Die Arbeit enthält Überlegungen zur Identitätsentwicklung bei Menschen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, hier hauptsächlich in den westlich-kapitalistischen Gesellschaften und unter Berücksichtigung konstruktivistischer Theorien
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
(1) Vorwort zur Motivation
(2) Gliederung der Arbeit
(3) Begriffsklärung
I. DER PROZESS DER ICH-ENTWICKLUNG
(1) Identität und Persönlichkeit: Das Ich des Menschen
(2) Konzepte der Ich-Entwicklung
a) Ich-Entwicklung als Sozialisierungsprozess
b) Ich-Entwicklung als Balance-Leistung
c) Ich-Entwicklung in psychoanalytischer Theorie
(3) FAZIT 1: Kein Ich ohne Wir
II. DER PERSPEKTIVENWECHSEL IN DER GEISTIGBEHINDERTENPÄDAGOGIK
(1) Behinderung im Wandel der Zeit
(2) Konstruktivismus und Behinderung
(3) Zwischen neuer und alter Norm: Hürden und Hindernisse
(4) FAZIT 2: Die Macht der Konstrukte
III. MERKMALE DER ICH-ENTWICKLUNG VON MENSCHEN MIT DEM FÖRDERSCHWERPUNKT GEISTIGE ENTWICKLUNG
(1) Das Stigma
(2) Die Defizitorientierung
(3) Die verlängerte Kindheit
(4) Geschlecht: behindert, Merkmal: weiblich/männlich
a) Das Rollenklischee
b) Die „andere“ Sexualerziehung
(5) Fazit 3: Zwischen Integration und Inklusion
IV. DIE NEUE GENERATION
(1) Arbeit und Beruf: Andere Perspektiven
a) Einzelne Initiativen:
b) Ohrenkuss
c) Pablo Pineda
(2) Liebe und Familienleben - Zukunftspläne
(3) Fazit 4: Une idée, ça survit!
V. VOM INTEGRATIVEN ZUM INKLUSIVEN UNTERRICHT
(1) Die individuelle Förderplanung
(2) Die weitestgehende Differenzierung
a) Einzelförderung:
b) Stationenlernen:
c) Gruppenarbeit:
d) Möglichkeiten zur Förderung der Ich-Entwicklung im inklusiven Unterricht
(3) Die veränderte Interaktion
(4) Fazit 5: Was den einen hilft, kommt allen zugute!
VI. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Perspektivenwechsels in der Geistigbehindertenpädagogik auf die Identitäts- und Ich-Entwicklung von Menschen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Erwartungshaltungen und sonderpädagogische Sichtweisen – von der Exklusion bis hin zur Inklusion – das Selbstkonzept und die Persönlichkeitsbildung der betroffenen Menschen prägen und welche Rolle hierbei Konstrukte von Norm und Abweichung spielen.
- Theoretische Grundlagen zur Ich-Identität und Persönlichkeitsentwicklung.
- Analyse des Wandels sonderpädagogischer Paradigmen und deren gesellschaftlicher Resonanz.
- Identifikation typischer Merkmale der Ich-Entwicklung bei Menschen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (Stigmatisierung, Defizitorientierung).
- Untersuchung zukunftsweisender Ansätze und neuer Biographien als Kontrast zur tradierten Defizitsicht.
- Transfer der Erkenntnisse in die Gestaltung eines inklusiven Unterrichts unter Berücksichtigung individueller Förderung.
Auszug aus dem Buch
(1) Vorwort zur Motivation
Mein Interesse an der Ich-Entwicklung von Menschen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wurzelt tiefer als das an der Geistigbehindertenpädagogik. Fragen der Identitätsentwicklung, hier vor allem der Zusammenhang ebenso wie die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Selbstkonzept auf der einen Seite und dem Bild, das andere sich von einem Menschen machen, haben mich von Jugend auf fasziniert und tun es bis heute. Da ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, in dem verhältnismäßig viele Menschen aus dem in Rede stehenden Personenkreis lebten – einige kannte ich gut – bezog sich dieses Interesse schon bald auch auf die komplexen Beziehung zwischen Zuschreibungen und Selbstempfinden ein, ohne dass ich von Anfang an die Beurteilung der betreffenden Personen als „Behinderten“ und „geistig behindert“ in Frage gestellt hätte. Eher beschäftigte mich der Einfluss von positiven und negativen Erwartungshaltungen auf die Ich-Entwicklung der Menschen aus dem in Rede stehenden Personenkreis, von denen ich im Lauf meines Studiums immer mehr kennenlernte.
