Der islamische Garten


Seminararbeit, 2005
15 Seiten, Note: 1.5

Leseprobe

Friedrich - Schiller ­ Universität
Philosophische Fakultät
Sommersemester 2005
Dr. Nana Hartig
PS. Gartenkultur
Sandy Stöberl
Hauptfach : Kunstgeschichte
6. Fachsemester
Nebenfächer : Romanistik ( Spanisch )
6. Fachsemester
Volkskunde / Kulturgeschichte
1. Fachsemester

Inhaltsverzeichnis
1.
Der
islamische
Garten 1
2.
Ursprung
des
islamischen
Gartens
2
2.1
Der persische Garten
2
2.2
Der arabische Garten
4
2.3
Der türkische Garten
5
3. Religiöse
Bedeutung
des
Gartens und des Wassers
5
4.
Funktionen
des
islamischen
Gartens
7
5.
Grundrissschemata nach Ruggles am Beispiel der ,,Alhambra"
10
6.
Schlussbemerkung
12
Literaturverzeichnis
13

- 1 -
1. Der islamische Garten
Seit dem 18.Jahrhundert entdeckte man die Faszination des Orients und die Europäer
wendeten sich dem islamischen Garten und seiner Mystik zu. Die frühesten Studien jedoch
zur Geschichte des islamischen Gartens, die das wissenschaftliche Bedürfnis erfüllen, sind im
ersten Viertel des 20.Jahrhunderts anzusiedeln.
In der Literatur ist man sich noch nicht über die Bezeichnung ,,Islamischer Garten"
oder ,,Gärten der islamischen Welt" einig. Die Namen der Gärten in der islamischen Welt sind
sehr zahlreich und die Unterscheidung und deren geschichtliche Entwicklung
dementsprechend vielfältig und schwierig. Zu den islamischen Gärten würden alle Gärten
zählen deren Bevölkerung den Islam zur Religion haben ­ somit bis in den Orient nach
Indien, wo auch Muslime einen Anteil der Bevölkerung bilden. Schon beim Lesen der
Literatur war die Strukturierung der Typologie und historischen Entwicklung schwer
nachvollziehbar. In jener Literatur wird von dem orientalischen, islamischen und arabischen
Garten gesprochen und manchmal auch im synonymischen Kontext verwendet, eine klare
Typologisierung fehlt jedoch. Ich beschränke mich auf die arabische Welt und deren
Eroberungsgebiete wie z.B. Spanien. Unter der arabischen Vorherrschaft breitete sich die
Kultur der Gärten über Syrien, Ägypten und Nordafrika bis nach Spanien (um 750 unter den
Omaijaden) aus. Die Architektur und Gartenbaukunst wird vom Koran in wesentlichen Teilen
bestimmt. Im Islam ist der Garten symbolhaft verankert als Heilsversprechen für das Jenseits.
Als die wichtigste Komponente im islamischen Garten ist das Wasser zu nennen, dem ein
eigenes Kapitel gewidmet ist.
"Was die muslimische Welt eint", schreibt Oleg Grabar, "ist weder der physikalische Raum
noch sind es anthropologische oder sprachliche Gemeinsamkeiten; es ist vielmehr ein System
von Glaubenshaltungen (mit vielen Varianten), von Traditionen, die allen bewusst sind, und
von visuellen oder anderwertigen Zeichen, das seinen Ausdruck u.a. in der Architektur
findet."
1
Die Gärten in der islamischen Welt sind nicht nur Orte des Wohlergehens und
Genießens, sondern sie sind ein architektonisches Zusammenspiel mit der Natur. Die
Überlieferung der Gartenanlagen reicht im Orient weit in die vorchristlichen Jahrhunderte.
Vor allem in Reisebeschreibungen findet man Schilderung der Gärten. Europäische Reisende
1
http://www.graf-
gartenbau.ch/Geschichte%20Gartenkunst/Geschichte%20der%20Gartenkunst%20Altertum%20bis%20Mittelalte
r1.html

