Wir leben in einer Gesellschaft, in der jede Minute auf der Welt eine neue Formel, alle drei Minuten die Erkenntnis über einen neuen physikalischen Zusammenhang, alle fünf Minuten eine medizinische Neuerung entsteht. Zur Zeit verdoppelt sich das kollektivegesellschaftliche (Fach-)Wissen alle fünf bis zehn Jahre, während die Hälfte davon in ca. drei bis sechs Jahren schon wieder veraltet sein wird. Der Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft, in der „Menge, Geschwindigkeit und Effizienz bei der Informationsbeschaffung und –verarbeitung höchste Priorität haben“ (Europäische Kommission 1997, zitiert nach MANDEL/REINMANN-ROTHMEIER 1998, S. 193), zeigt sich in den Veränderungen nahezu aller Bereiche unserer Gesellschaft. Die rasante Entwicklung auf dem Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien ist zu einem markanten Kennzeichen unserer Zeit geworden. Vor allem in Industrie und Wirtschaft, aber auch in Wissenschaft, Bildung sowie im privaten Bereich des Einzelnen haben die neuen Technologien einen Wandel in Gang gesetzt. Die Vorteile der neuen Technologien, wie z.B. der rasche und leichte Zugangzu Informationen und die Unabhängigkeit von Ort und Zeit beim Umgang mit Selbigen, sind der Ausgangspunkt für die Globalisierung der Märkte. Ein Unternehmen ist nicht mehr an regionale Grenzen gebunden, sondern kann seine Produkte bzw. Dienstleistungen in allen Teilen der Welt vertreiben. Neben diesen neuen wirtschaftlichen Umständen erfordern die zunehmende Flexilibisierung und Technisierung innerhalb der Arbeitsbedingungen veränderte Qualifikationen der Beschäftigten. Die Notwendigkeit der Weiterbildung der Mitarbeiter eines Unternehmens, und die steigenden Kosten für Weiterbildungsmaßnahmen, ermöglichten computer- und netzbasierten Lehr-Lernsystemen den Einzug in die betriebliche Bildungspraxis. Allen Ortens werden die Potentiale und Möglichkeiten dieser neuen Lehr-Lernmedien thematisiert, diskutiert und propagiert. Zahlreiche Messen, Tagungen, Kongresse etc. sind geprägt von einem Thema: Das Lernen mit den Neuen Medien.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Kapitel 1 Neue Medien – Begriffsbestimmung
1.1. Medien und Bildungsmedien 4
1.2. Alte und neue Bildungsmedien 6
1.2.1. Das Buch 6
1.2.2. Anschauungsmaterialien 6
1.2.3. Der Film 6
1.2.4. Der Rundfunk 7
1.2.5. Das Fernsehen 7
1.2.6. Die Videotechnik 7
1.2.7. Die Neuen Medien 8
1.3. Zusammenfassung 11
Kapitel 2 Die historische Entwicklung computerbasierter Lehr-Lernsysteme
2.1. Die Ursprünge in Amerika 13
2.2. Die Entwicklung in Deutschland 15
2.3. Zusammenfassung 19
Kapitel 3 Lerntheoretische Ansätze und deren Einfluss auf die Konzeption medialer Lernangebote
3.1. Behavioristische Ansätze 21
3.1.1. Die theoretischen Annahmen 21
3.1.2. Die Programmierte Instruktion 22
3.2. Kybernetische Ansätze 23
3.2.1. Theoretische Annahmen 23
3.2.2. Objektivierte Lehrverfahren 24
3.3. Kognitive Ansätze 25
3.3.1. Theoretische Annahmen 25
3.3.2. Adaptivität und interaktive Medien 27
3.3.3. Intelligente tutorielle Systeme 27
3.4. Situierte Ansätze 28
3.4.1. Theoretische Annahmen 28
3.4.2. Konstruktivistische Modelle des didaktischen Design 29
3.4.3. Aktuelle Modelle 30
3.5. Zusammenfassung 31
Kapitel 4 Die Formen computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme
4.1. Begriffe 34
4.2. Formen computerbasierter Lehr-Lernprogramme 35
4.2.1. Hilfesysteme 35
4.2.2. Drill & Practice-Programme 36
4.2.3. Tutorielle Systeme 36
4.2.4. Intelligente Tutorielle Systeme 37
4.2.5. Simulationssysteme 43
4.2.6. Hypertext/Hypermedia 46
4.3. Grenzen beim Umgang mit Lehr-Lernprogrammen 47
4.4. Einsatzmöglichkeiten von CBT 48
4.5. Web Based Training (WBT) 49
4.5.1. Breites und vielfältiges Informationsangebot 52
4.5.2. Kritischer Umgang mit Informationen 54
4.5.3. Eigene Informationsproduktion 55
4.5.4. Neue Formen der sozialen Interaktion 56
4.5.5. Subjektiv bedeutungsvolles Handeln 57
4.6. Der Medienverbund 58
4.7. Zusammenfassung 60
Kapitel 5 Die Merkmale computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme
5.1. Interaktivität 62
5.2. Adaptivität und Individualisierung 64
5.3. Multicodierung und Multimodalität 65
