Deskription der translatorischen Subdisziplin Stegreifübersetzen, Abgrenzung zu artverwandten und ähnlichen Translationsformen, Gegenüberstellung des Stegreifübersetzens mit den Disziplinen Übersetzen und Dolmetschen, Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden, Darstellung der Spezifika des Stegreifübersetzens, empirische Untersuchung über Häufigkeit und Vorkommensart des Stegreifübersetzens in der Praxis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Hauptteil
2.1 Stegreifübersetzen
2.1.1 Definitionen des Stegreifübersetzens
2.1.2 Deskription der Translationsform Stegreifübersetzen
2.1.2.1 Stegreifübersetzen in der alltäglichen Praxis
2.1.2.2 Stegreifübersetzen für Gerichte und Behörden
2.1.3 Terminologie zur Translationsform Stegreifübersetzen
2.1.4 Abgrenzung des Stegreifübersetzens von anderen Mischformen
2.1.4.1 Simultandolmetschen mit Text
2.1.4.2 Live-Untertitelung
2.1.4.3 Gebärdensprachdolmetschen
2.1.5 Stand der Forschung im Bereich Stegreifübersetzen
2.1.6 Zuordnung des Stegreifübersetzens
2.1.6.1 Verwandtschaft mit dem Übersetzen
2.1.6.2 Verwandtschaft mit dem Dolmetschen
2.1.6.3 Mischform Stegreifübersetzen
2.2 Die translatorischen Hauptdisziplinen
2.2.1 Übersetzen
2.2.2 Dolmetschen
2.2.2.1 Simultandolmetschen
2.2.2.2 Konsekutivdolmetschen
2.2.2.3 Effort Models von Daniel Gile
2.2.3 Gegenüberstellung des Übersetzens und Dolmetschens
2.2.3.1 Gemeinsamkeiten des Übersetzens und Dolmetschens
2.2.3.2 Unterschiede zwischen Übersetzen und Dolmetschen
2.3 Hybridcharakter des Stegreifübersetzens
2.3.1 Wesensverwandtschaften mit dem Übersetzen
2.3.2 Wesenverwandtschaften mit dem Dolmetschen
2.3.3 Zwischenstellung des Stegreifübersetzens
2.4 Vorkommen des Stegreifübersetzens
2.4.1 Stegreifübersetzen im universitären Curriculum
2.4.1.1 Stegreifübersetzen als Unterrichtsfach
2.4.1.2 Stellenwert des Stegreifübersetzens in der Ausbildung
2.4.1.3 Stegreifübersetzen als Prüfungskomponente
2.4.1.4 Form des Stegreifübersetzens bei Abschlussprüfungen
2.4.2 Stegreifübersetzen in der alltäglichen Berufspraxis
2.4.2.1 Stegreifübersetzen in erwarteten Situationen
2.4.2.2 Stegreifübersetzen in unerwarteten Situationen
2.4.2.3 Stegreifübersetzen im privaten Bereich
2.4.3 Häufigkeit des Stegreifübersetzens
3 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die translatorische Subdisziplin des Stegreifübersetzens (SÜ) sowohl theoretisch zu fundieren als auch durch eine empirische Erhebung in der Praxis zu beleuchten. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie SÜ in der universitären Ausbildung verankert ist und welche Rolle es im professionellen sowie privaten Alltag von Übersetzern und Dolmetschern spielt, um ein umfassendes Verständnis dieses Phänomens zu gewinnen.
- Theoretische Definition und Einordnung des Stegreifübersetzens im Spannungsfeld zwischen Übersetzen und Dolmetschen.
- Analyse des Hybridcharakters und der kognitiven Anforderungen an den Translator bei der SÜ.
- Empirische Untersuchung des Stellenwerts von SÜ im universitären Curriculum und bei Abschlussprüfungen.
- Erforschung der Häufigkeit und der Vorkommenssituationen (beruflich und privat) von Stegreifübersetzungen in der Praxis.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Definitionen des Stegreifübersetzens
In der „Routlegde Encyclopedia of Translation Studies“ (Baker 2008) wird SÜ von Gile (1998, 4) als „oral translation of written texts“ bezeichnet. An anderer Stelle hebt Gile (1997) den Faktor der Gleichzeitigkeit hervor: „In sight translation (ST), the translator or interpreter translates an SL text aloud while reading it.“ (Gile 1997, 203). Während der AT gelesen wird, entsteht zeitgleich die ZT-Produktion. Für de la Cuesta (1987) steht das Lesen im Vordergrund. Bemerkenswert ist, dass die Definition von de la Cuesta (1987) bereits viel über das gewünschte Endprodukt aussagt: “Elle [la traduction à vue] consiste à lire un texte écrit en une langue, dans une langue différente.“ (de la Cuesta 1987, 26). Lambert betont ebenfalls die mündliche ZT-Wiedergabe. Allerdings liegt der Fokus mehr auf der lauten, d.h. verständlichen Stimme: „La traduction à vue est la transposition d’un texte écrit dans une langue en un texte prononcé à haute voix dans une autre langue.“ (Lambert 1989, 742).
