Kartographische Visualisierung von Marktdaten mit der Software District/Regiograph 2009


Diplomarbeit, 2009

125 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Verzeichnis der Abbildungen

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Motivation und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Geomarketing
2.1 Definition des Begriffes
2.2 Historische Entwicklungen
2.3 Datenbasis
2.3.1 Raumbezogene Daten
2.3.2 Attributbezogene Daten
2.4 Anwendungsfelder
2.5 Datenschutz im Geomarketing
2.6 Anforderungen an Geomarketingsoftware
2.7 Übersicht verfügbarer Softwareprodukte

3 District/RegioGraph
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Einsatzgebiete
3.3 Kartographischer Aspekt
3.3.1 Kartographie im Geomarketing
3.3.2 Kartographische Gestaltungsmittel
3.3.3 Programmnutzung
3.3.4 Zusammenfassung Kartographische Visualisierung von Geomarktdaten mit der Software District/ RegioGraph

4 Analysefunktionen unter District/RegioGraph
4.1 Darstellung einer Variable
4.1.1 Analyse nach Merkmalen
4.1.2 Analyse nach Klassen
4.1.3 Punktdichtedarstellung
4.1.4 ABC-Analyse
4.2 Darstellung mehrere Variablen
4.2.1 Piktogrammdarstellung
4.2.2 Portfolio-Analyse
4.2.3 Multidimensionale Symbole
4.2.4 Diagramme
4.3 Standortabhängige Darstellung
4.3.1 Entfernung zu Standorten
4.3.2 Radialanalyse
4.3.3 Stern- und Baumdarstellungen
4.4 Darstellung in 3D
4.4.1 Prismadarstellung
4.4.2 Griddarstellung
4.5 Zusammenfassung

5 Gebiets- und Standortplanung mit District/RegioGraph
5.1 Gebietsplanung
5.2 Standortplanung
5.3 Berichte und Reporte erstellen

6 Zusammenfassung
6.1 Ergebnisse der Arbeit
6.2 Ausblick

7 Sumario
7.1 Resultado del trabajo Kartographische Visualisierung von Geomarktdaten mit der Software District/ RegioGraph
7.2 Prespectivas

8 Quellenverzeichnis
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Internetquellen
8.3 Sonstige Quellen

Anhang

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 2.1 : Bereiche des Geomarketings

Abbildung 2.2 : Datenebenen in Deutschland

Abbildung 2.3 : Anwendungsmöglichkeiten Geomarketing

Abbildung 4.1 : Administrative Zugehörigkeiten der Gemeinden zu den Regionen

Abbildung 4.2 : Vergleich der Methoden der Klassenanalyse einer Variable

Abbildung 4.3 : Kundenstandorte & Umsatz einer Pizzaria

Abbildung 4.4: Banken in Spanien

Abbildung 4.5 : Marktanteile mit ABC-Analyse

Abbildung 4.6: Piktogramme

Abbildung 4.7 : Portfolio-Analyse

Abbildung 4.8 : Analyse der Bevölkerung nach Spaniern und Ausländern

Abbildung 4.9 : Multidimensionale Symbole

Abbildung 4.10 : Diagrammdarstellung der Bevölkerung

Abbildung 4.11 : Entfernung zum nächsten Standort

Abbildung 4.12 : Radialanalyse

Abbildung 4.13 : Sterndarstellung

Abbildung 4.14 : Baumdarstellung

Abbildung 4.15 : Einwohnerverteilung als 3D-Prismendarstellung

Abbildung 4.16 : Einwohnerverteilung als 3D-Griddarstellung

Abbildung 5.1 : Faktoren für die Standortplanung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1

Vorwort

Durch das im Sommersemester 2008 absolvierte Praxissemester in der Firma Geograma S.L. in Vitoria-Gasteiz/ Spanien ergab sich die Möglichkeit, einen Einblick in den Bereich des Geomarketings zu erhalten. Dabei bot sich die Gelegenheit, dieses Thema für die hier vorliegende Diplomarbeit zu verfassen.

Für die gute Zusammenarbeit und die Bereitstellung der benötigten Softwareprodukte möchte ich mich recht herzlich bei der Firma Geograma S.L. bedanken.

Des Weiteren gilt mein Dank Herrn Prof. Dr.-Ing. Kowanda, der mich zu neuen Denkanstößen und fachliche Überlegungen motivierte. Ebenfalls möchte ich mich bedanke für die fachliche Unterstützung und Anfertigung des Zweitgutachtens bei Herrn Prof. Dr. oec. Helbig. Vitoria-Gasteiz im Juli 2009 Anja Ludewig Kartographische Visualisierung von Geomarktdaten mit der Software District/ RegioGraph 2009

1. Einleitung

1.1 Motivation und Zielsetzung

Landkarten, auf denen Standorte mit verschiedenfarbigen Stecknadeln markiert werden, gehören der Vergangenheit an!

Durch den schnellen technischen Fortschritt ist es heute möglich, personenbezogene Daten bis auf die Hausnummer genau in Karten zu visualisieren und zu analysieren. Da in allen Bereichen der Wirtschaft Sachdaten zum Einsatz kommen, die zu circa 80% räumliche Bezüge aufweisen, ist vielen Unternehmen bereits heute ein Geografisches Informationssystem (GIS) zur betrieblichen Standardanwendung geworden. Die Informationen über räumliche Beschaffenheit und Strukturen helfen bei der präzisen Planung vieler Unternehmensentscheidungen und können zum wesentlichen Wettbewerbsfaktor werden. Somit erfolgt ein Wandel vom Marketing hin zur kartographischen Visualisierung und Präsentation, von Marktdaten in Landkarten, mit den Instrumenten des Geomarketings.

Das Geomarketing hat sich als schnell wachsenden Wirtschaftszweig etabliert, wodurch der Markt eine völlig neue Anschaulichkeit erlangt. Dieses eröffnet dem Unternehmensmanagement neue Wesenszüge bei der Planung und messbaren Bewertung nach Erfolg und Misserfolg von regionalen Produkten, deren Preisen und erzielbaren Umsätzen und stellt somit ein leicht verständliches Planungs- und Entscheidungswerkzeug dar. Es stellt sich nicht mehr nur allein die Frage„Wer ist mein Kunde?“,sondern auch der Frage„Wo ist mein Kunde?“wird eine immer größere Bedeutung zuteil.

