Mit dem vorliegenden Konvolut werden der "unendlichen Geschichte Gruppenarbeit" einige Zeilen hinzugefügt. Einführung von Gruppenarbeit ist ein zentrales Moment des seit Beginn der 90er Jahre andauernden Diskurses über sogenannte "schlanke" Produktionskonzepte. An diese Debatte wird hier unter anderem angeknüpft -- gleichwohl ist der vorliegende Text nicht eben "lean" ausgefallen: Für die Thematik einer "ganzheitlichen" Arbeitsorganisationsform erschien dem Verfasser eine ebenso "ganzheitliche" Herangehensweise wünschenswert.
Inhaltsverzeichnis
1 GRUPPENARBEIT ALS PARADIGMA MODERNER ARBEITSORGANISATION
1.1 GRUPPENARBEITSDISKURSE — ZWEI KONJUNKTURZYKLEN EINES ARBEITSPOLITISCHEN THEMAS
1.1.1 Gruppenarbeit in den 70er Jahren und das Programm zur Humanisierung des Arbeitslebens
1.1.2 Renaissance von Gruppenarbeit in den 90er Jahren und die Debatte um Lean Production
1.2 KONZEPTE VON GRUPPENARBEIT — SYNOPSIS NOMINALER DEFINITIONEN UND IDEALTYPEN
1.2.1 Fertigungsgruppen — Annäherungen an eine Definition
1.2.2 Abgrenzung von industrieller Gruppenarbeit gegen andere Arbeitsformen
1.2.3 Idealtypische Formen von Gruppenarbeit
1.3 DIFFUSION VON GRUPPENARBEIT – EMPIRISCHE INFORMATIONEN ZUR SITUATION IN DEUTSCHEN BETRIEBEN
1.3.1 Ergebnisse des NIFA-Panels
1.3.2 Die Erhebung des Institut Arbeit und Technik
1.4 PARADIGMENWECHSEL INDUSTRIELLER PRODUKTION? ODER: GRUPPENARBEIT — ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT EINES PROGRAMMS, TEIL 1
2 SOZIALE EFFEKTE DER EINFÜHRUNG VON GRUPPENARBEIT
2.1 HUMANZIELE DER IMPLEMENTATION VON GRUPPENARBEIT
2.1.1 Das Konzept der menschengerechten Arbeitsgestaltung
2.1.2 Interdependenz von Effizienz- und Humanzielen
2.1.3 Fazit zu den Zielen von Gruppenarbeit
2.2 SOZIALE EFFEKTIVITÄT UND SOZIALE RISIKEN DER EINFÜHRUNG VON GRUPPENARBEIT
2.2.1 Konfligierende Ziele der Einführung von Gruppenarbeit
2.2.2 Systematische Gründe des Konfliktpotentials teilautonomer Gruppen
2.2.3 Gruppenarbeit aus der Perspektive der Neuen Institutionenökonomik
2.3 KONZEPTSPEZIFIZIERUNG: DIMENSIONEN DER ARBEITSSITUATION
2.3.1 Handlungsspielraum
2.3.2 Kommunikation und Gruppengespräche
2.3.3 Formen sozialer Kooperation
2.3.4 Qualifikation und Verantwortung
2.3.5 Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation
2.3.6 Arbeitsbelastung
2.4 THEORETISCHE ERKLÄRUNGSMODELLE ZU DEN AUSWIRKUNGEN VON GRUPPENARBEIT
2.4.1 Der soziotechnische Systemansatz
2.4.2 Das Job Characteristics Model
2.5 FORSCHUNGSBERICHTE ÜBER EFFEKTE VON GRUPPENARBEIT — EINE BILANZ
2.5.1 Die Längsschnittuntersuchung von ANTONI (1996)
2.5.2 Die Studie von ANTONI et al. (1994)
2.5.3 Die Studien von FRIELING und FREIBOTH (1997)
2.5.4 Die Studie von LEMKE (1994)
2.5.5 Eine Mitarbeiterbefragung der Sozialforschungsstelle Dortmund (1989)
2.5.6 Die Untersuchung von WAIDELICH und SCHEURER (1994)
2.5.7 Die Studie von WINDEL über nicht-industrielle Gruppenarbeit (1994)
2.5.8 Schwedische Studien zu den Auswirkungen von Gruppenarbeit
2.5.9 Zwischenergebnis zur empirischen Wirkungsforschung
2.6 FORMULIERUNG INHALTLICHER HYPOTHESEN
2.6.1 Exkurs: Hypothesenprüfende Wirkungsforschung über Gruppenarbeit — Potentiale und Probleme
2.6.2 Globale Wirkungshypothese
2.6.3 Handlungsspielraum
2.6.4 Soziale Struktur
2.6.5 Qualifikation
2.6.6 Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation
2.6.7 Arbeitsbelastung
3 METHODISCHES VORGEHEN
