Entwicklung eines standardisierten Reportingsystems für mittelständische Unternehmen zur Erfüllung der Rating-Anforderungen von Fremdkapitalgebern


Diplomarbeit, 2002

154 Seiten


Leseprobe

Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein
Hochschule für Wirtschaft
Fachbereich Betriebswirtschaft I
Diplomarbeit
Entwicklung eines standardisierten Reportingsystems
für mittelständische Unternehmen zur Erfüllung der
Rating-Anforderungen von Fremdkapitalgebern
erstellt von
Christian Ludwar
Januar 2002

Christian Ludwar
Rating
II
Inhaltsverzeichnis
Seite
Vorwort ... V
Abbildungsverzeichnis ... VII
Abkürzungsverzeichnis... VIII
1. Einleitung ...
1
1.1. Problemstellung... 1
1.2. Zielsetzung ... 4
1.3. Überblick ...
5
1.4. Vorgehen...
7
2. Betriebswirtschaftlicher
Teil ... 8
2.1. Begriffsbestimmungen... 8
2.1.1. Rating und Bedeutung ... 8
2.1.2. Ratingskala und Aussage ... 11
2.1.3. Mittelstand... 14
2.2.
Basel II: Die neue Baseler
Eigenkapitalvereinbarung ... 15
2.2.1. Ziele ... 15
2.2.2. Inhalt und Aufbau... 16
2.2.3. Ansätze nach Basel II zur Messung
der Eigenkapitalausstattung... 18
2.2.3.1. Der
Standardansatz ... 18
2.2.3.2. Der
IRB-Ansatz ... 20
2.2.4. Folgen der neuen Vorschriften von Basel II ... 24
2.2.4.1. Allgemeine
Betrachtung ... 24
2.2.4.2. Situation im deutschen Mittelstand... 27

Christian Ludwar
Rating
III
2.2.4.2.1. Auswirkungen der neuen Baseler
Eigenkapitalvereinbarung ... 29
2.2.4.2.2. Rolle und Aufgabe externer Berater ... 31
2.2.4.2.3. Anmerkungen ... 32
2.3.
Vergabe eines Rating durch Rating-Agenturen ... 35
2.3.1. Einführung... 35
2.3.2. Entwicklung und aktuelle Situation... 35
2.3.2.1. Allgemeiner
Überblick ... 35
2.3.2.2. Situation in Europa... 36
2.3.2.3. Aktuelle
Tendenzen ... 37
2.3.3. Bestandteile eines externen Rating ... 39
2.3.3.1. Ablauf eines Ratingverfahrens ... 39
2.3.3.2. Das
Ratingsystem ... 41
2.3.3.2.1. Quantitative Faktoren ... 42
2.3.3.2.2. Qualitative Faktoren... 42
3. Praktischer
Teil ... 44
3.1. Ist-Analyse...
44
3.1.1. Allgemeine Einführung ... 44
3.1.2. Beschreibung und Struktur des BVR-II-Rating... 45
3.2.
Aufbau eines standardisierten Reporting für den
Mittelstand zur Erfüllung der Anforderungen
des BVR-II-Rating ... 49
3.2.1. Jahresabschluss ... 51
3.2.2. Private Vermögensverhältnisse ... 52
3.2.3. Betriebswirtschaftliche Auswertung ... 53
3.2.4. Kontoführung ... 54
3.2.5. Markt und Branche... 55
3.2.6. Unternehmen und Management ... 56
3.2.7. Planung... 57

Christian Ludwar
Rating
IV
3.2.8. Anmerkung... 58
3.3.
Unternehmensinterne Würdigung der Rating
Kriterien nach BVR-II-Rating ... 59
3.3.1. Entwicklung und Darstellung eines
Unternehmens-Rating-Profils... 59
3.3.2. Die Beurteilung der einzelnen Bereiche ... 61
3.4.
Darstellung der aufbereiteten Daten... 69
3.5.
Entwicklung und Beschreibung des
Jahresabschlussanalyse-Tools... 71
3.5.1. Aufbau und Inhalte... 72
3.5.2. Handbuch... 77
3.5.2.1. Grundeinstellungen ... 77
3.5.2.2. Dateiverknüpfungen und Export ... 79
3.5.3. Anmerkungen... 84
4. Fazit ... 85
Literaturverzeichnis... 87
Anhang ... 92

Christian Ludwar
Rating
V
Vorwort
Die vorliegende Diplomarbeit wurde von der Demps & Partner Unternehmens-
beratung als Praxisarbeit initiiert und betreut.
Die Demps & Partner Unternehmensberatung wurde im Oktober 1997 von Dip-
lom Betriebswirt (FH) Jürgen Demps gegründet und erbringt seitdem Dienstleis-
tungen in den Bereichen Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, sowie Re-
porting für mittelständische Unternehmen. Die Dienstleistungen werden in Form
von Interim-Management-Verträgen, Beratungsverträgen aber auch im Rah-
men von Outsourcing-Verträgen erbracht.
Die künftigen Ratingprozesse werden im Wesentlichen von diesen Bereichen
getragen. Die Demps & Partner Unternehmensberatung hat sich strategisch auf
diesen Bereich ausgerichtet und wird ab 2002 ,,Rating Advisory" als weitere
Dienstleistung anbieten.
Die Beratungsqualität wird durch eine zusätzliche Qualifizierung an der Univer-
sität Augsburg zum zertifizierten Rating-Analysten sichergestellt. Darüber hin-
aus ist die Demps & Partner Unternehmensberatung Kooperationspartner der
Rating Competence AG, Augsburg, die mit ihren ebenfalls zertifizierten Rating
Analysten bundesweit für Banken und mittelständische Unternehmen vertreten
ist.
Mit der vorliegenden Diplomarbeit wurde intern und für unsere Mandanten die
Grundlage für eine frühzeitige Information und Aufklärung geschaffen. Insbe-
sondere der praktische Teil der Diplomarbeit gibt konkrete Lösungsansätze.
Wir sind davon überzeugt, dass die Verpflichtungen aus den Ratingprozessen
eine Chance für die mittelständischen Unternehmen und ihren Hausbanken

Christian Ludwar
Rating
VI
darstellt, Transparenz über das zu finanzierende Unternehmen zu schaffen,
dauerhaft Risiken zu minimieren und eine effektive Kommunikation zu begin-
nen.
Kurzfristig gilt es durch Information und Kommunikation die Ängste und die
Hemmschwellen abzubauen um Rating als ein positives Instrument der Quali-
tätssicherung und ständigen Qualitätsverbesserung im Unternehmen zu ver-
stehen und zu nutzen.
Speyer, 20. Januar 2002
Jürgen Demps
Diplom Betriebswirt (FH)

