Diese Diplomarbeit richtet sich an Unternehmen, die an einem Engagement im „Reich der Mitte“ interessiert sind. Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist die Vermittlung einer ganzheitlichen Betrachtungsweise der Markterschließungsstrategie des Joint Ventures.
Das Wort „interkulturell“ wurde deshalb im Titel der Arbeit verwendet, um - in Erweiterung zum Wort „international“ - auf die Tatsache hinzuweisen, dass gerade in Joint Ventures eine intensive Interaktion zwischen den Aktionsträgern der beiden Kulturen erfolgt, wodurch ein hohes Maß an interkultureller Sensibilität zu einem wesentlichen Erfolgskriterium wird.
Inhaltsverzeichnis
1. ALLGEMEINES
1.1. ENGAGEMENT IN CHINA
1.1.1. Gründe für/gegen ein Engagement in China
1.1.2. Gute Geschäftsmöglichkeiten
2. SOZIOKULTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN
2.1. KULTUR – ALLGEMEINES
2.2. GEMEINSAMKEITEN
2.3. DIE KULTURTHEORIE VON HOFSTEDE
2.4. REAKTIONSMUSTER BEIM AUFEINANDERTREFFEN VERSCHIEDENER KULTUREN
2.5. RELIGIONEN, PHILOSOPHIEN UND ABERGLAUBE
2.5.1. Allgemeines
2.5.2. Konfuzianismus
2.5.3. Taoismus
2.5.4. Buddhismus
2.5.5. Aberglaube
2.6. SOZIALE BINDUNGEN UND BEZIEHUNGEN
2.6.1. Hierarchie
2.6.1.1. Hierarchie und Top-down-Prinzip
2.6.1.2. Titel, Rang und Senioritätsorientierung
2.6.2. Beziehungsnetzwerke („Guanxi“)
2.6.3. Gruppenverhalten und Fraktionsprinzip
2.7. BÜROKRATIE UND KORRUPTION
2.8. RAUM UND ZEIT
2.9. VORGEHENSWEISEN ZUR ZIELERREICHUNG
2.10. INTERKULTURELLE KOMMUNIKATION
2.10.1. Sprache und Schrift
2.10.2. Dolmetscher
2.10.3. Kommunikationsverhalten
2.10.4. Konfliktlösung
2.10.5. Argumentation und Überzeugen
2.10.6. Grundlegende Verhaltenshinweise zur Kommunikation
2.11. VERHANDLUNGEN IN CHINA
2.11.1. Allgemeines
2.11.2. Verhandlungsablauf
3. POLITISCH-ÖKONOMISCHE RAHMENBEDINGUNGEN
3.1. BESONDERE EINFLUSSFAKTOREN IN ASIEN
3.2. DAS POLITISCH-ÖKONOMISCHE SYSTEM DER VR CHINA
3.2.1. Aufbau des politischen Systems
3.2.2. Sozialistische Marktwirtschaft
3.3. DER WTO-BEITRITT CHINAS
3.4. DER CHINESISCHE MARKT
3.4.1. Wirtschaftliche Entwicklung
3.4.2. Länderrating
3.4.3. Wichtigste Handelspartner
3.4.4. Wichtigste Export- und Importwaren
3.4.5. Unternehmensarten in China
3.4.6. Wirtschaftliche Sondergebiete
4. RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
4.1. ALLGEMEINES
4.2. RECHTLICHE NORMEN FÜR INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
4.3. VERTRAGS- UND RECHTSVERSTÄNDNIS DER CHINESISCHEN SEITE
4.4. REGELUNG VON STREITIGKEITEN
4.4.1. Allgemeines
4.4.2. Freundschaftliche Verhandlungen
4.4.3. Schlichtung
4.4.4. Schiedsgerichtsbarkeit
4.4.5. Vollstreckung
4.5. AUSGEWÄHLTE RECHTSGEBIETE IM ÜBERBLICK
4.5.1. Investitionsrecht
4.5.2. Devisenrecht und Konvertibilität des RMB
4.5.3. Steuerrecht
4.5.3.1. Die wichtigsten Steuern im Überblick
5. MARKTEINTRITTS- BZW. MARKTERSCHLIEßUNGSSTRATEGIEN
5.1. FORMEN DER MARKTBEARBEITUNG OHNE FDI
5.1.1. Klassischer Export
5.1.1.1. Indirekter Export
5.1.1.2. Direkter Export
5.1.2. Gegengeschäfte
5.1.3. Technologie-Importgeschäfte