Indes hat der sogenannte „Perspektivenwechsel“ und die hiermit verbundene Erkenntnis, dass diese Erwartungshaltungen aus gesellschaftlichen und auch sonderpädagogischen Sichtweisen von Menschen mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung resultieren, einen Großteil meines Studiums geprägt. Diese Aussage möchte ich nicht als Diskreditierung der Sonderpädagogik in Deutschland verstanden wissen, ebensowenig wie die vorgelegte Arbeit eine solche Kritik zur Aussage haben soll: Die professionelle Kompetenz mit ihren differenzierten „Behinderungs“- Krankheits- oder Störungskonzepten hat die Entwicklung differenzierten Wissens und hieraus folgend die Förderung der Menschen mit besonderen Bedürfnissen im allgemeinen und derjenigen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sowohl ermöglicht als auch gesellschaftlich fundamentiert.
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Einführung in die Motivation der Autorin, die Gliederung der Arbeit und Klärung der verwendeten Begriffe.
I. DER PROZESS DER ICH-ENTWICKLUNG: Theoretische Auseinandersetzung mit Identität und Persönlichkeit sowie verschiedenen wissenschaftlichen Konzepten der Ich-Entwicklung.
II. DER PERSPEKTIVENWECHSEL IN DER GEISTIGBEHINDERTENPÄDAGOGIK: Betrachtung der historischen Entwicklung von Behinderungsbegriffen und der Bedeutung von Konstruktivismus für die sonderpädagogische Praxis.
III. MERKMALE DER ICH-ENTWICKLUNG VON MENSCHEN MIT DEM FÖRDERSCHWERPUNKT GEISTIGE ENTWICKLUNG: Analyse prägender Faktoren wie Stigmatisierung, Defizitorientierung und die Auswirkungen einer verlängerten Kindheit auf die Identitätsbildung.
IV. DIE NEUE GENERATION: Vorstellung positiver Beispiele und Projekte, die neue Perspektiven auf Berufstätigkeit und Lebensgestaltung von Menschen mit geistiger Behinderung eröffnen.
V. VOM INTEGRATIVEN ZUM INKLUSIVEN UNTERRICHT: Überprüfung pädagogischer Methoden wie Förderplanung, Differenzierung und Interaktionsformen auf ihren Wert für eine inklusive Schulpraxis.
VI. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf die notwendige Normalität der Vielfalt in einer inklusiven Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Ich-Entwicklung, Identität, Sonderpädagogik, Perspektivenwechsel, Behinderung, Inklusion, Integration, Stigmatisierung, Defizitorientierung, Konstruktivismus, Persönlichkeitsbildung, Förderschwerpunkt, Soziale Interaktion, Selbstkonzept, Normalität
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich veränderte Sichtweisen in der Pädagogik auf die Identitätsentwicklung von Menschen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung auswirken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Schwerpunkte sind die theoretischen Grundlagen des Ichs, der historische Wandel des Behindertenbegriffs, spezifische Barrieren der Identitätsentwicklung sowie die Chancen inklusiver Pädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Zuschreibungen und der Ich-Entwicklung zu analysieren, um Wege zu einer inklusiven Lebens- und Lernpraxis aufzuzeigen.
Welcher theoretische Rahmen wird verwendet?
Die Autorin nutzt vor allem konstruktivistische Ansätze sowie psychoanalytische und sozialisationstheoretische Perspektiven (z.B. von Krappmann, Pervin und Erikson).
Was beinhaltet der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen von Stigmata und Defizitorientierung auf die Ich-Entwicklung, diskutiert aktuelle Projekte der neuen Generation und prüft die Eignung integrativer Methoden für den inklusiven Unterricht.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Identitätsbildung, Inklusion, Konstruktivismus, Stigmatisierung und Selbstkonzept.
Warum problematisiert die Autorin den Begriff der "Behinderung"?
Sie sieht darin ein soziales Konstrukt, das oft zu einer negativen Konnotation und reduzierten Identitätsentwicklung führt, da es den Menschen primär über seine Abweichung definiert.
Welche Rolle spielt die "verlängerte Kindheit" im Kontext dieser Arbeit?
Die Autorin beschreibt, wie die ständige Fremdbestimmung und die Zuweisung von Versorgerrollen dazu führen, dass viele junge Menschen in einer kindlichen Rolle verharren, was ihre Autonomieentwicklung behindert.
Welche Rolle spielt die Zeitschrift "Ohrenkuss" in der Argumentation?
Sie dient als positives Beispiel dafür, wie Menschen mit Down-Syndrom durch eigene kreative und gesellschaftlich anerkannte Tätigkeiten ihr Selbstbild neu definieren und gesellschaftliche Vorurteile widerlegen.
- Citar trabajo
- Sabine Maria Büchers (Autor), 2005, Ich-Entwicklung im Kontext des Perspektivenwechsels in der Geistigbehindertenpädagogik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186651