Christian Ludwar
Rating
VII
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Insolvenzentwicklung von Unternehmen
in Deutschland... 1
Abbildung 2: Gegenüberstellung verschiedener Ratingskalen ... 12
Abbildung 3: Kumulierte Ausfallraten... 13
Abbildung 4: Zeitplan Basel I/II ... 17
Abbildung 5: Neuregelung der angemessenen
Eigenkapitalausstattung ... 19
Abbildung 6: Ansätze zur Bemessung der Risikoaktiva... 22
Abbildung 7: Nationale und internationale Ratingagenturen im Vergleich . 25
Abbildung 8: Ablauf eines Rating-Prozesses... 40
Abbildung 9: Architektur des BVR-II-Rating... 46
Abbildung 10: Aufbau des praktischen Teils der DA... 50
Abbildung 11: Notwendige Kennzahlen nach BVR-II-Rating ... 51
Abbildung 12: Unternehmens-Rating-Profil ... 59
Abbildung 13: Aussagen der Klassen ... 60
Abbildung 14: Bewertungskriterien Jahresabschluss ... 63
Abbildung 15: Scoring-Modell Unternehmen und Management ... 66
Abbildung 16: Scoring-Modell Planung... 66
Abbildung 17: Verknüpfung mit dem Unternehmens-Rating-Profil ... 67
Abbildung 18: Programmablaufdiagramm ... 74

Christian Ludwar
Rating
VIII
Abkürzungsverzeichnis
Abb. ... Abbildung
BIZ ... Bank für internationalen
Zahlungsausgleich
BVR...Bundesverband der Deutschen
Volksbanken und Raiffeisenbanken
BWA ... Betriebswirtschaftliche Auswirkungen
bzw. ... beziehungsweise
DA... Diplomarbeit
FKA... Fremdkapitalanteil
EAD ... exposure at default
EK...Eigenkapital
ggf... gegebenenfalls
GuV ... Gewinn- und Verlustrechnung
HGB...Handelsgesetzbuch
IRB... Internal Rating Based Approach
JÜ ... Jahresüberschuss
KMU...Klein- und mittelständische Unter-
nehmen
KonTraG... Gesetz zur Kontrolle und Transpa-
renz im Unternehmensbereich
KWG ... Gesetz über das Kreditwesen
LGD ... loss given default
PD... probability of default
S & P ... Standard and Poor's
URP ... Unternehmens-Rating-Profil
z.B. ... zum Beispiel

Christian Ludwar
Rating
1
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Durch die zunehmende Globalisierung und Liberalisierung der Märkte, immer
kürzere Produktlebenszyklen und Innovationszyklen und dem damit verbunde-
nen gestiegenen Wettbewerbsdruck wird es vor allem für klein- und mittelstän-
dische Unternehmen (KMU) immer schwieriger, sich am Markt langfristig zu
behaupten und zu finanzieren. Der drastische Anstieg von Insolvenzen in
Deutschland in den letzten zehn Jahren verdeutlicht diesen Trend.
Insolvenzentwicklung deutscher Unternehmen
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
1980
1981
1982
1983
1984
1985
1986
1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
Abb. 1: Insolvenzentwicklung von Unternehmen in Deutschland
1
Hinzu kommt, dass der Markt für Eigenkapital in Deutschland - im Gegensatz
zu anderen Ländern (z.B. USA) - noch nicht richtig entwickelt ist.
1
Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland

Christian Ludwar
Rating
2
Die Eigenkapitaldecke vieler Unternehmen ist zu gering. Die meisten mittel-
ständischen Unternehmen in Deutschland finanzieren sich über die Aufnahme
von Fremdkapital bei den Banken. Gerade private Investoren schrecken vor
Finanzinvestitionen in mittelständischen Unternehmen zurück, da sie das damit
verbundene Risiko häufig nicht einschätzen können. Es ist für Außenstehende
oft schwierig, geeignete Informationen über die wirtschaftliche Lage eines mit-
telständischen Unternehmens zu erhalten.
Auch für die Kreditgeber, welche in Deutschland für KMU im Wesentlichen
Hausbanken sind, nimmt das Kreditrisiko ständig zu. Immer häufiger kommt es
zu Forderungsausfällen in Form von nicht geleisteten Zins- und Tilgungszah-
lungen der Schuldner.
2
Eine möglichst präzise Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeiten und ein
daraus abgeleitetes adäquates Kreditpricing einzelner Engagements wird des-
halb eine immer dringlichere Aufgabe. Zu deren Bewältigung ist eine umfas-
sende, zukunftsorientierte Kreditprüfung unerlässlich.
3
In diesem Zusammenhang hat auch das Thema Rating in letzter Zeit deutlich
an Aufmerksamkeit gewonnen, sowohl in der Wissenschaft, als auch in der
Praxis. Dies ist an der Zahl der Publikationen zu diesem Thema zu erkennen
und an der neu gegründeter Rating-Agenturen in Deutschland in den letzten
drei Jahren.
2
Vgl.: Pape, Dieter: Unternehmens - Rating für den Mittelstand, in: Finanz Betrieb, Nr. 9/1999
3
Vgl.: Füser, Karsten: Intelligentes Scoring und Rating, Wiesbaden 2001, S. 25

