Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Thema Ursachen und Verlauf von Jugenddelinquenz unter besonderer Berücksichtigung des Täter-Opfer-Ausgleichs. Im ersten Teil wird das gesellschaftliche Normsystem und die Besonderheit der Lebensphase Jugend vorgestellt. Der Begriff des Abweichenden Verhaltens wird definiert und die Ursachen dafür gegenüber gestellt. Im folgenden Teil wird auf Jugenddelinquenz als abweichende Form der Problemverarbeitung eingegangen. Die Handlungsmuster straffälliger Jugendlicher und die Verlaufstrukturen ihrer Delinquenz werden hierin detailliert hervorgehoben. Im letzten Teil wird das Jugendstrafrecht als Reaktionsform auf Jugenddelinquenz vorgestellt, und hierbei der Täter-Opfer-Ausgleich besonders hervorgehoben. Seine Präventionswirkung und Zielsetzung wird auf die jugendlichen Handlungsmuster und die allgemeine Arbeit mit delinquenten Jugendlichen bezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 VORWORT
2 NORMEN
3 DEFINITION „ABWEICHENDES VERHALTEN“
4 LEBENSPHASE JUGEND
5 URSACHEN ABWEICHENDEN VERHALTENS
5.1 DIE SOZIOLOGISCHE EBENE
5.1.1 DIE KLASSISCHE KRIMINALTHEORIE
5.1.2 DIE ANOMIETHEORIE
5.1.3 DIE SUBKULTURTHEORIE
5.1.4 DIE THEORIEN DES DIFFERENTIELLEN LERNENS (MISCHTHEORIEN)
5.1.5 DER LABELING APPROACH (ETIKIERUNGSANSATZ)
5.2 DIE PSYCHOLOGISCHE EBENE
5.2.1 ENTSTEHUNG VON ABWEICHENDEM VERHALTEN IN ZUSAMMENHANG MIT ANLAGE- UND UMWELTFAKTOREN
5.2.2 ABWEICHENDES VERHALTEN IN ZUSAMMENHANG MIT NEUROTISCHEN STÖRUNGEN
5.3 SOZIALISATIONSINSTANZEN UND PSYCHOSOZIALE EINFLÜSSE
5.3.1 ELTERNHAUS
5.3.2 LEBENSVERHÄLTNISSE UND UMWELT
5.3.3 FREUNDSCHAFTEN UND GRUPPEN
5.3.4 MEDIEN
5.3.5 GENDER
6 KRIMINALITÄT ALS DEVIANTE FORM DER PROBLEMVERARBEITUNG
6.1 ERSCHEINUNGSFORMEN VON JUGENDKRIMINALITÄT
6.2 AUSMAß DER JUGENDKRIMINALITÄT UND AUSSAGEKRAFT DER POLIZEISTATISTIK
7 HANDLUNGSMUSTER DELINQUENTER JUGENDLICHER
7.1 GRUNDMUSTER MASKULIN-ORIENTIERTER HANDLUNGSTYPEN
7.2 GRUNDMUSTER HEDONISTISCH-ORIENTIERTER HANDLUNGSTYPEN
7.3 GRUNDMUSTER FAMILIENORIENTIERTER HANDLUNGSTYPEN
7.4 GRUNDMUSTER SUBJEKTORIENTIERTER HANDLUNGSTYPEN
8 VERLAUFSSTRUKTUREN DELINQUENTEN VERHALTENS
8.1 TYPISCHER VERLAUF DER DELINQUENZ MASKULIN-ORIENTIERTER JUGENDLICHER
8.2 TYPISCHER VERLAUF DER DELINQUENZ HEDONISTISCH-ORIENTIERTER JUGENDLICHER
8.3 TYPISCHER VERLAUF DER DELINQUENZ FAMILIENORIENTIERTER JUGENDLICHER
8.4 TYPISCHER VERLAUF DER DELINQUENZ SUBJEKTORIENTIERTER JUGENDLICHER
8.5 AUSWIRKUNGEN DER HANDLUNGSMUSTER FÜR INTERVENTIONEN
9 DAS JUGENDSTRAFRECHT
10 RECHTSFOLGEN EINER JUGENDSTRAFTAT
11 DER TÄTER-OPFER-AUSGLEICH
11.1 FORMALE BEDINGUNGEN
11.2 PRAKTISCHE DURCHFÜHRUNG DES TOA
11.3 ZIELSETZUNGEN DER KONFLIKTSCHLICHTUNG
11.3.1 ZIELE FÜR DAS OPFER
11.3.2 ZIELE FÜR DEN TÄTER
11.4 PRÄVENTIONSWIRKUNG DES TÄTER-OPFER-AUSGLEICHS
12 BEZUG AUF HANDLUNGSTYPEN
13 SCHLUSSBETRACHTUNG UND PERSÖNLICHES FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ursachen und Verlaufsstrukturen von Jugenddelinquenz sowie die Wirksamkeit des Täter-Opfer-Ausgleichs als gesellschaftliches Reaktionsmittel. Das primäre Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen individuellen Handlungsmustern delinquenter Jugendlicher und den pädagogischen sowie juristischen Interventionsmöglichkeiten zu beleuchten.
