Lange Zeit fanden Klein- und Mittelbetriebe, im Gegensatz zu Großbetrieben, in der betriebswirtschaftlichen Forschung wenig Beachtung. Man konnte jedoch in den letzten Jahren feststellen, daß kleine- und mittelständische Unternehmen (KMUs) immer mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Ein Grund ist, daß der Anteil der KMUs, wenn man von allen Marktteilnehmern ausgeht, am größten ist1. Ferner sind KMUs für die Wirtschaft eines Landes ausschlaggebend, da sie einen großen Teil zum Bruttosozialprodukt beitragen und darüber hinaus über ein enormes Entwicklungspotential verfügen.2 Die Entwicklungspotentiale können von KMUs jedoch aufgrund von größenbedingten Schwächen, wie der Mangel an Kapital und an Expertenwissen3, nur dann effizient genutzt werden, wenn ihre Ressourcen mit anderen Partnern in zukunftsweisenden Kooperationsformen vernetzt werden. Derartige Kooperationsformen, die der Gestaltung und dem Management zwischenbetrieblicher Beziehungen dienen, müssen die Andersartigkeit mittelständischer Unternehmen berücksichtigen. Diese resultiert insbesondere aus der ausgeprägten Personenbezogenheit des Mittelstandes.4 Im Informationszeitalter ist es zur Vervollständigung notwendig, den gezielten Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zur Vernetzung der Partner, der mediengerechten Inszenierung ihrer Zusammenarbeit und der Unterstützung der Kooperationsprozesse mit einzubeziehen.5
Ziel dieser Arbeit soll es sein, ein Rahmenkonzept für den Mittelstand zu entwickeln, mit dessen Hilfe der Entscheidungsprozeß zur Bildung von Unternehmenskooperationen erleichtert werden soll. Darüber hinaus werden Möglichkeiten zur Ausgestaltung der Kooperationsform sowie deren informations- und kommunikationstechnologischen Unterstützung vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffe
2.1.1 Merkmale eines mittelständischen Unternehmens und dessen Abgrenzung zum Großunternehmen
2.1.2 Begriff des Business-to-Business-Commerce
2.1.3 Die Elemente eines Entscheidungsproblems und die Charakteristik eines Entscheidungsmodells
2.1.4 Kooperationen als alternative Koordinationsformen zwischen Markt und Hierarchie
2.1.4.1 Kooperationsformen
2.1.4.2 Unternehmensnetzwerke als spezielle Form kooperativer Arrangements
2.2 Vorgehensweise bei strategischen Entscheidungen
2.2.1 Unternehmensstrategien
2.2.2 Die strategische Planung
2.2.3 Die strategische Kontrolle
3. Entscheidung zur interorganisatorischen Vernetzung
3.1 Analyse der Ist-Situation zur Identifikation der eigenen Kernkompetenzen
3.1.1 Die Bildung strategischer Geschäftsfelder
3.1.2 Umweltanalyse
3.1.2.1 Analyse der globalen Unternehmensumwelt
3.1.2.2 Analyse der spezifischen Unternehmensumwelt mit Hilfe der Branchenstrukturanalyse nach Porter
3.1.3 Unternehmensanalyse
3.2 Das virtuelle Unternehmen
3.2.1 Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung
3.2.1.1 Vertrauen
3.2.1.2 Selbstorganisation
3.2.1.3 Koordination
3.2.1.4 Netzwerk-Management
3.2.1.5 Rechtliche Ausgestaltung
3.2.1.6 Gemeinsame Vision und Strategiebildung
3.2.1.7 Kernkompetenzstrategie
3.2.1.8 Die Persönlichkeit des Unternehmers als Kooperationspartner
3.2.1.9 Ausgestaltungsmöglichkeiten des Informationssystems
3.2.2 Wahl der Kooperationspartner
4. Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist die Entwicklung eines Rahmenkonzepts für mittelständische Unternehmen, das den Entscheidungsprozess zur Bildung von Unternehmenskooperationen erleichtert und Möglichkeiten zur organisatorischen sowie technologischen Ausgestaltung aufzeigt.
- Strategische Planung in mittelständischen Unternehmen
- Analyse der Ist-Situation und Kernkompetenzen
- Virtuelle Unternehmen als Kooperationsform
- Informations- und Kommunikationstechnologische Unterstützung
- Auswahl und Management von Kooperationspartnern
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Vertrauen
In den letzten Jahren konnte man beobachten, daß sich die Wirtschaftswissenschaften immer stärker mit dem Thema „Vertrauen“ beschäftigen. Insbesondere bei virtuellen Unternehmen wird Vertrauen immer wieder als Basis genannt. Es wird jedoch nur wenig erläutert, wie Vertrauen aufgebaut, erhalten und ausgeweitet werden kann.
