In den siebziger Jahren erschien das zweite Hauptwerk zum sozioökonomischen Wandel, Daniel Bells “Die nachindustrielle Gesellschaft”. Als Kennzeichen der postindustriellen Gesellschaft nennt er neben dem zunehmenden Übergewicht der Dienstleistungswirtschaft über die produzierende Wirtschaft die zentrale Stellung des theoretischen Wissens. Die Hauptursache für den Übergang von der industriellen zur postindustriellen Gesellschaft ist seiner Ansicht nach ein Wandel in der Art des Wissens in Richtung auf eine Kodifizierung des theoretischen Wissens.
Sowohl Bell als auch Fourastié schildern wichtige Teilaspekte der Wissensgesellschaft. Allerdings stecken beide den Rahmen zu eng. Die Wissensgesellschaft umfasst mehr Wissensbereiche und Wirtschaftssektoren als von ihnen angenommen. Bells Hervorhebung des “theoretischen Wissens”, also des wissenschaftlichen Wissens, führt dazu, dass die von ihm geschilderte postindustrielle Gesellschaft eher als Wissenschaftsgesellschaft denn als Wissensgesellschaft zu bezeichnen wäre. Damit erkennt er zwar die zukunftsträchtige Rolle der wissensbasierten Technologie und technikrealisierten Wissenschaft, aber sieht die fast noch größere Transformationskraft der Informations- und Telekommunikationstechnologien in den außerwissenschaftlichen Anwendungsfeldern nicht.
Die Wissensgesellschaft beschränkt sich auch nicht auf den von Fourastié betonten Dienstleistungssektor. Zwar ist im tertiären Sektor der Prozess, der die Wissensgesellschaft charakterisiert, nämlich dass Wissen zum zentralen Element des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens wird, besonders stark im Gange.
Aber auch im primären und sekundären Sektor kommt es zu einer Verlagerung der wertschöpfenden Tätigkeiten von der Hand- zur Kopfarbeit. Im Gegensatz zum intersektoriellen Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft ist der Strukturwandel zur Wissensgesellschaft metasektoriell.
Inhaltsverzeichnis
1 Bedeutung einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur
1.1 Wissensgesellschaft
1.1.1 Abgrenzung von der Dienstleistungs- und Wissenschaftsgesellschaft
1.1.2 Wirkfaktoren und Entwicklungsstand
1.2 Bedeutung des Wissens in der Wirtschaft
1.2.1 Wissen als Produktionsfaktor
1.2.2 Wissen als Wettbewerbsfaktor
1.2.3 Wissen als immaterielles Vermögen
1.3 Bedeutung der Unternehmenskultur im Wissensmanagement
2 Grundlegende Begriffe und Konzepte
2.1 Kultur
2.1.1 Begriff der Kultur
2.1.2 Teilbereiche der Kultur
2.1.3 Ebenen der Kultur
2.2 Unternehmenskultur
2.2.1 Zusammenhang zwischen Kultur und Unternehmenskultur
2.2.2 Variablenansatz versus Metaphernansatz
2.2.3 Drei-Ebenen-Modell von Schein
2.3 Wissen
2.3.1 Abgrenzung von Daten und Informationen
2.3.2 Arten von Wissen
2.3.3 Organisationale Wissensbasis
2.4 Wissensmanagement
2.4.1 Ebenen des Wissensmanagements
2.4.2 Bausteine des Wissensmanagements
2.4.3 Dimensionen des Wissensmanagements
2.5 Wissensfreundliche Unternehmenskultur
3 Wissensfreundliche Unternehmenskultur
3.1 Wissensfreundliche Artefakte und Schöpfungen
3.1.1 Organisation
3.1.2 Personal
3.1.3 Infrastruktur
3.1.4 Instrumente
3.2 Wissensfreundliche Werte
3.2.1 Wissen
3.2.2 Offenheit
3.2.3 Vertrauen
3.2.4 Gemeinschaft
3.3 Wissensfreundliche Grundannahmen
4 Veränderung hin zu einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur
4.1 Veränderbarkeit der Unternehmenskultur
4.2 Veränderungsmanagement
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das komplexe Zusammenspiel zwischen einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur und effektivem Wissensmanagement zu analysieren, um der zentralen Forschungsfrage nachzugehen, wie eine Unternehmenskultur gestaltet sein muss, damit sie organisationales Wissen bestmöglich unterstützt und fördert.
- Strukturelle und personelle Voraussetzungen für eine wissensfreundliche Unternehmenskultur
- Die Rolle von Führungskultur und Wertevorstellungen (Vertrauen, Offenheit) für den Wissensaustausch
- Methoden und Instrumente des Wissensmanagements
- Strategien zur kulturellen Transformation hin zu einer wissensorientierten Organisation
Auszug aus dem Buch
3.1.4.1.1.1 Wissenslandkarten
Wissenslandkarten sind graphische Verzeichnisse von Wissensträgern, -quellen, -beständen, -strukturen oder -anwendungen. Sie erfüllen vier Funktionen: Sie erhöhen die Transparenz von Wissensbeständen. Sie ermöglichen das Auffinden von Wissensträgern oder -quellen. Sie erleichtern das Einorden von neuem Wissen in bestehendes. Sie verbinden Aufgaben mit Wissensbeständen bzw. -trägern.