Zur Umsetzung der Geomarketinganalysen haben in den vergangenen Jahren verschiedene Hersteller neue Softwarelösungen entwickelt Marktdaten schnell und unkompliziert zu visualisieren, um die Unternehmenssituation anschaulich und leicht interpretierbar zu gestalten.

Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird dabei speziell auf die Softwarelösung District/RegioGraph der Firma GfK GeoMarketing eingegangen. Es wird untersucht, welche Standardanalysen und Funktionalitäten das Programm zur

Verfügung stellt und welche Unternehmensdaten wie dargestellt werden können, um die Problematik möglichst effektiv zu visualisieren.

Da während der Bearbeitungszeit dieser Diplomarbeit die neueste Version der Software erschienen ist und sich der Name District 10 zu RegioGraph Planung 2009 geändert hat, wird in dieser Arbeit von District/RegioGraph gesprochen. Alle Angaben sind sowohl für District 10 als auch für RegioGraph Planung 20092 relevant und aktuell. Zusätzlich zu den Ausführungen werden sämtliche Funktionalitäten der Software im interaktiven Tutorial in einer Schritt für Schritt Anleitung erläutert und beschrieben.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Anschluss an die einleitenden Ausführungen werden zunächst im2. Kapiteldie theoretischen Grundlagen zum Inhalt als auch zur Bedeutung des Geomarketing diskutiert. Es wird untersucht, welche Daten die Basis für das Geomarketing bilden und abschließend werden die vom Gesetzgeber vorgegebenen rechtlichen Rahmenbedinungen des Geomarketings hinsichtlich des Datenschutzes betrachtet.

Das3. Kapitelwidmet sich der Software District/RegioGraph der Firma GfK GeoMarkting. Dabei werden die Entwicklungsgeschichte des Programms, die möglichen Einsatzgebiete sowie die Nutzung hinsichtlich der kartographischen Umsetzung und Gestaltung dargestellt.

Im anschließenden 4. Teil der Arbeit werden die Analysewerkzeuge, Funktionalitäten und Standardfunktionen von District/RegioGraph 2009 näher betrachtet. Hier werden besonders die kartographische Darstellung und die sowie die Einsatzmöglichkeiten kritisch beurteilt.

Das5. Kapitelbeschäftigt sich mit der Gebiets- und Standortplanung. Es wird untersucht, welche Möglichkeiten zur Erstellung und Optimierung neuer Gebiete mit District/RegioGraph möglich sind und welche Funktionalitäten das Programm zur Standortplanung bietet.

Derletzte Teildieser Arbeit umfasst die Zusammenfassung der vorliegenden Untersuchung - in deutscher und spanischer Sprache - mit abschließendem Ausblick auf die möglichen zukünftigen Entwicklungen im Bereich des Geomarketings.

2. Geomarketing

2.1 Definition des Begriffs

Der Begriff Geomarketing setzt sich im Wesentlichen aus dem Wort „Geo“ und „Marketing“ zusammen. Dabei bezieht sich Geo auf den geographischen Raumbezug und bildet mit raumbezogenen Daten die Grundlage der Analysen. Marketing hingegen bezieht sich auf die kundenorientierten Aktivitäten der Wirtschaftssubjekte, d. h. auf die Befriedigung der Bedürfnisse potenzieller Kunden und anderer Bezugsgruppen, um gesetzte Ziele effizienter zu erreichen.

Im englischen Sprachgebrauch wird der Begriff „Geomarketing“ eher selten gebraucht, stattdessen werdenBusiness MappingoderBusiness Geographics verwendet.

Schüssler (2000) definiert den Begriff wie folgt:

„Geomarketing bezeichnet die Planung, Koordination und Kontrolle kundenorientierter Marktaktivitäten von Unternehmen mittels geographischer Informationssysteme. Es werden Methoden angewendet,die den Raumbezug der untersuchten unternehmensinternen und -externen Daten herstellen, analysieren und visualisieren sowie sie zu entscheidungsrelevanten Informationen aufbereiten“3

Eine weitere Definition bietet die Gesellschaft für Konsumforschung:

„Unter Geomarketing versteht man auf die räumlich differenzierten Eigenschaften des Marktes abgestimmten Marketingmaßnahmen. Um ein sinnvolles Geomarketing entwickeln zu können, ist es also nötig die räumlichen Muster und Zusammenhänge im Markt zu erkennen. Durch den Einsatz eines GIS, in dem Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Unternehmensdaten räumlich miteinander verknüpft und analysiert werden können, wird dies ermöglicht.“4

Diese Definitionen sagen aus, dass im Geomarketing unternehmenseigene Daten wie Kundenadressen, Umsätze, Bevölkerungs- und/oder Wirtschaftsdaten mit Raumdaten verknüpft und analysiert werden. Die Darstellung der Resultate erfolgt dabei durch eine automatisch generierte Datendarstellung in einer Landkarte.

Das Geomarketing zählt zu den interdisziplinären Wissenschaften und liegt somit im Überschneidungsbereich von Informationstechnologie, Geowissenschaften und Wirtschaft. Eine konkrete Abgrenzung des Bereiches ist wegen der vielfältigen Einflussfaktoren der verschiedenen Disziplinen nicht möglich.

In der Betriebswirtschaftslehre analysiert und visualisiert Geomarketing die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Unternehmens. Das heißt, zweidimensionale Diagramme von Verkaufsgebieten werden zu aussagekräftigen Darstellungen, die mit vielen weiteren Daten über die Zielgebiete verknüpft werden können. Diese Daten sind zum Beispiel Einwohnerdichte, Kaufkraft, Konsumverhalten oder Wettbewerbsstandorte. Damit wird für den Unter- nehmenserfolg eine detaillierte und präzise Steuerung der betriebswirtschaftlichen Parameter möglich. Neben der Betriebswirtschaftslehre ist dasMarketingeiner der Schwerpunkte des Geomarketings. Es ist entscheidend für die Erhebung von Kundendaten, Preisgestaltung, Distribution und Kommunikation. Das bedeutet, die Daten, die von der Analyse ausgewertet werden sollen, werden durch das Marketing bereitgestellt.

