Auswirkungen einer jungen Mutterschaft auf die Berufs- und Erwerbsbiographie

Ein Vergleich von Müttern in Abhängigkeit vom Erstgeburtsalter anhand des Familiensurvey


Diplomarbeit, 2009

79 Seiten, Note: 1.1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Problemstellung und Einleitung

2 Stand der empirischen Forschung
2.1 Teenagermutterschaften in Deutschland
2.1.1 Statistiken
2.1.2 Forschungsarbeiten
2.2 Teenagermutterschaften in den USA
2.2.1 Statistiken
2.2.2 Forschungsarbeiten

3 Theoretischer Hintergrund und Hypothesen
3.1 Institutionalisierung des Lebenslaufs
3.2 Humankapitaltheorie
3.3 Fertilität und Frauenerwerbstätigkeit in der DDR

4 Datengrundlage und Methoden
4.1 Datenbasis
4.1.1 Der Familiensurvey
4.1.2 Stichprobenbeschreibung
4.2 Methodisches Vorgehen

5 Ergebnisse
5.1 Teenagermutterschaften
5.2 Schulabschluss
5.3 Erwerbsstatus
5.4 Teilzeitbeschäftigung
5.5 Stellung im Beruf
5.6 Einkommen
5.7 Regressionsanalysen
5.8 Zusammenfassung der Ergebnisse

6 Schlussbetrachtung
6.1 Alternative Betrachtungen
6.2 Zusammenfassung und Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Teenagergeburten je 1000 Frauen der Geburtsjahrgänge 1930 - 1989

Abbildung 2: Anzahl der Teenagergeburten je 1000 Frauen der Geburtsjahrgänge 1930 - 1989 in Abhängigkeit von deren Alter

Abbildung 3: Anzahl der Lebendgeburten von 15 bis 19-Jährigen der Jahre 1933 - 1998

Abbildung 4: Ursachen und Folgen von Teenagermutterschaften (Ergebnisse aus bisherigen Forschungsarbeiten)

Abbildung 5: Der Humankapitalansatz

Abbildung 6: Erwerbsstatus der Teenagermütter und Mütter

Abbildung 7: Stellung im Beruf der Teenagermütter und Mütter

Abbildung 8: Konsequenzen einer jungen Mutterschaft

Tabellenverzeichnis

Tabellen im Text

Tabelle 1: Mütter nach dem durchschnittlichen Alter bei Geburt des ersten Kindes

Tabelle 2: Anzahl der Frauen, Teenagermütter und Mütter nach Kohorten getrennt

Tabelle 3: Anzahl der Frauen, Teenagermütter und Mütter nach Ost und West sowie nach Kohorten getrennt

Tabelle 4: Höchster Schulabschluss für Teenagermütter und Mütter gesamt und nach Kohorten getrennt

Tabelle 5: Höchster Schulabschluss für Teenagermütter und Mütter getrennt nach West- und Ostdeutschland

Tabelle 6: Erwerbsstatus von Teenagermüttern und Müttern gesamt und nach Kohorten getrennt (ohne Ausbildung und Sonstige)

Tabelle 7: Stellung im Beruf der Teenagermütter und Mütter nach West- und Ostdeutschland getrennt

Tabelle 8: Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten Kindes

Tabelle 9: Erläuterung der verwendeten Variablen

Tabelle 10: Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten Kindes in Abhängigkeit der einzelnen Kohorten

Tabelle 11: Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten Kindes in Westdeutschland

Tabelle 12: Einfluss des Schulabschlusses, des Erwerbsstatus, der Stellung im Beruf sowie des Einkommens auf das Alter bei der Geburt des ersten Kindes in Ostdeutschland

1 Problemstellung und Einleitung

„Wenn Kinder Kinder kriegen“ - Schon dieser Spruch lässt erahnen, dass Frauen, die in jungen Jahren ein Kind bekommen, schwierigere sozioökonomische Situationen meistern müssen als Frauen, die später gebären. In Deutschland ist eine Schwangerschaft bei Minderjährigen mit Vorurteilen behaftet. Medien vermitteln das Bild einer schulisch und beruflich perspektivlosen jungen Frau, welche ihr Kind als Ausweg in eine bessere Zukunft betrachtet. Zudem scheint der weitere Lebenslauf infolge der frühen Geburt vorgezeichnet. Ein schlechter Schulabschluss, Arbeitslosigkeit sowie Leben von Sozialhilfe werden in den Medien als Folgen der Mutterschaft angeführt. Aber stimmen diese Vorurteile? Zeigen sich tatsächlich negative Konsequenzen infolge einer Teenagermutterschaft?

Forschungsarbeiten zur Thematik sind vorwiegend in englischsprachiger Literatur zu finden. Aufgrund einer hohen Zahl von Teenagermüttern gibt es vor allem in den USA eine Reihe von Untersuchungen (vgl. u.a. Furstenberg 1976/1990, Hoffmann u.a. 1993, Fergusson/Woodward 2000). Die Studien liefern meist Ergebnisse zu: „Wer wird schwanger und warum?“ sowie „Folgen einer jungen Mutterschaft“. In Deutschland liegt die Zahl der Teenagergeburten im internationalen Maßstab im unteren Bereich. Trotz frei zugänglicher Mittel zur Prävention gebaren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2006 dennoch etwa 10.000 Frauen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ein Kind. Veröffentlichungen zur Thematik finden sich hierzulande nur sehr spärlich (vgl. u.a. Bier-Fleiter/Grossmann 1989, Zierau/Bartmann 1996, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2005). Hierbei sind vor allem qualitative Untersuchungen ausfindig zu machen, welche mögliche Einflussfaktoren auf eine junge Mutterschaft sowie die Folgen für den weiteren Lebenslauf herausarbeiten. Repräsentative Studien auf hypothesentestender Basis lassen sich jedoch nicht finden.

