deutsche Universität, wenn sie das Konzept anwendet? Gibt es eine Diskrepanz zwischen Vorhaben und Umsetzung?
Und allem voran: In wessen „Munde“ befindet sich das Konzept eigentlich? Wer sind die Akteure und Akteurinnen, die ein Gender Mainstreaming an deutschen Hochschulen verfolgen? Welche Rolle spielen Lehrende und Studierende dabei, wenn sie eigennützig in das universitäre System eintreten, welches Gender Mainstreaming praktiziert?
Diese Fragen möchte ich im Folgenden anhand des Fallbeispiels der brandenburgischen Universität Potsdam erörtern und dokumentieren, welche Maßnahmen bisher ergriffen wurden und kritisch analysieren, welches Potenzial noch ausgeschöpft werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Gender-Mainstreaming
2. Gender Mainstreaming an deutschen Hochschulen
3. Gender Mainstreaming an der Universität Potsdam
3.1 Geschlechtergerechte Maßnahmen
3.2 Geschlechterpolitische Akteurinnen und Akteure
3.3 Bilanz
3.4 Verbesserungen
a) Selbsteinschätzungen der Universität Potsdam
b) Persönliche Anmerkungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Implementierung des Gender-Mainstreaming-Konzepts an der Universität Potsdam. Das primäre Ziel ist es, die bisher ergriffenen gleichstellungspolitischen Maßnahmen zu dokumentieren, deren Wirksamkeit kritisch zu analysieren und Potenziale für zukünftige Verbesserungen im universitären Betrieb aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen und Implementierung von Gender Mainstreaming an deutschen Hochschulen
- Analyse gleichstellungspolitischer Strukturen an der Universität Potsdam
- Evaluation von Maßnahmen zur Förderung von Frauen und zur Vereinbarkeit von Familie und Studium/Beruf
- Kritische Reflexion der Rolle von hochschulpolitischen Akteurinnen und Akteuren
- Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen für eine geschlechtergerechte Hochschulorganisation
Auszug aus dem Buch
3.2 Geschlechterpolitische Akteurinnen und Akteure
Bildmalerisch gesprochen bedarf eine Strategie wie Gender Mainstreaming Menschen, die ihr Leben einhauchen. In der Hochschullandschaft sind das die universitären Angehörigen vom Präsidium und den Dezernaten über die Kommissionen zu den Fakultäten und anderen Einrichtungen. Ausnahmslos alle Beschäftigten und Mitwirkende sind an einem Ge- oder Misslingen von Gender Mainstreaming in den universitären Strukturen beteiligt.
Allen voran befindet sich das universitäre Koordinationsbüro für Chancengleichheit mit ihren Mitarbeiterinnen, die Kommission für Chancengleichheit (CGK) und die jeweiligen dezentralen Gleichstellungsbeauftragten der Juristischen, Philosophischen, Humanwissenschaftlichen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen und der Mathematisch und Naturwissenschaftlichen Fakultät.
Hierbei erlangt insbesondere das universitäre Koordinationsbüro für Chancengleichheit nicht nur eine repräsentative Bedeutung, sondern erhält vielmehr eine Schnittstellenfunktion. Diese zeigte sich beispielsweise in dem 2010 stattgefundenen Gespräch der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Potsdam, Barbara Schrul, und der damals amtierenden Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Martina Münch, in dem „unter anderem die Umsetzung der Qualitätsstandards zur Chancengleichheit, die am 18. November unterzeichnet wurden, und die Novellierung des Brandenburger Hochschulgesetzes (BbgHG) [thematisiert wurde].“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept des Gender Mainstreaming ein und erläutert die Relevanz der Forschungsfrage für den universitären Kontext sowie die methodische Vorgehensweise anhand des Fallbeispiels Universität Potsdam.
1. Gender-Mainstreaming: Dieses Kapitel definiert Gender Mainstreaming als universelle Gleichstellungsstrategie und beleuchtet deren politische Entstehung und Verankerung sowie den Paradigmenwechsel weg von reiner Frauenförderung hin zu einer Strukturkategorie.