3.1 DIE UNTERSUCHUNGSBETRIEBE UND IHRE GRUPPENKONZEPTE
3.1.1 Vergleichende Beschreibung der Unternehmen
3.1.2 Fertigungsstrukturelle Determinanten der Arbeitsgestaltung
3.1.3 Gruppenkonzepte von WA und WE: Gründe, Merkmale und Ziele
3.1.4 Evaluierung von Gruppenarbeit
3.2 GENESE DES ERHEBUNGSINSTRUMENTS
3.2.1 Methodische Überlegungen vor der Instrumentenentwicklung
3.2.2 Der „Fragebogen zur Arbeitssituation“ — Struktur und methodische Details
3.2.3 Vergleich der „Diskussionsgrundlage“ und der „Survey-Version“
3.3 UNTERSUCHUNGSPLANUNG VERSUS UNTERSUCHUNGSWIRKLICHKEIT
3.3.1 Terminologie der Teilgesamtheiten
3.3.2 Das Design: Ex-post-facto mit „Quasi“-Längsschnitt
3.3.3 Vorbereitung und Durchführung des Survey
3.3.4 Ausschöpfung, Abbildungsgenauigkeit und externe Validität
3.4 AUSWERTUNGSSTRATEGIEN
3.4.1 Indexbildung
3.4.2 Einschlägige statistische Modelle
3.4.3 Skalenqualität des Erhebungsinstruments
3.4.4 Anwendungsvoraussetzungen statistischer Modelle: Verteilungsanalyse
3.5 OPERATIONALE HYPOTHESEN
4 ERGEBNISDARSTELLUNG
4.1 VERGLEICHENDE MITTELWERTANALYSE
4.1.1 Vergleichsebenen und „Ceteris-paribus-Analyse“
4.1.2 Handlungsspielraum
4.1.3 Soziale Struktur
4.1.4 Qualifikation und Verantwortung
4.1.5 Arbeitszufriedenheit
4.1.6 Arbeitsbelastung
4.1.7 Bewertung der Gruppenarbeit
4.1.8 Gruppengespräche
4.1.9 Vergleichende Mittelwertanalyse: graphische Zusammenfassung
4.1.10 Vergleichsebenen im Vergleich: „Cleavages“ der untersuchten Population — Diskriminanzanalyse
4.2 KORRELATIONS- UND REGRESSIONSANALYSE
4.2.1 Zufriedenheit mit Gruppenarbeit
4.2.2 Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation
4.3 ERGEBNISSE STRUKTURENTDECKENDER VERFAHREN
5 DISKUSSION ZENTRALER BEFUNDE
5.1 META-EVALUATION VON EVALUATION — ZUM METHODISCHEN ANSATZ DIESER STUDIE
5.2 SOZIALES BENCHMARKING — SYSTEMATISCHER VERGLEICH VON GRUPPENKONZEPTEN
5.3 FALSIFIZIERTE FORSCHUNGSHYPOTHESEN — EIN ERKLÄRUNGSVERSUCH
5.4 STAGNATION UND EVOLUTION — ENTWICKLUNGSPFADE VON GRUPPENARBEIT
5.5 ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT VON GRUPPENARBEIT, TEIL II: SOZIALE EFFEKTIVITÄT UND DIE PERSPEKTIVEN EINES PARADIGMAS
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die sozialen Auswirkungen der Einführung von Gruppenarbeit aus der Perspektive der gewerblichen Mitarbeiter zu analysieren und empirisch zu evaluieren. Dabei wird untersucht, inwiefern mit der Implementierung von Gruppenarbeit auch eine Verbesserung der Arbeitssituation und die Erreichung sozialer Humanziele einhergehen oder ob ökonomische Rationalisierungsstrategien dominieren.
- Analyse der sozialen Effekte von Gruppenarbeit auf Basis einer Mitarbeiterbefragung
- Diskussion der sozialen Effektivität im Vergleich zu traditionellen Arbeitsformen
- Theoretische Wirkungsanalyse mittels soziotechnischer Systemansätze und Job-Characteristics-Modellen
- Empirische Untersuchung der Diffusion und Realität von Gruppenarbeit in der deutschen Industrie
- Methodische Reflexion zur Evaluationsforschung im betrieblichen Kontext
Auszug aus dem Buch
1.1 Gruppenarbeitsdiskurse — zwei Konjunkturzyklen eines arbeitspolitischen Themas
Der Diskurs über Gruppenarbeit in der industriellen Produktion unterlag in diesem Jahrhundert einer zyklischen Interessenschwankung. Das Phänomen Gruppenarbeit ist auch ein Modetrend — es ist „in“, nach der Business Process Reengineering-Welle den Betrieb gruppenorientiert zu reorganisieren.