Um einen Einblick in die bisherigen Forschungsarbeiten aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum zu bekommen, werden im folgenden Kapitel einige ausgewählte Arbeiten einschließlich eines Überblickes über die Geburtenzahlen von jungen Müttern in Deutschland und den USA dargestellt.

Im Vordergrund der Diplomarbeit stehen die Konsequenzen einer frühen Geburt hinsichtlich des späteren schulischen und beruflichen Werdeganges der Mutter. Es wird der Versuch unternommen, auf folgende Frage eine Antwort zu finden: Welche Auswirkungen ergeben sich durch eine junge Mutterschaft auf die Berufs- und Erwerbsbiographie? In der Literatur finden sich eine Vielzahl verschiedener Definitionen zum Begriff Teenagermutterschaft. Für die vorliegende Arbeit wird unter einer Teenagermutterschaft die Geburt eines Kindes durch eine Frau im Alter zwischen 13 und 18 Jahren verstanden.

Den theoretischen Rahmen dieser Arbeit bilden im dritten Kapitel die Institutionalisierung des Lebenslaufs, die Humankapitaltheorie sowie die Darstellung der Fertilität und des Frauenerwerbs in der ehemaligen DDR. Nach der Vorstellung der theoretischen Konzepte erfolgt deren Bezug auf die Teenagermütter. Im Anschluss werden die Untersuchungsstichprobe sowie das methodische Vorgehen zur Bearbeitung der Thematik beschrieben. Die Grundlage der Untersuchung ist der Familiensurvey. Aus den im Survey enthaltenen Daten wurde ein eigener Datensatz erstellt. Bei der Analyse der Auswirkungen einer frühen Geburt stehen u.a. Informationen zum erreichten Schulabschluss, zum derzeitigen Arbeitsverhältnis sowie zum Arbeitseinkommen zur Verfügung. Die Auswertungsergebnisse werden denen einer Vergleichsgruppe gegenübergestellt. In diesem Fall handelt es sich um eine Gruppe von Frauen, welche ihr erstes Kind im kohortenspezifischen Durchschnittsalter geboren haben. Um etwa gleiche strukturelle Rahmenbedingungen zu bilden und somit sicherzustellen, dass Personen in gleichem Maße von gesellschaftlichen und umweltbedingten Veränderungen betroffen sind, wurde die Untersuchungsstichprobe in vier Kohorten unterteilt. Aufgrund der verschiedenen Sozialstruktur der ehemaligen DDR und BRD werden Unterschiede hinsichtlich der Konsequenzen einer Teenagermutterschaft erwartet. Demnach erfolgt zusätzlich eine nach beiden Teilen Deutschlands getrennte Analyse.

Das Kapitel fünf befasst sich als empirischer Teil mit den Ergebnissen der Untersuchung hinsichtlich der interessierenden Merkmale.

Im letzten Abschnitt wird die Frage betrachtet, inwieweit die in den Analysen gefundenen Konsequenzen einer Teenagermutterschaft auch durch andere Faktoren hervorgerufen werden können. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einer Diskussion.

2 Stand der empirischen Forschung

In der Literatur lassen sich einige Forschungsarbeiten zur Thematik „Teenagermutterschaften“ finden. Deutlich wird dabei, dass der überwiegende Teil dieser Analysen aus den USA stammt. In Deutschland existieren kaum umfassende Darstellungen. Der folgende Abschnitt stellt eine Auswahl der Forschungsarbeiten und deren Ergebnisse aus Deutschland und den USA vor. Zunächst wird ein Einblick in die Geburtenzahlen von jungen Müttern gegeben.

2.1 Teenagermutterschaften in Deutschland

2.1.1 Statistiken

Schwangerschaften werden in Deutschland statistisch erfasst. „Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes steigt einerseits das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Geburt des ersten Kindes1. Andererseits gibt es einen nicht erheblichen Teil junger Frauen, die sich noch vor Erreichen der Volljährigkeit für ein Kind entscheiden“ (vgl. BZgA 2005: 17). Statistisch gesehen sind Schwangerschaften junger Frauen in Deutschland ein seltenes Ereignis. Bei einem internationalen Vergleich2 der Anzahl von Teenagergeburten befindet sich Deutschland im unteren Bereich.

In den Medien wird jedoch immer wieder sensationsbetont über Schwangerschaften 16-Jähriger und noch jüngerer Mädchen berichtet. Solche Darstellungen vermitteln den Eindruck, frühe Schwangerschaften seien ein neues und zunehmendes Problem. Bei einer Analyse der altersspezifischen Geburtenziffern für die Geburtsjahrgänge 1930 bis 1989 zeigt sich in der Abbildung 1, dass es junge Mütter schon immer gegeben hat. Teenagermutterschaften sind somit kein neues gesellschaftliches Phänomen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl der Teenagergeburten3 je 1000 Frauen der Geburtsjahrgänge 1930 - 1989

Bereits 42 von 1000 Frauen des Geburtsjahrganges 1930 gebaren als Jugendliche ihr erstes Kind. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Teenagergeburten stetig an. Der Höhepunkt dieser Entwicklung, der sogenannte „Babyboom“ war 1971 erreicht. In diesem Jahr haben 91 von 1000 Frauen des Geburtsjahrganges 1953 als Teenager ein Kind entbunden. Für die darauffolgenden 15 Jahre war eine kontinuierliche Abnahme („Pillenknick“) der Lebendgeburten von jungen Müttern zu verzeichnen. Zwischen 1986 und 1991 konnte ein erneuter Anstieg beobachtet werden. Nach einem leichten Abfall der Teenagergeburten der Geburtsjahrgänge 1974 bis 1977 blieb die Zahl seit 1995 mit etwa 25 Lebendgeburten je 1000 Frauen konstant. Seit 2004 sinken die Geburten Minderjähriger aufs Neue.

