Seit einigen Jahren erfährt der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR), häufig auch Corporate Responsibility (CR), mehr und mehr Beachtung. Das zeigen einerseits der stetig wachsende Umfang einschlägiger Literatur zu diesem Themenkomplex, andererseits auch eine erhöhte Medienpräsenz (nicht nur zuletzt durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise). Darüber hinaus erlebt die Praxis einen regelrechten Corporate Responsibility Boom, der unter anderen durch unabhängige CR-Organisationen angeheizt wird. Dennoch steckt die heutige CR-Praxis − absolut betrachtet − national wie international noch in den Kinderschuhen.
Der Titel dieser Arbeit ?Corporate Responsibility im Trend? kann im gegenwärtig von der Finanz- und Wirtschaftskrise dominierten globalen Weltwirtschaftssystem ambivalent aufgefasst werden: (1) Häufig wird argumentiert, dass sich in wirtschaftlich schlechten Zeiten Unternehmen keine CR leisten können. Sie müssen ihre Kapazitäten und Kostenstrukturen in Rezessionen noch exakter planen, um Verluste im Tagesgeschäft möglichst gering zu halten und der Nachfragedämmung entgegenwirken, indem sie noch wettbewerbsfähiger werden. Dies sei nur über massive Restrukturierungen der Geschäftsprozesse möglich. (2) Andererseits lässt sich genauso schlüssig argumentieren, dass gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten eine CR-getriebene Unternehmensstrategie von immenser Bedeutung ist. Einerseits kann sie in der heutigen Zeit, wo CR noch lange kein allgemeiner Standard ist, einen Wettbewerbsvorteil generieren (ein gegenwärtig sehr stark eingesetztes Argument für CR), andererseits trägt eine zum Unternehmen passende Integration gesellschaftlicher Verantwortung zu einer nachhaltigen und gesunden Unternehmensentwicklung bei. Auch nach der Großen Depression Mitte der 1930er wurde über stärkere soziale Verantwortung von Unternehmen diskutiert. Letztlich wird der Ausgang einer solchen Debatte signifikant vom Auffassungsverständnis über Corporate Responsibility entschieden.
Folgende zentrale Fragen stehen im Vordergrund:
*) Was ist Corporate Responsibility eigentlich?
*) Wie kann ein Unternehmen Corporate Responsibility umsetzen?
*) Warum sollte das ein Unternehmen überhaupt tun?
*) Wie wird sich Corporate Responsibility in Zukunft entwickeln?
Inhaltsverzeichnis
1 Executive Summary
2 Definitionen und Begriffe
2.1 Corporate Responsibility
2.2 Ableitung einer Arbeitsdefinition
2.3 Verwandte Konzepte
2.3.1 Corporate Governance (CG)
2.3.2 Corporate Philanthropy
2.3.3 Corporate Citizenship (CC)
2.3.4 Nachhaltigkeit und Triple Bottom Line (TBL)
3 Entstehung der CR – ein historischer Abriss
3.1 Die Entwicklung unternehmerischer Verantwortung
3.2 Der Beginn einer modernen CR-Ära
4 Warum Corporate Responsibility? CR-Drivers
4.1 Globalisierung
4.2 Stakeholderansatz
4.3 CR-Organisationen und Standards
4.4 Socially Responsible Investment (SRIs)
4.5 Business Case für CR
5 Umsetzung einer Corporate Responsibility
5.1 CR-Konzepte
5.2 Corporate Responsibility Maßnahmen
5.3 Stakeholder Dialog
5.4 Instrumente zur Implementierung und Messung von CR
5.4.1 Mission Statement und Code of Conduct
5.4.2 Sustainability Balanced Score Card
5.5 Corporate Responsibility Reporting
6 Corporate Responsibility in der Praxis – eine explorative Untersuchung
6.1 Methodik
6.1.1 Qualitative Sozialforschung
6.1.2 Hermeneutik – die Kunst des Verstehens
6.2 Experteninterviews
6.2.1 Forschungsablauf – Vorgehensweise
6.2.2 Experteninterviews – Definition von CR
6.2.3 Experteninterviews – CR-Drivers
6.2.4 Experteninterviews – Umsetzung von CR
6.2.5 Experteninterviews – CR in Zukunft
7 Conclusio und Ausblick
7.1 Zusammenfassende Darstellung
7.2 Hypothesen
7.3 Gestaltungsempfehlungen für Unternehmen
7.4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht explorativ den Stellenwert und die Implementierung von Corporate Responsibility (CR) bei österreichischen Konzernunternehmen und CR-Organisationen. Ziel ist es, auf Basis von Literatur und Experteninterviews ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Unternehmen CR definieren, welche Motive (Business Case vs. intrinsische Werte) die Umsetzung treiben und wie diese in der Praxis in Managementsysteme integriert wird.