2. Gender Mainstreaming an deutschen Hochschulen: Hier wird der Transfer des Konzepts auf die Organisationsentwicklung von Hochschulen beschrieben, wobei insbesondere die Bedeutung für die Personalpolitik und die Erfüllung rechtlicher Rahmenbedingungen im Fokus steht.
3. Gender Mainstreaming an der Universität Potsdam: Das zentrale Kapitel dokumentiert detailliert die konkrete Umsetzung der Strategie an der Universität Potsdam und analysiert deren Strukturen und Maßnahmen.
3.1 Geschlechtergerechte Maßnahmen: Dieses Unterkapitel stellt spezifische Projekte und Förderprogramme vor, die an der Universität Potsdam implementiert wurden, um die Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Studium/Beruf und Familie zu unterstützen.
3.2 Geschlechterpolitische Akteurinnen und Akteure: Hier werden die zentralen universitären Akteure und Gremien vorgestellt, die das Gender Mainstreaming maßgeblich vorantreiben und koordinieren.
3.3 Bilanz: Es erfolgt eine kritische Bestandsaufnahme der erreichten Fortschritte sowie eine Identifikation verbleibender Defizite in den universitären Hierarchie- und Verwaltungsstrukturen.
3.4 Verbesserungen: Dieses Kapitel bietet eine Zusammenstellung universitätsinterner Selbsteinschätzungen sowie ergänzende kritische Vorschläge der Autorin zur Weiterentwicklung der Gleichstellungspolitik.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz der Ergebnisse zusammen, reflektiert die Wirksamkeit der gewählten Strategie und skizziert abschließend einen Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen für eine chancengleiche Hochschule.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Universität Potsdam, Gleichstellungspolitik, Chancengleichheit, Frauenförderung, Hochschule, Gender-Kompetenz, Work-Life-Balance, Organisationsentwicklung, Geschlechtergerechtigkeit, Gender Budgeting, strukturelle Diskriminierung, Intersektionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung und praktischen Umsetzung der Gender-Mainstreaming-Strategie an der Universität Potsdam unter Berücksichtigung von deren Strukturen und Maßnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Gleichstellungspolitik an Hochschulen, die Analyse von Frauenförderungsprogrammen, die Vereinbarkeit von Studium/Beruf und Familie sowie die Rolle der beteiligten hochschulpolitischen Akteure.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Dokumentation der Maßnahmen, die die Universität Potsdam ergriffen hat, um Geschlechtergerechtigkeit zu erzielen, sowie eine kritische Analyse des Potenzials und der Defizite dieser Strategie.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziologischer und bildungspolitischer Forschung sowie der Untersuchung universitätseigener Publikationen und Berichte zur Gleichstellungsarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Gender Mainstreaming, die Übertragung auf den Hochschulkontext und eine detaillierte Fallstudie zur Universität Potsdam, inklusive einer Bilanz und konkreter Verbesserungsvorschläge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Gender Mainstreaming, Chancengleichheit, Organisationsentwicklung, Geschlechtergerechtigkeit und Work-Life-Balance.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Koordinationsbüros für Chancengleichheit?
Die Autorin erkennt dem Büro eine wichtige Schnittstellenfunktion zu, merkt jedoch an, dass der strategische Fokus des Gender Mainstreaming gelegentlich hinter familienpolitische Maßnahmen zurückzutreten droht.
Welchen Stellenwert räumt die Autorin dem "Gender-Training" ein?
Sie schlägt verbindliche, nach Statusgruppen differenzierte Gender-Trainings für alle Hochschulangehörigen vor, um die fachliche Weiterbildung im Bereich Gleichstellungspolitik systematisch zu fördern.
- Citation du texte
- Riccarda J. Schneider (Auteur), 2011, Gender Mainstreaming an deutschen Hochschulen - am Beispiel der Universität Potsdam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184864