Im Jahr 2006 gab es in Deutschland etwa 670.000 Lebendgeburten. Davon können 9390 als Teenagergeburten aufgefasst werden (vgl. Statistisches Bundesamt 2007). Erwartungsgemäß werden vor allem die älteren Teenager schwanger. Aus der Abbildung 2 ist zu entnehmen, dass die Zahl der Geburten mit dem Alter der Mütter steigt. Die 15-Jährigen bekamen über alle Geburtsjahrgänge hinweg im Durchschnitt 0,5 Kinder. Bei den 18-Jährigen lag die Zahl in Spitzenzeiten bei 60 Kindern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anzahl der Teenagergeburten je 1000 Frauen der Geburtsjahrgänge 1930 - 1989 in Abhängigkeit von deren Alter

2.1.2 Forschungsarbeiten

In Deutschland sind bisher wenige sozialwissenschaftliche Arbeiten zum Thema „junge Mütter“ veröffentlicht worden. In der Literatur konnten nur qualitative Studien ausfindig gemacht werden. Herausgearbeitet wurden dabei u.a. Einflussfaktoren auf eine junge Mutterschaft sowie die Folgen für das weitere Leben.

Seit Juni 2005 fördert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Studie „Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbrüche bei minderjährigen Frauen“4. Die nicht-repräsentative Studie konnte u.a. klären, dass das Risiko minderjährig schwanger zu werden bei Hauptschülerinnen fünfmal so hoch war wie bei Gymnasiastinnen. Zudem neigte eine Jugendliche eher zu einer Teenagergeburt, wenn die eigene Mutter selbst minderjährig ein Kind gebar. Die Untersuchung zeigte weiterhin, dass 92% der Frauen ungewollt schwanger wurden. Zusätzlich versuchte die Studie, auf die beruflichen Perspektiven der jungen Mütter einzugehen. Ein Großteil der Teenagermütter, die in einer Partnerschaft lebten, nahmen nach der Unterbrechung ihre Schul- oder Berufsausbildung wieder auf. Ein Viertel der Befragten gelang es nicht, ihre Berufsziele zu verwirklichen. Mit dem „Beruf“ Mutter und Hausfrau fühlte sich ein kleiner Teil wohl und strebte somit keine weitere Erwerbstätigkeit an. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine junge Mutterschaft mit ausreichender Unterstützung meisterbar ist und somit schulische und berufliche Ziele weiterverfolgt werden können. Dennoch zeigt sich, dass Teenagermütter diversen Risiken wie geringeren Ausbildungschancen, geringeren Chancen auf dem Arbeitsmarkt sowie Armut ausgesetzt sind (vgl. Friedrich/ Remberg 2005).

Das Entstehen einer unsicheren finanziellen Lebenssituation war auch das Ergebnis bei einer Untersuchung von Bier-Fleiter und Grossmann (1989)5. Das Kind wurde als Chance im Leben gesehen, die jedoch nicht umgesetzt werden konnte. Die jungen Frauen waren entweder von Sozialhilfe oder vom Einkommen des Partners abhängig.

Von Zierau und Bartmann (1996)6 stammt eine Studie zur Recherche der Vereinbarkeit von Berufsausbildung und früher Mutterschaft. Dabei stellten sie fest, dass 40% der jungen Frauen während der Schwangerschaft bzw. nach der Geburt des Kindes ihre Ausbildung abbrachen. Besuchten die Mütter eine Fachschule oder Berufsfachschule beendeten mit etwa 97% weitaus mehr ihre Ausbildung.

Des Weiteren lassen sich in der deutschen Literatur Forschungsarbeiten finden, welche sich nicht speziell auf Teenagermütter, sondern auf junge Mütter7 im Allgemeinen beziehen. Hierbei können Angaben zu Frauen, die bei der Geburt ihres ersten Kindes unter 19 Jahren waren, abgeleitet werden. Zink (1993)8 zeigt in ihrer Untersuchung über junge Frauen im Alter von 19 bis 33 Jahren mit niedrigen Bildungsabschlüssen, dass trotz des hohen Stellenwertes die Mehrheit der Mütter ihre Ausbildung abbrach. Die Schwangerschaft betrachteten viele junge Frauen als Möglichkeit, einen neuen Lebensweg zu beschreiten. Jedoch zeigte sich, dass die Situation nach der Geburt die gleiche blieb wie zuvor. Die Frauen arbeiteten in un- und angelernten Berufen und waren von Sozialhilfe bzw. vom Einkommen des Partners abhängig.

Von Zierau und Bartmann (1996)6 stammt eine Studie zur Recherche der Vereinbarkeit von Berufsausbildung und früher Mutterschaft. Dabei stellten sie fest, dass 40% der jungen Frauen während der Schwangerschaft bzw. nach der Geburt des Kindes ihre Ausbildung abbrachen. Besuchten die Mütter eine Fachschule oder Berufsfachschule beendeten mit etwa 97% weitaus mehr ihre Ausbildung. Des Weiteren lassen sich in der deutschen Literatur Forschungsarbeiten finden, welche sich nicht speziell auf Teenagermütter, sondern auf junge Mütter7 im Allgemeinen beziehen. Hierbei können Angaben zu Frauen, die bei der Geburt ihres ersten Kindes unter 19 Jahren waren, abgeleitet werden. Zink (1993)8 zeigt in ihrer Untersuchung über junge Frauen im Alter von 19 bis 33 Jahren mit niedrigen Bildungsabschlüssen, dass trotz des hohen Stellenwertes die Mehrheit der Mütter ihre Ausbildung abbrach. Die Schwangerschaft betrachteten viele junge Frauen als Möglichkeit, einen neuen Lebensweg zu beschreiten. Jedoch zeigte sich, dass die Situation nach der Geburt die gleiche blieb wie zuvor. Die Frauen arbeiteten in un- und angelernten Berufen und waren von Sozialhilfe bzw. vom Einkommen des Partners abhängig.