Christian Ludwar
Rating
3
Ein Rating bewertet mit einem standardisierten Verfahren die wirtschaftliche
Situation eines Unternehmens und liefert wichtige Informationen über die zu-
künftige Bonität
4
dieses Unternehmens.
War das Thema Rating bislang nur für große Konzerne von Bedeutung, die am
internationalen Kapitalmarkt meist über Anleihen Fremdmittel aufnahmen, rückt
Rating jetzt auch in den Mittelpunkt der Kreditbeschaffung vieler KMU.
Grund dafür ist das Konsultationspapier vom Baseler Ausschuss für Banken-
aufsicht zur Neuregelung der angemessenen Eigenkapitalunterlegung von Ban-
ken, kurz Basel II genannt. Dessen endgültige Fassung ist für Ende 2002 vor-
gesehen. Die neuen Regeln werden voraussichtlich 2005 in Kraft treten. Dabei
wird die Bonität des Kreditnehmers zum entscheidenden Kriterium bei der Kre-
ditvergabe. Danach sollen die Banken ihre Kredite nicht mehr, wie bisher, pau-
schal mit 8% Eigenkapital unterlegen, sondern eine Einstufung der Kreditneh-
mer in verschiedene Risikoklassen durchführen. Die Beurteilung der Bonität des
Kreditnehmers soll anhand eines Rating überprüft werden, das letztlich über die
Höhe der Eigenkapitalunterlegung der Banken
5
und über die entsprechenden
Kreditkonditionen jedes spezifischen Kreditnehmers entscheidet.
Die Bonitätsbeurteilung der Kreditnehmer soll durch die Entwicklung interner
Kreditrisikomodelle der Banken auf Basis interner Ratings oder durch die Nut-
zung externer Ratings von Rating-Agenturen durchgeführt werden.
4
Bonität: Ausdruck für die Fähigkeit eines Schuldners seine Schuldverpflichtungen plus Zinsen
fristgerecht einlösen zu können. Ein Rating wird häufig als Bonitätsanalyse bezeichnet.
5
Vgl.: Das Rating wird zum Dreh- und Angelpunkt der Kreditvergabe, in: FAZ vom 28. No-
vember 2000 und: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, in: Deutsche Bundesbank,
Monatsbericht April 2001, S. 16-17

Christian Ludwar
Rating
4
1.2. Zielsetzung
Vor dem Hintergrund von Basel II befindet sich die Bankenlandschaft im Be-
reich der Unternehmensfinanzierung im Umbruch. Besonders KMU werden von
diesen Änderungen stark betroffen sein, da deren Hauptfinanzierungsquelle die
Aufnahme von Fremdkapital bei Banken ist. Die mittelständischen Unterneh-
men müssen sich daher mit dieser Thematik auseinander setzen und über die
zu erwartenden Neuerungen aufgeklärt werden.
Basel II eröffnet Rating-Agenturen aber auch Unternehmensberatungen, Steu-
erberatern oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften neue Marktchancen. Sie
können ihre Geschäftverbindungen zu den KMU nutzen und Ratingberatung
anbieten, um diese gezielt aufzuklären und zu betreuen.
Das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, für die Unternehmensberatung
Demps & Partner ein ,,standardisiertes Reporting für mittelständische Unter-
nehmen zur Erfüllung der Rating ­ Anforderungen von Fremdkapitalgebern" zu
entwickeln.
Das Reporting
6
soll dabei den Anforderungen interner Ratingsysteme ausge-
wählter Banken entsprechen. Das Ergebnis ist ein standardisierter Bericht, der
es ermöglichen soll, einen schnellen Einblick über die wirtschaftliche Situation
eines Unternehmens zu erhalten. Das Reporting soll dabei in strukturierter Rei-
henfolge die wesentlichen Daten und Informationen über das Unternehmen
enthalten, die eine Bank zur Durchführung des Rating benötigt.
6
Reporting: Berichtswesen; Darstellung der wesentlichen erfolgskritischen Stichtagsdaten im
Vergleich zur Planung und Vergangenheit.

Christian Ludwar
Rating
5
Zusätzlich sollen die KMU bei der Bereitstellung der ratingrelevanten Daten un-
terstützt werden, indem sie gezielt auf das Thema Rating vorbereitet und bei
der Zusammenstellung der benötigten Informationen betreut werden. Dadurch
wird ersichtlich, ob das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, alle für das Ra-
ting benötigten Informationen bereitzustellen, oder erst entsprechende Schritte
zur Generierung der Daten eingeleitet werden müssen. Das Unternehmen er-
hält auf diese Weise wichtige Informationen über interne Stärken und Schwä-
chen. Deren Transparenz, Dokumentation und Kommunikation kann zu einer
generellen Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens
führen und mittelfristig zu verbesserten Kreditkonditionen.
1.3. Überblick
Die Nachfrage nach Ratings ist im Zuge der Globalisierung und Liberalisierung
bzw. Deregulierung der internationalen Finanzmärkte auch in Deutschland stark
angestiegen. Für kapitalmarktorientierte Unternehmen ist das Rating bereits
heute die Eintrittskarte zu alternativen Finanzierungsformen bzw. günstigeren
Finanzierungsquellen. Das bislang nur von einigen wenigen, in der Regel inter-
nationalen Agenturen, durchgeführte externe Rating, wird nur für große, bör-
sennotierte Unternehmen erstellt. Ziel eines externen Rating ist es, die Bonität
einzelner Anleihen oder anderer Forderungsrechte, Emissionen
7
sowie deren
7
Emission: Ausgabe neuer Wertpapiere (Aktien, Anleihen usw.), die in der Bundesrepublik im
Wesentlichen unter Einschaltung der Kreditinstitute erfolgt. Eine Emission von Wertpapieren
dient der Beschaffung von Kapital. Geht ein Unternehmen zum ersten Mal an die Börse, ist
das eine Neuemission. Die Aktien werden über die Börse an die Anleger verkauft, der Erlös
fließt in den meisten Fällen als Eigenkapital dem Unternehmen zu - wenn nicht etwa die
bisherigen Gesellschafter Kasse machen. Neben privatwirtschaftlichen Emissionen gibt es
auch öffentliche Emissionen wie z. B. die Ausgabe neuer Anleihen des Bundes.
Quelle: www.boersenlexikon.de

Christian Ludwar
Rating
6
Emittenten
8
zu beurteilen. Es drückt die Meinung einer Ratingagentur über die
Kreditwürdigkeit eines Schuldners im Bezug auf einen einzigen Finanztitel oder
den Emittenten aus.
Im Rahmen dieser Arbeit
wird explizit nicht auf die Beurteilung einzelner Finan-
zierungstitel abgestellt. Im Vordergrund steht generell die Beurteilung des Un-
ternehmens und die Meinung einer Agentur oder Bank, inwieweit ein Unter-
nehmen zukünftig in der Lage sein wird, seinen Zahlungsverpflichtungen nach-
zukommen. Im deutschen Sprachgebrauch hat sich der Begriff des Unterneh-
mensrating/ Mittelstandsrating für diesen Sachverhalt durchgesetzt.
9
Diese Arbeit entstand vor dem Hintergrund von Basel II und den damit verbun-
denen Konsequenzen für den deutschen Mittelstand. Dabei wird kein eigenes
Rating entwickelt, sondern die Bestandteile existierender Ratingsysteme ge-
nutzt und analysiert. Es wird ein Reporting für KMU erarbeitet, das diesen
ermöglicht, ihr Rating zu verbessern und aufzeigt, welche Informationen sie
dazu bereitstellen müssen.
8
Emittent: Begriff für die Rechtspersönlichkeit, die eine Anleihe oder auch sonstige Wertpapiere
auflegt. Dies kann sowohl ein Staat als auch ein Unternehmen sein.
Quelle: www.boersenlexikon.de
9
Vgl. Hoffmann, P., Bonitätsbeurteilung durch Credit Rating, Berlin 1991, S.5 und Wambach,
M., Rating, Frankfurt 2001, S. 51f und Munsch, M., Rating, 2.Aufl.,Berlin 2001, S.25