5.4. Möglichkeiten des selbstorganisierten Lernens 66
5.5. Zusammenfassung 69
Kapitel 6 Der Einsatz computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme In der betrieblichen Weiterbildung
6.1. Begriffsbestimmung 71
6.2. Die Betriebliche Weiterbildung 71
6.2.1. Betriebsexterne Weiterbildung 73
6.2.2. Betriebsinterne Weiterbildung 74
6.2.3. Mischformen der Weiterbildung 75
6.2.4. Weiterbildung im Weiterbildungsverbund 75
6.2.5. Überbetriebliche Weiterbildung 75
6.3. Lernszenarien in der betrieblichen Weiterbildung 76
6.3.1. Kurzeinweisung durch Kollegen und Vorgesetzte 76
6.3.2. Gründliche Einweisung 76
6.3.3. Selbststudium anhand von Bedienungshanbüchern u.a. 76
6.3.4. Weiterbildung durch Fernunterricht 77
6.3.5. Lernen im Qualitätszirkel und der Lernstatt 78
6.3.6. Kooperative Selbstqualifikation 78
6.3.7. Lehrveranstaltungen 79
6.3.8. Informationsveranstaltungen 79
6.3.9. Weiterbildung mit Hilfe interaktiver Lernsysteme 79
6.4. Rahmenbedingungen für den Einsatz computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme 79
6.4.1. Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel 80
6.4.2. Steigender Qualifikationsbedarf 82
6.4.3. Kosten für Weiterbildungsmaßnahmen 83
6.4.4. EDV-Markt 83
6.4.5. Weiterbildungspersonal 83
6.4.6. Medienmarkt 84
6.4.7. Technikentwicklung 85
6.4.8. Möglichkeit des selbstorganisierten Lernens 86
6.5. Die Anwendung computer- und netzbasierter Lehr-Lernmedien in der betrieblichen Bildungspraxis 86
6.5.1. Computergestützte Informations- und Bedienhilfen am Arbeitsplatz 87
6.5.2. Computergestützte Beratungshilfen am Arbeitsplatz 87
6.5.3. Selbstlernplätze 88
6.5.4. Selbstlernzentren 89
6.5.5. Interaktive Medien in Seminaren 92
6.5.6. Kombinierter Einsatz interaktiven und multimedialen Lernens in der arbeitsplatznahen Qualifizierung 93
6.5.7. Tele-Teaching 95
6.5.8. Offenes Tele-Lernen 96
6.5.9. Tele-Tutoring 96
6.6. Zusammenfassung 100
Kapitel 7 Studien zum Einsatz computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme
7.1. Technische Voraussetzungen 102
7.2. Verfügbarkeit von Lernsoftware 104
7.3. Mediendidaktische Konzeptionen 105
7.4. Die Nutzung von mediengestützten Lernsystemen in der Weiterbildung 106
7.5. Lerneffekte des mediengestützten Lernens 109
7.6. Die Effizienz des mediengestützten Lernens 110
7.7. Qualitative Effekte des Medieneinsatzes 111
7.8. Mediengestütztes Lernen und Weiterbildungsorganisation 112
7.9. Zusammenfassung 113
8. Fazit 115
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht den Einsatz, die Formen und die tatsächliche Relevanz computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme in der betrieblichen Weiterbildung, wobei sie kritisch hinterfragt, inwieweit diese neuen Lehr-Lernformen in der Praxis Anwendung finden und ob sie den euphorischen Erwartungen hinsichtlich Effizienz und Didaktik gerecht werden.
- Historische Entwicklung computerbasierter Lernsysteme
- Lerntheoretische Grundlagen (Behaviorismus, Kognitivismus, situierte Ansätze)
- Formen und Merkmale interaktiver Lernsysteme (CBT, WBT, Simulationen)
- Einsatzszenarien in der betrieblichen Weiterbildungspraxis
- Effektivität und Potenziale netzbasierter Lernformen
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Die Programmierte Instruktion
Die Anwendung der behavioristischen Lerntheorie auf technische Medien wird als Programmierte Instruktion bezeichnet. Es ergibt sich ein lineares Vorgehen in Frage-Antwort-Mustern, bei der der Lerner durch eine vorgegebene Sequenz kleinster Informationseinheiten (Frames) geführt wird. An die Präsentation einer solchen Informationssequenz schließt sich eine Frage an, die prüfen soll, ob das Dargestellte gelernt (behalten) wurde. Im Falle eines Fehlers wird der gleiche Lehrstoff erneut präsentiert.
CROWDER führte Verzweigungen in Lehrprogrammen ein. Mittels Auswahlfragen (Multiple Choice) wird der nächst folgende Lehrschritt in Abhängigkeit von der Antwort des Lerners ausgewählt. SKINNER bevorzugte Freitext-Antworten, weil der Lerner bei Multiple-Choice-Antwortmöglichkeiten auch mit einer falschen Antwort konfrontiert werden kann und diese möglicherweise im Gedächtnis behält.