Bei allen bisher vorgestellten Studien handelt es sich um qualitative Befragungen. Aufgrund der fehlenden Repräsentativität lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zu den Konsequenzen einer Teenagermutterschaft auf die Erwerbs- und Berufsbiographie treffen. Infolge der qualitativen Befragungen können jedoch geringere Bildungschancen, geringere Chancen auf dem Arbeitmarkt sowie eine größere Wahrscheinlichkeit für ein Leben in Armut als mögliche Folgen ausgemacht werden. Um weitere Erkenntnisse zur Thematik der jungen Mütter zu erlangen, werden im folgenden Abschnitt nach der zahlenmäßigen Darstellung der Teenagermutterschaften in den USA, ausgewählte amerikanische Forschungsarbeiten herangezogen.

2.2 Teenagermutterschaften in den USA

2.2.1 Statistiken

Im Jahr 1915 begann die amerikanische Regierung erstmals Zahlen zu Teenagergeburten bekannt zu machen (vgl. Furstenberg Jr. 1976: 6). Ab diesem Zeitpunkt sind Aussagen über die Entwicklung sowie die Anzahl von Geburten minderjähriger Frauen möglich. Jedes Jahr werden etwa 750.000 Frauen zwischen 15 und 19 Jahren in den USA schwanger (vgl. Guttmacher Institute 2006).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Anzahl der Lebendgeburten von 15 bis 19-Jährigen

Die Entwicklung der Anzahl von Teenagergeburten ist in Abbildung 3 dargestellt. 1933 gebaren rund 251.000 junge Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ein Kind. In den folgenden Jahren stieg die Zahl stetig an. Aufgrund der Folgen des Zweiten Weltkrieges kam es zwischen 1944 und 1945 zu einem Einbruch dieses Trends. Mit dem Jahr 1946 nahm die Zahl der Geburten von jungen Müttern weiter zu und erreichte 1970 mit 644.708 Teenagergeburten ihren Höhepunkt („Babyboom“). In den kommenden 16 Jahren war ein Rückgang mit Ausnahme des Zeitraumes 1987 bis 1990 zu verzeichnen. 1998 brachten 484.895 Teenager ein Kind zur Welt.

Bei der Betrachtung des Geburtenanteils von jugendlichen Müttern an allen Geburten wurde 1973 mit 19,7% der höchste Wert erreicht. Im Jahr 1998 sank der Wert auf 12%.

2.2.2 Forschungsarbeiten

Im Jahr 1960 begann die Regierung erstmals, Notiz von den sozialen und ökonomischen Problemen der Teenagermütter zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt entstanden auch erste Publikationen zur Thematik junger Mütter (vgl. Furstenberg Jr. 1976: 11). Seit 1970 sind zahlreiche empirische Veröffentlichungen erschienen.

Bei der Mehrzahl der Studien steht die Frage nach den Konsequenzen einer Teenagermutterschaft im Vordergrund. Eine geringe Rate der Schulvollendung sowie ein unregelmäßiger Erwerbsverlauf können Folgen einer jungen Mutterschaft sein (vgl. Hayes 1987). Darüber hinaus leben die Teenagermütter zu einem größeren Anteil von Sozialhilfe (vgl. Maynard 1995: 314). Eine Untersuchung zu den Auswirkungen einer minderjährigen Mutterschaft stammt von Phoenix (1991)9. Zwei Jahre nach der Geburt des Kindes lebten die jungen Mütter zumeist in Armut. 74% der untersuchten Frauen waren ohne Arbeit, die meisten von Ihnen empfanden eine Kombination von Arbeit und Mutterschaft als überlastend. Nur 8% verfolgten ihren Bildungsweg weiter.

Ein Großteil der Studien bezieht sich auf Vergleiche zwischen Teenagermüttern und kinderlosen Mädchen. Hoffman u.a. (1993) verglichen in einer Untersuchung Teenagermütter mit deren Schwestern10. Somit konnten sozioökonomische Effekte ausgeschlossen werden. Festgestellt wurde u.a.: „Nonteen mothers are more likely than teen mothers to finish high school and attend college, (…)“

(Hoffman u.a. 1993: 4). Des Weiteren besaßen die Nicht-Teenagermütter einen höheren ökonomischen Status und lebten weniger in Armut. Die Autoren kamen jedoch auch zu dem Schluss, dass die negativen Folgen geringer waren, als in bisherigen Studien beschrieben.

Fergusson und Woodward (2000) geben zwei mögliche Erklärungen für den Zusammenhang zwischen einer Teenagermutterschaft und der schlechteren sozioökonomische Stellung an. Zum einen ist eine direkte Beziehung zwischen beiden Elementen denkbar. Die junge Mutterschaft hat Einfluss auf die schulische Entwicklung und somit auf die spätere Bildung und Arbeitsmöglichkeiten. Zum anderen kann eine indirekte Verbindung zwischen der Teenagermutterschaft und den späteren Folgen hergestellt werden. Schwangerschaft minderjähriger Mütter sowie eine schlechte schulische und berufliche Laufbahn können Konsequenzen sozialer, familiärer und persönlicher Faktoren sein. Ein Vergleich von Teenagermüttern und Frauen, welche mit 18Jahren noch kein Kind hatten11, zeigt, dass die negativen Effekte einer Teenagermutterschaft bei Kontrolle des Status weniger stark ausgeprägt waren. Die negativen Folgen auf die sozioökonomische Stellung waren somit keine primären Folgen der jungen Mutterschaft, sondern konnten auch durch andere Faktoren hervorgerufen werden. Dennoch waren infolge der Geburt des Kindes Effekte wie z.B. ein schlechterer Schulabschluss aufgetreten. Ein Beispiel für eine Längsschnittuntersuchung, welche sich mit den langfristigen Folgen einer Geburt im minderjährigen Alter beschäftigt, stellt die Baltimore-Studie12 dar. Die jungen Mütter wiesen kurzfristige Handicaps infolge der Geburt ihres ersten Kindes auf. Über einen größeren Zeitraum betrachtet, schaffte es der größte Teil der jungen Frauen jedoch, zur Schule zurückzukehren. „Eigthy-six percent of the classmates had completed high school by the time of the five-year follow up, and 19% of those who had not graduated were still in school“ (Furstenberg Jr. 1976: 132). Darüber hinaus fanden viele eine stabile Beschäftigung und waren nicht mehr auf die öffentliche Unterstützung angewiesen (vgl. Furstenberg Jr. u.a. 1990: 55).