Christian Ludwar
Rating
7
1.4. Vorgehen
Die DA ist in einen theoretischen und in einen praktischen Teil untergliedert.
Der theoretische Teil dient als Einführung in das Thema Rating und ist als
Grundlage für den praktischen Teil unverzichtbar. Neben verschiedenen Ein-
grenzungen und Definitionen wird die Vorgehensweise bereits existierender und
anerkannter Rating-Agenturen erläutert. Daneben wird speziell auf die den Mit-
telstand betreffende Problematik des Rating aufgrund von Basel II abgestellt.
Im praktischen Teil erfolgt die Umsetzung und Entwicklung eines standardisier-
ten Reportings auf Basis einer Jahresabschluss-Analyse, sowie die Erarbeitung
von Checklisten zur Überprüfung sogenannter qualitativer Faktoren, die zukünf-
tig eine große Rolle bei der Bonitätsprüfung von Unternehmen spielen werden.
Die komplette Ausführung erfolgt inhaltlich grundsätzlich immer unter dem Ge-
danken, ein standardisiertes Reportingsystem für mittelständische Unterneh-
men zu entwickeln, das die Unternehmensberatung Demps & Partner einsetzen
kann, um mittelständische Unternehmen auf ein Rating vorzubereiten und kon-
tinuierlich zu begleiten.

Christian Ludwar
Rating
8
2. Betriebswirtschaftlicher Teil
2.1. Begriffsbestimmungen
Zu Beginn der Bearbeitung ist es von zentraler Bedeutung für das Verständnis
der nachfolgenden Ausführungen, einige Begriffe zu erklären und zu definieren.
Dabei wird zuerst der Begriff ,,Rating" anhand verschiedener Definitionen erläu-
tert und in der Weise eingegrenzt, in der er im weiteren Verlauf der Arbeit ver-
wendet werden soll; außerdem werden typische Ratingskalen beschrieben. Da-
nach wird der für die Arbeit zentrale Begriff ,,Mittelstand" erläutert.
2.1.1. Rating und Bedeutung
Der Begriff ,,Rating" kommt aus dem angloamerikanischen Sprachgebrauch und
kann übersetzt werden mit ,,bewerten" bzw. ,,abschätzen".
10
Er trat erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf und wurde bereits damals im
Zusammenhang mit der Bonitätsbeurteilung von Unternehmen verwendet,
11
wobei Rating ganz allgemein eine Beurteilung durch die Vergabe von Zensuren
war. Von einem Rating sprach man üblicherweise dann, wenn ein Untersu-
chungsobjekt hinsichtlich einer bestimmten Zielsetzung bewertet und in eine
ordinale Rangordnung gebracht wurde.
12
Heutzutage tritt der Begriff ,,Rating" in den unterschiedlichsten Bereichen auf.
Im deutschen Sprachgebrauch wird er überwiegend in der Psychologie und der
10
Vgl.: Munsch, M., Rating, 2.Aufl.,Berlin 2001, S.11
11
Vgl.: Lanfermann, B., Transparenz durch Ratings, Karlsruhe 1998, S.5
12
Vgl.: Wambach, M., Rating, Frankfurt 2001, S. 49f

Christian Ludwar
Rating
9
Soziologie eingesetzt. Personen, Dinge und Situationen werden durch eine Per-
son oder Institution eingeschätzt, bzw. beurteilt. So wird z.B. die Benotung von
Prüfungsleistungen in der Schule auf der dort verwendeten Notenskala von eins
bis sechs abgetragen. Diesen Sachverhalt kann man als Rating bezeichnen.
Die zu beurteilenden Sachverhalte werden einer bestimmten Skala nach ihrem
Wert zugeordnet.
13
Im Rahmen dieser Arbeit wird dem Begriff Rating jedoch die Bedeutung des
,,Credit Rating" zugeordnet. Hierunter versteht Hoffmann die ,,bewertende Klas-
sifizierung eines Schuldners entsprechend seiner Bonität und damit Kreditwür-
digkeit."
14
,,Credit Rating" wird an den Finanzmärkten zur qualitativen und quantitativen
Klassifizierung von Finanztiteln verwendet.
Im weiteren Verlauf der DA wird bei dem Begriff Rating der Definition nach
Everling gefolgt:
,,Ein Rating ist die durch einfache Symbole einer ordinalen Skala ausgedrückte
Meinung einer auf Bonitätsanalyse spezialisierten Institution über die wirtschaft-
liche Fähigkeit, rechtliche Bindung und Willigkeit eines Schuldners, seinen
zwingend fälligen Zahlungsverpflichtungen stets vollständig und rechtzeitig zu
erfüllen."
15
13
Vgl.: Everling, O., Credit Rating, 1. Auflage, Wiesbaden 1991, S. 21-22
14
Hoffmann, P.: Bonitätsbeurteilung durch Credit Rating, Berlin 1991, S. 17
15
Everling,O.: Abgrenzung von Rating gegenüber Prüfung, Beratung und Bewertung.
27.07.2001.Online im Internet: URL: http://www.ratingcert.de/Briefe/brief_7_2000.htm