Die Vorteile einer solchen Programmierten Instruktion in Form eines Lehr-Lernprogramms nach SKINNER erscheinen auf den ersten Blick offensichtlich: Ein Computer ist im Gegensatz zu einem Lehrer in der Lage, jeden einzelnen Lerner immer und unmittelbar für eine Leistung zu bekräftigen. Alle Lehrinhalte, die sich in kleinste Frames segmentieren lassen, können Schritt für Schritt vermittelt werden. Der Lernende kann jederzeit aus dem Programm aussteigen und zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle weiterarbeiten. Der Computer respektive das Lehr-Lernprogramm ist emotional indifferent. Ein Lerner muss nicht das Gefühl haben, sich zu blamieren, da es der Maschine nichts ausmacht, wenn Fehler gemacht werden bzw. mehrfach auftreten. Eine negative Konsequenz des fehlerhaften Verhaltens des Lerners fehlt, da das Programm falsche Antworten ignoriert und den gleichen Abschnitt wiederholt.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Neue Medien – Begriffsbestimmung: Definition und Abgrenzung traditioneller Medien gegenüber neuen, computerbasierten Bildungsmedien unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen.
Kapitel 2: Die historische Entwicklung computerbasierter Lehr-Lernsysteme: Nachzeichnung der Anfänge computergestützter Lehrmethoden in Amerika und Deutschland von den 1950er bis in die 1990er Jahre.
Kapitel 3: Lerntheoretische Ansätze und deren Einfluss auf die Konzeption medialer Lernangebote: Analyse der lerntheoretischen Fundamente (Behaviorismus, Kybernetik, Kognitivismus, situierte Ansätze) und deren Auswirkung auf das didaktische Design von Lernprogrammen.
Kapitel 4: Die Formen computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme: Kategorisierung verschiedener technischer Lehr-Lernsysteme wie Hilfesysteme, Drill-&-Practice-Programme, tutorielle Systeme, Simulationen und Web Based Training.
Kapitel 5: Die Merkmale computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme: Untersuchung zentraler Qualitätsmerkmale wie Interaktivität, Adaptivität, Multicodierung und die Bedeutung selbstorganisierten Lernens.
Kapitel 6: Der Einsatz computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme In der betrieblichen Weiterbildung: Analyse der Rahmenbedingungen und spezifischen Einsatzszenarien für neue Medien innerhalb betrieblicher Qualifizierungskontexte.
Kapitel 7: Studien zum Einsatz computer- und netzbasierter Lehr-Lernsysteme: Zusammenfassung wissenschaftlicher Studien über technische Voraussetzungen, Verbreitung, Lerneffekte und Effizienz computergestützten Lernens.
8. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Trends sowie formulierte Thesen zur Verbesserung des didaktischen und konzeptionellen Einsatzes neuer Medien in der betrieblichen Praxis.
Schlüsselwörter
Betriebliche Weiterbildung, Neue Medien, E-Learning, Computer Based Training, Web Based Training, Lerntheorien, Mediendidaktik, Instruktionsdesign, Selbstorganisiertes Lernen, Interaktivität, Adaptivität, Simulationen, E-Commerce, Qualifizierungsbedarf, Wissensmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Wandel der betrieblichen Weiterbildung durch den Einzug neuer Medien. Dabei werden theoretische Grundlagen, technische Formen und reale Einsatzszenarien kritisch analysiert.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung der Systeme, lernpsychologische Fundamente, die Klassifizierung von Lernprogrammen (CBT, WBT) sowie die betrieblichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den tatsächlichen Nutzen und die Effektivität von computerbasierten Lernsystemen in der betrieblichen Weiterbildung zu bewerten und ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie diese Medien sinnvoll in bestehende Bildungskonzepte integriert werden können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Studien. Didaktische Theorien (Behaviorismus bis Konstruktivismus) bilden den Rahmen zur Bewertung der technischen Implementierungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung technischer Formen (Kapitel 4), der Analyse spezifischer Merkmale wie Interaktivität (Kapitel 5) sowie der konkreten Anwendung in betrieblichen Lernszenarien (Kapitel 6).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Betriebliche Weiterbildung, Neue Medien, CBT, WBT, Instruktionsdesign, mediengestütztes Lernen sowie die kritische Reflexion des didaktischen Mehrwerts.
Warum ist die Unterscheidung zwischen CBT und WBT wichtig?
CBT ist meist offline auf Datenträgern (CD-ROM) verfügbar und starr konzipiert, während WBT internetbasiert ist, Vernetzung ermöglicht und somit ganz neue Formen der sozialen Interaktion und Kooperation innerhalb von Unternehmen erlaubt.
Welche Rolle spielt die "Unternehmenskultur" für den Erfolg?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Lernkultur eines Unternehmens entscheidend ist. Ohne eine Akzeptanz seitens der Belegschaft und eine konzeptionelle Einbindung in die Unternehmensstrategie bleibt der Einsatz neuer Medien oft ein ineffektiver Modellversuch.
- Quote paper
- Henriette Freikamp (Author), 2000, Neue Medien und betriebliche Weiterbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185833