Zu einem anderen in den Studien häufig diskutierten Thema gehört die Frage nach den Einflussfaktoren auf eine junge Mutterschaft. Teenagermütter unterscheiden sich vor allem von anderen Frauen hinsichtlich ihres familiären Hintergrundes und ihrer Lebenssituation. „For example, teenage mothers are more likely than later childbearers to have grown up in extreme poverty, to have background of familiy instability, and to have encountered academic and social problems in school“ (Furstenberg Jr. 1991: 132). Simms und Smith (1986) fanden in einer Studie heraus, dass Teenagermütter häufig aus der Arbeiterschicht kommen. Die Baltimore-Studie zeigte, dass vor allem die jungen Frauen schwanger werden, deren Mütter selbst Teenagermütter waren (vgl. Furstenberg Jr. u.a. 1990: 2). Maynard (1995) gibt als zusätzliche Einflussfaktoren das Aufwachsen mit nur einem Elternteil sowie eine geringe Bildung der Eltern an.

Die eben vorgestellten Ergebnisse decken sich größtenteils mit denen aus den in 2.1.2 dargestellten deutschen Studien. Verdeutlicht werden die Erkenntnisse der qualitativen deutschen und amerikanischen Untersuchungen noch einmal in der Abbildung 4.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Ursachen und Folgen von Teenagermutterschaften (Ergebnisse aus bisherigen Forschungsarbeiten)

Wie bereits erwähnt, fehlen in Deutschland repräsentative Untersuchungen, um Konsequenzen einer jungen Mutterschaft auf die Erwerbs- und Berufsbiographie zu analysieren. Im Folgenden soll mit Hilfe der Daten des Familiensurvey an diesem Punkt angesetzt werden. Das kommende Kapitel dient dabei als Darstellung der theoretischen Erklärungsansätze und Herleitung der Hypothesen.

3 Theoretischer Hintergrund und Hypothesen

Bei der theoretischen Bearbeitung der Frage nach den Auswirkungen einer jungen Mutterschaft auf die Erwerbs- und Berufsbiographie ist es zunächst erforderlich, die Strukturen eines modernen Lebenslaufs aufzuzeigen. Dazu dient die Theorie der Institutionalisierung des Lebenslaufs nach Kohli. Die Teenagermutterschaft wird im Zuge dieser Theorie als eine Abweichung von der sogenannten Normalbiographie dargestellt, in deren Folge negative Konsequenzen hinsichtlich des Schulabschlusses und der Erwerbstätigkeit erwartet werden. Im Anschluss wird das Konzept der Humankapitaltheorie vorgestellt. Mit dessen Hilfe können Differenzen im Einkommen zwischen den Frauen erklärt werden. Den Abschluss stellt eine Schilderung der Frauenerwerbstätigkeit sowie der Fertilität in der ehemaligen DDR dar. Somit können Unterschiede bei den Auswirkungen der jungen Mutterschaft zwischen der DDR und der BRD hergeleitet werden.

3.1 Institutionalisierung des Lebenslaufs

Die Bedeutung der Institutionalisierung des Lebenslaufs ist umfangreich dokumentiert und theoretisch begründet worden. Weitreichende Forschungsarbeiten liegen zur Thematik vor. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die theoretischen Annahmen von Martin Kohli13.

Der institutionalisierte Lebenslauf gliedert sich nach Kohli (1985) in drei Phasen: die Vorbereitungsphase, die Erwerbsphase sowie die Ruhephase. Laut Sackmann (2007) prägen drei gesellschaftliche Kerninstitutionen diese aufeinanderfolgenden Abschnitte. Das Bildungssystem nimmt in der Kindheit sowie in der Jugendphase einen wichtigen Platz ein. Es bereitet den Zugang zum Arbeitsmarkt vor und leitet somit in die zweite Phase über. Diese ist durch den Arbeitsmarkt gekennzeichnet. Die Erwerbsphase bildet den zentralen Punkt des Lebens. Das höhere Alter wird schließlich durch die dritte Kerninstitution, den Ruhestand, charakterisiert, welcher durch das Rentenversicherungssystem abgesichert wird14. „Der Lebenslauf ist in den modernen Gesellschaften um das Erwerbssystem herum organisiert“ (Kohli 1985: 3). Da die Phase der Produktivität im Mittelpunkt des Lebens steht, ergibt sich für Individuen die Aufgabe, den Bereich der Arbeit und Familie aufeinander abzustimmen, was letztendlich in einer geschlechtsspezifischen Aufteilung endet. Der männliche und der weibliche Lebenslauf unterscheiden sich15. Bei genauer Betrachtung gelten die Angaben der Dreiteilung des Lebenslaufs nur für Männer sowie für Frauen ohne Berücksichtigung der Familienphase. Kohli nimmt bei seiner Theorie der Institutionalisierung des Lebenslaufs aufgrund der zunehmenden Erwerbsbeteiligung der Frauen keine geschlechtsspezifische Unterteilung vor.

