Vor dem Hintergrund der aktuellen Corporate Governance Debatte in Deutschland stellt sich die Frage, ob mit dieser faktischen Neutralisierung der Haftung falsche Anreize für Manager gesetzt werden. Die Befürchtungen gehen dahin, daß Manager durch die Ver-sicherung zu fahrlässigem Umgang mit dem Unternehmensvermögen motiviert werden und Aufsichtsräte aufgrund der Haftungsfreistellung nicht über ausreichende Anreizeverfügen, ihre Kontrollaufgaben wahrzunehmen.Die vorliegende Arbeit versucht, dieser Frage nachzugehen und mit Hilfe des ökono-mischen Instrumentariums zu klären, welchen Einfluß Schadenersatzversicherungen,wie sie das Konzept der D&O-Versicherung vorsieht, auf die Corporate Governanceeines Unternehmens haben. Sie beschränkt sich dem Titel entsprechend auf die Analyse der Umstände, die für Vorständen und Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaftenrelevant sind.
Inhaltsverzeichnis
1 PROBLEMSTELLUNG UND AUFBAU DER ARBEIT
2 DIE HAFTUNG VON MANAGERN UND AUFSICHTSRÄTEN
2.1 Die Haftungstatbestände
2.1.1 DIE INNENHAFTUNG
2.1.2 DIE AUSSENHAFTUNG
2.2 Möglichkeiten der Haftungsbeschränkung
3 SCHADENERSATZVERSICHERUNG: DIE DIRECTORS’ & OFFICERS’ LIABILITY INSURANCE (D&O-VERSICHERUNG)
3.1 Die Entwicklung der D&O-Versicherung
3.2 Die Bedingungen der D&O-Versicherung
3.2.1 GEGENSTAND DER VERSICHERUNG
3.2.2 VERSICHERUNGSFALL UND ZEITLICHE BESTIMMUNGEN DES VERSICHERUNGSSCHUTZES
3.2.3 SACHLICHER UMFANG DES VERSICHERUNGSSCHUTZES
3.2.4 AUSSCHLÜSSE UND SONSTIGE BESTIMMUNGEN
3.3 Der Abschluß von D&O-Versicherungen
3.3.1 ALLGEMEINE ABSCHLUSSKRITERIEN
3.3.2 ZUSTÄNDIGKEITEN BEIM ABSCHLUSS
4 CORPORATE GOVERNANCE
4.1 Der Begriff Corporate Governance
4.2 Die Corporate Governance Debatte in Deutschland
4.2.1 DER FOKUS DER DEBATTE
4.2.2 LEGISLATORISCHE REFORMEN UND JURISDIKTION
4.2.3 PRIVATE CORPORATE GOVERNANCE INITIATIVEN
4.2.4 DIE REGIERUNGSKOMMISSIONEN
4.3 D&O-relevante Entwicklungen in der deutschen Corporate Governance Debatte
4.3.1 DIE VORSCHLÄGE DER BAUMS-KOMMISSION
4.3.2 DIE EMPFEHLUNGEN UND ANREGUNGEN IM DEUTSCHEN CORPORATE GOVERNANCE KODEX
5 DIE D&O-VERSICHERUNG ALS CORPORATE GOVERNANCE PROBLEM
5.1 Der Analyserahmen für Corporate Governance Probleme
5.1.1 DIE PRINZIPAL-AGENTEN-THEORIE
5.1.2 DIE THEORIE UNVOLLSTÄNDIGER VERTRÄGE
5.2 Einflüsse der D&O-Versicherung auf die Corporate Governance
5.2.1 ADVERSE ANREIZEFFEKTE
5.2.2 POSITIVE ANREIZEFFEKTE
5.2.3 WEITERE EFFEKTE
5.3 Empirische Belege für unterschiedliche Effekte der D&O-Versicherung
5.3.1 DER EINFLUSS AUF DEN SHAREHOLDER WEALTH
5.3.2 DIE NACHFRAGE DER UNTERNEHMEN NACH D&O VERSICHERUNGEN
5.3.3 DIE SIGNALWIRKUNG DER VERÖFFENTLICHUNG VON D&O-RELEVANTEN DATEN
5.3.4 DIE ÜBERWACHUNGSFUNKTION VON D&O-VERSICHERERN
5.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht das Zusammenspiel zwischen der persönlichen Haftung von Unternehmensleitern (Vorstände und Aufsichtsräte) und der D&O-Versicherung (Directors’ and Officers’ Liability Insurance) im Kontext der Corporate Governance in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, unter Anwendung ökonomischer Instrumente zu klären, ob durch die Haftungsfreistellung durch eine solche Versicherung schädliche Anreize für das Management entstehen oder ob sie als legitimes Instrument der Corporate Governance zu bewerten ist.
- Persönliche Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten
- Funktionsweise und Deckungskonzept der D&O-Versicherung
- Corporate Governance Debatte und gesetzliche Rahmenbedingungen in Deutschland
- Ökonomische Analyse von Anreizeffekten durch Versicherungen
- Empirische Untersuchungen zur Bedeutung der D&O-Versicherung
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Entwicklung der D&O-Versicherung
Die Directors' and Officers' Liability Insurance, kurz D&O, nahm ihren Ausgangspunkt in den 30er Jahren in den USA. Die Kursstürze am black friday, dem 25. Oktober 1929, lösten Haftungsverschärfungen wie den securities act of 1933 oder den securities exchange act of 1934 aus. Darauf reagierten erste Versicherer mit Absicherungsangeboten gegen die Haftungsrisiken, die den directors und officers drohten. Zum Durchbruch gelangte die D&O allerdings erst Ende der 70er Jahre. Heute gilt sie in den USA als Standardversicherung. Eine Absicherung des Top-Managements im Rahmen der betrieblichen Fürsorge wird als selbstverständlich angesehen.
