Kultur und Performance Measurement sind "in" . Diese beiden Schlagworte prägen die betriebswirtschaftliche Management- und Controllingliteratur der letzen Jahre und sorgen deshalb für reichlich Diskussionsstoff in der wissenschaftlichen Forschungswelt. Was aber genau verbirgt sich hinter diesen beiden Konzepten und inwieweit können kulturelle Aspekte die unternehmerische Leistungsmessung, d.h. das Performance Measurement bzw. die Ausprägung entsprechender Leistungsmessungssysteme, beeinflussen?
Das Leistungsvermögen eines Unternehmens ist in diesem Kontext als mehrdimensional zu verstehen, welches nicht mehr ausschließlich mit monetären Steuerungskennzahlen erfasst werden kann. Vielmehr entwickelte sich in den letzten Jahren, basierend auf den Schwä-chen traditioneller Kennzahlensysteme, ein zunehmendes Interesse an neuen Formen von Steuerungskonzepten, die allgemein in der Literatur als Performance Measurement-Systeme (PMS) bezeichnet werden und zur Beurteilung der Effektivität und der Effizienz der Unternehmensleistung herangezogen werden können. Vor diesem Hintergrund ist von Interesse, ob sich in den zahlreichen in der Literatur bisher vorgeschlagenen PMS, wie z.B. der populären amerikanischen Balanced-Scorecard (BSC), typische kulturelle Wertvorstel-lungen zeigen. Damit einher geht die Frage, ob ein PMS-Konzept nur im jeweiligen Ur-sprungsland zum Erfolg führt oder auch in andere Nationen erfolgreich übertragen werden kann. Erklärtes Ziel dieser Diplomarbeit ist es daher, den Charakter der Beziehung zwischen der Kultur und der Entwicklung sowie der Implementierung eines solchen PMS zu analysieren.
Von entscheidender Bedeutung ist dabei auch die Rolle des kulturgeprägten Managements, dessen Aufgabe es ist, zukünftige Erfolgspotentiale auszuschöpfen und die unternehmerische Leistung über die Ableitung entsprechender Kennzahlen messbar zu machen. Ist Kultur in diesem Kontext evtl. sogar selbst quantifizier- bzw. messbar, so dass sich aus ihr strategische Vorteile ziehen lassen; d.h. leisten die bereits vorhandenen kulturellen Wertvorstellungen einen eigenen Anteil zum unternehmerischen Erfolg?
Die genannten Fragestellungen sollen im Rahmen dieser Arbeit ausführlich untersucht und diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 Grundlagen des Performance Measurement und Performance Management
2.1 Performance
2.1.1 Leistung als vielschichtiges Konstrukt
2.1.2 Der Einfluss von Effektivität und Effizienz auf die Performance
2.2 Performance Measures
2.2.1 Quantitative versus qualitative Performance Measures
2.2.2 Qualitätskriterien an Performance Measures
2.3 Performance Measurement-Systeme
2.3.1 Traditionelle Kennzahlensysteme des Management Accounting versus moderne Performance Measurement-Systeme
2.3.2 Das Design eines Performance Measurement-Systems
2.4 Performance Measurement als Teilprozess des Performance Management
3 Kulturelle Einflüsse auf die Performance, das Performance Measurement und Performance Management
3.1 Historische Entwicklung und Untersuchungsebenen des Kulturphänomens innerhalb der betriebswirtschaftlichen Managementlehre
3.2 Die Auswirkungen nationaler Kulturdimensionen auf die Managementpraxis
3.3 Die Kultur - ein neuer Kontingenzfaktor?
3.3.1 Grundlegende Argumentation und alternative Fit-Ansätze innerhalb der Kontingenztheorie
3.3.2 Objektivistisches versus subjektivistisches Kulturparadigma
3.3.3 Die Unternehmenskultur als managementrelevante Variable
3.3.4 Möglichkeiten und Grenzen der Abbildung kultureller Einflüsse im kontingenztheoretischen Bezugsrahmen
3.3.4.1 Methodische versus konzeptionelle Kritik der Kontingenztheorie
3.3.4.2 Zur Wahl eines objektivistischen Kulturverständnisses
3.3.4.3 Zur Wechselwirkung zwischen der Strategie, der Unternehmenskultur und dem Verhalten der Organisationsmitglieder
3.4 Fazit zum Einfluss der Kultur im Performance Measurement und Performance Management
4 Die Analyse kultureller Besonderheiten in Performance Measurement-Systemen
4.1 Die Balanced Scorecard als Performance Management-System mit kulturbedingten Problemen
4.2 Die amerikanische Balanced Scorecard versus das französische Tableau de Board – ein konzeptioneller und kultureller Vergleich
4.3 Das Total Quality Management-Modell als Qualitätsmanagementsystem und seine Implementierung in unterschiedlichen Kulturen
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss kultureller Aspekte auf die unternehmerische Leistungsmessung und die Gestaltung von Performance Measurement-Systemen (PMS), mit dem Ziel, die Beziehung zwischen Kultur und der Entwicklung sowie Implementierung solcher Systeme zu analysieren.