Für die Darstellung räumlicher Bezüge von betriebswirtschaftlichen Phänomenen, für Analyse, Präsentation und Plot in Karten ist der Bereich derKartographierelevant. DieInformatikverwaltet Daten in Datenbanken bzw. Geodatenbanken und stellt diese bei Bedarf zur Verfügung. Sie realisiert die computergestützten Analyseverfahren und automatisiert Prozesse. Statistische Informationen, zum Beispiel Einwohnerzahlen, werden interpretiert, analysiert oder aber auch mit anderen Zusammenhängen verknüpft. Dadurch bildet dieStatistikebenfalls einen Überschneidungsbereich mit dem Geomarketing.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Abb. 2.1: Bereiche des Geomarketings

Die Vorgehensweise des Geomarketings lässt sich dabei in die drei Stufen Informationserstellung, Informationsauswertung und Informationsdarstellung unterteilen. Sach- und Geodaten, welche im Prozess der Informationserstellung zur Verfügung gestellt werden, werden im Prozess der Informationsauswertung durch Analysen strukturiert und im Prozess der Informationsdarstellung visualisiert.

2.2 Historische Entwicklungen

Das Wort Geomarketing kam erstmals in den frühen 90er Jahren in der Regionalforschung auf. Diese analysiert Chancen und Risiken des globalen Wandels für regionale Entwicklungsprozesse.

Die Gesellschaft für Konsumforschung der Bundesrepublik Deutschland entwickelte 1955 die erste Kaufkraftkarte, anfangs mit einer Gliederung nach Bundesländern und später folgte die Gliederung nach Gemeinden bis hin zur Gliederung nach Stadtbezirken.

1959 wurde dasInstitut für angewandte Sozialwissenschaften (infas)durch Klaus Liepelt gegründet, welches sich noch heute der Regionalforschung widmet und somit eines der ältesten Markt- und Sozialforschungsinstitute in Deutschland ist. Doch erst durch das Aufkommen der Personalcomputer in den späten 70er Jahren war es den Unternehmen möglich, Kundendaten und Unternehmensdaten selbst digital zu verwalten.

Die „Quantitative Revolution“ der Geografie in den 60er und 70er Jahren führte dazu, dass mathematische und statistische Methoden auf raumbezogene Phänomene bezogen werden konnten. In Großbritannien wurden gegen Ende der 70er Jahre diese quantitativen Methoden bereits auf Fragestellungen angewendet, die heute zum Geomarketing zählen.

Mitte bis Ende der 80er Jahre entwickelten sich neben dem Institut für angewandte Sozialwissenschaften noch weitere Unternehmen, die Marktdaten mit Hilfe von Landkarten untersuchen und darstellen. Doch erst seit Ende der 80er Jahre, durch die schnelle Entwicklung im Hard- und Softwarebereich und mit der Einführung von Windows 97, wurde es den Unternehmen ermöglicht, eigene Marktanalysen durchzuführen. Die Entwicklung von Navigationssystemen Ende der 90er Jahre machte die flächendeckende Aufnahme des Straßennetzes möglich, womit Kundendaten, Haushalte und Potenziale auf Straßenabschnitten detailliert dargestellt werden können.

Die rasante Entwicklung unseres Wirtschaftsraumes von Verkäufer- zu Käufermärkten, resultierend aus der Sättigung der Märkte und dem informationstechnologischen Fortschritt, der die technische Voraussetzung für den effektiven Einsatz von Geomarketing bot, ist die grundlegende Ursache für den derzeitigen Boom der Branche.

2.3 Datenbasis

Für die Durchführung von Geomarketinganalysen wird vorausgesetzt, dass relevante Daten vorhanden sind und zur Verfügung stehen. Die Faktoren für die Beurteilung der Daten sind Genauigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Klein- räumigkeit beziehungsweise Datentiefe. Dabei wird zwischen raumbezogenen und attributbezogenen Daten unterschieden. Diese können beliebig oft miteinander verknüpft werden.

2.3.1 Raumbezogene Daten

Raumbezogene Daten werden in Daten mit direkten und indirekten Raumbezug untergliedert. Geometriedaten, die über Koordinaten einem bestimmten Ort auf der Erde zugeordnet sind, verfügen über einen direkten Raumbezug im Gegensatz zu Adressdaten, deren Raumbezug aus einem direkten Raumbezug abgeleitet werden. Das hinter diesem Vorgang stehende Verfahren wird auchGeocoding genannt. Im Geomarketing ist das Geocoding die genauste Möglichkeit, Standorte, Kunden und Partner zu lokalisieren - sie ist eine direkte Referenz auf den räumlichen Zusammenhang.

Für Analysen erfolgt die Einteilung der Daten in geografische Segmente, d. h. die Zusammenfassung von Lebensräumen, die von Menschen mit gleichen Werten, gleichem Lebensstil oder Sozialstatus gemeinsam eingenommen werden. Ziel dieser Aufteilung ist es, den heterogenen Markt in homogene Submärkte aufzuteilen und die Datenerhebung, wie z. B. Einkommen, auf Einzelpersonen zu vermeiden.5

Die Genauigkeit der Daten hängt dabei von der Ebene ab, auf der z. B. die Kundeninformationen bereitgestellt werden, und von der gewünschten Detailtiefe. Gebietsmäßig erfolgt die Unterteilung in Bundesländer, Regierungsbezirke, Stadt- und Landkreise, fünfstellige PLZ-Gebiete, Kommunen, Stimmbezirke, Marktzellen und Mikrozellen. Die raumbezogenen Daten6 realisieren somit die Kartendarstellung und dienen als Grundlage für die Zuordnung der attributbezogenen Daten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung, Orientiert an SCHÜSSLER, 2000

Abb. 2.2. Datenebenen in Deutschland

2.3.2 Attributbezogene Daten

Attributbezogene Daten oder Sachinformationen sind alle thematischen Informationen, die keine räumliche Ausprägung besitzen. Sie umschließen verschiedene Kategorien, wie die demographischen Daten, welche über die öffentliche Statistik erhoben werden. Die Statistischen Landesämter stellen Informationen über die Bevölkerung bereit, wie Alter, Geschlecht, Nationalität, usw. Attributbezogene Informationen sind aber auch externe und interne Unternehmensdaten, die Informationen über Kunden, Umsätze und Potenziale enthalten. Die Daten über Kaufkraft, die das verfügbare Einkommen in privaten Haushalten repräsentieren, stellen eine wichtige Datenbasis für viele Geomarketinganalysen dar. Diese Daten unterliegen deutlichen regionalen Unterschieden und sind an die Erwerbssituation in Haushalten gebunden. Somit ist zum Beispiel die Kaufkraft von großer Bedeutung für die Konsumgüterindustrie, die ihre Angebote an die in einer bestimmten Region vorliegende Kaufkraft anpassen muss.

