Da das HGB keine eindeutigen Regelungen für die Leasingbilanzierung enthält, wird in der Praxis auf die steuerlichen Regelungen, die in den vom BMF veröffentlichten Leasingerlassen zum Ausdruck kommen, sowie auf die einschlägige Rechtsprechung zurückgegriffen. Die rechtliche Ausgestaltung eines Leasingvertrages hat zwangsläufig einen großen Einfluß auf den Jahresabschluß und somit auf die Qualität von Informationen im Einzel- und Konzernabschluß.
Sowohl in Deutschland als auch weltweit ist gerade das Mobilien-Leasing zu einem festen Bestandteil des Wirtschaftsgeschehens geworden , so daß bei der Bewerkstelligung großer Investitionen in mobile Wirtschaftsgüter viele Unternehmen nach bilanzschonenden Lösungen suchen, die durch optimale off-balance-Finanzierungen sichergestellt werden können. Dadurch werden Investitionen weder nach deutschen noch nach IAS/US-GAAP-Regeln die Bilanz des Leasingnehmers belasten.
Es ist davon auszugehen, daß die Betrachtungs-weise an Steuererlassen der Leasingbilanzierung in Deutschland und die Bilanzierung nach US-GAAP und IAS zu erheblichen Unterschieden in der Zuordnung von Leasinggeschäften zum Leasinggeber oder zum Leasingnehmer führt, da die angelsächsisch dominierten Standards die Information der Investoren in den Vordergrund stellen. Die bedeutendsten „Standardsetter“ legen besonderen Wert darauf, daß die Rechnungslegung ein Bild bietet, das den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten der Unternehmen entspricht. Im Gegensatz hierzu zielt das deutsche, ebenso wie das gesamte kontinentaleuropäische Verständnis auf den Schutz der Gläubiger ab.
Das Ziel dieser Arbeit ist, anhand der aktuellen Bilanzierungspraxis von Mobilien-Leasingverträgen nach deutschen Rechnungslegungsvorschriften und nach den Vorschriften des FASB sowie des IASC, das Ausmaß möglicher resultierender Unterschiede aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriff und Historie des Leasings
1.2 Problematik der Leasing-Bilanzierung
1.3 Zielsetzung der Arbeit
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Erscheinungsformen des Leasings in Deutschland
2.1 Finanzierungs- und Operating-Leasing im Überblick
2.1.1 Finanzierungsleasing
2.1.2 Operating-Leasing
2.2 Die Zurechnung von Leasingobjekten nach dem Handelsrecht
2.2.1 Bilanzierung bei Zuordnung zum Leasinggeber
2.2.2 Bilanzierung bei Zuordnung zum Leasingnehmer
2.3 Die Zurechnung des Mobilien-Leasing nach dem Steuerrecht
2.3.1 Vollamortisationsverträge für Mobilien
2.3.2 Teilamortisationsverträge für Mobilien
2.4 Sale-and-lease-back-Verträge
2.5 Anhangsangaben
3. Internationale Leasingbilanzierung
3.1 Bilanzierungsvorschrift IAS 17: Leases
3.1.1 Finanzierungsleasing
3.1.1.1 Finanzierungsleasing im Abschluß des Leasinggebers
3.1.1.2 Finanzierungsleasing im Abschluß des Leasingnehmers
3.1.2 Operating-Leasing
3.1.2.1 Operating-Leasing im Abschluß des Leasinggebers
3.1.2.2 Operating-Leasing im Abschluß des Leasingnehmers
3.1.3 Sale-and-lease-back-Transaktionen
3.1.4 Anhangsangaben beim Leasinggeber
3.1.5 Anhangsangaben beim Leasingnehmer