Mit der Dreiteilung einher geht eine Bindung der normativen Lebensereignisse16 an das chronologische Alter. Dies bedeutet, dass es für zentrale Ereignisse wie den Schuleintritt oder den Renteneintritt definierte Altersbereiche gibt und somit eine sequentielle Ordnung des Lebenslaufs erreicht wird. Die zunehmende Verbreitung der Leistungssysteme, wie Schul- und Rentensystem, hat zu einer zunehmenden Homogenisierung der Lebensläufe geführt (vgl. Kohli 1985: 8). „(..) [E]s ist zu einem standardisierten ‚Normallebenslauf’ gekommen“ (Kohli 1998: 310). Der Familienzyklus, die Arbeitsbiographie, die Bildungs- und Erwerbsphasen sowie die Altersprozesse sind berechenbar (vgl. Weymann 1989: 7).

Die bisher genannten Ausführungen stellen zwei Merkmale der Institutionalisierung des Lebenslaufs dar: Die Kontinuität im Sinne einer gesicherten Lebensspanne sowie die Sequenzialität im Sinne eines organisierten Ablaufs des Lebens. Das dritte Merkmal der Institutionalisierung ist die Biographizität. Diese subjektive Gestaltung der Biographie wird heute gewöhnlich unter dem Aspekt der Individualisierung erfasst (vgl. Kohli 1994: 220). Mit der Ausdifferenzierung der Gesellschaft sowie der Trennung von Produktion und Familie kam es zu einer Ablösung von traditionellen Ordnungen. Damit verbunden ist die Auswahl biographischer Alternativen breiter geworden. Eigene Entscheidungen wurden notwendig. Das Individuum ist auf sich selbst angewiesen und muss Entschlüsse nach eigener Individuallogik innerhalb der institutionell vorgegebenen Alternativen fällen (vgl. Kohli 1994: 233). Die Konstruktion der Biographie ist von subjektiven Entscheidungen über Ausbildung, Beruf, Wohnort, Ehepartner, Kinderzahl usw. abhängig (vgl. Beck 1986: 216). „Die Institutionalisierung des Lebenslaufs bedeutet (notwendige) Entlastung; sie gibt der Lebensführung ein festes Gerüst vor und setzt Kriterien dafür, was erreichbar ist und was nicht. Sie bedeutet aber auch (...) eine Einschr ä nkung individueller Handlungsspielräume (...)“ (Kohli 1985: 19f).

Die Dreiteilung des Lebenslaufs setzt historisch gesehen recht spät ein. In den meisten Gesellschaften gibt es erst seit dem 18. oder 19. Jahrhundert eine Schulpflicht. Im Jahr 1889 wurde von Bismarck der Grundstein für das Rentenversicherungssystem gelegt. Eine Erwerbstätigkeit weist der größte Teil der Bevölkerung erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts auf17 (vgl. Sackmann 2007: 29). Der institutionalisierte Lebenslauf ist demnach ein spezifisches Produkt der Moderne. Die historische Institutionalisierung in den westlichen Gesellschaften hat Kohli (1985) über die letzten zwei Jahrzehnte in den fünf Punkten Verzeitlichung, Chronologisierung, Individualisierung, Erwerbssystem sowie Positionssequenzen vs. biographische Perspektiven18 zusammengefasst. Historische Befunde belegen die Strukturveränderungen19. An dieser Stelle soll kurz der Wandel in den familiären Lebensformen als Ausgangspunkt des institutionellen Lebenslaufs beschrieben werden: In der Vormoderne konnte noch nicht von einem Familienzyklus gesprochen werden. Der Tod war ein Ereignis, welches jederzeit auftreten konnte. Heute verlagert sich die Sterblichkeit auf ein höheres Alter. Aus diesem Grund ist ein längeres Zusammenleben mit den Familienmitgliedern möglich. Darüber hinaus galt in der Vormoderne der Hof als Zentrum des Lebens. Familie und Produktion waren eine Einheit. In den folgenden Jahren kam es zu einer Konzentration der Geburten auf frühere Jahre sowie zu einer zeitlich früher eintretenden Heirat verbunden mit einer vorverlegten Gründung eines eigenen Haushaltes. Eine Trennung von Familie und wirtschaftlicher Produktion war die Folge. Der Familienzyklus entstand. Mit dieser Differenzierung vollzog sich auch die Dreiteilung des Lebenslaufs (vgl. Kohli 1985).

Die historischen Veränderungen haben 1960 ihren Höhepunkt erreicht und sind in den letzten zwei Jahrzehnten zum Stillstand gekommen. Zum Teil haben sie sich umgekehrt, sodass Kohli (1998) sogar von einer De-Institutionalisierung spricht. Die Folge sind eine gewisse Aufweichung der Dreiteilung und somit der Rückgang des Normalablaufs des Lebens. In der Familie ist eine De-Instituionalisierung in mehrfacher Hinsicht zu verzeichnen. Das mittlere Heiratsalter steigt, ebenso das Alter der Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes. Der Prozess der Familienbildung wird verlängert. Dazu kommen eine Abnahme der Heiratsneigung sowie der Geburtenraten. Kinderlose Ehen und Alleinleben treten als neue Familienformen auf. „Dagegen sind die Veränderungen im Bereich der Arbeit (...) noch eher bescheiden“ (Kohli 1998: 313). Die Erwerbsbeteiligung der Frauen steigt, was eine Integration in die arbeitsgesellschaftliche Normalbiographie zur Folge hat. Für die Männer gilt fast immer noch ausschließlich das Modell des Vollzeiterwerbs. Der wesentliche Befund ist, dass sich das Erwerbsleben verkürzt hat. Die Menschen verbleiben länger im Bildungssystem und beenden ihre Erwerbstätigkeit eher. Die Dreiteilung bleibt dennoch erhalten. Änderungen zeigen sich somit nur an den Grenzen zwischen den Phasen, indem sich die Eingangsphase verlängert und die Ausgangsphase verkürzt.

