Die Tonträgerindustrie in Deutschland konnte in den 90er Jahren ständig neue Umsatzerfolge melden. Im Jahre 1998 sank der Umsatz mit Tonträgern jedoch erstmals. Im vergangenen Jahr gab es ebenfalls einen Umsatzrückgang, der allerdings geringer als befürchtet ausfiel.
Ein Grund für den Rückgang liegt in der wachsenden Haushaltsausstattung mit günstigen CD-Brennern, die ein einfaches und kostengünstiges Kopieren der Tonträger auf bespielbare CD-Rohlinge ermöglichen.
Weitaus schlimmer als das private Kopieren mit CD-Brennern wird die Bedrohung durch das Internet gesehen. Musikstücke mit einer Länge von drei Minuten benötigen einen Speicherplatz von etwa 30 Megabyte, das Kopieren dieser Dateien aus dem Internet wurde bisher durch die sehr lange Ladezeit und die damit verbundenen hohen Übertragungskosten verhindert.
Durch Kompressions-Verfahren wie MPEG 1 Layer 3 (kurz: MP3) wird jedoch das Herunterladen von Musikfiles in annehmbaren Ladezeiten ermöglicht. Dies führt aber gleichzeitig dazu, dass nahezu alle urheberrechtlich geschützten Musiktitel gratis auf einer Vielzahl von Internet-Seiten erhältlich sind.
Die Musikindustrie geht gegen die Urheberrechts-Verletzungen vor, indem sie illegale Internet-Angebote sperren lässt, um wiederum zu erfahren, dass kurz darauf drei neue Anbieter ihre unrechtmäßigen Dienste anbieten. Auch wurde ohne Erfolg versucht, die Unterhaltungselektronik-Industrie daran zu hindern, tragbare MP3-Abspielgeräte auf den Markt zu bringen.
Das Thema Musik im Internet wird vom Großteil der Tonträgerhersteller generell stark vernachlässigt. Zwar wird das Internet zu Promotionszwecken genutzt und es ist möglich, bei Online-Händlern Musik-CDs zu bestellen. Eine Strategie, wie digitalisierte Musikfiles im Netz zu verkaufen bzw. das Internet progressiver für die Musikbranche zu nutzen wäre, fehlt jedoch bislang. Durch das Aufkommen von Internet-Diensten wie Napster und Gnutella, die den Tausch von Musikfiles über das Netz erleichtern und massentauglich machen, steht die Tonträgerindustrie nun einer neuen Herausforderung gegenüber.
Das Internet kann der Musikindustrie vielfältige neue Möglichkeiten bieten, die sich sowohl positiv als auch negativ auf die gesamte Branche auswirken können. Aufgabe dieser Arbeit ist es, die verschiedenen Geschäfts- und Tätigkeitsmodelle für die Tonträgerhersteller zu erörtern und auf mögliche Risiken einzugehen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Eingrenzung des Themas
1.3 Vorgehensweise
2 DAS INTERNET ALS MARKETINGINSTRUMENT
2.1 Das Internet in Zahlen
2.1.1 Internetnutzung in Deutschland
2.1.2 Nutzerdemographie in Deutschland
2.1.3 Verhaltensmuster der Internet-Nutzer
2.1.3.1 Einfluss des Internets auf die Mediennutzung
2.1.3.2 Zugangsort zum Internet
2.2 Internetmarketing
2.2.1 Die Rolle des Internets im Marketing-Mix
2.2.2 E-Commerce
2.3 Zukünftige Entwicklungen des Internet
3 MUSIKINDUSTRIE IN DEUTSCHLAND
3.1 Musik als handelbare Ware
3.1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen der Musikverwertung
3.1.1.1 Urheberrecht in Deutschland
3.1.1.1.1 Voraussetzungen für den urheberrechtlichen Schutz von Musik
3.1.1.1.2 Rechte der Musikurheber
3.1.1.1.3 Rechte der Tonträgerhersteller
3.1.1.2 Verwertungsgesellschaften
3.1.2 Wertschöpfungskette des Musikmarktes
3.2 Struktur des Tonträgermarktes
3.2.1 Volumen des Tonträgermarktes
3.2.2 Die Musikschaffenden
3.2.2.1 Interpreten
3.2.2.2 Komponisten und Texter
3.2.2.3 Produzenten und Arrangeure