Vor allem der Sozialpsychologe Morton Deutsch hat die Forschung im Bereich Kooperation und Vertrauen stark beeinflußt, so daß viele Autoren auf seine Untersuchungen zurückgreifen. Ohne ein Mindestmaß an Vertrauen ist Handeln nicht möglich. Vertrauen ist daher eine notwendige Voraussetzung menschlichen Seins, sei es in der Familie, im Wirtschaftsleben oder in der Politik, da durch Vertrauen Unsicherheit, Ungewißheit, Mehrdeutigkeit und Komplexität reduziert werden.
In der Literatur finden sich viele Definitionen des Vertrauensbegriffs, je nachdem, ob ein eher psychologischer, soziologischer oder ethischer Blickwinkel eingenommen wird. In den unterschiedlichen Auffassungen über Vertrauen dominieren jedoch immer die folgenden Merkmale: Ungewißheit und Risiko sowie das daraus resultierende Vertrauensdilemma, Vorleistungen im Sinne von „den ersten Schritt wagen“, Kontrollverzicht über Ressourcen, Handlungen oder Ereignisse, Fehlen einer festen, vertraglichen Vereinbarung über Leistungen und Gegenleistungen, Bewußtsein einer direkten oder indirekten Abhängigkeit vom Adressaten, Zukunftsbezug und Zukunftsvorwegnahme sowie Reduktion sozialer Komplexität sowie der Kosten von Kontrolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel motiviert die Untersuchung mittelständischer Unternehmen (KMUs) und begründet die Notwendigkeit zur interorganisatorischen Vernetzung angesichts zunehmender Wettbewerbsanforderungen.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden Begriffe definiert, die Bedeutung des Business-to-Business-Commerce erläutert und die theoretischen Grundlagen für strategische Entscheidungen sowie Kooperationsmodelle gelegt.
3. Entscheidung zur interorganisatorischen Vernetzung: Dieser Hauptteil widmet sich der Analyse der Ist-Situation, der Kernkompetenzanalyse sowie den spezifischen Anforderungen und Managementaspekten virtueller Unternehmen.
4. Schlußbemerkung: Das Fazit fasst die Relevanz der strategischen Planung für Kooperationen zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, trotz Netzwerkvorteilen die Eigenständigkeit nicht zu verlieren.
Schlüsselwörter
Mittelständische Unternehmen, KMU, Strategische Planung, Unternehmenskooperation, Virtuelles Unternehmen, Kernkompetenzen, Wettbewerbsanalyse, Vertrauen, Netzwerk-Management, Business-to-Business, Informationssysteme, Strategische Kontrolle, Organisationsstruktur, Marktattraktivität, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Entscheidungsmodells für mittelständische Unternehmen, die eine interorganisatorische Vernetzung im Rahmen des Business-to-Business-Commerce anstreben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die strategische Unternehmensplanung, die Identifikation von Kernkompetenzen, die Kooperationsformen (insbesondere das virtuelle Unternehmen) sowie deren technologische und soziale Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Rahmenkonzept zu entwerfen, das den Entscheidungsprozess bei der Bildung von Unternehmenskooperationen strukturiert und unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und nutzt betriebswirtschaftliche Instrumente wie die Portfolio-Analyse, Branchenstrukturanalyse nach Porter und Konzepte der Neuen Institutionenökonomik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Ist-Situation zur Identifikation eigener Stärken sowie in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Voraussetzungen und Management-Aspekten virtueller Kooperationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind KMU, Kernkompetenzen, Strategisches Management, Virtuelle Organisation, Kooperationsmanagement und Informationstechnologie.
Warum wird Vertrauen als ein so kritischer Faktor im virtuellen Unternehmen angesehen?
Vertrauen ist essenziell, da virtuelle Strukturen oft durch Autonomie und mangelnde formale Kontrolle gekennzeichnet sind und die Partner Vorleistungen erbringen müssen, die mit Risiken verbunden sind.
Welche Rolle spielt die Informationstechnologie bei der Vernetzung von Mittelständlern?
Die IT dient als notwendiges Integrationsinstrument, das den schnellen Datenaustausch ermöglicht und die Koordinationskosten senkt, was für die Flexibilität im Wettbewerb entscheidend ist.
Welche Bedeutung hat das "virtuelle Unternehmen" im Vergleich zu anderen Kooperationsformen?
Es wird als eine spezifische, auftragsspezifische und netzwerkbasierte Form hervorgehoben, die durch intensive Nutzung moderner Kommunikationstechnik die Integration verschiedener Kompetenzen erlaubt.
- Citation du texte
- Jutta Zimmermann (Auteur), 2000, Entscheidungsmodell für mittelständische Unternehmen zur interorganisatorischen Vernetzung im Rahmen des Business-to-Business-Commerce, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185545