Christian Ludwar
Rating
10
Ähnlich ist Sönnichsen zu verstehen: ,, Ein Rating ist das Ergebnis einer Bewer-
tung wirtschaftlicher Sachverhalte, das durch nicht-numerische Symbole darge-
stellt wird und durch eine der Änderungsdynamik der zugrundliegenden Sach-
verhalte entsprechenden periodischen Aktualisierung jederzeit eine Klassifikati-
on der betrachteten Sachverhalte durch einen Entscheidungsträger, der nicht
der Produzent des Ratings ist, mit ordinalen Skalenniveaus zulässt."
16
Rating ist nichts anderes, als die möglichst objektive Meinung eines Analysten
über die Wahrscheinlichkeit der zeitgerechten und vollständigen Bezahlung von
Zins- und Tilgungsverpflichtungen eines Schuldners.
Ein ,,Credit Rating" ist demzufolge ein Bonitätsbeurteilungsverfahren, das den
Kreditvergabeprozess objektivieren und zu einer effizienteren Gestaltung des
Kreditvergabe-Entscheidungsprozesses führen und die Ausfallrisiken eines
Kredites senken soll. Dabei werden die Bonitätsmerkmale eines Kreditnehmers
zu einer einzigen Zensur verdichtet und ein Gesamturteil gebildet, das die Kri-
senwahrscheinlichkeit und den Risikogehalt in einem einfach verständlichen
Symbol auf einer Skala zum Ausdruck bringt.
17
Die Beurteilung der Bonität der analysierten Unternehmen erfolgt durch Zutei-
lung bestimmter definierter Symbole, wie z.B. ,,Tripple A", die später genauer
erläutert werden.
18
16
Sönnichsen, C.: Rating-Systeme, Berlin 1992, S.117
17
Vgl.: Füser, Karsten: Intelligentes Scoring und Rating, Wiesbaden 2001, S. 33
18
Vgl.: Everling, Oliver: Credit Rating, 1.Aufl.,Wiesbaden 1991, S. 21-24

Christian Ludwar
Rating
11
2.1.2. Ratingskala und Aussage
,,Eine Ratingskala wird beschrieben als eine in regelmäßigen Intervallen aufge-
teilte Strecke, die den Ausprägungsgrad (z.B. stark ­ mittel ­ gering) eines be-
stimmten Merkmals ( z.B. Bonität ) zeigt."
19
Ein Rating ist das Ergebnis eines Ratingprozesses. Dabei werden sowohl quan-
titative- als auch qualitative Faktoren zu einer einzigen Zensur bzw. einem
Symbol verdichtet, der dann wiederum verschiedene Risikoklassen zugeordnet
sind.
Im Allgemeinen verwenden die Rating-Agenturen verschiedene Buchstaben-
kombinationen, die eine klare Verständlichkeit ermöglichen.
Dabei wird der bestmöglichen Bonität z.B. die Kombination ,,AAA" zugeordnet.
Für die schlechtmöglichste Bonität steht z.B. bei Standard & Poor's (S & P) ein
,,D". Innerhalb der einzelnen Ratingklassen werden Differenzierungen durch die
Modifizierung von Zahlen oder +/- Symbolen möglich. Zusätzlich unterteilen die
Rating-Agenturen ihre Skalen in den Investmentbereich (investment grade) und
den Spekulationsbereich (speculative grade). Dies soll eine weitere Orientie-
rungshilfe für Investoren ermöglichen.
20
In der folgenden Tabelle werden die Ratingskalen von verschiedenen Rating-
Agenturen gegenübergestellt. Eine detailliertere Erläuterung der Aussagen der
einzelnen Symbole von S & P und der EuroRating AG befindet sich im Anhang.
19
Everling, O.: Credit Rating, 1.Auflage, Wiesbaden 1991, S.21
20
Vgl.: Wambach, M., Rating, Frankfurt a. M. 2001, S. 59

Christian Ludwar
Rating
12
Abb. 2: Gegenüberstellung verschiedener Ratingskalen
21
21
Quelle: Modifiziert nach Munsch, M./Weiß, B., Rating, Berlin 2001, S. 15 und Wambach, M.,
Rating, Frankfurt 2001, S. 60f
Moody's
Standard &
Poor's
Euro-
Ratings AG
Erklärung
Aaa
AAA
AAA
Beste Bonität
Aa1
AA+
Aa2
AA
AA
Sehr gute Bonität
Aa3
AA-
A1
A+
A2
A
A
Gute Bonität
A3
A-
Baa1
BBB+
Baa2
BBB
BBB
Stark befriedigende Bonität
Baa3
BBB-
Ba1
BB+
Ba2
BB
BB
Befriedigende Bonität
Ba3
BB-
B1
B+
B2
B
B
Ausreichende Bonität
B3
B-
CCC+
Caa
CCC
CCC
Kaum ausreichende Bonität
CCC-
CC
CC
CC
Niedrigste bei Creditreform; sehr schlechte
Bonität bei den anderen
C
C
C
Niedrigste bei Moody's und bereits im
Zahlungsverzug
D
D
Zahlungsverzug
speculative grade
investment grade

Christian Ludwar
Rating
13
Der Vorteil solcher einfachen Ratingskalen liegt vor allem darin, dass auch
nicht professionelle Anleger oder Investoren einen schnellen Überblick über die
wirtschaftliche Situation eines Unternehmens erhalten. Die Symbole können
auch von ausländischen Investoren oder Anlegern verstanden werden, so dass
keine besonderen Sprachkenntnisse notwendig sind, um wichtige Informationen
über die Bonität eines Unternehmens zu erhalten.
22
Von besonderer Bedeutung ist es, zu wissen, ob sich die prognostizierten Aus-
fälle im Nachhinein als zutreffend erweisen. Die nachfolgende Abbildung zeigt
eine kumulierte Ausfallquote von Unternehmensanleihen der Ratingagentur
S & P. Sie zeigt, wieviel Prozent der Schuldner der jeweiligen Kategorien in be-
stimmten Zeiträumen ihre Schulden nicht fristgerecht tilgen konnten und damit
Zahlungsausfälle verursachten.
Kumulierte Ausfallraten
0,00%
5,00%
10,00%
15,00%
20,00%
25,00%
30,00%
35,00%
40,00%
45,00%
50,00%
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
4. Jahr
5. Jahr
6. Jahr
7. Jahr
8. Jahr
AAA
AA
A
BBB
BB
B
CCC
Abb. 3: Kumulierte Ausfallraten
23
22
Vgl.: Everling, O., Ratingagenturen an nationalen und internationalen Finanzmärkten, in:
Handbuch Rating, Wiesbaden 1996, Herausgeber: Everling, O., Büschgen, E.
23
Munsch, M./Weiß, B.: Rating, Berlin 2001, S. 15