3.2.2.4 Remixer und Programmierer
3.2.3 Die Tonträgerhersteller
3.2.3.1 Major-Companies
3.2.3.2 Independents
3.2.3.3 Major-Independents
3.2.4 Die Nachfrage nach Tonträger
3.2.4.1 Grundlagen der Tonträger-Nachfrage
3.2.4.2 Altersstruktur der Tonträgerkäufer
3.2.4.3 Käuferreichweite
3.2.4.4 Kaufintensität
3.3 Tonträgermarketing
3.3.1 Produktpolitik
3.3.2 Preispolitik
3.3.3 Kommunikationspolitik
3.3.4 Distributionspolitik
4 DIE MUSIK SPIELT IM INTERNET
4.1 Status Quo Musik und World Wide Web
4.1.1 Musik-Formate und neueste Entwicklungen
4.1.1.1 MPEG 1 Layer 3
4.1.1.2 Real Audio
4.1.1.3 Microsoft Windows Media
4.1.1.4 QuickTime
4.1.1.5 Neuere Musikformate
4.1.2 Sicherer Vertrieb von Musik im Internet
4.1.2.1 SDMI – Initiative für kopiersichere Musik
4.1.2.2 DRM – Digital Rights Management
4.1.2.3 WIPO-Verträge
4.1.2.4 Kopiersichere Musikformate
4.1.3 MP3-Problematik
4.1.4 Label im Internet
4.1.5 Neue Musikplattformen
4.1.6 Musikkonsum im Web
4.2 Analyse der Tonträgerhersteller
4.2.1 Stärken der Tonträgerunternehmen
4.2.2 Schwächen der Tonträgerunternehmen
4.3 Musik im Netz – Möglichkeiten und Chancen für Musiklabel
4.3.1 Musik-Online-Distribution
4.3.1.1 Voraussetzungen und Risiken beim digitalen Vertrieb
4.3.1.2 Produktpolitik
4.3.1.3 Preispolitik
4.3.1.4 Distributionspolitik
4.3.1.5 Kommunikationspolitik
4.3.2 Musikpromotion
4.3.3 Content Providing
4.3.4 Körperliche Verwertung
4.3.4.1 Music On Demand
4.3.4.2 Online Versand
4.3.5 Talentsuche im Netz
4.3.6 Rechtliche Aspekte
4.4 Analyse der Musikschaffenden
4.4.1 Stärken der Künstler
4.4.2 Schwächen der Künstler
4.5 Möglichkeiten und Chancen für Künstler im World Wide Web
4.5.1 Unabhängige Vermarktung
4.5.1.1 Vermarktung etablierter Interpreten ohne die Label
4.5.1.1.1 Künstlereigene Vermarktung mit dem WWW
4.5.1.1.2 Vermarktung und Vertrieb mit Online-Partnern
4.5.1.2 Vermarktungsmöglichkeiten für Nachwuchskünstler
4.5.1.2.1 Der Einsatz von Künstler-Homepages
4.5.1.2.2 Vermarktungsgemeinschaften im Web
4.5.2 Musikplattformen im Internet
4.5.2.1 Problematik der Promotionskanäle für Musik
4.5.2.2 Abgrenzung der Musikplattformen
4.5.2.3 Aufgaben und Funktionsweise
4.5.2.4 Mögliche Inhalte einer Musik-Internetplattform
4.6 Übersicht der Chancen und Risiken
4.6.1 Tonträgerhersteller
4.6.2 Künstler
4.7 Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Internets auf die Musikindustrie mit einem Fokus auf die Rolle von Tonträgerherstellern und Künstlern in Deutschland. Dabei wird analysiert, wie diese Akteure das Internet als Marketing- und Vertriebsinstrument nutzen können, welche Risiken bestehen und wie sie ihre Geschäftsprozesse anpassen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
- Strukturelle Auswirkungen der Internetnutzung auf den deutschen Musikmarkt.
- Analyse von Vermarktungs- und Distributionsmöglichkeiten (Online-Vertrieb, Music On Demand).
- Bewertung der Stärken und Schwächen von Tonträgerherstellern und Musikschaffenden gegenüber dem digitalen Wandel.
- Rolle des Urheberrechts und technischer Schutzmechanismen (Kopierschutz, DRM).
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen für Label und Künstler zur strategischen Internet-Integration.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
Die Tonträgerindustrie in Deutschland konnte in den 90er Jahren ständig neue Umsatzerfolge melden. Im Jahre 1998 sank der Umsatz mit Tonträgern jedoch erstmals. Im vergangenen Jahr gab es ebenfalls einen Umsatzrückgang, der allerdings geringer als befürchtet ausfiel.