3.1.6 Vorschlag von McGregor zur Neugestaltung des IAS 17
3.2 Bilanzierungsvorschrift FAS 13: Accounting for Leases
3.2.1 Finanzierungsleasing
3.2.1.1 Finanzierungsleasing im Abschluß des Leasinggebers
3.2.1.2 Finanzierungsleasing im Abschluß des Leasingnehmers
3.2.2 Operating-Leasing
3.2.2.1 Operating-Leasing im Abschluß des Leasinggebers
3.2.2.2 Operating-Leasing im Abschluß des Leasingnehmers
3.2.3 Sale-and-lease-back-Transaktionen
3.2.4 Anhangsangaben beim Leasinggeber
3.2.5 Anhangsangaben beim Leasingnehmer
4. Unterschiede in der Zuordnung von Leasingobjekten nach deutschem Recht, IAS und US-GAAP
4.1 Vergleich der Zuordnungskriterien
4.1.1 Transfer of Ownership-Test (Eigentumsübergang)
4.1.2 Bargain Purchase Option-Test (günstige Kaufoption)
4.1.3 Economic Life-Test (Verhältnis der Mietzeit zur Nutzungsdauer)
4.1.4 Recovery of Investment-Test (Barwerttest)
4.2 Unterschiede in den Zuordnungskriterien
4.2.1 Unterschiede zwischen deutschen und IAS-Zuordnungskriterien
4.2.2 Unterschiede zwischen deutschen und US-amerikanischen Zuordnungskriterien
5. Fazit mit kritischer Würdigung und Ausblick
6. English Summary
6.1 Introduction
6.2 Leasing in Germany
6.3 Leasing according to IAS and US-GAAP
6.4 Differences between German Law, IAS and US-GAAP
6.5 Conclusion
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, anhand der aktuellen Bilanzierungspraxis von Mobilien-Leasingverträgen nach deutschen Rechnungslegungsvorschriften sowie nach den internationalen Standards FASB (US-GAAP) und IASC (IAS) das Ausmaß möglicher resultierender Unterschiede bei der Zuordnung von Leasingobjekten aufzuzeigen.
- Grundlagen der Leasingarten in Deutschland
- Handelsrechtliche Zuordnungsproblematik von Leasingobjekten
- Detaillierte Analyse der IAS 17 Bilanzierungsvorschriften
- Detaillierte Analyse der FAS 13 Bilanzierungsvorschriften
- Vergleichende Untersuchung der Zuordnungskriterien (z.B. Barwerttest, Economic Life-Test)
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriff und Historie des Leasings
Das „Leasing“ ist eine moderne Form der Finanzierung, besonders der Industriefinanzierung. Unter Leasing versteht man die Vermietung von Investitionsgütern, besonders von Industrieanlagen, wobei die Mietzahlungen bei einem eventuellen spätere Kauf angerechnet werden können.
Frühere Formen des Leasings lassen sich bis zu Aristoteles (350 v. Chr.) zurückverfolgen, der feststellte, daß „der Reichtum vielmehr im Gebrauch als im Eigentum besteht“. Andere Autoren versuchen den Beweis anzutreten, daß schon Jahrtausende v. Chr. im Zweistromland von den Sumerern leasing-ähnliche Geschäfte gemacht wurden. In der „Neuzeit“ wurde das Leasinggeschäft in den USA entwickelt und fand nicht nur Nachahmer in den USA, sondern auch in allen industrialisierten Staaten, die über ein marktwirtschaftliches System verfügten.
Die erste derartige Leasing-Gesellschaft der Welt war die 1952 in San Francisco/USA gegründete United States Leasing Corporation. In Deutschland setzte sich das Leasing erst mit der 1962 gegründete Deutsche Leasing GmbH durch.