5.2. FORMEN DER MARKTBEARBEITUNG MIT FDI
5.2.1. Joint Venture
5.2.2. WFOE
5.2.3. Weitere Formen mit FDI
5.3. ABWÄGUNG DER WICHTIGSTEN FORMEN
5.3.1. Abwägung
5.3.2. Vorteile von FIEs gegenüber Handelsgeschäften
5.3.3. Step-by-Step-Strategie
5.3.4. Abwägung WFOE vs. Joint Venture
6. JOINT VENTURES
6.1. BEGRIFFSDEFINITION
6.1.1. Allgemeine Begriffsdefinition und Abgrenzung
6.1.2. JV-Definition in China
6.2. ALLGEMEINE ERSCHEINUNGSFORMEN VON JVS
6.2.1. Dimensionen von JVs
6.2.1.1. Beteiligungsverhältnis
6.2.1.2. Verhältnis der Partner
6.2.1.3. Internationalität
6.2.1.4. Position in der Wertschöpfungskette
6.2.1.5. Strategischer Fokus
6.2.2. Grundtypen von JVs in der Unternehmenspraxis
6.3. ZIELE UND MOTIVE FÜR DIE GRÜNDUNG VON JVS
6.3.1. Allgemeine Ziele und Motive für die Gründung von JVs
6.3.2. Ziele und Motive für die Gründung sino-ausländischer JVs
6.4. ERFOLGS- UND MISSERFOLGSFAKTOREN VON SINO-AUSLÄNDISCHEN JVS
6.5. GESETZLICHE REGELUNGEN FÜR EJVS
6.5.1. Allgemeines
6.5.2. Rechtsgrundlagen
6.5.3. Zuständige Genehmigungsbehörde
6.5.4. Interne Organisation und Kontrollrechte
6.5.5. Rechtsform, Kapitalausstattung, Gewinnverteilung und Haftung
6.5.6. Devisenerwirtschaftung
6.5.7. Arbeitsrechtliche Aspekte
6.5.8. Verkauf der Produkte
6.5.9. Laufzeit und Beendigung
6.6. GESETZLICHE REGELUNGEN FÜR CJVS
6.6.1. Allgemeines
6.6.2. Rechtsgrundlagen
6.6.3. Interne Organisation und Kontrollrechte
6.6.4. Rechtsform, Kapitalausstattung, Gewinnverteilung und Haftung
6.6.5. Beendigung
7. JOINT-VENTURE-MANAGEMENT
7.1. ENTWICKLUNGSPHASEN VON JVS
7.2. ORGANISATIONSTHEORETISCHE AUFGABEN DES JV-MANAGEMENTS
7.2.1. Spannungsfelder im JV-System
7.2.2. Gestaltungsgerechtes JV-Management
7.2.2.1. Strategie
7.2.2.2. Struktur
7.2.2.3. Unternehmenskultur
7.2.2.4. Personal
7.2.3. Lenkungsgerechtes JV-Management
7.2.3.1. Vertrauen
7.2.3.2. Commitment
7.2.3.3. Kollektive Sinnfindung
7.2.4. Entwicklungsorientiertes JV-Management
7.2.4.1. Lernen, zu kooperieren
7.2.4.2. Kooperieren, um zu lernen
7.3. PHASEN DES JV-PROZESSES UND DEREN MANAGEMENTAUFGABEN
7.4. STANDORTWAHL
7.5. PARTNERSUCHE UND PARTNERWAHL
7.5.1. Stufenmodell der Kooperation
7.6. GRÜNDUNGSVORGANG DES JVS
7.6.1. Genehmigungsetappen
7.6.2. JV-Vertragsgestaltung
7.6.2.1. Allgemeines
7.6.2.2. Wichtige Punkte des JV-Vertrages
7.7. ORGANISATIONSMANAGEMENT
7.8. PERSONALMANAGEMENT
7.8.1. Personalsuche und –auswahl
7.8.1.1. Abwägung Expatriates vs. Locals vs. Auslandschinesen
7.8.1.2. Expatriates
7.8.1.3. Locals
7.8.2. Personalentwicklung
7.8.3. Personalführung
7.8.4. Motivationsmanagement
7.8.4.1. Allgemeines
7.8.4.2. Anreizgestaltung
7.8.4.3. Kontrollmaßnahmen
7.9. KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT
7.10. PLANUNGS- UND STEUERUNGSMANAGEMENT
7.11. QUALITÄTSMANAGEMENT
7.12. LOKALES MARKETINGMANAGEMENT
7.12.1. Allgemeines
7.12.2. Marktforschung
7.12.3. Marktsegmentierung
7.12.3.1. Regionale Marktsegmentierung
7.12.3.2. Kundenbezogene Marktsegmentierung
7.12.3.3. Produktbezogene Marktsegmentierung
7.12.4. Marketing-Mix
7.12.4.1. Produkt- und Sortimentspolitik