Ein Grund für den Rückgang liegt in der wachsenden Haushaltsausstattung mit günstigen CD-Brennern, die ein einfaches und kostengünstiges Kopieren der Tonträger auf bespielbare CD-Rohlinge ermöglichen.
Weitaus schlimmer als das private Kopieren mit CD-Brennern wird die Bedrohung durch das Internet gesehen. Musikstücke mit einer Länge von drei Minuten benötigen einen Speicherplatz von etwa 30 Megabyte, das Kopieren dieser Dateien aus dem Internet wurde bisher durch die sehr lange Ladezeit und die damit verbundenen hohen Übertragungskosten verhindert. Durch Kompressions-Verfahren wie MPEG 1 Layer 3 (kurz: MP3) wird jedoch das Herunterladen von Musikfiles in annehmbaren Ladezeiten ermöglicht. Dies führt aber gleichzeitig dazu, dass nahezu alle urheberrechtlich geschützten Musiktitel gratis auf einer Vielzahl von Internet-Seiten erhältlich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definiert die Problemstellung durch den Umsatzrückgang in der Musikindustrie, angetrieben durch CD-Brenner und das Internet, und legt die Zielsetzung der Arbeit fest.
2 DAS INTERNET ALS MARKETINGINSTRUMENT: Untersucht die Grundlagen des Internets, Nutzerdemographie, Verhaltensmuster und die Bedeutung von E-Commerce als Marketinginstrument.
3 MUSIKINDUSTRIE IN DEUTSCHLAND: Vermittelt Grundlagen zur Musikwirtschaft, rechtliche Rahmenbedingungen wie das Urheberrecht und analysiert die Struktur sowie das Marketing der Tonträgerhersteller.
4 DIE MUSIK SPIELT IM INTERNET: Analysiert detailliert die Auswirkungen des Internets, digitale Vertriebswege, Möglichkeiten für Künstler sowie Chancen und Risiken für alle Akteure der Musikbranche.
Schlüsselwörter
Musikindustrie, Internet, Online-Vertrieb, Tonträgerhersteller, Künstler, MP3, Urheberrecht, Marketing-Mix, E-Commerce, Musikplattformen, digitale Distribution, Kopierschutz, Musikpromotion, Musikschaffende, Wertschöpfungskette.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die grundlegenden Veränderungen der Musikindustrie durch das Internet, insbesondere die Auswirkungen auf die traditionelle Tonträgerindustrie sowie neue Chancen für Musikschaffende.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Internets als Marketinginstrument, die ökonomische Struktur des deutschen Musikmarktes, das digitale Urheberrecht und neue Distributionswege wie Online-Downloads.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Geschäfts- und Tätigkeitsmodelle für Tonträgerhersteller und Künstler im Internetzeitalter zu erörtern und auf mögliche Risiken sowie Erfolgspotenziale zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine umfassende Stärken-Schwächen-Analyse (in Anlehnung an die SWOT-Analyse der Boston Consulting Group) durchgeführt, um das Umfeld und die Leistungsfähigkeit für Tonträgerindustrie und Künstler zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Internetgrundlagen, eine Darstellung der Musikwirtschaft in Deutschland, eine Untersuchung des digitalen Musikvertriebs sowie eine SWOT-Analyse für Produzenten und Künstler.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind u.a. digitale Distribution, Musik-Online-Distribution, Urheberrecht, MP3, Tonträgerhersteller und Musik-Promotion im Netz.
Warum wird die traditionelle E- und U-Musik-Unterteilung ignoriert?
Der Autor argumentiert, dass diese Begriffe ideologisch geprägt sind und bei einer ökonomischen Untersuchung der Musikmärkte vernachlässigt werden können.
Welche Bedeutung haben die sogenannten "Major-Independents"?
Sie werden als Zwischenform definiert, die eine höhere Kapitalausstattung als klassische Independents aufweisen und über eigene Vertriebsstrukturen verfügen, während sie oft mit Majors kooperieren.
Warum wird die "Neuheiten-Inflation" als Problem identifiziert?
Weil die Flut an Neuerscheinungen zur Verkrürzung des Produktlebenszyklus führt, was die Gewinn- und Existenzsicherung für Unternehmen im Musikmarkt erschwert.
- Citation du texte
- Matthias Haller (Auteur), 2001, Veränderung der Musikindustrie durch das Internet. Auswirkungen auf Tonträgerhersteller und Künstler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185607