Als eine der bedeutendsten Finanzinnovationen der letzten Jahrzehnte zeigt die Entwicklungskurve des Leasings steil nach oben. Wurden in Deutschland 1992 noch jährlich Investitionen im Wert von über 56,5 Mrd. DM über Leasing finanziert, betrug das Volumen 1999 knapp 82,6 Mrd. DM. Dies entsprach 1992 = 10,4 % und 1999 = 14,8 % der gesamtwirtschaftlichen Investitionen (siehe Anhang 1-1). Im Jahr 2000 wird der deutsche Leasingmarkt nach Schätzungen um 4,5 % auf rund 86,5 Mrd. DM wachsen. Hiervon entfallen rund 70 Mrd. DM auf das Mobilien-Leasing.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Leasingbegriffs, Darstellung der historischen Entwicklung sowie Erläuterung der Zielsetzung und des Aufbaus der Arbeit.
2. Erscheinungsformen des Leasings in Deutschland: Analyse der Leasingarten sowie der deutschen handels- und steuerrechtlichen Bilanzierungspraxis von Leasingverträgen inklusive der Zurechnungsproblematik.
3. Internationale Leasingbilanzierung: Detaillierte Untersuchung der internationalen Bilanzierungsnormen IAS 17 und FAS 13 inklusive der Anhangsangaben und spezifischer Modelle wie Sale-and-lease-back.
4. Unterschiede in der Zuordnung von Leasingobjekten nach deutschem Recht, IAS und US-GAAP: Gegenüberstellung der verschiedenen Zuordnungskriterien und Analyse der daraus resultierenden Differenzen zwischen den Regelungssystemen.
5. Fazit mit kritischer Würdigung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der deutschen Regelungen im Vergleich zu den internationalen Standards und kritische Auseinandersetzung mit dem McGregor-Vorschlag.
6. English Summary: Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte der Arbeit in englischer Sprache.
Schlüsselwörter
Leasing, Bilanzierung, HGB, IAS 17, FAS 13, Finanzierungsleasing, Operating-Leasing, Mobilien-Leasing, Sale-and-lease-back, wirtschaftliches Eigentum, Zurechnungskriterien, Substance over Form, Leasingnehmer, Leasinggeber, Jahresabschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den grundlegenden Unterschieden bei der bilanziellen Erfassung von Leasingverträgen zwischen dem deutschen Handelsrecht sowie den internationalen Standards IAS und US-GAAP.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Definition und Abgrenzung von Leasingarten, die handelsrechtliche Zurechnung von Leasingobjekten sowie die detaillierte Analyse der internationalen Rechnungslegungsstandards IAS 17 und FAS 13.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Ausmaß der Unterschiede bei der Zuordnung von Leasingobjekten zum Leasinggeber oder Leasingnehmer aufzuzeigen, die sich aus der Anwendung unterschiedlicher Rechnungslegungssysteme ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Standardanalyse, einem Vergleich der nationalen und internationalen Bilanzierungskriterien sowie einer kritischen Würdigung der aktuellen Diskussionsbeiträge, wie etwa dem McGregor-Papier.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der deutschen Leasingerlasse, die detaillierte Analyse der IAS- und US-GAAP-Vorschriften sowie einen expliziten Vergleich der Zuordnungskriterien bei unterschiedlichen Vertragstypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leasing, Bilanzierung, Finanzierungsleasing, Operating-Leasing, wirtschaftliches Eigentum, Zurechnungskriterien, IAS 17, FAS 13 und Substance over Form.
Wie unterscheidet sich die deutsche von der internationalen Leasingbilanzierung?
In Deutschland basiert die Zuordnung stark auf steuerrechtlichen Leasingerlassen und BFH-Urteilen, während IAS und US-GAAP auf dem Prinzip „substance over form“ aufbauen und detailliertere, teils quantitative Kriterien zur Risikoverteilung anwenden.
Was bedeutet das Prinzip „substance over form“ in diesem Kontext?
Es besagt, dass für die Bilanzierung nicht die juristische Eigentumsform entscheidend ist, sondern die wirtschaftliche Realität der Risiko- und Chancenverteilung aus der Nutzung des Leasingobjekts.
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- Herr Marc-Christian Riebe (Autor), 2001, Leasingbilanzierung gemäß HGB, IAS und US-GAAP, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185576