Der moderne Lebenslauf unterliegt laut Kohli einer Dreiteilung in eine Vorbereitungs-, Erwerbs- und Ruhephase. Der Bezug auf die Teenagermütter wird über die erste Phase hergestellt und im folgenden Abschnitt beschrieben.

Die Vorbereitungsphase dient nach Kohli (1985) der Vorbereitung auf die Erwerbstätigkeit. Dieser erste Abschnitt im Leben ist durch die Kindheit und die Jugend gekennzeichnet und durch das Bildungssystem strukturiert. In der Soziologie gilt die Jugendphase20 als entscheidender Lebensabschnitt, in dem die in der Kindheit erworbenen Fähigkeiten weiterentwickelt und entfaltet werden. „Das Individuum bildet in diesem Lebensabschnitt materielle Ressourcen für die Zukunft und durchläuft psychosoziale Entwicklungsprozesse“ (Tölke 1989: 38). Die Prozesse der Identitäts- und Rollenfindung, die Anpassungsleistungen an die Arbeitswelt sowie die Ablösung von der Familie gelten dabei als entscheidende Aufgaben (vgl. Tölke 1989: 39). Im Mittelpunkt der soziologischen Sichtweise stehen Statusübergänge21. Die Statusübergänge stellen Markierungspunkte für eine Normalbiographie dar, die von den Gesellschaftsmitgliedern als typisch erachtet werden. Wie bereits aufgezeigt, ist der institutionelle Lebenslauf durch eine geregelte Ordnung und die Orientierung am chronologischen Alter gekennzeichnet. Einige Übergänge, wie z.B. der Schuleintritt, sind formal institutionalisiert. Andere sind nicht eindeutig zeitlich festgelegt. Dazu zählen u.a. der Zeitpunkt der ersten Hochzeit und die Geburt des ersten Kindes. Dennoch gibt es in unserer Gesellschaft normative Vorstellungen, in welchem Alter diese Übergänge stattzufinden haben (vgl. Tölke 1989: 46). Die Geburt des ersten Kindes ist ein Ereignis, welches dem Erwachsenenalter zugeschrieben wird. Die Vorstellung einer Elternschaft ist mit dem Versorgen der Familie und somit mit einem eigenen Einkommen verbunden. Das Verlassen des Elternhauses, der Ausbildungsabschluss sowie die Heirat sollten dem Mutterwerden stets zeitlich vorausgehen (vgl. Streckeisen 1991: 42). Im Sinne der Theorie der Institutionalisierung des Lebenslaufs nach Kohli spricht man dabei von einer Normalbiographie.

[...]


1 Waren in Westdeutschland Mitte der 70er Jahre die Frauen bei ihrer Erstgeburt noch durchschnittlich 25 Jahre, stieg dieses Alter in den folgenden Jahren kontinuierlich an und lag im Jahr 2000 bei 29 Jahren. In Ostdeutschland waren die Mütter deutlich jünger. 1975 betrug das durchschnittliche Erstgeburtsalter 21,8 Jahre. Nach der Wiedervereinigung kam es zu einer Angleichung des generativen Verhaltens an Westdeutschland. Im Jahr 2006 betrug das Durchschnittsalter der Frauen bei der ersten Geburt in Deutschland 29,7 Jahre (vgl. Statistisches Bundesamt 2007).

2 Vor allem in den Entwicklungsländern ist eine sehr hohe Zahl von Teenagergeburten zu verzeichnen. Das Land Niger weist mit 233 Geburten je 1000 Frauen die höchste Teenagergeburtenrate auf. Im Mittelfeld befinden sich die Vereinigten Staaten mit 53 Geburten je 1000 Frauen. In den meisten europäischen Ländern liegt die Mutterschaftsrate Minderjähriger sehr niedrig. Deutschland zählt mit 11 Teenagergeburten zu den unteren Rängen (URL: http://globalis.gvu.unu.edu/indicator.cfm?IndicatorID=127 ).

3 Erfasst wurden nur die 15 bis 18-jährigen Teenagermütter.

4 Durchgeführt wurde die Studie im Zeitraum Juni 2005 bis August 2007 von der pro-familia in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie der Universität Hamburg. Im Mittelpunkt der Befragung standen junge Mütter. In der ersten Teilstudie erfolgten Interviews mit 1801 schwangeren Mädchen unter 18 Jahren. Von Interesse waren hierbei vor allem der soziale Hintergrund sowie die partnerschaftliche Situation. In der zweiten Teilstudie befragten die Beraterinnen 62 junge Frauen zwei bis drei Monate nach einem Schwangerschaftsabbruch. Von Mai bis August 2007 wurde die erste Teilstudie mit Klientinnen des Diakonischen Werkes wiederholt.

5 Es handelt sich um eine Längsschnittuntersuchung von sozial benachteiligten Müttern, die während ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes in einem Mutter-Kind-Heim lebten. Die erste Befragung fand während der Schwangerschaft mit 17 jungen Müttern statt. 13 Mütter wurden sechs Jahre später erneut interviewt.

6 Die qualitative Befragung wurde mit Lehrkräften an berufsbildenden Schulen sowie Expertengesprächen in Mutter-Kind-Heimen und Pädagogen durchgeführt.

7 Das Alter einer jungen Mutter ist nicht begrenzt auf das Jugendalter bis 19 Jahre. So lassen sich in Untersuchungen unterschiedliche Altersgrenzen für junge Mütter finden.