- 2 -
wie der Spanier Clavijo, oder auch Chardin und der Apotheker Engelbert Kaempfer aus
Lemgo bewunderten die Gärten persischer Städte. Die Bewunderung galt meist den
Fürstengärten, wobei der Hof-Garten in den mittelalterlichen islamischen Häusern im
Zusammenwirken mit der Architektur nicht zu vernachlässigen ist. Auch wenn das Gärtchen
noch so klein war, offenbarte es einwenig Grün und ein Wasserbecken. So konnten auch die
Damen des Hauses unbeobachtet den Blütenduft und die frische Luft genießen.
2. Ursprung des islamischen Gartens
Ich möchte darauf hinweisen, dass der Koran, die heilige Schrift des Islam, erst in den Jahren
650-700 (christliche Zeitrechnung) geschrieben wurde, und somit sich der islamische Garten
aus drei vorislamischen Urbildern entwickelte: dem persischen, dem arabischen und dem
türkischen Garten.
2.1 Der persische Garten
Der älteste erwähnte Garten wurde in der altpersischen Hauptstadt um 550 v.Chr.
angelegt. Archäologische Zeugnisse sind eher spärlich. Das Meiste wissen wir durch
Überlieferungen griechischer Historiker wie z.B. Xenophon berichtet in seinen Schriften
(Oikonomikos 4,13):
,,In welchen Gegenden immer (der Perserkönig) wohnt oder zu welcher er sich wendet, da
trägt er Sorge, dass dort Gärten sind, die so genannten Parádeisoi, von allen schönen und
guten Dingen voll, welche die Erde hervorbringen mag, und in eben diesen hält er sich die
meiste Zeit auf, solange die Jahreszeit es zulässt ."
2
Xenophon übersetzte die Wendung ,,Parádeisoi" für diese herrlichen Gärten mit ,,von
Mauern umgeben". Das persische Wort ,,pairidaeza" bedeutet eigentlich Umzäunung,
Ummauerung, Umfassung. Xenophon führte das Wort in den griechischen Wortschatz ein und
über die Zeit im christlichen Zusammenhang wurde es zum mitteleuropäischen ,,Paradies". Er
lernte die persischen Königsgärten um 401 v.Chr. kennen, als er Mesopotamien durchquerte.
Zu den ,,Parádeisoi" gehörten nicht nur die königlichen Gartenanlagen, sondern auch wie
Xenophon berichtete, ausgedehnte Obstgärten, die König Dareios (549-486v.Chr.) für die
Versorgung der Bevölkerung anlegte. Wie schon erwähnt, ist der Garten von Mauern
umgeben, um sowohl Schutz vor ungebetenen Gästen, Dieben, Feinden als auch vor dem
heißen Wüstenwind zu bieten.
2
Brockes, Barthold Heinrich: Xenophontos oikonomikos. Oder Xenophon vom Hauswesen, aus der griechischen
in die teutsche Sprache übersetzt von Barthold Heinrich Brockes,
Hamburg, 1734

- 3 -
In der iranischen Welt wird die zweiaxiale Symmetrie zur Manie. Die Anordnung der
architektonischen Elemente und die Bepflanzung wird diesem System untergeordnet. Die
umfassten, rechteckig angelegten Gärten sind in ihrer Binnengliederung symmetrisch. Der
Boden wird von rechtwinklig angelegten Wasserwegen durchzogen. Vier Wasserführungen,
Bäche oder manchmal nur Wasserlinien, die einem Wasserbecken im Zentrum entspringen,
teilen den Garten in vier gleichgroße Teile. Dies sind nicht nur Hauptbewässerungswege,
sondern sie trennen nach einem rechtwinkligen Plan jene Areale, die für Anpflanzung von
dekorativen, schattenspendenden Bäumen oder Blumen bestimmt sind, für Pavillons,
Terrassen oder weiteren Wasserbecken. Die Bäume haben bis heute symbolische und
mystische Bedeutung des ewigen Lebens. Von hier aus gelangten auch Blumen, wie die Rose
und Tulpe ins westliche Europa. Durch einen Eingangspavillon eröffnete sich die Pracht des
Gartens. Dieser wird in der Folgezeit ein Merkmal islamischer Gärten. Die Vierteilung des
Gartens wurde dann später von den arabischen Eroberern übernommen und verbreitete sich
über die ganze arabische Welt von Marokko über Spanien bis nach Indien.
Der persische Königsgarten ist kein Ort zum Spazierengehen. Der Fürst begibt sich in
den nach allen Seiten offenen Pavillon um zu meditieren, Musik zu hören, Verse zu schreiben
oder Gedichten zu lauschen.
Die Struktur dieser Gärten ist durch persische Gartenteppiche überliefert. Sie haben den
viergeteilten Garten zum Thema. ,,Man erkennt die sich im rechten Winkel schneidenden
Hauptkanäle mit Wassergeflügel und Fischen. Im Zentrum befindet sich häufig ein großes
Wasserbecken, in dem sich eine Insel oder ein Pavillon erhebt. Die Viertel des Mittelfeldes
werden durch schmalere Kanäle in weitere rechteckige Abschnitte untergliedert. An den
Kanälen stehen Baumreihen oder Blumenrabatten, in den Beeten blühende Bäume mit
Vögeln..."
3
Der überlieferte Gartenteppich des Sasanidenherrschers
4
Chosroes I., der
»Frühling des Chosroes«, ist ungefähr 10 Meter lang und 20 Meter breit. Die kreuzförmigen
Wasserwege sind von Blumen gesäumt, im Zentrum befindet sich ein Wasserbecken, aus dem
vier Flüsse fließen. ,,Auch die erhalten gebliebenen Gartenteppiche späterer Zeit zeigen noch
die orthogonale Teilung, ein durch Wasserläufe, die in die 4 Weltrichtungen strömende Flüsse
symbolisieren, gebildetes rechtwinkliges Achsensystem, dessen Schnittpunkt ein
3
Lexikon der Kunst: Gartenteppiche, S. 1. Digitale Bibliothek Band 43: Lexikon der Kunst, S. 9960 (vgl. LdK
Bd. 2, S. 656) (c) E. A. Seemann
4
Persisches Herrschergeschlecht (heutiges Gebiet des Iran), regierten von 224-651, Hauptstadt Istachr,
Ktesiphon
Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der islamische Garten
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1.5
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V186236
ISBN (eBook)
9783869438320
ISBN (Buch)
9783656992868
Dateigröße
728 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
garten
Arbeit zitieren
Sandy Alami (Autor), 2005, Der islamische Garten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186236

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