Diese Datenbasis lässt erkennen, dass der Erfolg und Misserfolg der Analysen von der Qualität der Sachdaten abhängig ist, d. h. vom Alter des Datenbestandes, der Flächendeckung, der räumlichen und inhaltlichen Genauigkeit sowie der referenziellen Integrität. Es ist außerdem erforderlich, dass Geomarketingsoftwareprodukte über schnell und einfach auszuführende Analyseinstrumente verfügen, um damit eine hohe Aktualität der Karten sicherzustellen.

2.4 Anwendungsfelder

Geomarketing findet in nahezu allen Unternehmen, unabhängig von Branche oder Größe, seine Anwendungsgebiete. Das heißt, in jedem Unternehmen, in dem mit Kundendaten gearbeitet wird, stellt sich irgendwann die Frage:„Wo kommt mein Kunde her?“. Die Schwerpunkte der Anwendungen umfassen dabei die Standortplanung, die Optimierung von Vertrieb und Service sowie das Mikromarketing.

Im Einzelhandel dient Geomarketing der Untersuchung der Verkaufsleistung, der Konkurrenzsituation und der Kundenprofilierung. Es vermittelt Kenntnisse über die Kunden, die Wettbewerber und die allgemeinen Standorteigenschaften. Aber Geomarketing kommt auch in den Medien, dem Vertrieb, der Gastronomie und in vielen weiteren Bereichen zum Einsatz.

Die Anwendungsfelder des Geomarketings richten sich dabei zum Beispiel nach den Fragestellungen: „Wo befindet sich meine Zielgruppe?“; „Wo werden neue Standorte benötigt?“; „Wo ist der Umsatz hoch?“ oder „Wo muss mehr geworben werden?“.

Damit umfasst Geomarketing die vier klassischen Elemente desMarketing-Mix:

- Place: Distributions-Mix (Standortplanung)
- Price: Preis-Mix (Zielgruppenanalyse)
- Promotion: Kommunikations-Mix (Database Marketing)
- Product: Produkt-Mix (Vertriebsoptimierung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Abb. 2.3 : Anwendungsmöglichkeiten Geomarketing

2.5 Datenschutz und Geomarketing

„An der Wand erscheint ein Stadtplanausschnitt von Berlin-Mitte mit der Straße der Bundeskanzlerin. Über dieses Haus weiß Herters Computer eine Menge: vor 1900 gebaut, sechs Haushalte, Bauweise befriedigend, kein Garten vorhanden, keine Ausländer, ... Diabetes und Arthrose überdurchschnittlich, Fitness unterdurchschnittlich, viel Audi, ... wenig Volkswagen.“7

RAUNER8 bezeichnet, in seinem Artikel „Die Merkels von nebenan“, das Geomarketing als den Alptraum der Datenschützer. Er weist auf die Probleme hin, wenn Kunden wie Koordinaten in einer Landkarte behandelt werden, aber er zeigt auch, welches Potential im Geomarketing steckt.

Durch den wachsenden Datenpool und den zunehmenden Detaillierungsgrad rückt Geomarketing somit immer mehr in das Blickfeld des Datenschutzes. Dabei handelt es sich sowohl um Massen- wie auch um Direktwerbung mit einem konkreten Raumbezug, wobei unterschiedliche Kategorien von Daten zu unterscheiden sind, die auch verschiedene Datenschutzfragen auslösen. Da es sich bei Geodaten meist um sachbezogene Daten wie Lage oder Höhe handelt, gelten keine speziellen Datenschutzbestimmungen, da diese Daten keine Beziehungen zu einer natürlichen Person aufweisen. Werden diesen

Informationen natürliche Personen zugeordnet, wie zum Beispiel Grundstückseigentümer, so gilt laut § 28 Abs. 3 Nr. 39 des Bundesdatenschutzgesetz, dass die Übermittlung oder Nutzung"für Zwecke der Werbung, der Markt- und Meinungsforschung, wenn es sich um listenmäßigoder sonst zusammengefasste Daten über Angehörige einerPersonengruppe handelt"und"kein Grund zu der Annahme besteht, dassder Betroffene ein schutzwürdiges Interesse an dem Ausschluss derÜbermittlung oder Nutzung hat"zulässig ist.

Somit ist eine Übermittlung bzw. Nutzung der Daten erst dann unzulässig, wenn der Betroffene der Nutzung oder Übermittlung seiner Daten widerspricht.

Da im Geomarketing Kundendaten visualisiert werden, ist die Abgrenzung zu personenbezogenen und nicht personenbezogenen Daten nur schwer zu ermitteln. Den Umgang mit diesen Daten hat der Gesetzesgeber noch nicht ausreichend beantwortet, daher ist bei Grenzfällen zu prüfen, ob die Nutzung und Verknüpfung von Daten aus anderen Datenquellen mit den Geobasisdaten zu neuen Geschäftszwecken zulässig ist.10

2.6 Anforderungen an Geomarketingsoftware

Wie bereits im Kapitel 2 erörtert, liegt Geomarketing im Überschneidungsbereich verschiedener Fachrichtungen, in denen es verschiedene Anforderungen erfüllen muss. Eine der wichtigsten Anforderungen an Softwareprodukte im Geomarketing ist das Zusammenwirken verschiedener Systemkomponenten. Dazu zählen die Datenaufbereitung für Erfassung, Geokodierung und Weiterverarbeitung zu verwendbaren Informationen. Eine Datenschnittstelledient dazu, Daten in Analysen und Darstellungen zu integrieren und mit (Geo-) Datenbankenzu verknüpfen. Verschiedene Analysefunktionen zur Auswertung der Marktdaten sowie eine Ausgabekomponente sind weitere Bestandteile der Systemkomponenten.