- Theoretische Fundierung von Corporate Responsibility und verwandten Konzepten.
- Analyse von Treibern wie Globalisierung und Stakeholderansatz.
- Implementierungsinstrumente wie Mission Statements, Verhaltenskodizes und Sustainability Balanced Scorecards.
- Empirische qualitative Untersuchung mittels Experteninterviews bei führenden Unternehmen und Organisationen.
- Ableitung von Gestaltungsempfehlungen für eine erfolgreiche CR-Integration.
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Beginn einer modernen CR-Ära
Carroll beschrieb 1999 in seinem Artikel „Corporate Social Responsibility. Evolution of a Definitional Construct“ die moderne Geschichte der CSR ab den 1950ern. Dabei analysierte er insbesondere die US-Literatur, wobei er auch auf die parallele Entwicklung der CSR Theorie und -Praxis in anderen Ländern hinwies.
In den 50ern wurde das CSR-Konzept meist lediglich als Social Responsibility (SR) bezeichnet. Einen bedeutenden Beitrag lieferte die Veröffentlichung „Social Responsibilities of the Businessman“ von Howard R. Bowen, welchen Carroll als Vater der CSR bezeichnet. Bowen erkannte bereits, dass wenige große Unternehmen Machtzentren darstellten, welche das Leben der Bürger auf mehreren Ebenen berührten (Carroll 1999, 268ff).
In den 60ern häuften sich Publikationen, welche CSR zu formalisieren und präziser zu definieren versuchten. In dieser Zeit markieren die Beiträge von Keith Davis einen markanten Punkt. Davis bezog sich auf Unternehmenshandlungen, welche teilweise über das direkte ökonomische oder technische Interesse des Unternehmens hinausgingen. Später in den 70ern und 80ern wurde Davis für seine Beiträge bekannter und formulierte das „Iron Law of Responsibility“ - gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen solle im Verhältnis zu deren gesellschaftlichen Macht stehen. Carroll bezeichnet Davis aufgrund der Bedeutung seiner Beiträge als zweiten Vater der CSR. Als weiteren wichtigen Beitragenden in den 60ern nennt Carroll Joseph W. Mc Guire, dessen CSR-Definition etwas präziser ist (Carroll 1999, 270f).
Einen beachtlichen Ansatz lieferte 1971 Harold Johnson in seinem Werk „Business in Contemporary Society: Framework and Issues“, in welchem der Autor eine Vielzahl von CSR-Definitionen analysiert und schließlich zu dem Ergebnis kam, dass ein gesellschaftlich verantwortungsvolles Unternehmen eine Vielzahl von Interessen berücksichtigt. Neben den Aktionären berücksichtigt ein solches Unternehmen auch Arbeitnehmer, Lieferanten, Händler, lokale Gemeinden und den Staat. Beachtenswert ist Johnson’s Zugang zu einem Stakeholderkonzept, da er sogar einige spezifische Interessensgruppen nennt. Außerdem stellte Johnson eine zweite Sichtweise der CSR dar, welche eine langfristige Profitmaximierung mit einschließt (Carroll 1999, 271ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Executive Summary: Bietet einen kompakten Überblick über die wachsende Bedeutung von CR, die Ambivalenz des Business Case in Krisenzeiten und fasst die zentralen Forschungsfragen und Schlussfolgerungen zusammen.
