Dem im November 1990 an der Deutschen Terminbörse (DTB)1eingeführten Bund-Future liegt eine fiktive 6%-Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren (Notional Bond) zugrunde. Während sich der Verkäufer eines Bund-Futures verpflichtet, am Liefertag den Notional Bond zum vorher vereinbarten Preis zu liefern, muß ihn der Käufer zu diesem Preis abnehmen. Da eine 6%-Bundesanleihe mit zehn Jahren Restlaufzeit am Liefertag regelmäßig nicht existiert, hat der Verkäufer das Recht, aus einer gegebenen Menge an Bundesanleihen (Lieferkorb) eine Anleihe zur Lieferung auszuwählen. Dieses Recht des Verkäufers heißt Lieferoption.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der DTB-Bund-Future
2.1 Kontraktmerkmale und Liefervorgang
2.2 Zweck und Konsequenzen der Lieferoption
2.2.1 Futures ohne physische Lieferung
2.2.2 Futures mit physischer Lieferung
2.2.3 Notwendigkeit von Preisfaktoren
2.3 Der Preisfaktor der DTB
2.4 Preisbildung durch Cash-and-Carry-Arbitrage
2.4.1 Genau eine lieferbare Anleihe
2.4.2 Mehrere lieferbare Anleihen
2.4.3 Klassifizierung der Basis
3 Analyse und Kritik des Preisfaktors der DTB
3.1 Die CTD und der Futurepreis
3.2 Determinanten der CTD
3.2.1 Rendite bis Fälligkeit
3.2.2 Modified Duration
3.2.3 Verzerrung durch unpräzise Zeitmessung
3.3 Ein alternatives Preisfaktorsystem
3.4 Preisfaktorvergleich und CTD
3.4.1 Flache Zinsstrukturkurven
3.4.2 Nichtflache Zinsstrukturkurven
4 Konzept der impliziten Bewertung der Lieferoption
4.1 Bewertungsvoraussetzungen
4.2 Implizite Prämie für die Lieferoption
4.3 Ausübungswert der Lieferoption
4.4 Klassifizierung der Lieferoption
4.5 Kritik
5 Empirische Untersuchung
5.1 Beschreibung von Vorgehensweise und Datenbasis
5.2 Implizite Optionsprämien
5.3 Ausübungswerte der Rollover-Strategie
5.4 Ausübungswerte der Buy-and-Hold-Strategie
5.5 Vergleich der Ergebnisse mit anderen Untersuchungen
6 Zusammenfassung
A Herleitung der Preisfaktorformel der DTB
B Untere Schranke für den arbitragefreien Futurepreis bei mehreren lieferbaren Anleihen
C Vergleich der Preisfaktoren und futuresäquivalenten Kassakurse
D Bestimmung des arbitragefreien Forwardpreises
E Stammdaten der lieferbaren Anleihen
F Statistische Angaben zu Optionsprämien und Ausübungswerten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die implizite Bewertung der Lieferoption im Bund-Future der Deutschen Terminbörse (DTB). Ziel ist es, den Wert dieser Option ex ante aus beobachtbaren Marktdaten zu ermitteln und ex post anhand von Zahlungsströmen bei Lieferung zu validieren, um die Auswirkungen der Lieferoption auf die Preisbildung und Hedging-Effektivität zu analysieren.
- Analyse der Funktionsweise und Preisfaktoren des DTB-Bund-Futures
- Untersuchung der "Cheapest-to-Deliver" (CTD) Problematik
- Bewertungskonzepte für die Lieferoption (Rollover- vs. Buy-and-Hold-Strategie)
- Empirische Untersuchung der impliziten Optionsprämien und Ausübungswerte
- Vergleich der Hedging-Effektivität mit internationalen Future-Märkten
Auszug aus dem Buch
2.2 Zweck und Konsequenzen der Lieferoption
Beim Design eines Future-Kontraktes bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Erfüllung zu regeln: Durch Differenzausgleich oder durch physische Lieferung eines entsprechenden Titels. Es soll nun kurz dargestellt werden, wieso man sich beim Bund-Future für die physische Lieferung entschieden hat und welche Konsequenzen daraus erwachsen.