- Soziale Normen und die Definition abweichenden Verhaltens in der Lebensphase Jugend.
- Psychologische und soziologische Ursachen von Jugendkriminalität.
- Die Bedeutung von Peer-Groups, Medien und Sozialisationsinstanzen.
- Empirische Einteilung delinquenter Handlungstypen nach Enke.
- Der Täter-Opfer-Ausgleich im Jugendstrafrecht und seine Präventionswirkung.
Auszug aus dem Buch
7.1 Grundmuster maskulin-orientierter Handlungstypen
Der maskulin-orientierte Handlungstyp zeigt schon früh viel Eigeninitiative in der Ausweitung seines Handlungsraumes und versucht dabei seine Selbstständigkeit auszuleben. Dadurch kommt es häufig zu Spannungen im Elternhaus, die als Generationskonflikt erlebt und häufig auch gewalttätig ausgetragen werden. Die Eltern haben meist wenig Verständnis für das Verhalten des Jugendlichen und distanzieren sich davon, nicht selten um sich nicht mit der Verantwortung zu belasten. Emotional war und ist der Jugendliche oft auf sich allein gestellt, gemeinsame Aktivitäten der Familie sind selten. Die Bindung maskulin-orientierter Jugendlicher zu den Eltern ist jedoch stark ausgeprägt, sie bleiben trotz des starken Generationskonflikts und der kompromisslosen Ablösungsversuche wichtig. Emotionale Sicherheit und Zuwendung hat bei den Jugendlichen einen hohen Stellenwert. „Maskulin-orientierte Jugendliche provozieren gern, um zu polarisieren. Dabei gilt für sie das Prinzip des ‚Für oder gegen mich’ als Mittel zur Beziehungsklärung.“ (Enke 2003, S. 42f)
Jugendliche dieses Handlungstyps gehören meist einer Peer-Group mit vielen Mitgliedern an. Öffentliche Plätze und „die Strasse“ gehören zu ihren bevorzugten Treffpunkten und Aufenthaltsorten. „Die Leitthemen ihres Handelns in der Clique sind zwischen Abhängen und Herumziehen im abenteuerlich-delinquenten Kontext angesiedelt. Sie sprechen davon, dass sie Dinger drehen oder krumme Sachen machen. Dabei gehen sie gemeinsam durch dick und dünn. Als Orientierung für ihr Handeln dienen ihnen auch Feindbilder. ‚Die Ausländer’, ‚Die Verhältnisse’, und z.T. ‚die da oben’ sind bei ihnen als nützliche Feindbilder mehr oder weniger stark ausgeprägt, wo sie (‚unsereins’) dagegen halten müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
VORWORT: Einleitung zur Motivation der Autorin, sich mit Jugenddelinquenz und dem Täter-Opfer-Ausgleich auseinanderzusetzen.
NORMEN: Untersuchung der Bedeutung sozialer Normen für das gesellschaftliche Zusammenleben und die Auswirkungen von Normabweichungen.
DEFINITION „ABWEICHENDES VERHALTEN“: Theoretische Abgrenzung von Devianz, Delinquenz und anderen Formen abweichenden Verhaltens.
LEBENSPHASE JUGEND: Analyse der Jugend als Umbruchphase und Entwicklungsabschnitt im Lebenslauf.
URSACHEN ABWEICHENDEN VERHALTENS: Darstellung soziologischer und psychologischer Theorien zur Entstehung von Devianz.
KRIMINALITÄT ALS DEVIANTE FORM DER PROBLEMVERARBEITUNG: Betrachtung von Kriminalität als Reaktion auf Belastungssituationen und statistische Einordnung.