Hintergründe des aktuellen und des letzten Zyklus sollen gegenübergestellt werden; als pauschale Charakterisierungen der verschiedenen Randbedingungen könnte man die folgenden Etiketten vergeben: Die Debatte wies „(sozial)romantische Züge“ in den 70er Jahren auf und ist in den 90er Jahren von „Rationalisierung(szwängen)“ geprägt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 GRUPPENARBEIT ALS PARADIGMA MODERNER ARBEITSORGANISATION: Dieses Kapitel rekonstruiert den historischen Hintergrund und die theoretischen Konzepte von Gruppenarbeit sowie deren Verbreitung in deutschen Betrieben.
2 SOZIALE EFFEKTE DER EINFÜHRUNG VON GRUPPENARBEIT: Hier werden die mit der Einführung verbundenen Erwartungen an soziale Effekte theoretisch analysiert und Forschungshypothesen für die empirische Untersuchung abgeleitet.
3 METHODISCHES VORGEHEN: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption der Mitarbeiterbefragung, die Auswahl der Betriebe und die methodischen Grundlagen der Datenerhebung.
4 ERGEBNISDARSTELLUNG: Die Ergebnisse der empirischen Erhebung werden präsentiert, wobei die statistische Auswertung der Mitarbeiterbefragung zur Überprüfung der Hypothesen dient.
5 DISKUSSION ZENTRALER BEFUNDE: Abschließend werden die empirischen Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund diskutiert, soziale Benchmarks verglichen und die Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der Einführung von Gruppenarbeit kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Gruppenarbeit, Industrielle Produktion, Soziale Effekte, Humanisierung der Arbeit, Rationalisierung, Arbeitssituation, Mitarbeiterbefragung, Handlungsspielraum, Arbeitszufriedenheit, Teilautonome Gruppen, Arbeitsorganisation, Unternehmenskultur, Soziales Benchmarking, Qualitative Evaluation, Quantitative Sozialforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Evaluation der Einführung von Gruppenarbeit in industriellen Betrieben, insbesondere unter dem Aspekt, ob neben ökonomischen Zielen auch soziale Verbesserungen für die Mitarbeiter erzielt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Gruppenarbeitskonzepten, deren ökonomische vs. soziale Zielsetzungen, die Auswirkungen auf die Arbeitssituation (Handlungsspielraum, Arbeitsbelastung, Zufriedenheit) sowie die methodische Herausforderung der betrieblichen Evaluation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die empirische Analyse sozialer Effekte und der sozialen Effektivität von Gruppenarbeit aus Sicht der gewerblichen Mitarbeiter, um zu prüfen, ob das Konzept tatsächlich den Ansprüchen an menschengerechte Arbeitsgestaltung gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine empirische Studie, die auf einer standardisierten Mitarbeiterbefragung beruht, ergänzt durch Experteninterviews und eine Dokumentenanalyse im Sinne eines "Quasi"-Längsschnitt-Designs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Wirkungsanalyse, die Formulierung von Hypothesen, die methodische Darstellung des Erhebungsinstruments sowie die detaillierte Ergebnisdarstellung und Diskussion der empirischen Befunde.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Gruppenarbeit, Arbeitssituation, Humanisierung, Rationalisierung, Soziale Effekte, Mitarbeiterbefragung und Teilautonome Gruppen.
Wie unterscheidet sich die Gruppenarbeit in den 70er Jahren von der in den 90er Jahren?
Die Gruppenarbeit der 70er Jahre war primär durch Humanisierungsziele geprägt (sozialromantische Züge), während sie in den 90er Jahren stärker als Rationalisierungsinstrument unter dem Druck globaler Wettbewerbsfähigkeit (Rationalisierungszwänge) eingesetzt wurde.
Welche Rolle spielen "Gruppengespräche" im Kontext der Arbeit?
Gruppengespräche werden als Kernelement und zentrales Medium zur Selbstregulation sowie zur Bearbeitung sozialer Konflikte betrachtet, wobei sich in der Untersuchung zeigte, dass deren Sinn in der betrieblichen Praxis teils umstritten ist.
Warum wird Gruppenarbeit teilweise als "sozialer Sprengstoff" bezeichnet?
Diese Bezeichnung bezieht sich auf das erhöhte Konfliktpotenzial, das entstehen kann, wenn durch Gruppenarbeit der Leistungsdruck steigt und die Notwendigkeit zur Kooperation auf erzwungene Strukturen in einem spannungsgeladenen Umfeld trifft.
- Citar trabajo
- Thomas Kley (Autor), 1999, Evaluation der Einführung von Gruppenarbeit - Chancen und Risiken eines modernen Arbeitsorganisationskonzepts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185287