Folgende Arten von Wissenslandkarten können unterschieden werden:
Wissensträgerkarten: Grafische Verzeichnisse von Sachverständigen, die mit Hilfe von betriebsrelevanten Kriterien visuell strukturiert sind. Sie können weiter unterteilt werden in: Wissenstopographien: Veranschaulichen, welche Wissensart in welcher Ausprägung bei welchem Wissensträger vorhanden ist. Kompetenzkarten: Zeigen neben Erfahrungen auch Verantwortungen und Tätigkeiten der entsprechenden Personen auf. Pointer Systems: Verweisen bei der Konfrontation mit Problemen oder Wissensgebieten auf die zu kontaktierenden Personen. Idealerweise Bestandteil eines Workflowsystems. Wissensquellenkarten: Zeigen, welche Personen innerhalb eines Teams, einer Organisation oder im externen Umfeld wichtiges Wissen zu einer Aufgabe beitragen können. Experten im betrachteten Wissensfeld werden optisch hervorgehoben.
Wissensbestandskarten: Zeigen an, wo und wie bestimmte Wissensbestände gespeichert sind. Wissensstrukturkarten: Illustrieren, zu welchem Wissensfeld ein Sachverhalt gehört und wie er in dieses eingegliedert ist. Wissensanwendungskarten: Zeigen, in welcher Reihenfolge gewisse Wissensträger konsultiert werden sollten und welches Wissen generell für einen Projektschritt zur Anwendung gelangt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bedeutung einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur: Dieses Kapitel erläutert den sozioökonomischen Wandel zur Wissensgesellschaft und verdeutlicht die ökonomische Relevanz von Wissen als strategischem Wettbewerbsfaktor sowie als immateriellem Vermögen.
2 Grundlegende Begriffe und Konzepte: Hier werden theoretische Grundlagen zu Kultur, Unternehmenskultur (basierend auf dem Drei-Ebenen-Modell von Schein) und Wissensmanagement definiert, um das Fundament für die weitere Analyse zu legen.
3 Wissensfreundliche Unternehmenskultur: Der Hauptteil beschreibt praxisnah die konkreten Artefakte, Werte und Grundannahmen, die eine wissensfreundliche Organisation auszeichnen, wobei Schwerpunkte auf Organisation, Personal, Infrastruktur und Instrumenten liegen.
4 Veränderung hin zu einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur: Das abschließende Kapitel behandelt die theoretischen Möglichkeiten und praktischen Ansätze eines Kulturwandels und präsentiert mit dem Modell von Nevis eine dreidimensionale Strategie für den Transformationsprozess.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Unternehmenskultur, Wissensgesellschaft, Organisatorisches Lernen, Wissensressourcen, Wissenslandkarten, Wissensleitung, Transformationsmanagement, Wissensaustausch, Wissensbarrieren, Wissenswirtschaft, Führungskultur, Wissensstruktur, Prozessorganisation, Netzwerkorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht, welche kulturellen Rahmenbedingungen in einem Unternehmen geschaffen werden müssen, um Wissensmanagement erfolgreich zu implementieren und nachhaltig zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Ebenen von Unternehmenskultur, die Grundlagen des Wissensmanagements, die Gestaltung der organisationalen Infrastruktur sowie spezifische Methoden zur Förderung einer wissensfreundlichen Kultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines Idealtypus für eine wissensfreundliche Unternehmenskultur, um die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Wissensmanagement und der praktischen Umsetzung zu überwinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine literaturbasierte Analyse und Synthese, wobei Konzepte wie das Drei-Ebenen-Modell von Edgar Schein und moderne Managementansätze integriert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv den "wissensfreundlichen Artefakten und Schöpfungen", unterteilt in Organisation, Personal, Infrastruktur und spezifische Managementinstrumente, ergänzt durch eine Analyse der wertebasierten Grundannahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wissensmanagement, Unternehmenskultur, Wissensgesellschaft, organisatorisches Lernen und Wissensressourcen.
Wie unterscheiden sich Wissenslandkarten von den "Gelben Seiten"?
Wissenslandkarten sind graphische Verzeichnisse, die Wissensträger, Quellen oder Wissensbestände strukturell visualisieren, während "Gelbe Seiten" als spezifische Ausformung detaillierte Personendatenbanken darstellen, die das Auffinden von Ansprechpartnern erleichtern.
Warum ist das "Middle-up-down-Management" für diese Arbeit so relevant?
Dieses Modell wird als besonders geeignet identifiziert, da es mittlere Führungskräfte als Schlüsselstellen (Wissensingenieure) für die Brückenbildung zwischen visionärem Top-Management und operativer Wissensarbeit der Mitarbeiter nutzt.
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- Agnes Harth (Autor), 2000, Wissensfreundliche Unternehmenskultur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185615