HANDLUNGSMUSTER DELINQUENTER JUGENDLICHER: Vorstellung der vier Handlungstypen (maskulin, hedonistisch, familien-, subjektorientiert) nach Enke.
VERLAUFSSTRUKTUREN DELINQUENTEN VERHALTENS: Analyse, wie sich die Delinquenz bei den verschiedenen Typen zeitlich und inhaltlich entwickelt.
DAS JUGENDSTRAFRECHT: Erläuterung des Jugendstrafrechts als Erziehungsstrafrecht und dessen Prinzipien.
RECHTSFOLGEN EINER JUGENDSTRAFTAT: Überblick über das Sanktionssystem des JGG, von Erziehungsmaßregeln bis zur Jugendstrafe.
DER TÄTER-OPFER-AUSGLEICH: Detaillierte Betrachtung des TOA, seiner Bedingungen, Ziele und Durchführung.
BEZUG AUF HANDLUNGSTYPEN: Analyse, wie die verschiedenen Handlungstypen auf Interventionen wie den TOA reagieren.
SCHLUSSBETRACHTUNG UND PERSÖNLICHES FAZIT: Zusammenfassung der Kernerkenntnisse und abschließende Einschätzung der Wirksamkeit des TOA.
Schlüsselwörter
Jugenddelinquenz, Täter-Opfer-Ausgleich, Jugendstrafrecht, Sozialisation, Handlungsmuster, Devianz, Erziehung, Kriminalität, Prävention, Resozialisierung, Konfliktschlichtung, Jugendhilfe, Bewältigungsverhalten, Stigmatisierung, Jugendkriminalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen von Jugendkriminalität und bewertet den Täter-Opfer-Ausgleich als ein wesentliches Instrument der pädagogischen und juristischen Intervention im Jugendstrafrecht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Lebensphase Jugend, soziologische und psychologische Theorien zu abweichendem Verhalten, die Einteilung in Handlungsmuster delinquenter Jugendlicher sowie die Praxis und Zielsetzung des Täter-Opfer-Ausgleichs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Handlungsmuster straffälliger Jugendlicher zu entwickeln, um zu beurteilen, unter welchen Bedingungen der Täter-Opfer-Ausgleich effektiv zur Prävention und Resozialisierung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bestehender kriminologischer und sozialpädagogischer Theorien sowie der Auswertung empirischer Studien, insbesondere der Längsschnittstudie von Enke zu delinquenten Handlungstypen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsbedingungen von Delinquenz, klassifiziert vier spezifische Handlungstypen (maskulin, hedonistisch, familien-, subjektorientiert) und untersucht, wie diese Typen auf den Täter-Opfer-Ausgleich reagieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Jugenddelinquenz, Täter-Opfer-Ausgleich (TOA), Erziehungsstrafrecht, Sozialisation, Handlungsmuster und Prävention.
Warum ist der Täter-Opfer-Ausgleich kein Allheilmittel?
Die Autorin betont, dass die Freiwilligkeit der Teilnahme bei Mehrfachtätern oft nur taktisch motiviert sein kann, um Strafen zu umgehen, was eine echte Konfliktbeilegung und Normverinnerlichung erschwert.
Wie unterscheiden sich die vier Handlungstypen in ihrer Reaktion auf den TOA?
Maskulin-orientierte Jugendliche suchen eher den Vorteil, hedonistisch-orientierte möchten ihr Lebensgefühl bewahren, während familien- und subjektorientierte Jugendliche eher bereit sind, den Prozess für eine echte, reflektierte Tataufarbeitung zu nutzen.
Welche Rolle spielt die Familie für die Delinquenz?
Die Familie ist die primäre Instanz der Sozialisation; familiäre Störungen, Trennungen oder Erziehungsdefizite sind häufige Ausgangspunkte für Bindungsunsicherheiten, die durch delinquentes Verhalten oder die Suche nach Ersatzfamilien (Peer-Groups) kompensiert werden.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Opferfonds?
Sie beurteilt den Opferfonds positiv, da er eine unbürokratische und schnelle Wiedergutmachung ermöglicht, selbst wenn der Täter nicht über eigene finanzielle Mittel verfügt.
- Citar trabajo
- Stefanie Hammer (Autor), 2006, Ursachen und Verlauf von Jugenddelinquenz unter besonderer Berücksichtigung des Täter-Opfer-Ausgleichs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186257