Zur Geschichte des Lehrbereichs Landeskunde am Herder-Institut
zu Leipzig im Zeitraum 1961 bis 1989
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einblick in die Sprachverbreitungspolitik und Sprachpflege der DDR
3. Kurzer Abriss zur Geschichte des Herder-Instituts
4. Zu den kulturellen und wissenschaftlichen Auslandsbeziehungen der DDR
4.1 Die sechziger Jahre
4.2 Die siebziger Jahre
4.3 Die achtziger Jahre
5. Zur Geschichte des Lehrbereichs Landeskunde am Herder-Institut im Zeitraum von 1961 bis 1989
5.1 Exkurs in die politisch-ideologischen Grundlagen der Forschung und Lehre zur Landeskunde in der DDR
5.2 Landeskunde als Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts
5.3 Landeskunde als Lehrfach und Wissenschaftsdisziplin
6. Das ‚Landesbild DDR’ in den Lehrwerken für DaF und Lehrmaterialien zur Landeskunde in der DDR
6.1 Kriterien zur Auswahl der Lehrwerke und Lehrmaterialien
6.1.1 Lehrwerke für DaF im Zeitraum von 1961 bis 1989
6.1.2 Lehrmaterialien für die ‚Landeskunde DDR’ im Zeitraum von 1961 bis 1989
6.2 Analyse der Umsetzung landeskundlicher Aspekte bzw. Kategorien im ausgewählten Untersuchungskorpus
6.2.1 Zusammenfassung der Aspekte bzw. Kategorien aus den theoretischen Überlegungen zur Landeskunde
6.2.2 Anteile und Gewichtungen der Häufigkeiten landeskundlicher Kategorien im Untersuchungskorpus
6.3 Analyse der Umsetzung übergeordneter Lehrziele des Fremdsprachen- bzw. Landeskundeunterrichts im ausgewählten Untersuchungskorpus
6.3.1 Zusammenfassung übergeordneter Lehrziele aus den theoretischen Überlegungen zur Landeskunde
6.3.2 Repräsentative Beispiele der Umsetzung übergeordneter Lehrziele im Untersuchungskorpus
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Lehrbereichs Landeskunde am Herder-Institut der Universität Leipzig im Zeitraum von 1961 bis 1989. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das staatlich vorgegebene ‚Landesbild DDR‘ in verschiedenen Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache (DaF) theoretisch konzipiert und praktisch umgesetzt wurde, und inwieweit dabei ideologische Vorgaben eine Rolle spielten.
- Historische Entwicklung des Herder-Instituts als Instrument der Sprachverbreitungspolitik der DDR.
- Analyse der politisch-ideologischen Grundlagen und der theoretischen Einbettung der Landeskunde in der DDR.
- Empirische Untersuchung von Lehrwerken und Lehrmaterialien zur Häufigkeit landeskundlicher Kategorien.
- Evaluation der Umsetzung übergeordneter Lehr- und Erziehungsziele in der DaF-Lehrmittelproduktion.
Auszug aus dem Buch
5.1 Exkurs in die politisch-ideologischen Grundlagen der Forschung und Lehre zur Landeskunde in der DDR
In Vorbereitung eines besseren Verständnisses zur Geschichte des Lehrbereichs Landeskunde will dieser Exkurs explizit auf die politisch-ideologischen Grundlagen des Wissenschaftsbetriebes und der Lehre zur Landeskunde, welche auch für den Fremdsprachenunterricht in der DDR im Allgemeinen gelten dürften, aufmerksam machen. Denn wie aus den geschichtlichen Ausführungen zur Landeskunde hervorgehen wird, besteht eine ihrer wichtigsten Hauptaufgaben in der „politisch-ideologischen Erziehung bzw. Einflussnahme der Lernenden“. Somit avanciert sie zu einem ideologierelevanten politischen Gegenstand in der Fremdsprachenausbildung. Als logische Konsequenz ergibt sich daraus für die Landeskunde als Wissenschaftsdisziplin, dass die Bestimmung ihrer Ziele und Aufgaben ebenfalls ideologiegebunden sein muss.
Daher scheint es angebracht, zumindest in Ansätzen die philosophisch-weltanschauliche Herangehensweise an den landeskundlichen Gegenstand, das Objekt ‚Land’, zu skizzieren.
Einleitend sei kurz erläutert, was in der DDR unter Ideologie im erzieherisch pädagogischen Sinne verstanden wurde:
„Unter Ideologie wird ein System der gesellschaftlichen [...] Ideen verstanden, die durch die [...] Produktionsverhältnisse bedingt sind und bestimmte Interessen von Klassen mit dem Ziel zum Ausdruck bringen, das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen in deren Sinne zu beeinflussen. Ziel der I. ist es, auf wiss. Grundlage die antagonist. Klassengesellschaft zu beseitigen und auf dem Sozialismus den Kommunismus aufzubauen.“65
Die wissenschaftlichen Grundlagen erklären sich hierbei aus der Philosophie des Marxismus-Leninismus. Der Marxismus-Leninismus ist eine in „sich geschlossene Weltanschauung, in der sich die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft nach vom Willen der Menschen unabhängigen Gesetzten vollzieht und sich demzufolge der Übergang von einer Gesellschaftsordnung zur nächst höheren gesetzmäßig verhält“. 66
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Landeskunde am Herder-Institut von 1961 bis 1989 und ordnet diese in den Kontext der DDR-Sprachverbreitungspolitik ein.