Christian Ludwar
Rating
14
2.1.3. Mittelstand
Der Begriff des ,,Mittelstandes" ist gerade in Deutschland populär aber dadurch
auch unscharf. Trotz vieler Statistiken und Ausarbeitungen gibt es sehr viele
unterschiedliche Meinungen darüber, was Mittelstand ist. Klar ist nur, dass der
in Deutschland besonders ausgeprägte Mittelstand als ,,Rückgrat" der deut-
schen Wirtschaft gesehen
24
und ihm dadurch auch besondere Aufmerksamkeit
gewidmet wird.
Eine genaue Definition des Begriffes ,,Mittelstand" stellt sich als ein sehr schwie-
riges Unterfangen dar, da eine Reihe verschiedener Interpretationsansätze
verwendet werden. Daher enden definitorische Auseinandersetzungen meist
mit der Übernahme des bekannten Kompromisses, nach dem der Mittelstand
bestimmte Größenmerkmale, bezogen auf den Umsatz und die Zahl der Be-
schäftigten, umfasst. Weitere Differenzierungsversuche finden oft nur unter der
Beibehaltung der allgemein akzeptierten Definitionskriterien statt.
Die Darstellung der Größenmerkmale und Einteilung in die jeweiligen Klassen
ist dem § 267 HGB zu entnehmen.
Festzuhalten bleibt, dass es keine eindeutige Definition gibt. Im Rahmen dieser
DA wird kein weiterer Definitionsversuch unternommen. Stattdessen wird eine
Eingrenzung dahingehend vorgenommen, dass die Arbeit sich an die Unter-
nehmen richtet, die sich mit dem Thema Rating bisher noch nicht beschäftigt
haben und bei denen in Zukunft ein hoher Informations- und Aufklärungsbedarf
vorhanden sein wird. Zum anderen richtet sich die Arbeit an die Unternehmen,
die aufgrund innerbetrieblicher Schwächen nicht in der Lage sein werden, den
Rating-Anforderungen der Banken ad hoc nachzukommen, also die benötigten
Informationen für ein Rating nicht bereitstellen können oder wollen.
24
Vgl.: Kayser, G., Moderner Mittelstand, in: Unternehmer-Magazin, 04/2001, S.12-14

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15
2.2. Basel II: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung
2.2.1. Ziele
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1975 von den Präsidenten
der Zentralbanken der Länder der Zehnergruppe (G10-Staaten) gegründet. Er
setzt sich zusammen aus hochrangigen Vertretern der Zentralbanken und der
Bankenaufsichtsbehörden verschiedener Länder.
25
Er tritt in der Regel alle drei
Monate bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel zu-
sammen. Dort befindet sich auch sein ständiges Sekretariat. Ziel ist es, die
Harmonisierung der Bankenaufsicht auf internationaler Ebene voranzutreiben
sowie zur Stabilisierung des internationalen Finanzsystems beizutragen, indem
sich die Kreditrisikosteuerung der Banken näher an der Entstehung der Risiken
orientiert. Die Vorgaben des Baseler Ausschusses finden über die EU-
Richtlinien Eingang in das nationale Aufsichtsrecht und sind somit von allen
Instituten zu beachten.
26
Die Diskussion um Rating hat im Zusammenhang mit Vorschlägen des Baseler
Ausschusses an Intensität zugenommen. Demnach sollen ab dem Jahr 2005
neue Regeln für die Eigenkapitalunterlegung von Krediten für alle Banken gel-
ten.
25
Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Schwe
den, Schweiz, Spanien, USA und Großbritannien
26
Vgl.: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, in: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht
April 2001, S. 16

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2.2.2. Inhalt und Aufbau
Bereits 1988 wurde eine erste Regelung zur Eigenkapitalunterlegung der Ban-
ken im Kreditgeschäft beschlossen und umgesetzt (Basel I). Diese Regelung
konzentrierte sich auf das gesamte Eigenkapital einer Bank, das für die Be-
grenzung des Insolvenzrisikos entscheidend ist. Mit diesem Regelwerk wurde
die Mindestkapitalausstattung auf 8% je Kreditposition festgelegt. Es gibt jedoch
einige Sonderregeln. Bei Krediten an öffentliche Kreditnehmer ist kein Eigenka-
pital zu hinterlegen, bei Krediten an andere Kreditinstitute nur 1,6%. Dies be-
deutet, dass bei einem Firmenkredit in Höhe von 500.000 Euro die Bank bislang
40.000 Euro als Eigenkapital nachzuweisen hatte.
27
Damit gibt das Eigenkapital
einer Bank die Obergrenze des Kreditvolumens an.
Im Juni 1999 veröffentlichte der Baseler Ausschuss das 1. Konsultationspapier
zur ,,Neuregelung der angemessenen Eigenkapitalausstattung", das unter dem
Namen ,,Basel II" an die Stelle der Eigenkapitalübereinkunft aus dem Jahre
1988 treten sollte. Zu dieser Vorlage gingen mehr als 200 Stellungnahmen ein.
Die Vorschläge, Kritiken und Ideen wurden berücksichtigt und flossen in das 2.
Konsultationspapier ein, das im Januar 2001 als konkreter Vorschlag der Öf-
fentlichkeit vorgestellt worden ist. Danach soll die Bemessung der Höhe der
Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken an ein Rating gekoppelt werden.
Daraufhin gab es erneut über 250 Stellungnahmen und Einwände von Banken
und Institutionen aus aller Welt, so dass es eine dritte Konsultationsrunde ge-
ben wird. Deren Resultate sind Anfang 2002 zu erwarten, und die neuen Richt-
linien sollen nach jetzigem Stand 2005 in Kraft treten.
28
27
Vgl. Munsch, M./Weiß, B.: Rating, Deutscher Industrie- und Handelstag, Berlin 2001, S. 33
28
Vgl.: Basel II wird um ein Jahr verschoben, in: Kreditpraxis 7/2001, S. 2 und ,,Von Basel II zu
Best of Business, in Informationsbroschüre Dresdner Bank, 05/2001, S. 5

