Interdependenzen zwischen Meinung, Massenmedien und Politik


Diplomarbeit, 2000

83 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung in die Thematik
1.2. Methodischer Aufbau
1.3. Schematische Darstellung der Interdependenzen und Schlüsselbegriffe

2. Die Bildung der privaten Meinung
2.1. Meinungsbildung und Verhaltenssteuerung durch Konditionierung
2.1.1 Konditionierung durch angenehme und aversive Reize
2.1.2. Klassische Konditionierung als Verbindung . zwischen neutralen und nicht neutralen Reizen
2.1.3. Stellvertretende Konditionierung durch Beobachtung
2.1.4. Meinungsbildung durch Verhaltenssteuerung aufgrund von Dissonanz
2.2. Meinungsbildung durch Sprache
2.2.1. Interdependenzen zwischen Sprache, Denken und Realität
2.2.2. Meinungsbildung durch semantische Wortwahl
2.2.3. Meinungsbildung durch verbale Konditionierung
2.3. Meinungsbildung und Personenwahrnehmung
2.3.1. Meinungsbildung durch Kommunikation
2.3.2. Meinungsbildung über Inferenz und Identifikation
2.3.3. Meinungsbildung und Selbstwahrnehmung, Selbstaufmerksamkeit
2.4. Meinungsbildung in der Gruppe
2.4.1. Meinungskonformität aufgrund sozialer Vergleichsprozesse
2.4.2. Korrelation zwischen Meinungskonformität und Sympathie
2.4.3. Meinungsbildung als Übernahme von Gruppennormen
2.4.4. Beeinflussung der Gruppenmeinung durch konsistente Minderheiten
2.5. Zusammenfassung und Erkenntnisse zur privaten Meinung

3. Die Bildung der öffentlichen Meinung
3.1. Herleitung des Begriffs der öffentlichen Meinung
3.2. Öffentliche Kommunikationsbereitschaft
3.2.1. Korrelation zwischen privater Kommunikationsbereitschaft und Werteorientierung bzw. Meinung
3.2.2. Korrelation zwischen öffentlicher Kommunikationsbereitschaft und sozio-ökonomischem Status bzw. Führungsposition
3.3. Die Theorie der Schweigespirale zur Erklärung der Einheitlichkeit der öffentlichen Meinung
3.3.1. Die öffentliche Meinung als Meinung der Bevölkerungsmehrheit
3.3.2. Die öffentliche Meinung als durch die Medien veröffentlichte Meinung
3.3.3. Die öffentliche Meinung als Sanktionsmacht der Medien
3.4. Konsequenzen aus der Theorie der Schweigespirale
3.4.1. Verhaltenskonformität aufgrund von Isolationsfurcht und Sozialisation
3.4.2. Meinungsunterdrückung bis zur öffentlichen Einheitsmeinung
3.4.3. Steuerung der öffentlichen Meinungsäußerungen durch Meinungsklima und Sanktionsmacht
3.5. Zusammenfassung und Erkenntnisse zur öffentlichen Meinung
3.6. Politische Korrektheit als spezifische Ausprägung öffentlicher Meinung
3.6.1. Herleitung des Begriffes der politischen Korrektheit
3.6.2. PC und Sprache
3.6.3. PC und Konformität
3.6.4. PC und Meinungsfreiheit
3.6.5. Zusammenfassung und Erkenntnisse zur politischen Korrektheit

4. Die Massenmedien
4.1. Informationsvermittlung durch die Medien und Massenkommunikation
4.2. Medienwirkung durch Konsonanz der Medien
4.3. Journalisten im konsonanten Meinungszirkel
4.4. Medienrealität als soziale Realität und die Schlüsselrolle des Fernsehens
4.5. Medientrends und Sendermacht
4.6. Agenda-Setting und Medienpolitik
4.7. Kommerzialisierung der Information durch Medienkonzentration
4.8. Gefährdung der Meinungsfreiheit durch Medienkonzentration
4.9. Zusammenfassung und Erkenntnisse des Abschnittes Massenmedien