- Grundlagen von Performance Measurement und Management
- Kulturelle Einflüsse und Kontingenztheorie
- Analyse kultureller Besonderheiten in verschiedenen PMS (BSC, TdB)
- Vergleich von Managementkonzepten in unterschiedlichen nationalen Kontexten
- Implikationen für die Praxis des strategischen Managements
Auszug aus dem Buch
Die Auswirkungen nationaler Kulturdimensionen auf die Managementpraxis
Eine wegweisende Arbeit, mit der sich nationale Kulturunterschiede im Managementverhalten verschiedener Länder erklären lassen, und auf die deshalb, nach Meinung der Verfasserin, im Rahmen dieser Arbeit genauer einzugehen ist, ist die sog. IBM-Studie von Hofstede, welche auf seinem bereits o.g. Kulturverständnis basiert. Für ihn ist Kultur nicht ererbt, sondern erlernt und entsteht aus dem sozialen Umfeld. Zwischen den Jahren 1968 und 1972 hat Hofstede zur Erfassung diverser kultureller Muster unter den Mitarbeitern des multinationalen Konzerns IBM (International Business Machines), ca. 116.000 Fragebögen in insgesamt über 70 verschiedene Länder verschickt und statistisch ausgewertet. Im Ergebnis erhielt er zunächst vier, später fünf sog. Kulturdimensionen, anhand derer er die jeweiligen nationalen Kulturen klassifizierte und sie über die Berechnung von verschiedenen Indizes untereinander vergleichen konnte.
Machtdistanz: Diese Dimension gibt durch den Machtdistanzindex (MDI) das Ausmaß an, bis zu welchem Grad eine Gesellschaft die Tatsache akzeptiert, dass ungleiche Machtverhältnisse bestehen. In Organisationen kommt diese Ungleichheit insbesondere durch die hierarchische Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern zum Ausdruck. In Nationen mit einem geringen MDI, zu denen z.B. Deutschland oder die USA gehören, werden Mitarbeiter und Vorgesetzte grundsätzlich als Gleichberechtigte gesehen, so dass die Organisationsstruktur durch wenig Hierarchiestufen und eine starke Dezentralisierung gekennzeichnet ist. Hingegen besteht in Gesellschaften mit hoher Machtdistanz, wie z.B. in den meisten asiatischen Ländern oder Frankreich, eine institutionell geschützte Hierarchie, bei der sich die Macht auf wenige konzentriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Hinführung zur Thematik der Wechselwirkung zwischen Unternehmenskultur und Performance Measurement sowie Formulierung der Forschungsfrage.
2 Grundlagen des Performance Measurement und Performance Management: Definition grundlegender Begriffe und Einordnung von Performance Measurement-Systemen als Teilprozesse des Managements.
3 Kulturelle Einflüsse auf die Performance, das Performance Measurement und Performance Management: Untersuchung der Kulturtheorien und deren Integration als Kontingenzfaktoren in die betriebswirtschaftliche Forschung.
4 Die Analyse kultureller Besonderheiten in Performance Measurement-Systemen: Detaillierter Vergleich der Balanced Scorecard und des Tableau de Bord sowie die Betrachtung von Qualitätsmanagementsystemen im kulturellen Kontext.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Diskussion der Messbarkeit kultureller Einflüsse in zukünftigen Managementkonzepten.
Schlüsselwörter
Performance Measurement, Performance Management, Unternehmenskultur, Landeskultur, Kontingenztheorie, Balanced Scorecard, Tableau de Bord, Total Quality Management, Management Accounting, Hofstede, Organisationsstruktur, Strategieimplementierung, Erfolgsfaktoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit untersucht, inwieweit kulturelle Aspekte die unternehmerische Leistungsmessung (Performance Measurement) beeinflussen und ob Managementkonzepte wie die Balanced Scorecard erfolgreich zwischen verschiedenen Ländern übertragen werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Grundlagen des Performance Managements, die Rolle der Unternehmenskultur als Kontingenzfaktor und die kulturell bedingten Besonderheiten bei der Gestaltung von Messsystemen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird analysiert, ob der Charakter der Beziehung zwischen Kultur und der Entwicklung sowie Implementierung von Performance Measurement-Systemen zu Erfolg oder Misserfolg führt und ob Kultur als quantifizierbare Variable messbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und den Vergleich etablierter Managementmodelle (wie die IBM-Studie von Hofstede) sowie eine kontingenztheoretische Betrachtungsweise.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Entwicklungsebenen der Kulturforschung, die Auswirkungen nationaler Kulturdimensionen und vergleicht konkret die amerikanische Balanced Scorecard mit dem französischen Tableau de Bord.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Performance Measurement, Unternehmenskultur, Kontingenztheorie und den Vergleich internationaler Managementansätze (BSC vs. TdB) definieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen objektivistischem und subjektivistischem Kulturparadigma wichtig?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, um zu verstehen, ob Kultur als steuerbare Variable in Performance-Systemen oder als tiefgreifende soziale Konstruktion betrachtet wird, was direkte Auswirkungen auf die methodische Messbarkeit hat.
Welche Rolle spielt das "Gigogne"-Prinzip im Kontext der Arbeit?
Das Prinzip "Gigogne" (Mehrstufigkeit) beschreibt, wie Informationen in französischen Tableau de Bord-Systemen über verschiedene Hierarchieebenen fließen und den internen Managementdialog unterstützen.
- Citar trabajo
- Diplom-Kauffrau Cornelia Merz (Autor), 2008, Der Einfluss kultureller Aspekte auf die Performance sowie auf die Gestaltung von Performance Measurement-Systemen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186496