Edwards (1995) betont neben der mündlichen Wiedergabe des Textes einen weiteren Aspekt. Der Ausgangstext liegt in schriftlich fixierter Form vor: „For sight translation, you are asked to translate aloud into another language a text that is physically present in your hand.“ (Edwards 1995, 105). Weber (1984) weist in seiner Definition ausdrücklich auf den Hybridcharakter des SÜ hin. Betont wird der Wechsel von der Schrift- zur Sprechsprache: „sight translation is the transfer of a message ‚from the written medium (text) to the oral medium (interpretation)“ (Weber 1984, 3). Pöchhacker (1997, 1998, 2004) geht in mehreren Schriften auf das SÜ ein, wobei er die Bezeichnungen ‚Vom-Blatt-Übersetzen‘ bzw. ‚Vom-Blatt-Dolmetschen‘ oder ‚Blattdolmetschen‘ der Bezeichnung ‚Stegreifübersetzen‘ vorzieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg, führt die Problemstellung der Arbeit ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Hauptteil: Der Hauptteil definiert und beschreibt die Subdisziplin Stegreifübersetzen, grenzt sie von verwandten Disziplinen ab und analysiert ihren Hybridcharakter sowie ihr Vorkommen in Theorie und Praxis.
3 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Ergebnisse der empirischen Umfrage zum Vorkommen und Stellenwert des Stegreifübersetzens.
Schlüsselwörter
Stegreifübersetzen, Translation, Übersetzen, Dolmetschen, Blattdolmetschen, Simultandolmetschen mit Text, Hybridcharakter, Translationswissenschaft, Berufspraxis, Ausbildung, kognitive Prozesse, Interferenzmechanismus, Redekompetenz, Textanalyse, Ausgangstext.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der translatorischen Subdisziplin des Stegreifübersetzens, bei der ein schriftlicher Text mündlich in eine andere Sprache übertragen wird.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der terminologischen Einordnung, der Abgrenzung zu anderen Translationsformen wie Simultandolmetschen mit Text, sowie der empirischen Untersuchung zur Relevanz im universitären Curriculum und der beruflichen Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Stegreifübersetzen theoretisch zu definieren, seinen Status als eigenständige oder hybride Subdisziplin zu klären und empirisch zu erfassen, wie häufig und in welchen Kontexten Übersetzer und Dolmetscher diese Kompetenz benötigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse und theoretischen Erörterungen führt die Autorin eine empirische Umfrage unter 75 qualifizierten Übersetzern und Dolmetschern durch, um praxisnahe Daten zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Deskription, die Gegenüberstellung der translatorischen Hauptdisziplinen, die Analyse des Hybridcharakters sowie die detaillierte Auswertung der erhobenen Fragebogendaten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist zentral durch die Begriffe Stegreifübersetzen, Hybridcharakter, Translation, Dolmetscher- und Übersetzerausbildung sowie kognitive Belastungsmodelle gekennzeichnet.
Warum wird das Stegreifübersetzen oft als "Hybridform" bezeichnet?
Es vereint Merkmale des Übersetzens (schriftlicher Ausgangstext) und des Dolmetschens (mündliche Wiedergabe, Zeitdruck), was es zu einer besonderen, zwischen den Disziplinen angesiedelten Form der Translation macht.
Welche Rolle spielt das Stegreifübersetzen bei Gerichts- und Behördentätigkeiten?
Im Gegensatz zur allgemeinen SÜ, bei der eine sinngemäße Übertragung ausreicht, fordert das juristische Umfeld eine exakte, wortgetreue Wiedergabe des Originals ohne inhaltliche Abweichungen.
Welche Ergebnisse liefert die Umfrage zur Häufigkeit in der Praxis?
Die Erhebung zeigt, dass über zwei Drittel der Befragten Stegreifübersetzungen im Berufsalltag anwenden, was die Bedeutung dieser Kompetenz trotz teils geringer Verankerung in der universitären Ausbildung unterstreicht.
- Citar trabajo
- Magister Isabelle Kautz (Autor), 2010, Stegreifübersetzen - eine translatorische Subdisziplin, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186749