Als Anstoß für das Projekt diente uns neben der Diskussion mit Herrn Prof. Dr. Meissner am Rande der Vorlesung zum strategischen Management u.a. eine Presseveröffentlichung des Instituts für Finanzdienstleistungen IFF (Hamburg) im Handelsblatt vom 09.09.98. Den Banken wird darin bei der Finanzierung von Unternehmensgründungen schwere Beratungsmängel und fehlende Kompetenz vorgeworfen.
Die vorliegende Arbeit stellt nun einen Versuch dar, ein Umsetzungskonzept für die u.E. „vernachlässigten“ Existenzgründerfinanzierungen in deutschen Großbanken am Beispiel der Deutsche Bank AG, zu erstellen.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
Themenabgrenzung
Vorgehensweise – konzeptioneller Aufbau
Begriffsdefinitionen
Existenzgründungsfinanzierung historisch betrachtet
B. Hauptteil „Existenzgründungsfinanzierung in deutschen Großbanken“
1. Statistische Angaben – Entwicklung der Existenzgründungen
1.1 Anzahl Neugründungen
1.2 Insolvenzen
1.3 Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze
1.4 Branchenaufteilung
1.5 Finanzierungsstruktur
2. Status Quo Existenzgründungsfinanzierung
2.1 Berater der Existenzgründer
2.1.1 Das Beratungsangebot
2.1.2 Welcher Berater gibt Hilfestellung wofür?
2.1.3 Förderung der Gründungsberatung
2.2 Finanzierungs- und Förderbausteine
2.2.1 Öffentliche Förderprogramme
2.2.2 Hausbankdarlehen
2.2.3 Eigenkapitalstärkung durch Beteiligungskapital / Wagniskapital
2.3 Engagement der Banken und Sparkassen für Existenzgründer nach Institutsgruppen
3. Geschäftsprozess einer Existenzgründungsfinanzierung am Beispiel der Deutsche Bank AG
3.1 Kontaktaufnahme
3.2 Beratungsgespräch
3.3 Analyse
3.4 Kreditentscheidung
3.5 Technische Abwicklung
3.6 weitere Betreuung
4. Empirische Untersuchung zum Prozess der Existenzgründerfinanzierung in Banken und Sparkassen
4.1 Aufbau der Untersuchung
4.2 Ist-Zustand in den befragten Instituten
4.3 Möglichkeiten der Hilfestellung außerhalb des Finanzierungsbereichs
4.4 Verbesserungsmöglichkeiten bzw. Grenzen in der Beratungsleistung
5. Empirische Untersuchung zum Prozess der Existenzgründerfinanzierung aus Sicht der Gründer
5.1 Aufbau der Untersuchung
5.2 Angaben zum Vorhaben der befragten Gründer
5.3 Zufriedenheit der Existenzgründer mit den Beratern
5.4 Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Existenzgründung aus Sicht der Gründer
5.5 Anforderungen an eine „Existenzgründer-Bank“
5.6 (Verbesserungs-)Möglichkeiten der Hilfestellung vonseiten des Kreditinstituts außerhalb des Finanzierungsbereichs und deren Grenzen
6. Darstellung eines Lösungsansatzes für Existenzgründungsfinanzierungen in Großbanken
6.1 Segmentierung der Existenzgründer nach Anforderungen über notwendige Beratungsleistung
6.2 Veränderungen des Geschäftsprozesses
6.2.1 Segment Gründung in klassischer Branche
6.2.2 Segment Gründung im innovativen, technologieorientierten Bereich
C. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Effizienz und Qualität der Existenzgründungsfinanzierung in deutschen Großbanken. Ziel ist die Entwicklung eines optimierten Umsetzungskonzepts, das den spezifischen Anforderungen von Gründern gerecht wird, um diese Finanzierungen als lohnendes Geschäftsfeld für Großbanken zu etablieren.
- Analyse der aktuellen Entwicklung von Existenzgründungen in Deutschland.
- Untersuchung des Status Quo der Beratungsprozesse in Kreditinstituten.
- Empirische Erhebung zur Zufriedenheit von Gründern und Bankmitarbeitern.
- Darstellung von Lösungsansätzen für eine zielgruppengerechte Beratung.
- Vorschläge zur Prozessoptimierung in der Finanzierung und Begleitung.
Auszug aus dem Buch
Existenzgründungsfinanzierung historisch betrachtet (Gründerzeit/Nachkriegszeit)
Leider konnte im Rahmen dieser Arbeit dieses interessante Thema nur angerissen werden. Dazu wurde ausschließlich Informationsmaterial der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V., anläßlich einer öffentlichen Vortragsveranstaltung am 23.04.98 in Frankfurt a.M., verwendet.
Das Motto „Erst wägen, dann wagen!“ war nicht nur der Wahlspruch des Generalchefs Helmut Graf von Moltke. Es ist eine alte Lebensregel, die sich das Bankgewerbe seit seinen Anfängen ins Hauptbuch geschrieben hat. Der berufsmäßige Geldverleiher, der fremde Mittel gegen Zinsen an sich zog, um sie dann an Dritte auszuleihen, mußte sein Risiko wohl kalkulieren, wollte er sein Darlehen nicht verlustig werden. Doch im Gegensatz zu der Gefahr, bestand die Aussicht eben auf Gewinn. Die war jedoch nicht ganz sicher und das ganze eben ein „rischio“ – womit im Italienischen die Gefahr oder das Wagnis bezeichnet wird. Wenn sich an diesen Grundbedingungen des unternehmerischen Risikos auch wenig geändert haben dürfte, so ergaben sich mit dem Beginn der industriellen Revolution neue Investitionsmöglichkeiten, aber auch neue Probleme, nämlich die Risiken eines Engagements einzuschätzen.