Das Institut „Frauenhofer für Intelligente Analyse und Informationssysteme“ hat ein Konzept zur Bewertung von Geomarketingsoftware entwickelt, welches die wichtigsten Fragestellungen dieser interdisziplinären Wissenschaft beinhaltet. Die einzelnen Bewertungskriterien beziehen sich dabei auf die vier Hauptaufgaben des Geomarketings. Diese sind Vertriebscontrolling, Standortplanung, Marktanalysen und Bezirksplanung.

Eine Software im Bereich Geomarketing sollte in der Marktanalyse vor allem die Klassifizierung nach quantitativen Attributen, die Zuordnung von Kunden zu Gebieten und die Darstellung als Choroplethenkarte ermöglichen. In der Standortplanung müssen Aufgaben des Geocodierens, der Einteilung nach Rang und Score, Berechnungen von straßennetzbasierte Entfernungen oder Entfernungszonen realisiert werden. Ebenso sind die Zuordnung der Lage in einem Gebiet, das Aggregieren von Attributen nach Zuordnungen, die Berechnung optimaler Standorte, das Aufzeigen von Über- und Unterversorgung oder die Zuordnung von Farbe/ Linien sind wichtige Aufgaben.

Im Vertriebscontrolling werden Fragestellungen durch Portfolio-Analysen, Geocodierung, straßennetzbasierte Entfernungen, Zuordnung von Kunden zu Gebieten oder nach Lage in einem Gebiet dargestellt. Das Aggregieren von Attributen nach Zuordnungen, die Darstellung als Choroplethenkarte oder mit Symbolen in verschiedenen Größen sowie die Zuordnung mit Linien oder Farben gehören ebenfalls zu den Anforderungen des Vertriebscontrollings an das Geomarketing. Die Bezirksplanung fordert Möglichkeiten des Geocodierens, Berechnung von straßennetzbasierten Entfernungen und optimaler Standorte, das

Aggregieren von Attributen nach Zuordnungen, die Optimierung von Gebieten sowie die Zuordnung von Kunden zu Gebieten und nach Lage in einem Gebiet.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, erfordert es eine komplexe Software, die neben den nötigen Analysefunktionen ebenfalls ein umfangreiches Datenmaterial zur Verfügung stellt. Das Ergebnis des Institutes „Frauenhofer für Intelligente Analyse und Informationssysteme“ dieser Studie zeigt, das District/ Regiograph nicht nur preislich die beste Variante ist, sondern auch durch seine Stärke in der großen Auswahl an Analyse- und Darstellungsmöglichkeiten sowie in der Gebietsoptimierung überzeugt.

2.7 Übersicht verfügbarer Softwareprodukte

Die Mehrzahl der verfügbaren Softwareprodukte kann dem Bereich des DesktopGIS zugeordnet werden. Im deutschsprachigen Raum sind vor allem die Produkte MarktAnalyst von Infas Geodata, MapInfo Professional von MapInfo GmbH, DistrictManager von Lutum+Tappert sowie District/RegioGraph von GfK GeoMarketing zu nennen, die den Hauptteil des deutschen Softwaremarktes einnehmen. Auf das Programm District/RegioGraph wird im weiteren Verlauf der Arbeit näher eingegangen, deshalb wird es bei den weiteren Betrachtungen in diesem Kapitel nicht mehr berücksichtigt.

Der MarktAnalyst11 der Firma Infas GEOdata basiert auf der ESRI-Technologie und bietet vielseitige Einsatzmöglichkeiten der Standortplanung, der Ermittlung von Einzugsgebieten, der Analyse und Optimierung von Kundenpotenzialen und Wegstrecken. Damit gehört der MarktAnalyst zu einem der umfangreichsten Geomarketing-Komplettlösungen auf dem deutschen Markt.

Neben Infas GEOdata gehört die MapInfo GmbH, mit dem Produkt MapInfo Professional12, ebenfalls zu den marktführenden Unternehmen im Bereich der geographischen Informationssysteme. Sie bieten eine Desktop-Lösung für das Erfassen, Bearbeiten, Analysieren und Visualisieren von Marktdaten in Kombination mit raumbezogenen Daten an.

Die Firma Lutum+Tappert veröffentlichte 1992 die Software District Manager für Windows, welche derzeit in der Version 8.4 erhältlich ist. Die Einsatzgebiete der Software umfassen die Ermittlung von Gebietspotenzialen, Berechnung der optimalen Gebietsstruktur und die Standortanalyse. Für dieses Produkt steht eine zeitlich begrenzte Demoversion zum Download13 auf der Herstellerseite bereit, die über den vollen Funktionsumfang verfügt.

Eine Besonderheit unter den Geomarketingprogrammen bietet die Firma MapChart mit dem onlinebasierten MapChart Manager, der es ermöglicht online Geomarketinganalysen durchzuführen. Er verfügt über europaweites, straßengenaues Kartenmaterial sowie bereits vorhandene Businessdaten.

Neben den bereits genannten Produkten gibt es weitere Produkte, wie Map & Market der Firma Planung Transport Verkehr AG (PTV) und FiliaInfo von IVU Traffic Technologies AG. Im englischsprachigen Raum finden vor allem MapPoint von Microsoft und Maptitude von Caliper ihre Anwendung.

Im Anhang A sind die derzeit aktuellen und gebräuchlichsten Softwareprodukte im Bereich Geomarketing übersichtlich zusammengefasst.

3. District/RegioGraph 2009

District/RegioGraph ist einDesktop Mapping Tool,speziell um Kunden-, Marktund Unternehmensdaten zu analysieren und zu visualisieren. Für die Nutzung werden von der Firma GfK GeoMarketing verschiedene Analyseverfahren sowie Kartenmaterial aus dem TeleAtlas bereitgestellt.

3.1 Entstehungsgeschichte

Die GfK-Gruppe ist das viertgrößte Marktforschungsunternehmen der Welt. Es besteht aus den AufgabenbereichenCustom Research,Retail and Technology sowieMedia.

Das Unternehmen GfK GeoMarketing GmbH wurde 1991 in Karlsruhe als MACON Markt+Konzept GmbH gegründet. Durch den Zusammenschluss von GfK Regionalforschung, GfK MACON und GfK PRISMA entstand im August 2006 die GfK GeoMarketing GmbH, welche zu 100 Prozent zur GfK, der Gesellschaft für Konsumforschung, gehört.