5. Politik
5.1. Meinungsforschung und Wahlverhalten
5.1.1. Begründung der Notwendigkeit der Meinungsforschung
5.1.2. Probleme der Meinungsforschung
5.1.3. Demoskopie als Medienecho
5.1.4. Irrationale Wahlentscheidungen
5.2. Die Theorie der Neuen Politischen Ökonomie
5.2.1. Nutzenmaximierende, medienorientierte Politiker
5.2.2. Die Theorie der Demokratie
5.2.3. Die Medianwählerpositionierung beim Wahlversprechen
5.2.4. Das Konvergenzstreben der Parteien
5.3. Veröffentlichte Meinung als Richtlinie der Politik
5.4. Wahlen als machtzuweisendes Approbationsritual
5.5. Die Tendenz zur Mediokratie
5.5.1. Die Demokratie als medienabhängige Öffentlichkeitsordnung
5.5.2. Tendenz zur faktischen Medienherrschaft .. als Konsequenz aus politischer Medienmacht
5.6. Zusammenfassung und Erkenntnisse des Abschnittes Politik

6. Zusammenfassende Reflexion

1.3. Schematische Darstellung der Interdependenzen und Schlüsselbegriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6. Zusammenfassende Reflexion

In demokratischen Systemen findet Politik ihre Legitimation nur in der Zustimmung in der Mehrheit der Wähler.[1] Mehrheitsentscheidungen können nur dann als Willen der Gesamtheit der Wähler gelten, wenn sie in einem offenen Prozeß der Meinungsbildung zustande gekommen sind und sich die öffentliche Meinung frei und gruppenspezifisch unbeeinflußt gebildet hat. (ebd.) An diesem Prozeß sind in modernen Gesellschaften, wie in vorliegender Arbeit ausgeführt, die Massenmedien maßgeblich beteiligt.

Die öffentliche Meinung kann in der Gesellschaft erstens durch fortlaufende Koordination individueller Meinungsäußerungen entstehen. In diesem Fall wird die private Meinung zur öffentlichen Meinung, wenn sie sich mit der allgemeinen Einstellung der Mehrheit der Mitglieder einer Gesellschaft deckt. Zweitens kann die öffentliche Meinung auch nur die Meinung der öffentlichkeitswirksam agierenden Artikulationsfähigen, vor allem der Medien wiedergeben, oder drittens nur die Meinung sein, die man in der Öffentlichkeit zeigen muß, wenn man sich nicht isolieren will. (3.1.)

Die private Meinung befindet sich durch das Streben des Individuums nach Meinungskonformität in einem ständigen Anpassungsprozeß an die Gruppenmeinung (2.4.1.) bzw. an die öffentliche Meinung. (3.4.1.) Viele Effekte, die die private Meinungsbildung beeinflussen, werden durch die Medien verstärkt. Besonders Fernsehfilme und Gesprächsrunden ermöglichen über Empathie und stellvertretende Konditionierung die Einflußnahme auf die Meinung des Zuschauers. (2.1.3.) Hinzu kommen positive bzw. negative Konnotationen. Aber auch das Engagement einer bekannten Persönlichkeit für eine bestimmte Meinung kann die Meinungsbildung des Einzelnen beeinflussen, da eine Person ihm um so glaubwürdiger erscheint, je anerkannter und bedeutender diese ist. (2.3.1.) Der Wunsch sich mit dieser Persönlichkeit zu identifizieren, kann dann zur Übernahme der vorgetragenen Meinung führen, zumal Inferenzen die Attraktivität und Glaubwürdigkeit dieser Person noch steigern können. (2.3.2.)