7.12.4.2. Distributionspolitik
7.12.4.3. Preis- und Konditionenpolitik
7.12.4.4. Kommunikationspolitik
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit verfolgt das Ziel, eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Markterschließungsstrategie des Joint Ventures für Unternehmen zu vermitteln, die ein wirtschaftliches Engagement in der Volksrepublik China anstreben. Dabei wird analysiert, wie sich kulturelle, politisch-ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen auf das Management und den Erfolg solcher Kooperationen auswirken.
- Soziokulturelle Rahmenbedingungen und interkulturelle Kommunikation in China
- Politisch-ökonomische Systeme und der chinesische Markt
- Rechtliche Grundlagen und Regelungen für Joint Ventures
- Strategien für den Markteintritt, insbesondere mittels Joint Ventures
- Management-Aufgaben, Personalwesen und lokales Marketing im chinesischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.10.3. Kommunikationsverhalten
Tab. 2.2. beschreibt zugespitzt, was in der indirekten chinesischen Kultur respektive der direkten Kultur der deutschsprachigen Länder als Norm für anerkanntes, geschätztes Kommunikationsverhalten gilt.
Natürlich sind auch Chinesen oft direkt, nämlich in Situationen der Interaktion mit Freunden (diese vertrauen einander und sind nicht hierarchisch getrennt), Fremden (diese haben keine Beziehung zueinander) und Feinden (diese haben keine Beziehung mehr). Auch Vorgesetzte haben zu einem gewissen Maß das Recht, ihre Bedürfnisse offener anzumelden als ihre Untergebenen. Ebenso wird in Notfällen direkt reagiert. In all den anderen Fällen, d.h. dann, wenn es um Gesichtswahrung geht, gehen Chinesen aber indirekt und ritualisiert vor.
Um bei dieser indirekten Kommunikation das Gesicht bzw. die Harmonie zu wahren, gibt es in China grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verschlüsselung von Aussagen:
– Abfedern: Will man etwas erbitten, fordern, ablehnen oder kritisieren, so sollte die Rede mit etwas Positivem eingeleitet und beendet werden. Positiv ist alles Prestigeerhöhende, z.B. Lob, Dank, Komplimente, um Rat ersuchen etc.
– Auslassen: Man spricht alles an außer den kritischen Punkt, so dass dieser spürbar hervortritt (z.B. auf die Frage „Sind Sie gut untergebracht?“ die Antwort „Der Blick aus dem Hotelfenster ist hübsch“ - der Rest jedoch weniger).
– Anteilnahme: Man versetzt sich in die Lage seines Gegenübers und spricht in seinem Sinne (z.B. die Aussage „Sie haben morgen einen harten Tag“ bedeutet „ich bin auch müde“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. ALLGEMEINES: Die Arbeit gibt einen Überblick über ökonomische Motive für ein China-Engagement sowie über potenzielle Geschäftsmöglichkeiten in Sektoren wie Technologie, Infrastruktur und Konsumgüter.
2. SOZIOKULTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN: Dieses Kapitel erläutert kulturelle Prägungen Chinas, darunter Konfuzianismus, „Guanxi“-Netzwerke, Hierarchieverständnis sowie die indirekte Kommunikationsweise und Verhandlungsführung.
