Persönlichkeitsdiagnostisch wertvolle Soziale Repräsentationen
Was wird diagnostiziert?
Einige Persönlichkeitsrelevante Phänomene des Menschseins: Interessen, Emotionen, Lieblingsbeschäftigungen (=Hobbies), Arten von Ängsten, Neigung und Umgang bzgl. Streß(=Überbelastung), Extraversion/Introversion, und vieles ähnliche mehr.
Was ist eine gute Eigenschaft?
Im Berufsleben, betreffs Arbeitspotential, bei der Berufssuche, aber auch in der privaten Hilfebedürftigkeit, im Krankheitsfall, oder in Situationen mit besonderen Anforderungen, in Krisensituationen und ähnlichem interessieren die für all diese Belange erstrebenswerten und hilfreichen Eigenschaften zur Bewältigung der betreffenden Aufgaben. Sind diese oder manche von diesen Eigenschaften nicht gegeben, so gibt es gesetzliche, ethische, oder ungeschriebene, gesellschaftlich aber verlangte Vorgaben, wie mit dem betrefffenden Menschen umzugehen ist. Man weist hin, man bestraft, man maßregelt, man verbietet. Jeder moderne Staat hat ein Rechtssystem, in dem verschiedene Menschen mit diesen Regelungen im Bezug auf andere Menschen, denen bestimmte gute Eigenschaften fehlen, betraut sind: Polizisten, Rechtsanwälte, Detektive, Ärzte, Therapeuten, Lehrer, und so weiter.
Dieses Rechtssystem ist in verschiedenen Staaten auf verschiedene Weise weiterentwickelt, die Gesetzgebung reicht in verschiedenen Staaten unterschiedliche weit ins Verkehrstechnische, in die Medikamentenabrechnung, zum Drogenverbot und Gewaltverzicht, unterschiedlich weit also in die Infrastruktur des Berufs- und Privatlebens.
Wie weit reicht nun das religiöse System? Es gibt in über 30 europäischen Staaten 30 verschiedene staatliche Gesetzgebungen. Es gibt jedoch in allen 30 Staaten röm.kath., evangelische und orthodoxe Christen. Das sind nur 3 Regelsysteme, die einander noch dazu sehr ähneln. Die christliche Kirche ist einheitlicher als der Staatenverband. Es gibt mehr eindeutig als gut definierte Eigenschaften in der Religion, als es solche Eigenschaften in zwischen bestimmten Staatsgrenzen vorherrschenden Gesellschaften gibt. Das liegt auch am Abstraktionsgrad der religiösen Regeln. Sie sind so formuliert, daß der gute (wir haben vorhin gut als erstrebenswert und hilfreich definiert) Aspekt, völlig abgesehen von jeder Auslegung und jedem anderen Verständnis der diese gute Eigenschaft zu spüren bekommenden Menschen, für jeden Menschen mit dieser Religion plausibel und verständlich ist. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung: Bedarf eines Tests für soziale Repräsentationen
2. Theorie: Auf dem kognitiven Stil der Persönlichkeit von Personen einer Gruppe aufbauend können sich für diese Gruppe bezeichnende soziale Repräsentationen entwickeln, die zusammengefasst eine Denkschule begründen.
2.1. Voraussetzungen für die Überprüfung der Theorie
2.2. Der Zeitungs-Bericht
3. Hypothese: Jemand kann aufgrund seines kognitiven Stiles der Persönlichkeit (Denkstil von einem Einzelnen) eine überzufällige Neigung zu bestimmten sozialen Repräsentationen haben.
3.1. Das Thema der im Persönlichkeitstest „Die Skalen der Persönlichkeit“ zu untersuchenden sozialen Repräsentationen
4. Erklärungen zu den zentralen Begriffen im Modell
4.1. Die Persönlichkeit als Gegenstand aus dem „wirklichen Leben“
4.1.1. Partikulogie¹ versus Psychologie:
4.1.2. Die Logik der heutigen Forschung und die Partikologische Forschung als Voschlag zu einem neuen Wissenschaftsverständnis
4.1.3. Die Entwicklung der Persönlichkeit
4.1.3.1. Der Determinismus
4.1.3.2. Der Beginn der Entfaltung
4.1.3.3. Persönlichkeit und Charakter
4.2. Die Skalen der Persönlichkeit
4.2.1. Das Problem „absolute Skala“ – keine Klassifizierung ist nötig
4.2.2. Die inhaltlichen Bereiche der sozialen Repräsentationen
4.2.3. Zur Dimensionalisierung der Skalen der Persönlichkeit
4.2.4. Einstellungen:
4.2.5. Kognitive Prozesse
4.2.6. Persönlichkeitsaspekte
4.2.7. Die einzelnen Skalen
5. Ein Planungsreferat zur Erhebung geeigneter Soziale Repräsentationen, um an die Schnittstelle zwischen kollektive Einstellungen in der Bevölkerung und Beeinflussbarkeit durch Denkschulen (think tanks) zu gelangen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die theoretische Herleitung und Konzeption eines Messinstruments zur Erfassung sozialer Repräsentationen, um den Zusammenhang zwischen dem kognitiven Stil einer Persönlichkeit und der Neigung zu bestimmten sozialen Repräsentationen zu untersuchen.