Ein Grund, warum sich dieses Versicherungskonzept zunächst vor allem im angloamerikanischen Raum durchsetzen konnte, ist darin zu sehen, daß das US-amerikanische Rechtssystem eine Reihe von Besonderheiten aufweist, die Schadenersatzklagen von Anteilseignern begünstigen. So erlaubt es bspw. das Rechtsinstitut der derivative suit einzelnen Aktionären, Ansprüche des Unternehmens im eigenen Namen geltend zu machen. Eine solche Klage ist im Vergleich zu deutschen Verhältnissen, in denen ein Klagerecht des Einzelaktionärs für die Gesellschaft nicht vorgesehen ist, einfach zu erheben. Zudem hält die sogenannte american rule, die sich auf die Prozeßkostenzuweisung bezieht, Shareholderklagen relativ kostengünstig, da der Beklagte auch im Fall einer erfolgreichen Abweisung seine eigenen Kosten zu tragen hat, und diese nicht auf den erfolglosen Kläger übertragen werden, wie es bspw. in Deutschland Rechtspraxis ist. Die Häufigkeit von Aktionärsklagen überrascht demnach nicht und stellt für Unternehmensleiter ein beträchtliches Risiko dar, das es abzudecken gilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 PROBLEMSTELLUNG UND AUFBAU DER ARBEIT: Einleitung in die Thematik der Managerhaftung im Kontext der Corporate Governance Debatte sowie Darstellung des Forschungsziels und des strukturellen Aufbaus der Arbeit.
2 DIE HAFTUNG VON MANAGERN UND AUFSICHTSRÄTEN: Erläuterung der gesetzlichen Grundlagen der Innen- und Außenhaftung von Vorständen und Aufsichtsräten sowie der Möglichkeiten zur Haftungsbeschränkung.
3 SCHADENERSATZVERSICHERUNG: DIE DIRECTORS’ & OFFICERS’ LIABILITY INSURANCE (D&O-VERSICHERUNG): Detaillierte Vorstellung des Versicherungskonzepts, seiner historischen Entwicklung, der Bedingungen und der Aspekte beim Abschluss einer solchen Police.
4 CORPORATE GOVERNANCE: Analyse des Begriffs Corporate Governance sowie der Debatte in Deutschland, unter Berücksichtigung legislativer Reformen und der Empfehlungen verschiedener Kommissionen.
5 DIE D&O-VERSICHERUNG ALS CORPORATE GOVERNANCE PROBLEM: Ökonomische Analyse der Anreizeffekte von D&O-Versicherungen mittels der Prinzipal-Agenten-Theorie und Auswertung empirischer Studien zu den Auswirkungen.
6 FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse, die feststellt, dass die D&O-Versicherung neben potenziell anreizverzerrenden Effekten auch positive Funktionen für die Unternehmensführung erfüllt.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, D&O-Versicherung, Managerhaftung, Innenhaftung, Außenhaftung, Prinzipal-Agenten-Theorie, Anreizeffekte, Aufsichtsrat, Vorstand, Aktiengesetz, Versicherungsschutz, Risikoaversion, Haftungsfreistellung, Stakeholder, Shareholder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der persönlichen Haftung von Führungskräften in Aktiengesellschaften und der Absicherung dieses Risikos durch eine D&O-Versicherung im Hinblick auf gute Unternehmensführung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die rechtlichen Grundlagen der Managerhaftung, die Funktionsweise von D&O-Versicherungen sowie die ökonomische Analyse ihrer Auswirkungen auf das Anreizsystem innerhalb eines Unternehmens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob D&O-Versicherungen durch eine faktische Haftungsneutralisierung zu moralischem Risiko führen oder ob sie einen positiven Beitrag zur Corporate Governance leisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet primär den ökonomischen Analyserahmen der Prinzipal-Agenten-Theorie, um Anreizstrukturen zu modellieren, und ergänzt dies durch die Auswertung existierender empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Haftungsrisiken und das Versicherungskonzept dargelegt, anschließend wird die deutsche Corporate Governance Debatte erläutert, gefolgt von einer ökonomischen Analyse der Anreizeffekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Corporate Governance, D&O-Versicherung, Managerhaftung, Prinzipal-Agenten-Theorie und Anreizeffekte charakterisieren.
Wie bewerten die untersuchten Experten die D&O-Versicherung?
Die Experten betonen, dass die Versicherung zwar Anreize verzerren kann, aber durch Marktmechanismen und obligatorische Selbstbehalte (wie im Kodex empfohlen) disziplinierend wirkt und die Rekrutierung geeigneter Aufsichtsräte unterstützt.
Hat der Gesetzgeber auf die D&O-Problematik reagiert?
Ja, durch gesetzliche Regelungen (wie KonTraG oder TransPuG) und die Einführung des Deutschen Corporate Governance Kodex wurde versucht, Transparenz zu schaffen und Anreize zur Sorgfalt (z.B. durch Selbstbehalte) zu setzen.
- Arbeit zitieren
- Birgit Will (Autor:in), 2002, Schadenersatzversicherung für Manager und Aufsichtsräte als Corporate Governance Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185807