Chancen und Risiken für TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen durch die Trends zu HDTV und Videojournalismus


Diplomarbeit, 2006

200 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Gegenstand der Untersuchung
1.3 Ziel der Diplomarbeit
1.4 Inhaltlicher Aufbau und methodische Vorgehensweise
1.5 Begriffsdefinitionen

2 Der deutsche Fernsehmarkt
2.1 Geschichtliche Entwicklung
2.1.1 Die Anfänge des Fernsehens in Deutschland
2.1.2 Von der MAZ-Technik bis zur Digitalisierung
2.2 Die relevanten Marktteilnehmer
2.2.1 Entwicklung der TV-Programmanbieter
2.2.2 Entwicklung der Produktionsfirmen
2.2.3 Entwicklung der Rezipienten
2.3 Zusammenfassung

3 HDTV
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Internationale Entwicklung
3.3 Technische Voraussetzungen
3.3.1 Von SDTV zu HDTV
3.3.2 Film versus Video
3.3.3 Bildaufzeichnungsgeräte
3.3.4 Kompressionsverfahren
3.3.5 Übertragungswege
3.3.6 Empfangsgeräte
3.3.7 Speichermedien
3.4 Wirtschaftliche Aspekte
3.4.1 Kostenspezifische Betrachtung: Klassische Produktion versus HD
3.4.2 Auswirkung auf den klassischen Workflow der Fernsehproduktion
3.5 Chancen und Risiken
3.5.1 TV-Programmanbieter
3.5.2 Produktionsfirmen
3.5.3 Zusammenfassung

4 Videojournalismus
4.1 Entstehungsgeschichte
4.1.1 Vom EB-Team zum Ein-Mann-Team
4.1.2 Erste Erfahrungen mit dem Videojournalismus in Deutschland
4.1.3 Videojournalisten der zweiten Generation
4.2 Internationale Entwicklung
4.3 Technische Voraussetzungen
4.3.1 Bildaufzeichnungsgeräte
4.3.2 Einführung in die Arbeitsweise der Videojournalisten
4.3.3 Übertragungswege
4.3.4 Empfangsgeräte
4.4 Wirtschaftliche Aspekte
4.4.1 Ausbildung der Videojournalisten
4.4.2 Honorierung der Videojournalisten
4.4.3 Kostenspezifische Betrachtung: VJ versus EB-Team
4.4.4 Auswirkungen auf die Wertekette der Fernsehproduktion
4.5 Chancen und Risiken
4.5.1 TV-Programmanbieter
4.5.2 Produktionsfirmen
4.5.3 Zusammenfassung

5 Vergleich der Trends HDTV und Videojournalismus
5.1 Gegenüberstellung
5.2 Ergebnis

6 Handlungsempfehlungen
6.1 TV-Programmanbieter
6.1.1 Öffentlich-rechtliche TV-Programmanbieter
6.1.2 Private TV-Programmanbieter
6.1.3 Lokal-TV-Programmanbieter
6.1.4 Pay-TV-Programmanbieter
6.1.5 Neugründer
6.1.6 Zusammenfassung
6.2 Produktionsfirmen
6.2.1 Senderabhängige Produktionsfirmen
6.2.2 Senderunabhängige Produktionsfirmen
6.2.3 Neugründer
6.2.4 Entscheidungs-Matrix zur Disposition von EB-Teams und VJs
6.2.5 Zusammenfassung
6.3 Ausblick
6.4 Fazit

Anhang A: Experteninterviews zum Trend HDTV

A.1 Interview mit Volker Rodde

A.2 Interview mit Daniel Taenzer

A.3 Interview mit Oliver Petersen

A.4 Interview mit Gert Zimmermann

A.5 Interview mit Lothar Kerestedjian

A.6 Interview mit Dr. Thomas Schnöring

Anhang B: Experteninterviews zum Trend Videojournalismus

B.1 Interview mit Andre Zalbertus

B.2 Interview mit Daniel Moj

B.3 Interview mit Bernd Kliebhan

B.4 Interview mit Thomas Schäffer und Sebastian Wolters

Anhang C: Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Der Wirkungskreislauf