Kontrakte, bei denen keine physische Lieferung erfolgt, werden allein durch den Ausgleich der Differenz zwischen Schlußabrechnungspreis und vereinbartem Futurepreis (Cash-Settlement) erfüllt. Zumeist liegen ihnen breite Indizes zugrunde, was in mehrerer Hinsicht problematisch ist: Beim Hedging ist es relativ schwer, einem Future seinen Index gegenüber zu stellen. Auch die Bildung eines Index auf Anleihen per se ist problematisch, da sich der Kurs von Anleihen allein durch Zeitablauf ändert. In der Praxis werden Befürchtungen geäußert, der Future könnte die Anbindung an den Kassamarkt verlieren.
Wird dagegen die physische Belieferung zugelassen, so ist es relativ einfach, eine einzelne Anleihe gegen einen Future zu stellen, um sich so gegen Veränderungen des Anleihekurses zu hedgen. Auch bei zahlreichen anderen bedeutenden Futures besteht deshalb zumindest die Möglichkeit der physischen Lieferung, wenn dies nicht sogar vorgeschrieben ist. Dies zeigt, daß die Marktteilnehmer an das Kontraktmerkmal der physischen Lieferung gewöhnt sind und es auch akzeptieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Grundlagen des Bund-Futures und die Bedeutung der Lieferoption ein, welche dem Verkäufer das Recht einräumt, die für ihn günstigste Anleihe aus einem Lieferkorb auszuwählen.
2 Der DTB-Bund-Future: Dieses Kapitel erläutert die Kontraktmerkmale, den Liefervorgang an der DTB und die theoretische Notwendigkeit von Preisfaktoren zur Vergleichbarkeit verschiedener Anleihen.
3 Analyse und Kritik des Preisfaktors der DTB: Hier wird die Problematik der "Cheapest-to-Deliver" Anleihe kritisch beleuchtet und ein alternatives Preisfaktorsystem diskutiert, das die CTD-Abhängigkeit minimiert.
4 Konzept der impliziten Bewertung der Lieferoption: In diesem Kapitel werden methodische Ansätze zur ex ante Bewertung mittels Optionsprämien und ex post Messung durch Ausübungswerte entwickelt.
5 Empirische Untersuchung: Das Kapitel präsentiert die empirischen Ergebnisse der Analyse von Optionsprämien sowie der Rollover- und Buy-and-Hold-Strategien im Vergleich zu internationalen Studien.
6 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die geringen Optionsprämien des Bund-Futures im Vergleich zu internationalen Kontrakten hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Bund-Future, DTB, Lieferoption, Quality Option, Cheapest-to-Deliver, Preisfaktor, Cash-and-Carry-Arbitrage, Hedging, Optionsprämie, Ausübungswert, Rollover-Strategie, Buy-and-Hold-Strategie, Zinsstrukturkurve, Duration, Termingeschäft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der impliziten Bewertung der Lieferoption beim Bund-Future an der Deutschen Terminbörse (DTB) und deren Einfluss auf die Preisbildung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die Struktur des Bund-Futures, die Funktionsweise von Preisfaktoren, die Bestimmung der günstigsten lieferbaren Anleihe (CTD) und die Bewertung der eingebetteten Verkaufsoption.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die ex ante Bestimmung des Werts der Lieferoption aus Marktdaten sowie die ex post Evaluierung der tatsächlichen Ausübungsgewinne bei verschiedenen Handelsstrategien.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt Arbitrageüberlegungen (Cash-and-Carry) zur Herleitung theoretischer Preise und vergleicht diese mit historischen Marktdaten mittels empirischer Analysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Konzept der Preisfaktoren der DTB, die Analyse der CTD-Determinanten sowie ein alternatives Preisfaktorsystem entwickelt und empirisch getestet.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Lieferoption, Cheapest-to-Deliver, Preisfaktor und Bund-Future definiert.
Warum existiert die Lieferoption im Bund-Future überhaupt?
Sie dient dazu, das Angebot an lieferbaren Anleihen zu vergrößern und so eine künstliche Marktenge ("Short Squeeze") zu verhindern.
Wie unterscheidet sich die Rollover-Strategie von der Buy-and-Hold-Variante?
Bei der Rollover-Strategie wird das Hedging-Portefeuille kontinuierlich angepasst, sobald eine andere Anleihe günstiger zu liefern ist, während die Buy-and-Hold-Variante keine Umschichtungen vornimmt.
Welche Rolle spielt die Zinsstrukturkurve für den Preisfaktor?
Der Preisfaktor der DTB basiert auf einer unterstellten flachen Zinsstruktur von 6 Prozent; weicht die reale Zinsstruktur davon ab, entstehen systematische Verzerrungen bei der Bewertung.
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- Andreas Bichler (Autor), 1998, Implizite Bewertung der Lieferoption für den Bund-Future, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185784