Mit der Etablierung virtueller internetbasierter Marktplätze bricht für die Unternehmen momentan ein neues Zeitalter an, dessen Auswirkungen an die der Industriellen Revolution heranreichen könnten. Der Einsatz dieser digitalen Intermediäre im Be- schaffungsbereich ermöglicht die Überwindung sowohl geographischer, technischer als auch sozio-kultureller Grenzen und ebnet damit den Weg für eine völlig neue Zu-sammensetzung von Wertschöpfungsketten sowie die Realisierung dramatischer Effizienzpotentiale. Diese Arbeit beleuchtet neben einigen theoretischen Hintergründen den aktuellen Entwicklungsstand virtueller Marktplätze und versucht, deren Erfolgschancen hinsichtlich Organisations-, Prozeß- und Kostenstrukturen überblicksmäßig aufzuzeigen. Eine empirische Umfrage unter deutschen und Schweizer Unternehmen diente sowohl der Ermittlung des derzeitigen Nutzungsgrades als auch der Validierung theoretischer Überlegungen hinsichtlich virtueller Marktplätze. Drei besonders interessante Pilotanwender werden darüber hinaus in Fallstudien näher vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Motivation
1.3 Abgrenzung
2 Begriffsdefinitionen und Grundlagen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Electronic Commerce
2.1.2 Virtuelle Marktplätze
2.1.3 Electronic Purchasing/Electronic Procurement
2.1.4 Supply Chain
2.2 Grundlagen der Digitalen Ökonomie
2.2.1 Wettbewerbstheorie
2.2.2 Transaktionskostentheorie
2.2.3 Theorie der Eigentumsrechte und Principal Agent Theorie
2.3 Elektronische Märkte
2.3.1 Theoretische Grundlagen elektronischer Märkte
2.3.2 Evolutionäre und revolutionäre Veränderungen
2.3.3 Marktbegriff und Konzeption
2.3.4 Semiotisches Marktmodell
2.3.5 Markttransaktionen
2.4 Technische Infrastruktur
2.4.1 Historie
2.4.2 Aktueller Stand der Technologie
2.4.3 Infrastruktur virtueller Marktplätze
3 Virtuelle Märkte
3.1 Aktuelles Umfeld und Entwicklungsstadium
3.1.1 Entwicklungsphasen und Ausmaß des E-Commerce
3.1.2 Anteil virtueller Märkte am E-Commerce
3.1.3 Besondere Bedingungen in Europa
3.1.4 Situation in Deutschland, der Schweiz und Österreich
3.2 Treibende Komponenten virtueller Märkte
3.2.1 Veränderte Marktkräfte zwingen zur Neuorientierung
3.2.2 Einfluß kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)
3.2.3 Lernkurveneffekte aus B2C
3.2.4 Risikokapital steht ausreichend zur Verfügung
3.2.5 Vorteile im Beschaffungsbereich
3.3 Geschäftsmodelle virtueller Märkte
3.3.1 Kernfunktionalitäten
3.3.2 Horizontal versus Vertikal
3.3.3 Beeinflußt versus Neutral
3.3.4 Makler
3.3.5 Katalogaggregatoren
3.3.6 Börsen
3.3.7 E-Hubs
3.4 Gebührenmodelle
3.5 Erfolgsfaktoren virtueller Märkte
3.5.1 Schnelligkeit und kritische Masse
3.5.2 Branchenexpertise
3.5.3 Effiziente Transaktionsabwicklung
3.5.4 Ermöglichung der virtuellen Supply Chain
3.6 Besonderheiten der Nutzung für die Beschaf- fung
3.6.1 Heutige Probleme der Beschaffung
3.6.2 Frühere Optimierungsansätze
3.6.4 Strategische Optimierungspotentiale
3.7 Prädestinierte Branchen
3.8 Disintermediation
3.9 Risiken für die weitere Entwicklung
3.10 Schlußfolgerungen
4 Empirische Untersuchung
4.1 Zielsetzung und Untersuchungsmethode
4.2 Allgemeine Angaben zu den Teilnehmern
4.3 Derzeitige Beschaffungssituation
4.4 Technologieeinsatz
4.5 Virtuelle Marktplätze
5 Fallstudien
5.1 Swisscom AG und Conextrade.net: Der erste virtuelle B2B-Markt der Schweiz
5.1.1 Unternehmensporträt
5.1.2 Ausgangslage und Zielsetzungen
5.1.3 Projektdurchführung
5.1.4 Lernpunkte und Ausblick
5.2 BASF AG: Rohstoffeinkauf auf virtuellen Markt- plätzen
5.2.1 Unternehmensporträt
5.2.2 Ausgangslage und Zielsetzungen
5.2.3 Projektdurchführung
5.2.4 Lernpunkte und Ausblick
5.3 Deutsche Bank AG: Integration einer hauseigenen E-Procurement-Lösung in einen virtuellen Markt
5.3.1 Unternehmensporträt
5.3.2 Ausgangslage und Zielsetzungen
5.3.3 Projektdurchführung
5.3.4 Lernpunkte und Ausblick
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen von internetbasierten virtuellen Marktplätzen auf das E-Procurement. Ziel ist es, den aktuellen Entwicklungsstand zu analysieren, Geschäftsmodelle zu klassifizieren und die Implikationen für Organisations- und Kostenstrukturen durch eine empirische Untersuchung sowie Praxisbeispiele aufzuzeigen.