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17
Abb. 4: Zeitplan Basel I/II
29
Die neue Regelung besteht aus drei tragenden Säulen, die sich gegenseitig
ergänzen.
30
1. Säule: Mindestkapitalanforderung
2. Säule: Bankenaufsichtlicher Überprüfungsprozess
3. Säule: Erweiterte Offenlegung
Im Rahmen dieser DA ist im Wesentlichen die 1. Säule von Bedeutung, nach
der Banken zur Absicherung von Kredit-, Markt-, Liquiditäts- und anderen Risi-
ken eine bestimmte Summe von Eigenkapital bereit halten müssen. Inhalt der 2.
Säule ist ein bankenaufsichtlicher Überprüfungsprozess. Dabei soll die Validität
(Rechtsgültigkeit, Zuverlässigkeit) der von den Banken eingesetzten Systeme
der Bonitätsbeurteilung sichergestellt werden. Diese Aufgabe könnte zukünftig
von den Landeszentralbanken übernommen werden.
29
Vgl.: Monatsbericht 4/2001, DBB, S. 34
30
Vgl.: Sekretariat des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht: Erläuternde Angaben zur
neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung, Januar 2001
Juli 88
Ende 1992
Juni 99
Januar 01
Ende Mai 2001
ca. Anfang 2002
ca. Ende 2002
2005
Abgabetermin für Stellungnahmen
Drittes Konsultationspapier
Umsetzung der neuen Eigenkapitalvereinbarung in nationales Recht
Veröffentlichung der geltenden Eigenkapitalvereinbarung (Basel I)
Umsetzungstermin von Basel I
Erstes Konsultationspapier zur neuen Eigenkapitalvereinbarung
Zweites Konsultationspapier
Veröffentlichung der neuen Eigenkapitalvereinbarung (Basel II)

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18
Die 3. Säule fordert eine erweiterte Offenlegung der Banken gegenüber der Öf-
fentlichkeit,
31
in Erweiterung zu den bereits geltenden Vorschriften des
KonTraG.
Die Regelungen sollen zu einer besseren Abbildung der tatsächlichen Risiken
im Kreditgeschäft führen und zur Sicherstellung der Stabilität des Finanzsektors
beitragen, da Kreditausfälle grundsätzlich die Sicherheit von Einlagen einer
Bank gefährden.
2.2.3. Ansätze nach Basel II zur Messung der Eigenkapitalausstattung
2.2.3.1. Der Standardansatz
Die Bemessung der Höhe der Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken soll
nach Basel II an ein Rating gekoppelt werden. Für die Bemessung der EK-
Unterlegung von Kreditrisiken schlägt der Baseler Ausschuss einen Standard-
ansatz und einen auf bankinternen Risikoeinschätzungen basierenden Ansatz
(IRB-Ansatz) vor.
Der Standardansatz basiert dabei im Wesentlichen auf der Einschätzung exter-
ner Bonitätsbeurteilungsinstitute (externe Rating-Agenturen). Die Entscheidung
darüber, ob eine Ratingagentur für die Ableitung von bankenaufsichtlichen Risi-
kogewichten anerkannt wird, treffen die nationalen Bankenaufsichtsbehörden.
Abbildung 5 zeigt die Gewichtungsfaktoren für eine risikoabhängige Eigenkapi-
talunterlegung von Banken nach dem Standardansatz.
31
Vgl. Wambach, M.: Rating, Frankfurt a. M. 2001, S. 17 - 33
und: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), Deutsche Bundesbank,
Monatsbericht April 2001

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19
Im zweiten Konsultationspapier wurde zur Verdeutlichung der neuen Bemes-
sungsgrundlagen die Ratingskala der Ratingagentur S & P herangezogen (vgl.
Kapitel 2.1.2.). Für die verschiedenen Gruppen von Kreditnehmern ergibt sich
demnach folgendes Gewichtungsschema:
Abb. 5: Neuregelung der angemessenen Eigenkapitalausstattung
32
Hieraus wird ersichtlich, dass es bei der Ermittlung der Eigenkapitalhinterlegung
von Banken grundlegende Änderungen gab. Die Einteilung in drei Arten von
Schuldnern mit unterschiedlichen Berechnungssätzen entspricht dem Regel-
werk von 1988. Diese DA beschäftigt sich ausschließlich mit der Vergabe von
Krediten an Unternehmen. Die Bonität eines Kreditnehmers spielt also künftig
eine große Rolle für die Kreditkonditionen. Das bedeutet, bezogen auf die Ab-
bildung 5, dass für einen Kredit an ein Unternehmen mit schlechterer Bonität
mehr Eigenkapital von der Bank zu hinterlegen ist, als für einen Schuldner mit
besserer Bonität. Bislang war der Spielraum der Bank für die Konditionsgestal-
tung stark eingeschränkt und es gab zwangsläufig eine Art Quersubventionie-
rung.
33
Die Bonität von Unternehmen soll über ein Rating dargestellt werden.
32
Modifiziert nach: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), Deutsche
Bundesbank, Monatsbericht April 2001, S. 20
33
Quersubventionierung: der gute Unternehmer zahlt in der Tendenz zu hohe Zinsen und der
schlechte Unternehmer zahlt in der Tendenz zu niedrige Zinsen in Relation zum jeweiligen
Unternehmensrisiko; Quelle: Fit for Rating, Seminar, Mainz 15.09.2001
Forderung
AAA bis
A+ bis
BBB+ bis
BB+ bis
AA-
A-
BBB-
BB-
Staatliche
Schuldner
Unternehmen
20%
50%
100%
100%
150%
150%
100%
150%
150%
B+ bis B-
nicht eingestuft
unter B-
Banken
20%
50%
100%
Beurteilung
100%
100%
100%
0%
20%
50%
100%
100%
100%

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Je besser das Rating eines Unternehmens, desto besser die Bonität und um so
weniger Eigenkapital ist von der Bank zu hinterlegen, da die Wahrscheinlichkeit
einer fristgerechten Tilgung der Schulden höher einzustufen ist.
Für einen Kredit in Höhe von 500.000 Euro an ein Unternehmen mit einem Ra-
ting schlechter als ,,B-" müsste die Bank zukünftig 60.000 Euro (150% von 8%,
also 12% des Kreditbetrages) an Eigenkapital hinterlegen.
Für ein Unternehmen mit einem Rating ,,AAA" wären bei gleichem Kreditbetrag
nur 8.000 Euro an Eigenkapital bereitzustellen,
34
denn das Risiko ist hier für die
Bank sehr viel geringer. Geringeres Kredit-Risiko bedeutet also für die Bank
weniger EK vorhalten zu müssen. Die Summe der möglichen Kreditgeschäfte
einer Bank wird daher um so größer, je weniger bonitätsschwache Kunden sich
in ihrem Portfolio befinden. Daher werden die Banken interessiert sein, mög-
lichst viele Kredite an Kunden mit guter Bonität zu vergeben und diese in Form
guter Kreditkonditionen zu binden.
Abschließend ist noch zu erwähnen, dass Kredite an Unternehmen, die kein
Rating vorweisen können, nach dem Standardansatz weiterhin mit einer Ge-
wichtung von 100% versehen werden; damit sind weiter 8% EK zu hinterlegen.
2.2.3.2. Der IRB-Ansatz
Banken, die den IRB-Ansatz wählen, dürfen künftig intern die Bonität eines
Schuldners für die Beurteilung des Kreditrisikos einschätzen. Damit dürfen sie
selbst die Höhe des Kreditrisikos und das zu hinterlegenden EK bestimmen.
34
Vgl. Munsch, M./Weiß, B.: Rating, Berlin 2001, S.34
und: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, in: Deutsche Bundesbank,
Monatsbericht April 2001, S. 15-20