Der Prozeß der öffentlichen Meinungsbildung hängt auch von der Artikulationsfähigkeit der Prozeßteilnehmer ab. So nimmt die persönliche Kommunikationsbereitschaft, die vor allem bei Redern und Missionaren zu finden ist, mit höherer Bildung zu. (3.5.) Da sie zu einer sozialen Gruppe gehören, die eher durch linke Einstellungen und postmaterialistische Werte geprägt ist, sind ihre Themen in der öffentlichen Kommunikation überproportional häufig vertreten. (3.2.1.) Zu weiteren wichtigen Voraussetzungen zur Teilnahme an der öffentlichen Kommunikation gehören ein hoher sozio-ökonomischer Status und rhetorische Fähigkeiten. Ganz entscheidend aber ist die Sprechhäufigkeit eines Gesprächsteilnehmers, um sich mit seiner Meinung innerhalb einer Gruppe durchzusetzen. (3.2.2.) Insgesamt kann man feststellen, daß nur derjenige Einfluß auf die öffentliche Meinungsbildung hat, der artikulationsfähig ist, öffentlichkeitswirksam agieren kann und häufig genug in den Medien präsent ist.

Die dritte Definition der öffentlichen Meinung steht im Zusammenhang mit der Theorie der Schweigespirale. Unter der Voraussetzung, daß ein öffentliches und aktuelles Thema moralische Aspekte hat, geht die persönliche Kommunikationsbereitschaft des Einzelnen zurück, wenn er eine von der vermuteten Mehrheit abweichende Meinung hat, weil er fürchtet, sich durch seine Meinungsäußerung sozial zu isolieren. (3.3.1.) Das Bestreben zur Konformität mit der Gruppenmeinung ist bei Meinungen der sozialen Realität besonders groß. (2.4.1.) Der Einzelne ermittelt für sich die öffentliche Meinung aus einer Schätzung der Häufigkeit mit der eine Meinung in seiner privaten Umgebung und den Medien geäußert wird. Eine gegenüber der Realität verzerrte Meinungshäufigkeitsdarstellung in den Medien führt dann zu einer verzerrten Schätzung des Einzelnen darüber, wie häufig eine Meinung in der Gesamtbevölkerung vertreten ist. Somit werden die öffentliche Meinung und moralische und politische Werthaltungen durch die Medien beeinflußt. (3.3.2.) Bei anhaltendem öffentlichem Druck kann dann aus der anfänglich nur äußerlichen Anpassung an die öffentliche Meinung die innerliche folgen. (3.4.1.) Daraus resultiert für bestimmte moralisierbare Themenbereiche die Tendenz zur Einheitsmeinung; die anderen Meinungen verstummen. (3.4.2.)

Eine besondere Ausprägung der öffentlichen Meinung ist die political correctness. Eine Gruppe öffentlichkeitswirksam agierender Artikulationsfähiger vermittelt die Meinung (die Wörter), die man in der Öffentlichkeit zeigen (gebrauchen muß), wenn man sich nicht isolieren will. Die semantische Wortwahl beeinflußt die Prozesse der Meinungsbildung und –änderung und führt zu affektiv fundierten Einstellungen. (2.2.2.) Die Alltagssprache wird politisiert und durch die Tabuisierung bestimmter Begriffe und Tatsachen wird ein Meinungsklima geschaffen, das die freie Meinungsäußerung beeinträchtigt. (3.6.2.) Die von den Massenmedien veröffentlichten neuen Begriffe bewirken eine Meinungsänderung, wobei Dissonanz (2.1.4.), Selbstdiskrepanz (2.3.3.), Identifikation und Inferenzen (2.3.2.) und verbale Konditionierung (2.2.3.) den Prozeß unterstützen. Obwohl PC bereits wie eine „innere Zensur“ wirkt und bisher ohne staatliche Regelungen respektiert wurde, werden nun Antidiskriminierungsgesetze angestrebt, um den Druck im Hinblick auf das korrekte Verhalten noch zu erhöhen. (3.6.4.) Weil viele Probleme ohne politisch unkorrekte Formulierung oder Brechen von durch die PC gesetzte Tabus nicht mehr zu diskutieren sind und daher von den Politikern gemieden werden, wird das Finden von politischen Problemlösungen erschwert.