8 Die Untersuchung fand im Rahmen eines Bundesjugend-Modellprogramms statt. Die interviewten Frauen suchten über die Jugendberufshilfe einen neuen Einstieg ins Berufsleben. Im Mittelpunkt der Studie von Zink standen nur die erwerbslosen Mütter. Zink analysierte 29 junge Mütter hinsichtlich ihrer Erwerbsverläufe und Lebenssituation.

9 Die Daten beruhen auf einer 1984 begonnen Studie, bei der junge Frauen interviewt wurden, welche ihr erstes Kind zwischen 16 und 19 Jahren bekommen hatten. Die Mütter wurden während der Schwangerschaft, sechs sowie 21 Monate nach der Geburt befragt. 79 Interviews konnten zu Beginn der Untersuchung realisiert werden. Nach zwei Jahren befanden sich noch 68 Frauen in der Studie.

10 Die Daten stammen aus dem Panel Study of Income Dynamics. Untersucht wurden 428 Geschwisterpaare, welche 1987 zwischen 21 und 33 Jahren alt waren. Von Bedeutung sind hierbei 82 Geschwisterpaare, wobei eine Schwester als Teenager und die andere als Nicht-Teenager ihr Kind gebar. Außerdem wurden weitere 56 Geschwisterpaare in die Studie mit aufgenommen, bei denen die eine Schwester eine Teenagermutter war und die andere Schwester kinderlos blieb (vgl. Hoffman u.a. 1993: 4).

11 Fergusson und Woodward arbeiteten mit Daten der Christchurch Health and Developmend Längsschnittstudie. Analysiert wurden 520 junge Frauen, von denen Daten über die kompletten 21 Jahre vorhanden waren. 42 der untersuchten Personen bekamen als Teenager ein Kind (vgl. Fergusson/Woodward 2000).

12 Im Jahr 1966 befragte Furstenberg in Baltimore 421 vorwiegend schwarze Frauen, welche ihr erstes Kind unter 18 Jahren bekamen. In den folgenden 20 Jahren fanden fünf Wiederholungen dieser Befragung statt. Somit entwickelte sich die Baltimore-Studie zur größten Längsschnittstudie in Amerika. Ab dem Jahr 1971 wurden auch die Kinder der Teenagermütter mit interviewt. Bei der letzten Befragung 1988 befanden sich noch 253 Baltimore-Frauen in der Untersuchung (vgl. Furstenberg Jr. u.a. 1990).

13 Weitere Darstellungen finden sich u.a. bei Mayer und Müller 1989; Meyer 1992, 2005; Riley und Riley 1994.

14 „Bildungsphasen liegen vor der Erwerbsphase, weil in ihnen Investitionen getätigt werden. Ruhestandphasen liegen nach der Erwerbsphase, weil es sich bei ihnen um Belohnungen handelt.

Abhängige Erwerbstätigkeit konzentriert sich auf die mittlere Lebenslaufphase, weil es sich um die Lebenslaufphase handelt, von der angenommen wird, dass es sich um die produktivste handelt“ (Sackmann 2007: 29).

15 Der Lebenslauf der Frauen ist von einer Dreiphasenstruktur gekennzeichnet. In der ersten Phase bis zur Geburt des Kindes ist die Frau erwerbstätig. In der zweiten Phase konzentriert sich die Frau auf die Kindererziehung und den Haushalt. Sind die Kinder selbstständig, folgt mit einer erneuten Erwerbstätigkeit die dritte Phase (vgl. Merz 1996: 21).

16 Die Ereignisse, die jede Person im Laufe ihres Lebens durchläuft.

17 „In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern (...) stellt auch heute noch der institutionalisierte, dreigeteilte Lebenslauf nicht das Lebensmuster der Mehrheit der Bevölkerung dar, meistens weil der Ruhestand noch nicht institutionell abgesichert ist“ (Sackmann 2007: 20).

18 Verzeitlichung: Der historische Wandel hat zu einer Lebensform geführt, die nach lebenszeitlichen Ablaufprogrammen geordnet ist. Chronologisierung: Der Ablauf des Lebens richtet sich nach dem chronologischen Lebensalter. Es ist zu einem standardisierten Normallebenslauf gekommen. Individualisierung: Freisetzung der Individuen aus den ständischen Bindungen. Die Personen müssen eigene Lebensentwürfe konstruieren. Erwerbssystem: Der Lebenslauf ist dreigeteilt und um das Erwerbssystem herum organisiert. Positionssequenzen vs. biographische Perspektiven: Der Lebenslauf bedeutet einerseits die Regelung des sequentiellen Ablaufs des Lebens und andererseits die individuelle Strukturierung der lebensweltlichen Horizonte (vgl. Kohli 1998).

19 Vgl. Kohli 1985, 1998.

20 In der Literatur liegen keine eindeutigen Definitionen vor, wann die Jugendphase beginnt bzw. endet. Die Idee, Jugend als klar gekennzeichnete Phase zu bezeichnen, verliert an Bedeutung (vgl. Tölke 1989: 44).

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen einer jungen Mutterschaft auf die Berufs- und Erwerbsbiographie
Untertitel
Ein Vergleich von Müttern in Abhängigkeit vom Erstgeburtsalter anhand des Familiensurvey
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1.1
Autor
Jahr
2009
Seiten
79
Katalognummer
V186716
ISBN (eBook)
9783869435305
ISBN (Buch)
9783869433837
Dateigröße
1109 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, mutterschaft, berufs-, erwerbsbiographie, vergleich, müttern, abhängigkeit, erstgeburtsalter, familiensurvey
Arbeit zitieren
Diplom-Soziologin Stefanie Mattner (Autor), 2009, Auswirkungen einer jungen Mutterschaft auf die Berufs- und Erwerbsbiographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186716

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