Die GfK GeoMarketing stellte erstmals im März 1991 auf der CeBIT in Hannover die Software District vor, welche für den Zweck der Gebietsplanung konzipiert wurde. Im darauf folgenden Jahr wurde das Analysewerkzeug RegioGraph veröffentlicht. Ab den Versionen sechs, welche 2001 erschienen, konnten erstmals Dirstict und RegioGraph auch in englischer und italienischer Übersetzung genutzt werden. Damit wurde der Einsatz auf dem internationalen Markt möglich.

2007 wurden von RegioGraph und District die Versionen zehn der Öffentlichkeit vorgestellt, die digitale Landkarten und GfK Kaufkraft für Deutschland, Österreich und die Schweiz enthielten. Noch im selben Jahr gewann District 10 den Innovationspreis in der Kategorie „Buisness Intelligence“ der Initiative Mittelstand. Im Jahr 2008 folgte für RegioGraph 10 die Auszeichnung im Bereich

Wissensmanagement beim Innovationspreis der Initiative Mittelstand. Seit April 2009 stehen die derzeit aktuellen Versionen der beiden Softwareprodukte zur Verfügung. Eine der Neuerungen bei den Softwareprodukten besteht darin, dass sich der Name von RegioGraph zu RegioGraph Analyse 2009 und von District zu RegioGraph Planung 200914 geändert hat. Eine weitergehende Differenzierung ist im Funktionsumfang zu suchen. RegioGraph Analyse 2009 ist ein kompaktes Programm, welches spezielle Funktionalitäten für die Analyse und Berechnung von Marktdaten anbietet. Die Version RegioGraph Planung 2009 ist eine Erweiterung, die zusätzlich Programmfunktionen für die Standort- und Gebietsplanung sowie für die Berechnung von Fahrzeitzonen und Einzugsgebieten bereitstellt. Als derzeit einzige Lösung auf dem deutschen Markt bietet die Software standardmäßig einen Geocoder für Deutschland, Österreich und die Schweiz an. Beide Versionen beinhalten GfK Kaufkraft sowie europaweites Landkartenmaterial.

Gegenwärtig verzeichnet die Firma GfK GeoMarketing über 40.000 Produktanwender15 der beiden Softwareprodukte weltweit. Neben den beiden Produkten bietet das Unternehmen ebenfalls Daten zu 2,5 Millionen Straßenabschnitten an, die in der mikrogeografischen Datenbank POINTplus® verwaltet werden.

3.2 Einsatzgebiete

Die Anwendungsmöglichkeiten von District/RegioGraph decken den gesamten Bereich des Geomarketings ab. Es dient vor allem für die Analyse von Markt- und Unternehmensdaten sowie für die Regionalstatistik. Kunden- und Marktdaten werden als räumliche Darstellung in Landkarten abgebildet, wodurch sich Zusammenhänge und Potenziale erkennen lassen.

Im Controlling erfolgt der Einsatz für die Analyse und Bewertung von Umsätzen oder für die Erstellung von Jahresberichten und Reports. Der Bereich des Marketing nutzt die Instrumente des Geomarketings in der Zielgruppenanalyse, der Medienplanung, des Mikromarketings und für Analysen der aktuellen Marktsituation. Im Vertrieb werden Gebietsplanungen, Absatzplanungen oder auch die Sortimentgestaltung mit Hilfe von District/RegioGraph realisiert. Die Versicherungsbranche erstellt Tarifplanungen, Schadenspotenzialanalysen oder Risikoanalysen zum Zweck der Rückversicherung.

Für Expansionplanung, Filialnetz- und Standortoptimierung sowie Standortplanung wird die Software in der Unternehmensstrategie eingesetzt.16 Aber auch im Bereich der Wissenschaft und Forschung bietet District/RegioGraph vielfältige Verwendungsmöglichkeiten.

Bekannte Unternehmen und Institutionen, die das Softwareprodukt nutzen, sind unter anderem Bosch, Deutsche Post, Edeka, Paulaner Brauerei, Praktiker, Axel Springer Verlag, Volkswagen, Siemens, Universität Wien, Zeiss u. v. m.

3.3 Der Kartographische Aspekt

3.3.1 Kartographie im Geomarketing

Die Thematische Kartographie stellt Themen dar, die einen geografischen Raumbezug besitzen und nicht-topographischer Art sind. Dabei werden Informationen veranschaulicht, die absolute und relative Zahlenwerte, von Einzelerscheinungen, komplexen Sachverhalten und begrifflichen Abstraktionen nach Verbreitung, Eigenschaften und Wirkungen beinhalten. Somit können Daten kartographisch sinnvoll dargestellt und ausgewertet werden, sofern es sich um räumlich verbreitete und gleichzeitig qualitativ oder/und quantitativ unterschiedliche Informationen handelt. Der Begriff "thematische Karte" wurde erstmals 1934 von R. von Schumacher verwendet und hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt. (vgl. ARNBERGER E. 1997, S.13)

Da der Bedarf nach Landkarten zur Analyse und Verarbeitung der räumlichen Dimensionen immer mehr zunimmt, wird auch die Verknüpfung von Unternehmensdaten mit Karten immer wichtiger. Mit Hilfe von District/RegioGraph können die Unternehmensdaten schnell und unkompliziert in einer thematischen Karte umgesetzt werden. Die wichtigsten Kartentypen die realisiert werden, sind unter anderem: Diagrammkarten, Chlorophletenkarten, die Darstellung von Bewegung und Genese sowie Lagekarten.

3.3.2 Kartographische Gestaltungsmittel

Um dem Nutzer die Aussage einer Darstellung zu vermitteln, tragen die grafischen Elemente einer thematischen Karte einen wesentlichen Teil dazu bei. Als kartographische Gestaltungsmittel gelten Punkt, Linie und Fläche sowie die zusammengesetzten Zeichen Signatur, Diagramm, Halbton und Schrift.(HAKE,GRÜNREICH, MENG:2002)

Für die Elemente Punkt, Linie und Fläche besteht die Möglichkeit, verschiedene Stile/Stilarten bzw. Füllungen zu definieren oder bereits vorhandene anzuwenden. Der jeweilige Stil kann dabei auf den gesamten Layer oder nur auf einzelne Layerelemente angewendet werden.