Den Medien kommt im demokratischen Prozeß eine bedeutende meinungsbildende Rolle zu. Sie sollen den Bürger umfassend, wahrheitsgemäß und verständlich über Tatsachen, Argumente und Meinungen von Parteien, Interessengruppen und Persönlichkeiten informieren und so die öffentliche, pluralistische Meinungsvielfalt sichern. (4.1.) Bei Konsonanz der Medien hingegen fallen Meinungen, die nicht mehr öffentlich verbreitet werden, aus dem Meinungsspektrum der Gesellschaft heraus. (4.2.) Deshalb ist die Kontrolle der Medien durch marktbeherrschende Medienkonzerne ebenso bedenklich wie das Meinungsmonopol einer die Medien dominierenden Gruppe. Vor allem die in den Medien agierenden Journalisten kontrollieren den Informations- und Meinungsfluß und können bei gleicher Werteorientierung durch einseitige Selektion die Meinungsvielfalt als Kanalkontrolleure reduzieren. (4.3.) Die besondere Wirkungsmacht der Medien liegt in der Prägung von Realitätsvorstellungen, durch die die Menschen dann in ihren Meinungen und ihrem Verhalten (Wahlentscheidung) beeinflußt werden. (4.4.)

Die Medien haben zwar nicht die politische Herrschaft, sie sind aber ein wichtiger politische Machtträger. Die Medienmacht, besonders die des Fernsehens, wird vor allem im politischen Wahlkampf deutlich, wo die Präsentation der Kandidaten zu einer Personalisierung und Emotionalisierung der Politik führt, und die politischen Themen trivialisiert werden. Da die Medien von der Bevölkerung als besonders glaubwürdig und kompetent eingeschätzt werden, besitzen sie große Sendermacht. (4.5.) Darüber hinaus können die Medien über das Agenda-Setting die Schwerpunktsetzung im Wahlkampf beeinflussen und bereits vor der Debatte festlegen, in welche Richtung sich die öffentliche Meinung tendenziell entwickeln wird. Über die staatsfernen, aber parteinahen Sendeanstalten besteht somit eine enge Beziehung zwischen Journalismus und Politik. (4.6.) Da aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Konzentrationsprozesse im Medienbereich fortschreiten, und das Erreichen hoher Einschaltquoten und die Gewinnmaximierung im Vordergrund stehen, die nur durch das Ansprechen eines möglichst breiten Publikums zu erreichen sind, kommt es zu einer Homogenisierung und Nivellierung der politischen Inhalte. Die publizistische Vielfalt wird zurückgedrängt. Eine Informationsselektion erfolgt auch bei den Nachrichtenagenturen, deren Dienste aus Kosteneffizienzgründen vermehrte durch die Medien in Anspruch genommen werden. (4.7.) Mit der Konzentration der Medien ergibt sich faktisch ein Informationsmonopol mit dem zugleich ein Meinungsbildungsmonopol verbunden ist, so daß die Möglichkeit zur freien Meinungsbildung des Bürgers verloren geht. Der für die Demokratie unabdingbare freie Meinungswettbewerb kann nicht mehr stattfinden, und manipulationsfreie Wahlentscheidungen sind dann nicht mehr gegeben. (4.8.)

[...]


[1] vgl. Hättich, M., (1985), Demokratie, in: Staatslexikon, S. 1182 ff.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Interdependenzen zwischen Meinung, Massenmedien und Politik
Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
2.3
Autor
Jahr
2000
Seiten
83
Katalognummer
V185534
ISBN (eBook)
9783656983026
ISBN (Buch)
9783867464383
Dateigröße
959 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interdependenzen, meinung, massenmedien, politik
Arbeit zitieren
Nikolas Seifert (Autor:in), 2000, Interdependenzen zwischen Meinung, Massenmedien und Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185534

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