Christian Ludwar
Rating
21
Um einer großen Anzahl von Banken den Zugang zum IRB-Ansatz zu ermögli-
chen, sehen die neuen Baseler Regeln zwei alternative Ansätze vor.
Basis-Ansatz (Foundation-Approach)
Fortgeschrittener Ansatz (Advanced-Approach)
Die im IRB-Ansatz enthaltenen Risikokomponenten von Krediten an Unterneh-
men sind:
35
Bonität: Einschätzung der Bonität eines Kreditnehmers und die Zuord-
nung zu einer bestimmten Ratingklasse.
Ausfallwahrscheinlichkeit: Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit (PD)
für den Zeithorizont eines Jahres für jede Ratingklasse.
Verlustquote (LGD): Hier wird das Risiko eines zu erwartenden tatsächli-
chen Verlustes behandelt. Ein tatsächlicher Verlust tritt ein, wenn z.B. die
Garantien, die schon geleisteten Zahlungen oder die Verwertungen der
Sicherheiten des Kreditnehmers nicht ausreichen, den Kredit der Bank
abzudecken. Der Erwartungswert dieses Verlustes wird als erwarteter
Verlust im Zeitpunkt des Ausfalls (LGD) berücksichtigt und als Prozent-
satz der erwarteten ausstehenden Forderung gegenüber dem Kredit-
nehmer zum Ausfallzeitpunkt ausgedrückt (EAD).
35
Vgl.: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, DBB, Monatsbericht 4/2001, S. 23 ­ 28

Christian Ludwar
Rating
22
Die folgende Abbildung stellt einen Überblick der verschiedenen Ansätze dar
und zeigt, welche Risikotreiber in den bankinternen Systemen dabei berück-
sichtigt werden müssen bzw. von den Bankenaufsichtsbehörden übernommen
werden.
Abb. 6: Ansätze zur Bemessung der Risikoaktiva
36
36
Vgl.: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, Deutsche Bundesbank, Monatsbericht
4/2001, S. 23 - 28 und Riek, M., Gut gerüstet für Basel II, in: Bankmagazin, 10/01
1)
1)
2)
2)
3)
3)
4)
4)
Aufsichtsrechtliche Schätzung
des EAD
Standardeinsatz von
Gewährleistungen und
Kreditderivaten
Eigene Schätzung des LGD
Eigener Ansatz von
Gewährleistungen und
Kreditderivaten
Eigene Schätzung der
Ausfallwahrscheinlichkeit
Aufsichtsrechtliche Schätzung
der LGD
Eigene Schätzung der
Ausfallwahrscheinlichkeit
Eigene Schätzung des EAD
Basis-IRB-Ansatz
(Foundation-Approach)
Fortgeschrittener-IRB- Ansatz
(Advanced-Approach)
Standardansatz
Anwendung aufsichtlich vorgegebener
Risikogewichte in Abhängigkeit externer
Bonitätsbeurteilungsinstitute
(Ratingagenturen)
Ansätze zur Bemessung der Risikoaktiva/ Handlungsmöglichkeiten
Interner Rating Ansatz (IRB-Ansatz)
Überleitung interner Ratings mittels aufsichtlich
vorgegebener Funktion in Risikogewichte

Christian Ludwar
Rating
23
Der fortgeschrittene Ansatz fordert eine breitere Nutzung bankinterner Schät-
zungen von Risikokomponenten und damit verbunden eine Schätzung sämtli-
cher Risikotreiber, die das Risiko eines Kredites widerspiegeln.
Offensichtlich ist in beiden IRB-Ansätzen die Schätzung der Ausfallwahrschein-
lichkeit (PD) der Ratingklassen von den bankinternen Systemen selbst zu leis-
ten. Die Schätzung der anderen Risikotreiber ist im Basis-Ansatz
aufsichtsrechtlich vorgegeben. Der fortgeschrittene Ansatz bietet den Banken
die Möglichkeit, für alle genannten Risikokomponenten bankintern geschätzte
Parameter zu entwickeln. Dies wird in der Regel zu einer niedrigeren EK-
Unterlegung führen. Zur Erfüllung dieser Anforderungen werden aber
wesentlich strengere Bedingungen an den Ratingprozess und die Datenqualität
gestellt. Gemeinsam ist bei beiden Ansätzen, dass die bankenaufsichtliche
Anerkennung der internen Ratingverfahren nach Basel II die Existenz
entsprechender Datenhistorien und Erfahrungswerten voraussetzt. Die Banken,
die zukünftig den internen Ratingansatz zur Berechnung des EK anwenden
wollen, müssen ab 2007 fünf Jahre historische Daten für die eigene Schätzung
der Ausfallwahrscheinlichkeit vorlegen bzw. bei der voraussichtlichen
Einführung 2005 eine Datenhistorie von mindestens zwei Jahren aufweisen.
37
37
Vgl.: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, Deutsche Bundesbank, Monatsbericht
4/2001, S. 23 - 28 und Riek, M., Gut gerüstet für Basel II, in: Bankmagazin, 10/01
Ende der Leseprobe aus 154 Seiten

Details

Titel
Entwicklung eines standardisierten Reportingsystems für mittelständische Unternehmen zur Erfüllung der Rating-Anforderungen von Fremdkapitalgebern
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Autor
Jahr
2002
Seiten
154
Katalognummer
V185711
ISBN (eBook)
9783656990802
ISBN (Buch)
9783867465885
Dateigröße
2184 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, reportingsystems, unternehmen, erfüllung, rating-anforderungen, fremdkapitalgebern
Arbeit zitieren
Christian Ludwar (Autor), 2002, Entwicklung eines standardisierten Reportingsystems für mittelständische Unternehmen zur Erfüllung der Rating-Anforderungen von Fremdkapitalgebern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185711

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