District/RegioGraph bietet ebenfalls verschiedene Punkt-/Positionssignaturen, die aus geometrischen oder bildhaften Symbolen bestehen, um zum Beispiel Standorte oder Kunden zu visualisieren. Dabei besteht die Möglichkeit, neben den vorgefertigten Symbolen eigene Grafiken als Punktsignaturen zu importieren, zum Beispiel das Firmenlogo eines Unternehmens. Neben den Standardformatierungen, wie Symbolgröße oder -farbe, die individuell für einzelne Symbole oder für den gesamten Layer definiert werden können, besteht die Option, den Schwerpunkt (Zentroid) der Symbole festzulegen.

Die Kartenherstellung in District/RegioGraph erfolgt maßstabsunabhängig, d. h. die Einstellungen für die Maßstabsleiste können jederzeit geändert werden. Dabei wird die Darstellung automatisch an den jeweiligen Kartenausschnitt bzw. an die

Zoomstufe angepasst. Neben der automatischen Erstellung einer Maßstabsleiste wird die Einstellung einer Projektion sowie das Hinzufügen verschiedener Kartenelemente, wie Nordpfeil, Gradnetz, usw. ebenfalls ermöglicht.

In District/RegioGraph können alle kartographischen Gestaltungsmittel zur Anwendung gebracht werden, um so ein qualitativ hochwertiges Produkt zu erzeugen.

3.3.3 Die Programmnutzung

Die Programmoberfläche ist übersichtlich und gut strukturiert aufgebaut. Durch einfaches Drag & Drop ist es möglich, die Navigationsleisten und Fenster individuell zu organisieren. Die wichtigsten Programmfunktionen und Analysewerkzeuge können direkt über einen Button der Werkzeugleiste angesteuert werden. Wodurch es gewährleistet ist, schnell und ohne spezielles Fachwissen oder lange Einarbeitungszeit in das Programm, professionelle Analysen zu erstellen.

Schwierig wird es, wenn nicht nur die Visualisierung von Marktdaten in Karten eine Rolle spielt, sondern auch das Digitalisieren der Kartenelemente. Es besteht die Möglichkeit, neue Layer zu erzeugen und diese mit Punkten, Linien oder Flächenelementen zu füllen. Jedoch sind diese Funktionalitäten sehr einfach gehalten und eignen sich nur bedingt, um Kartendaten zu digitalisieren. Um diesem Problem entgegenzuwirken, verfügt das Programm über ein Basispaket an Kartenmaterial, das unter anderem die administrativen Einheiten, Straßendaten des TeleAtlas und Siedlungsgebiete enthält. Mit diesen Layerdaten ist die Voraussetzung geschaffen, die Mehrzahl der für ein Unternehmen notwendigen Analysen durchzuführen.

Ist für eine Analyse jedoch ein Layer erforderlich, der komplexe Kartendaten speziell nach Unternehmensituation enthalten muss, können Daten im ESRI Shape Format oder im MapInfo Interchange Format importiert werden, was das Vorhandensein eines anderen Kartographieprogramms voraussetzt.

Die Datenausgabe der erstellten thematischen Karte erfolgt über die gängigen Bildformate oder über das automatische Erzeugen eines HTML-Dokumentes mit eingebetteter Landkarte und Verlinkung zu den Daten der Attributtabelle. Verschiedene Programmanpassungen können durch die Virtual Basic Programmierung von Benutzer selbst durchgeführt werden.

Da die Hauptaufgabe von District/RegioGraph darin besteht, Analysen auf der Grundlage von Landkarten zu erstellen, verlieren die kartographischen Entwurfsregeln ihre wesentliche Bedeutung und die schnelle Kartenherstellung tritt in den Vordergrund.

Je nach Anzahl der eingesetzten Layer, der importierten Attributdaten und verwendeten Elemente, steigt die Größe der Projektdatei stark an und kann schnell mehr als 100 Megabyte umfassen.

3.3.4 Zusammenfassung

District/RegioGraph ist ein Software Produkt der GfK GeoMarketing und ermöglicht die Erstellung thematischer Karten auf schnelle und einfache Weise, ohne spezielles Fachwissen. Die Programmnutzung ist einfach gestaltet, so das der Einsatz der Software ohne lange Einarbeitungszeit oder Schulung möglich ist. Zur grafischen Gestaltung der Landkarten stehen dem Nutzer viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, z. B. automatische Gradnetzerstellung, Nordpfeile, Maßstabsleisten oder die Anwendung verschiedener Stile und Effekte. Zur Realisierung der Kartengrafik können alle kartographischen Gestaltungsmittel eingesetzt werden, womit als Endergebnis eine aussagekräftige und professionell erstellte thematische Karte erzeugt wird. Damit ist die Kartographie ein wesentliches Glied in der Kette des gesamten GIS-Workflows und somit auch des Geomarketing. Durch die Einfachheit der Visualisierung von Marktdaten in Landkarten mit District/RegioGraph und durch die damit erzielte Aussagekraft, wurde ein Werkzeug geschaffen, was die Entwicklung und Optimierung von Unternemen erheblich fördert.

4. Analysefunktionen unter District/RegioGraph

Die Analyse ist eine systematische Untersuchung, bei der aus vorhandenen Daten neue Informationen generiert werden. Zur Durchführung der Analysen werden statistische Werkzeuge eingesetzt, die mit anschließender Interpretation des Resultates und der Visualisierung in Landkarten, die Datenauswertung aufzeigt.

4.1 Darstellung einer Variable

Bei der Darstellung von univariaten Analysen erfolgt die Betrachtung von nur einer Variable. Diese Analysen dienen dazu, einen Überblick über die Verteilung von Merkmalen oder statistischen Kennzahlen zu geben. Die mathematischen Grundlagen für diese Analyseverfahren bilden dabei der Modus, der Median, das arithmetische Mittel, die Varianz und die Standardabweichung. Für die univariaten Auswertungen bieten sich im Programm District/RegioGraph die Möglichkeiten einer Analyse nach Merkmalen, Klassen sowie mit der Punktdichteberechnung oder der ABC-Analyse an.

4.1.1 Analyse nach Merkmalen

Bei der Merkmalsanalyse werden die Daten nach verschiedenen Merkmalen und mit deren Bezug zueinander dargestellt. Das bedeutet, die Werte werden nach unterschiedlichen Kriterien zusammengefasst und dargestellt aber nicht in Klassen eingeteilt.