- Grundlagen der Digitalen Ökonomie und elektronischer Märkte
- Geschäftsmodelle virtueller Marktplätze (E-Hubs, Börsen, Makler)
- Empirische Analyse des Nutzungsgrades in Deutschland und der Schweiz
- Optimierungspotentiale im Beschaffungswesen durch E-Procurement
- Fallstudien zur praktischen Implementierung (Swisscom, BASF, Deutsche Bank)
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Theoretische Grundlagen elektronischer Märkte
Menschen leben in kognitiven Räumen, in denen sie Istzustände wahrnehmen und interpretieren und daraus über gedankliche Prozesse Sollzustände in Form von Wünschen und Zielen entwickeln. Probleme, definiert als Differenz zwischen Soll- und Istzustand, erzeugen Innovation und treiben damit Wirtschaft und Gesellschaft voran. Diese kognitiven Räume, von Schmid als „Wissensmedien“ bezeichnet, lassen sich in eine logische (gemeinsame Sprache), sozial-organisatorische (Umgangsformen, Rollen und Protokolle) und kanalsystematische (Informationstransport über Raum und Zeit, z.B. durch Bücher, Gespräche, Datenbanken) Komponente gliedern. Die aktive in-formatio (lat.), d.h. Einformung in den menschlichen Geist, erzeugt spezialisiertes Problemlösungswissen.
Seit der Entwicklung der Informatik vor ca. 60 Jahren sind enorme Mengen dieses Wissens durch Codierung in formale Sprachen in digitale Form gebracht worden. Gleichzeitig sind immer mehr Prozesse durch maschinenausführbare Programme verfügbar. Durch die Verbindung von Computer und Telekommunikation (Telematik), insbesondere in der Ausprägungsform des Internet, ist der Produktionsfaktor Information zeitverzugslos, interaktiv, multimedial und nahezu kostenlos global erhältlich. Somit kommt es, schneller und weitgehender als von Karl Marx beschrieben, zur umfassenden Verfügbarkeit eines sehr mächtigen Produktionsmittels mit auch heute erst teilweise überschaubaren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Zum Austausch des Produktionsfaktors Information müssen geeignete Koordinationsmechanismen verfügbar sein. Hierbei werden in der Standardliteratur die beiden Gegenpole Hierarchie und Markt unterschieden. In der Vergangenheit bewegte sich der Informationsfluß zumeist im Rahmen hierarchischer Strukturen. Mit der globalen Verbreitung der Telematik in Form des Internets wuchs der Bedarf nach neuen Lösungsdesigns. Elektronische Märkte stellen entsprechende Realisationen dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Digitalen Ökonomie ein, erläutert die Problemstellung der Transformation von Geschäftsprozessen und definiert die Zielsetzung sowie die Abgrenzung der Arbeit.
2 Begriffsdefinitionen und Grundlagen: Hier werden zentrale Fachbegriffe wie Electronic Commerce und virtuelle Marktplätze definiert sowie theoretische Fundamente (Transaktionskosten, Principal-Agent-Theorie) für das Verständnis elektronischer Märkte gelegt.
3 Virtuelle Märkte: Dieses umfangreiche Kapitel beleuchtet das aktuelle Marktumfeld, analysiert verschiedene Geschäftsmodelle und identifiziert kritische Erfolgsfaktoren wie Liquidität und Branchenexpertise.
4 Empirische Untersuchung: Dieser Abschnitt präsentiert die Ergebnisse einer Umfrage unter deutschen und Schweizer Unternehmen hinsichtlich ihrer aktuellen Beschaffungssituation und der Akzeptanz neuer Technologien.
5 Fallstudien: In diesem Kapitel werden drei konkrete Praxisbeispiele (Swisscom AG, BASF AG, Deutsche Bank AG) detailliert dargestellt, um die Implementierung von E-Procurement-Lösungen zu verdeutlichen.
6 Ausblick: Der abschließende Teil fasst die wesentlichen Trends zusammen und bewertet die zukünftige Bedeutung der digitalen Transformation für Unternehmen.
Schlüsselwörter
E-Procurement, Virtuelle Marktplätze, Digitale Ökonomie, Supply Chain Management, B2B, Elektronische Märkte, Transaktionskosten, E-Hubs, Prozessoptimierung, Unternehmensstrategie, Informationslogistik, XML, Marktransparenz, Beschaffungsmanagement, Unternehmenskooperation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die betriebswirtschaftliche Bedeutung von virtuellen, internetbasierten Marktplätzen im Bereich der Beschaffung (E-Procurement) im deutschsprachigen Raum.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Digitalen Ökonomie, die Klassifizierung von Geschäftsmodellen, technische Infrastrukturen sowie die empirische Evaluierung der Marktdurchdringung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Hauptziel besteht darin, die Auswirkungen virtueller Märkte auf Unternehmensprozesse, Kostenstrukturen und Organisationsformen zu untersuchen und den aktuellen Stand der Anwendung in der Praxis zu ermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Der Autor kombiniert theoretische Analysen der Literatur mit einer eigenen empirischen Umfrage unter deutschen und Schweizer Unternehmen sowie detaillierten Fallstudien von Großunternehmen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Evolution virtueller Marktplätze, der Differenzierung zwischen horizontalen und vertikalen Märkten, Erfolgsfaktoren sowie den strategischen Herausforderungen bei der Integration in Back-End-Systeme.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf E-Procurement, B2B, Supply Chain Management, Transaktionskostentheorie und die strukturelle Transformation von Beschaffungsprozessen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen A/B- und C-Artikeln eine so wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da sie unterschiedliche Anforderungen an den Automatisierungsgrad, die IT-Integration und die Strategie zur Lieferantenbindung stellt.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht der Autor für den deutschsprachigen Raum?
Der Autor stellt fest, dass Deutschland und die Schweiz im Vergleich zu den USA bei der Einführung virtueller Märkte einen Rückstand aufweisen, aber durch eine zunehmende strategische Priorisierung der Thematik aufholen.
- Citar trabajo
- Matthias Knoch (Autor), 2000, Electronic Procurement auf virtuellen Marktplätzen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185491