Mit der Staatsfinanzierung, die noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Bankwesen dominierte, waren die Privatbankiers in Frankfurt, Augsburg und Berlin bestens vertraut. Das Instrument der Staatsanleihe hatten sie perfektioniert und sie wußten genau, zu welchen Konditionen eine Obligation beim Publikum untergebracht werden konnte. Auch die Finanzierung der Eisenbahnen erfolgte seit Mitte der 1830er Jahre weitgehend nach dem Muster der Staatsschuldenaufnahme. Das zweite Standbein der Privatbankiers, die Handelsfinanzierung – meist durch Wechsel – hatte sich über lange Zeit entwickelt und den Bankiers erlaubt, ein feines Gespür für Preis- und Risikokalkulation zu entwickeln. Mit industriellen Investitionen verhielt es sich hingegen völlig anders. Die Privatbankiers zeigten daher mit wenigen Ausnahmen – vor allem von Bankhäusern in Köln – wenig Neigung, sich als Finanziers der Industrie zu betätigen.
Zusammenfassung der Kapitel
Statistische Angaben – Entwicklung der Existenzgründungen: Dieses Kapitel liefert eine Datenbasis zu Gründungen, Insolvenzen und der Finanzierungsstruktur, um die ökonomische Bedeutung von Existenzgründungen zu untermauern.
Status Quo Existenzgründungsfinanzierung: Hier wird das aktuelle Beratungsangebot sowie die verschiedenen Finanzierungsinstrumente wie öffentliche Förderprogramme und Hausbankdarlehen für Gründer analysiert.
Geschäftsprozess einer Existenzgründungsfinanzierung am Beispiel der Deutsche Bank AG: Anhand eines konkreten Praxisbeispiels wird der organisatorische Ablauf einer Finanzierung von der ersten Kontaktaufnahme bis zur langfristigen Betreuung detailliert beschrieben.
Empirische Untersuchung zum Prozess der Existenzgründerfinanzierung in Banken und Sparkassen: Dieses Kapitel wertet die Befragung von Bankmitarbeitern aus, um den internen Ablauf, die Ausbildung der Berater und die Herausforderungen aus Bankensicht darzustellen.
Empirische Untersuchung zum Prozess der Existenzgründerfinanzierung aus Sicht der Gründer: Hier werden die Ergebnisse der Gründerbefragung analysiert, wobei besonders die Erwartungen an eine „Existenzgründer-Bank“ und die Zufriedenheit mit bestehenden Angeboten im Fokus stehen.
Darstellung eines Lösungsansatzes für Existenzgründungsfinanzierungen in Großbanken: Abschließend wird ein Modell entwickelt, das durch Segmentierung und Prozessoptimierung eine profitablere und kundenorientiertere Begleitung von Existenzgründern ermöglicht.
Schlüsselwörter
Existenzgründungsfinanzierung, Unternehmensgründung, Großbanken, Förderprogramme, Kreditentscheidung, Beratungsprozess, Venture-Capital, Risikokapital, Betriebswirtschaft, Finanzierung, Gründerberatung, Mittelstand, Bankenprozesse, Marktanalyse, Eigenkapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Projektarbeit untersucht die Rolle von deutschen Großbanken bei der Finanzierung von Existenzgründungen und entwickelt Lösungsansätze, um diese Beratung professioneller und für die Bank profitabler zu gestalten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst statistische Analysen der Gründungssituation, eine Darstellung der Finanzierungs- und Beratungsinstrumente, empirische Untersuchungen bei Banken und Gründern sowie ein spezifisches Umsetzungskonzept.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den "vernachlässigten" Bereich der Existenzgründungsfinanzierung in Großbanken am Beispiel der Deutschen Bank AG zu analysieren und ein Konzept für eine effizientere Betreuung zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Kombination aus Literaturanalyse und empirischer Forschung in Form von schriftlichen Befragungen von Bankmitarbeitern und Gründern sowie Experteninterviews durchgeführt.
Was ist der Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert den aktuellen Status Quo der Finanzierung, dokumentiert den Geschäftsprozess in Großbanken und präsentiert die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur Sichtweise von Banken und Gründern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Existenzgründungsfinanzierung, Förderprogramme, Kreditentscheidung, Beratungsprozess, Venture-Capital und Prozessoptimierung in Großbanken.
Wie wichtig sind öffentliche Förderprogramme für die Finanzierung?
Die Arbeit verdeutlicht, dass öffentliche Förderprogramme einen entscheidenden Baustein der Gründungsfinanzierung darstellen und in den meisten Fällen einen Großteil des Fremdkapitalbedarfs decken.
Warum wird die Einrichtung von "Centers of Competence" empfohlen?
Diese zentralen Einheiten sollen die professionelle Analyse, Entscheidung und Administration übernehmen, um die Qualität der Gründungsfinanzierung zu steigern und gleichzeitig die Prozesse in den Filialen zu entlasten.
- Citar trabajo
- Georg Fischer (Autor), Johannes Bauer (Autor), Josef Kainz (Autor), 1999, Existenzgründungsfinanzierung - eine lohnende Investition auch in Großbanken?!?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185393