In District/RegioGraph ist die Methode der Darstellung nach Merkmalen auf alle Typen von Layern anwendbar. Zur Darstellung von flächenbezogenen Daten werden die gesamten zugehörige Kartenpolygone eingefärbt, schraffiert oder durch ein Muster gekennzeichnet, es entsteht eine so genannte Chloroplethenkarten. Die Daten der Punktlayer werden bei dieser Analyse durch verschiedenen Symbol- oder Farbdarstellungen differenziert, je nach gesetztem Kriterium. Bei den Linienlayern erfolgt die Differenzierung der einzelnen Merkmale durch die Definition des Linienstils und der Linienfarbe.

Quelle: eigene Darstellung mit District/RegioGraph

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4.1: Administrative Zugehörigkeiten der Gemeinden zu den Bundesländern

Dieses Verfahren eignet sich besonders gut für die Darstellung diskreter Merkmale, wie Kundentypen, Standortanalyse von Unternehmen oder administrativen Zugehörigkeiten (siehe Abb. 4.1), die eine farbdifferenzierte Darstellung eines bestimmten Merkmales erfordern.

4.1.2 Analyse nach Klassen

Die Analyse nach Klassen teilt die Werte eines Attributes mit einer benutzerdefinierten Klassenanzahl in verschiedene Klassengrößen ein. Das Ziel dieses Verfahrens ist die Wiedergabe einer Wertverteilung, die Berücksichtigung von festgelegten Wertgrenzen oder die Vereinfachung einer differenzierten Wertreihe. Dabei kann gewählt werden, ob die Daten größer, kleiner oder zwischen bestimmten Werten liegen sollen. Diese Möglichkeit bietet District/RegioGraph für Flächen- und Linienlayer an.

Es werden verschiedene Klassenberechnungsverfahren zur Verfügung gestellt, was die Einteilung der Daten in Klassen erleichtert. Das VerfahrenMANUAL ermöglicht, die Klassengrenzen frei zu wählen. Die MethodeGLEICHVERTEILT bildet die Objekte so, dass jede Klasse die gleiche Anzahl von Objekten enthält. Bei dem Verfahren GLEICHE ABSTÄNDE wird aus der vorgegebenen Klassenanzahl die Klassenbreite berechnet. Dabei wird die Differenz aus Maximum und Minimum der vorhandenen Werte ermittelt und durch die Anzahl der Klassen geteilt. Im Ergebnis ist jede Klasse gleich breit. Die Methode STATISTISCHE VERTEILUNG ermittelt die Klassenbreite über die Standardabweichung. Dadurch ergeben sich Klassen gleicher Breite, wobei sich der Mittelwert der darzustellenden Daten in der mittleren Klasse befindet. NATÜRLICHE GRENZENist eine natürliche Unterbrechung, das bedeutet, es wird auf statistischem Weg nach den größten Werten gesucht. Diese Werte werden als Grenzen für die Klasseneinteilung verwendet. Daraus resultieren unterschiedliche Klassenbreiten. Eine weitere Variante zur Klasseneinteilung ermöglicht die MethodeLOGARITHMISCHE ABSTÄNDE. Dabei werden die Klassengrenzen über eine logarithmische Skala definiert, wobei sich die Klassenbreiten expotenzial erhöhen oder verringern. Diese Methode ist besonders günstig für Daten mit großer Spannweite und für Daten mit asymmetrischer Verteilung. Nachteilig bei der Klasseneinteilung durch logarithmische Abstände ist jedoch, dass sehr unterschiedliche Klassenbreiten entstehen können.

Quelle: eigene Darstellung mit District/RegioGraph

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4.2: Vergleich der Methoden der Klassenanalyse einer Variable

Über das Histogrammfenster in District/RegioGraph kann die Verteilung der Werte beurteilt werden, was die manuelle Festlegung der Klassengrenzen erleichtert, um so zu einem optimalen Ergebnis zu kommen.

Die Visualisierung der Daten erfolgt bei Flächenlayern, wie auch bei Linienlayern, durch die unterschiedliche benutzerdefinierte Farbwahl für die jeweiligen Klassen. Bei der Analyse von Linienlayern besteht außerdem die Möglichkeit, die Differenzierung der Klassen durch verschiedene Linienstile vorzunehmen. Eingesetzt werden kann diese Art der Datendarstellung zum Beispiel für die Visualisierung von Umsatzgebieten, Kundenstandorten oder Kundengruppen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

mit District/RegioGraph

Abb. 4.3 :

Kundenstandorte & Umsatz einer Pizzaria

[...]


1 Entspricht in etwa einer Kommanditgesellschaft ohne Komplementär vgl.: http://es.wikipedia.org/wiki/Sociedad_de_responsabilidad_limitada.

2 Vgl. Kapitel 3.1. Entwicklungsgeschichte.

3 F. Schüssler (2000) Geomarketing. Anwendungen Geographischer Informationssysteme im Einzelhandel. Tectum-Verlag, Marburg.

4 GfK (2009).

5 Neighbourhood-Affinität.

6 Eng.:‚spatial data’.

7 http://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/06/Geomarketing.xml.

8 Max Rauner ist für diesen Artikel mit dem Acatech-Preis für Technik-Journalisten 2007 in der Sparte "Magazin/Zeitschrift" ausgezeichnet worden.

9 http://www.netlaw.de/gesetze/bdsg.htm.

10 LDI NRW, 16. Datenschutzbericht 2003, Kap. 6.3.

11 http://www.marktanalyst.com.

12 http://www.mapinfo.com.

13 http://www.lutumtappert.de/download_support/demoversionen.php.

14 Die neuen Softwareversionen sind ab April 2009 käuflich erwerbbar. Aus diesem Grund wird in der hier vorliegenden Arbeit von District/RegioGraph gesprochen.

15 Vgl.www.gfk-geomarketing.de.

16 Orientiert an GfK.

Ende der Leseprobe aus 125 Seiten

Details

Titel
Kartographische Visualisierung von Marktdaten mit der Software District/Regiograph 2009
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
125
Katalognummer
V186662
ISBN (eBook)
9783656995999
Dateigröße
3403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kartographische, visualisierung, marktdaten, software, district/regiograph
Arbeit zitieren
Anja Ludewig (Autor), 2009, Kartographische Visualisierung von Marktdaten mit der Software District/Regiograph 2009, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186662

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