3. POLITISCH-ÖKONOMISCHE RAHMENBEDINGUNGEN: Der Fokus liegt hier auf dem politischen System der VR China, der Entwicklung zur „Sozialistischen Marktwirtschaft“, dem WTO-Beitritt und der wirtschaftlichen Marktsituation.
4. RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN: Es werden die für ausländische Investoren relevanten Gesetze, das chinesische Vertragsverständnis, Mechanismen zur Streitbeilegung sowie Aspekte des Steuer- und Devisenrechts dargelegt.
5. MARKTEINTRITTS- BZW. MARKTERSCHLIEßUNGSSTRATEGIEN: Die Autoren analysieren verschiedene Markteintrittsformen, wägen Exporte gegen Direktinvestitionen ab und diskutieren die „Step-by-Step-Strategie“ sowie die Entscheidung zwischen WFOE und Joint Venture.
6. JOINT VENTURES: Dieses Kapitel definiert Joint Ventures in China, stellt verschiedene Typen vor, beleuchtet deren Ziele und gesetzliche Rahmenbedingungen für EJV und CJV.
7. JOINT-VENTURE-MANAGEMENT: Dieser umfangreiche Teil behandelt das Management von Joint Ventures von der Gründung (Standort- und Partnerwahl) über die Organisationsstruktur bis hin zu Personal, Kommunikation, Controlling und Marketing.
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Kulturbewusstsein, Geduld und langfristiger Orientierung für den Erfolg im „Reich der Mitte“.
Schlüsselwörter
China, Joint Venture, Markterschließung, Interkulturelles Management, Kooperation, Direktinvestitionen, Verhandlungsführung, Personalmanagement, Unternehmenskultur, Rechtliche Rahmenbedingungen, Guanxi, WTO, Controlling, Marketing, Strategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das interkulturelle Management bei Joint Ventures zwischen chinesischen Partnern und Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum unter Berücksichtigung der spezifischen soziokulturellen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in der VR China.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind der Markteintritt in China, die Besonderheiten der dortigen Unternehmenskultur, rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen sowie Management-Strategien für den erfolgreichen Betrieb von Gemeinschaftsunternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Markterschließungsstrategie des Joint Ventures zu vermitteln, um westlichen Unternehmen bei der Bewältigung der kulturellen Distanz und der operativen Herausforderungen in China zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und der Anwendung organisationstheoretischer Konzepte auf die spezifische Praxis der sino-ausländischen Kooperation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der kulturellen, ökonomischen und rechtlichen Umweltbedingungen, gefolgt von einer detaillierten Erläuterung der Marktbearbeitungsformen, der Struktur und Rechtsformen von Joint Ventures sowie umfassenden Managementaufgaben im Bereich Personal, Organisation, Kommunikation, Controlling und Marketing.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind China, Joint Venture, Interkulturelles Management, Markterschließung, Guanxi, Strategie, Rechtliche Rahmenbedingungen und Personalmanagement.
Wie unterscheidet sich die chinesische Verhandlungsführung vom westlichen Stil?
Während westliche Partner meist ergebnis- und zielorientiert sowie deduktiv vorgehen, betrachten chinesische Akteure Verhandlungen als langwierigen Prozess, bei dem der Aufbau einer stabilen persönlichen Beziehung und ein induktives Vorgehen im Vordergrund stehen.
Warum wird im Kontext chinesischer Unternehmen oft von einem „induktiven Denkzirkel“ gesprochen?
Im Gegensatz zur westlichen „Denkpyramide“ (Kernaussage zuerst), erläutern Chinesen zuerst alle Prämissen und Bedingungen, um erst am Ende der Argumentationskette den Schluss abzuleiten, was für westliche Geschäftspartner oft zu Missverständnissen führt.
Welche Rolle spielen „Guanxi“ in der Geschäftswelt Chinas?
„Guanxi“ beschreibt komplexe, informelle soziale Netzwerke, die über reine Geschäftsbeziehungen hinausgehen und für das Erreichen von Zielen in einem ansonsten bürokratischen Umfeld essentiell sind; sie sind ein tragfähiges Instrument zur Geschäftsabwicklung.
- Citation du texte
- Mag. Christian Lindorfer (Auteur), 2002, Interkulturelles Management von Joint Ventures zwischen China und den deutschsprachigen Ländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185790