2. Einblick in die Sprachverbreitungspolitik und Sprachpflege der DDR: Dieses Kapitel erläutert die ideologische Instrumentalisierung von Sprache und Kultur als "vierte Dimension der Außenpolitik" zur Legitimierung des sozialistischen Staates.
3. Kurzer Abriss zur Geschichte des Herder-Instituts: Es wird die Entstehung des Instituts als Leitinstitut für DaF dargestellt, dessen Aufgaben eng an staatliche und parteipolitische Ziele gekoppelt waren.
4. Zu den kulturellen und wissenschaftlichen Auslandsbeziehungen der DDR: Das Kapitel beleuchtet, wie die kulturellen Auslandsbeziehungen über drei Jahrzehnte hinweg zur Anerkennung der DDR und zur Verbreitung des sozialistischen Weltbildes eingesetzt wurden.
5. Zur Geschichte des Lehrbereichs Landeskunde am Herder-Institut im Zeitraum von 1961 bis 1989: Hier erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Landeskunde sowohl als Unterrichtsprinzip als auch als Wissenschaftsdisziplin unter dem Einfluss marxistisch-leninistischer Erziehungsideale.
6. Das ‚Landesbild DDR’ in den Lehrwerken für DaF und Lehrmaterialien zur Landeskunde in der DDR: Dieses Hauptkapitel analysiert empirisch, wie theoretische Anforderungen und ideologische Vorgaben in konkreten Lehrwerken und Materialien umgesetzt wurden.
7. Schlusswort: Das Fazit fasst die enge Verquickung von Politik, Lehre und Ideologie zusammen und würdigt die Rolle des Herder-Instituts als zentralem Akteur in der Geschichte der Landeskunde für DaF in der DDR.
Schlüsselwörter
DDR, Landeskunde, Herder-Institut, Deutsch als Fremdsprache, DaF, Sprachverbreitungspolitik, Marxismus-Leninismus, Ideologie, Außenpolitik, Lehrmaterialien, Lehrwerke, Sozialismus, Sprachpflege, Völkerverständigung, Interkulturelle Verständigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die ideologische Ausrichtung des Lehrbereichs Landeskunde am Herder-Institut der Universität Leipzig zwischen 1961 und 1989 im Kontext der DDR-Außenpolitik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Sprachverbreitungspolitik der DDR, die Geschichte des Herder-Instituts, die theoretische Fundierung der Landeskunde als Wissenschaftsdisziplin sowie die Analyse des vermittelten DDR-Bildes in DaF-Lehrmitteln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie die theoretischen Anforderungen an ein „Landesbild DDR“ in der Praxis der Lehrmittelproduktion umgesetzt wurden und welchen Einfluss politisch-ideologische Zielstellungen dabei hatten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Neben einer historischen Analyse der Entwicklung des Lehrbereichs nutzt die Autorin eine quantitative Inhaltsanalyse (Häufigkeitsauszählung), um die Umsetzung landeskundlicher Kategorien in ausgewählten Lehrwerken und Materialien zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (politisch-ideologische Grundlagen der Landeskunde) und eine empirische Analyse, in der verschiedene Lehrwerke (z.B. DeLfA, Deutsch intensiv) auf ihre landeskundlichen Inhalte hin geprüft werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind insbesondere DDR-Landeskunde, die Rolle des Herder-Instituts als Leitinstitut, marxistisch-leninistische Ideologie im Fremdsprachenunterricht und die Entwicklung des Bildes der „sozialistischen Gesellschaft“.
Wie veränderte sich das Landesbild in den Lehrwerken über die Jahrzehnte?
Während in den sechziger Jahren der Fokus auf dem nationalen Aufbau lag, verschob sich der Schwerpunkt ab den siebziger Jahren hin zu einer internationalen Perspektive, die die DDR als Teil der sozialistischen Staatengemeinschaft präsentierte.
Welche Rolle spielten die "vorbildlichen Charaktere" in den Lehrwerken?
Die Darstellung von vorbildlichen Arbeitern oder Kollektiven diente als pädagogisches Instrument, um die Lernenden im Sinne des „sozialistischen Menschen“ zu erziehen und sie zur Identifikation mit den Zielen des DDR-Staates zu motivieren.
- Arbeit zitieren
- Tatiana Schimmelpfennig (Autor:in), 2005, Deutsche Landeskunde am Herder Institut im Zeitraum 1961 bis 1989, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186776