- Grundlagen der Partikulogie und Abgrenzung zur klassischen Psychologie
- Analyse der Beeinflussbarkeit durch soziale Repräsentationen und Denkschulen
- Entwicklung eines Persönlichkeitsfragebogens mit 66 Items und metrischem Antwortformat
- Methodische Planung zur Untersuchung von Subpopulationen (Studenten, Akademiker, Meinungsmacher)
- Dimensionalisierung von Persönlichkeitsaspekten (Liebe, Glaube, Generation/Weltbild)
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Partikulogie¹ versus Psychologie:
Das Objekt der Partikulogie ist das wirkliche Leben. Zum „wirklichen Leben“ sagt Rohracher nur so viel:
„...- und wer glaubt, daß zwei Menschen, vom selben Ausgangspunkt ausgehend und von ihm nach den Gesetzen der Logik fortdenkend, zum selben Ergebnis kommen müssen, irrt sich sehr; gewiß muß einer von beiden einen logischen Fehler gemacht haben, indem er etwas etwas zur Prämisse nahm, was als Wahrheit nicht gesichert ist, doch ihm dieses Einsetzen eines nur persönlich für wahr gehaltenen Schlussbestandteiles oft nicht nachweisbar – wie wären sonst die vielen, sich widersprechenden Theorien in jeder Wissenschaft möglich – und er selbst ist von der Richtigkeit seines Denkens voll und ganz überzeugt. Alle Ergebnisse, mit wissenschaftlich einwandfreien Mitteln erworben, enthalten eine Forderung an jede Betrachtung des Menschen und aller seiner Beziehungen: das wirkliche Leben zum Objekt der Forschung zu machen, nicht aber ein Phantom, das aus Durchschnittsbetrachtungen und Mittelzahlen errechnet und konstruiert wurde.“
(Rohracher, 1926, S.97)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Bedarf eines Tests für soziale Repräsentationen: Einführung in die Notwendigkeit, neuronale Verbindungen und soziale Repräsentationen wissenschaftlich zu erfassen.
2. Theorie: Auf dem kognitiven Stil der Persönlichkeit von Personen einer Gruppe aufbauend können sich für diese Gruppe bezeichnende soziale Repräsentationen entwickeln, die zusammengefasst eine Denkschule begründen.: Theoretische Herleitung der Verbindung zwischen individuellem kognitivem Stil und kollektiven Denkschulen anhand von Fallbeispielen.
3. Hypothese: Jemand kann aufgrund seines kognitiven Stiles der Persönlichkeit (Denkstil von einem Einzelnen) eine überzufällige Neigung zu bestimmten sozialen Repräsentationen haben.: Präzisierung der Forschungsannahme zur individuellen Prädisposition für soziale Repräsentationen.
4. Erklärungen zu den zentralen Begriffen im Modell: Eingehende Analyse der zentralen Konzepte, inklusive der Gegenüberstellung von Partikulogie und Psychologie sowie der Entwicklung von Persönlichkeitsskalen.
5. Ein Planungsreferat zur Erhebung geeigneter Soziale Repräsentationen, um an die Schnittstelle zwischen kollektive Einstellungen in der Bevölkerung und Beeinflussbarkeit durch Denkschulen (think tanks) zu gelangen: Konkreter Entwurf zur empirischen Untersuchung und Erhebung von Daten bei definierten Subpopulationen.
Schlüsselwörter
Soziale Repräsentationen, Persönlichkeitstest, Partikulogie, Denkschulen, Kognitiver Stil, Denkstil, Kollektive Einstellungen, Beeinflussbarkeit, Subpopulationen, Skalen der Persönlichkeit, Wissenschaftsverständnis, Attribuierung, Identitätsbewusstsein, Latent-Class-Analyse, Weltbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines theoretischen Modells und eines dazugehörigen Testinstruments, um den Zusammenhang zwischen dem kognitiven Stil einer Person und ihrer Affinität zu bestimmten sozialen Repräsentationen zu messen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die kognitive Psychologie, die Persönlichkeitsforschung, die Soziologie kollektiver Einstellungen und der Einfluss von sogenannten „Think Tanks“ bzw. Denkschulen auf das individuelle Denken.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein Instrument zu konzipieren, das die „Skalen der Persönlichkeit“ misst, um aufzuzeigen, wie soziale Repräsentationen im Denken von Individuen verankert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erhebung verwendet?
Es wird ein psychologischer Fragebogen mit 66 Items entwickelt, der auf einem metrischen Antwortformat (1-10) basiert und darauf abzielt, die Beeinflussbarkeit bzw. die Neigung zu bestimmten Denkmustern in verschiedenen sozialen Segmenten zu erfassen.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die philosophischen und psychologischen Grundlagen (u.a. nach Popper und Rohracher), die Dimensionalisierung von Persönlichkeitseigenschaften wie Liebe, Glaube und Hoffnung sowie die Kritik an klassischen Klassifizierungsansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Repräsentationen, Partikulogie, Kognitiver Stil, Denkschulen, Identitätsbewusstsein und die methodische Erfassung durch einen Persönlichkeitsfragebogen.
Inwiefern spielt der „Zeitungs-Bericht“ über Leo Strauss eine Rolle?
Er dient als illustratives Fallbeispiel für die Entstehung von Denkschulen und wie politische Ideologien (hier: Neokonservatismus) durch soziale Repräsentationen und die Vereinnahmung historischer Denker in der Gesellschaft wirksam werden können.
Warum wird eine „Partikulogie“ als Alternative zur herkömmlichen Psychologie diskutiert?
Sie wird diskutiert, um das „wirkliche Leben“ und individuelle Einzigartigkeit stärker zu berücksichtigen, statt Menschen lediglich durch Durchschnittswerte und statistische Mittelzahlen in der klassischen Psychologie zu erfassen.
- Citation du texte
- David Leitha (Auteur), 2006, Verfahren zur Entdeckung Sozialer Repräsentationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186335