2 Definitionen und Begriffe: Analysiert verschiedene Definitionen von Corporate Responsibility und verwandter Konzepte wie Corporate Governance und Nachhaltigkeit, um eine Arbeitsdefinition für die Arbeit zu etablieren.
3 Entstehung der CR – ein historischer Abriss: Zeichnet die historische Entwicklung unternehmerischer Verantwortung von der industriellen Revolution bis hin zur modernen CR-Ära nach.
4 Warum Corporate Responsibility? CR-Drivers: Identifiziert wesentliche externe Treiber für CR, darunter Globalisierung, den Stakeholderansatz und das Potenzial des Business Case für Unternehmen.
5 Umsetzung einer Corporate Responsibility: Beschreibt Konzepte, konkrete Maßnahmen und Managementinstrumente zur Implementierung von CR in Unternehmen, inklusive Stakeholder-Dialogen und Berichtswesen.
6 Corporate Responsibility in der Praxis – eine explorative Untersuchung: Dokumentiert die methodische Vorgehensweise und die Ergebnisse der explorativen Untersuchung durch Experteninterviews mit Vertretern österreichischer Unternehmen und Organisationen.
7 Conclusio und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen, präsentiert die Hypothesen der Arbeit und gibt Gestaltungsempfehlungen für die praktische Umsetzung in Unternehmen.
Schlüsselwörter
Corporate Responsibility, Corporate Social Responsibility, Business Case, Stakeholderansatz, Nachhaltigkeit, Triple Bottom Line, Unternehmensethik, Implementierung, Stakeholderdialog, Globalisierung, Nachhaltigkeitsbericht, Experteninterviews, Unternehmensführung, Strategisches Management, CSR-Standards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Themenkomplex Corporate Responsibility (CR), also der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, und untersucht deren Bedeutung, historische Entwicklung sowie Möglichkeiten der praktischen Umsetzung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die definitorische Vielfalt von CR, Treiber wie Globalisierung und Stakeholder-Interessen, die methodische Integration in Unternehmensabläufe sowie die Rolle von CR im Kontext von Wirtschaftskrisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein Verständnis für das „Auffassungsverständnis“ von CR in der österreichischen Praxis zu entwickeln und herauszufinden, wie Unternehmen CR heute definieren, umsetzen und welche Rolle der sogenannte „Business Case“ dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem induktiven Ansatz und führt eine qualitative explorative Untersuchung durch. Dazu wurden sechs Experteninterviews mit Vertretern österreichischer Unternehmen und CR-Organisationen geführt und hermeneutisch ausgewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Definitionen, Geschichte, Treiber, Implementierungsinstrumente) und einen praktischen Teil, in dem die Ergebnisse der Experteninterviews zu Definition, Motiven und Umsetzung von CR in Unternehmen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Corporate Responsibility, Business Case, Nachhaltigkeit, Stakeholderansatz, CSR-Implementierung, explorative Untersuchung und Unternehmensstrategie.
Wie beeinflusst die Wirtschaftskrise laut den Experten die CR-Strategien?
Die Experten sehen die Krise ambivalent: Einerseits können Budgets für philanthropische Projekte gekürzt werden, andererseits bietet CR ein nützliches Instrument zur langfristigen Sicherung der Reputation und Glaubwürdigkeit in einem schwierigen Marktumfeld.
Welche Rolle spielen Standards wie ISO 26000 für die befragten Unternehmen?
Die befragten Unternehmen stehen externen Standards oft zurückhaltend gegenüber und setzen eher auf eigene, interne Richtlinien, die auf ihre spezifischen operativen Anforderungen und lokalen Gegebenheiten zugeschnitten sind, wobei Best-Practice-Ansätze jedoch verfolgt werden.
- Citation du texte
- Manfred Rohm (Auteur), 2009, Corporate Responsibility im Trend, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186667