Abbildung 3: Der werbefinanzierte Wirkungskreislauf

Abbildung 4: Entwicklung der TV-Programme in Deutschland

Abbildung 5: Entwicklung der täglichen Sehdauer

Abbildung 6: Unterschied zwischen SDTV und HDTV in Deutschland

Abbildung 7: Vom Zeilensprungverfahren zum Vollbild

Abbildung 8: Größenverhältnisse der verschiedenen Formate

Abbildung 9: Das Pan & Scan-Verfahren

Abbildung 10: Das Letterbox-Verfahren

Abbildung 11: Das anamorphe Bild

Abbildung 12: Übersicht über die Standards der Bild- und Video-Codierung

Abbildung 13: HD-Einsatz in Herstellungsprozessen

Abbildung 14: Der klassische Workflow der Fernsehproduktion

Abbildung 15: Der digitale Workflow in HD

Abbildung 16: Umsatzprognose Mobile TV (DVB-H) in Deutschland bis 2010

Abbildung 17: Entwicklung der IP-TV-Haushalte in Deutschland bis 2010

Abbildung 18: Entwicklung der HDTV-Haushalte in Deutschland

Abbildung 19: Marktfeldstrategie

Abbildung 20: Chancen und Risiken durch HDTV

Abbildung 21: Einsatz von Videojournalisten in Deutschland im Jahr 1996

Abbildung 22: Wertekette der klassischen Fernsehproduktion

Abbildung 23: Wertekette der klassischen Fernsehproduktion (EB-Team)

Abbildung 24: Wertekette des Videojournalismus (Idealbild)

Abbildung 25: Chancen und Risiken durch den Videojournalismus

Abbildung 26: Entscheidungs-Matrix zur Disposition von EB-Teams und VJs

Abbildung 27: Der Teufelskreis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entwicklung des Digitalisierungsgrades in Deutschland

Tabelle 2: Übersicht der aktiven Produktionsbetriebe und der Produktionsvolumina

Tabelle 3: Vergleich der abhängigen und unabhängigen TV-Produktionsfirmen

Tabelle 4: Formatvergleich SDTV (NTSC/PAL) und HDTV

Tabelle 5: Vergleich von Film und Video

Tabelle 6: Vergleich der Bandformate HDCAM und DVCPRO-HD

Tabelle 7: Kompressionsverfahren für HDTV

Tabelle 8: Der MPEG-2-Standard

Tabelle 9: Der MPEG-4 bzw. H.264/AVC Codec

Tabelle 10: Der Windows-Media-Video-9-Professional-Standard

Tabelle 11: TV-Empfang in Deutschland nach Übertragungswegen

Tabelle 12: Produktionskostenvergleich

Tabelle 13: Gesamtübersicht der gängigen digitalen TV-Produktionsformate

Tabelle 14: Beispiel-Equipment eines Videojournalisten

Tabelle 15: Kostenvergleich VJ-Produktion versus EB-Team-Produktion

Tabelle 16: Gegenüberstellung HDTV und Videojournalismus

Tabelle 17: Handlungsempfehlung für Neugründer (TV-Programmanbieter)

Tabelle 18: Ausbildungsmöglichkeiten zum Videojournalisten

Tabelle 19: VJ-Weiterbildungsangebote der Öffentlich-Rechtlichen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Dieses Kapitel beginnt mit einer Hinführung zum Thema dieser Diplomarbeit. Anschließend wird aufgezeigt, welche Fragestellung in dieser Diplomarbeit untersucht wird (Kapitel 1.1). Im Folgenden wird das Ziel dieser Arbeit (Kapitel 1.2) sowie das methodische Vorgehen erläutert. (Kapitel 1.4). Abschließend werden die für diese Diplomarbeit relevanten Begriffsdefinitionen vorgestellt (Kapitel 1.5).

1.1 Hinführung zum Thema

Die deutsche Fernsehbranche verändert sich rasant. Bedingt durch die Digitalisierung mussten viele TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen ihren gesamten Workflow umrüsten, um auch auf Dauer wettbewerbsfähig zu sein. Viele Unternehmen haben zu spät in diese Entwicklung investiert, was dazu geführt hat, dass sie hohe Marktanteilsverluste in Kauf nehmen mussten. Diese Situation hat den deutschen Unternehmen aufgezeigt, wie wichtig es ist, zur richtigen Zeit in neue Technologien zu investieren, wobei man die Chancen und Risiken, ob sich eine neue Technologie durchsetzt oder ob sie scheitert, genau analysieren und abwägen muss.

Durch die Digitalisierung entwickeln sich viele neue Technologien und Trends. Neue Berufsbilder entstehen und traditionelle Arbeitsweisen verändern sich grundlegend. Die zunehmende Vernetzung der Medien- und Kommunikationssektoren führt zur Erosion traditioneller Wertschöpfungsketten. In der Film- und Fernsehproduktion sind es unter anderem hochleistungsfähige Digitalkameras, ob Video oder HD, leistungsstarke Da- tenkompressionen, schnell arbeitende Computerschnittplätze, neue Übermittlungs- techniken und umfassende digitale Bearbeitungsmöglichkeiten. Die neue digitale Technologie wird zunehmend kostengünstiger und fortwährend leichter bedienbar. Die Digitalisierung hält im gesamten Workflow der Film- und Fernsehproduktion Einzug und trägt dazu bei, dass die Prozesse von der Produktion bis zur Sendeabwicklung opti- miert werden können. Viele TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen befinden sich momentan in ihrer strategischen Zukunftsplanung und haben sich noch nicht ent- schieden, welchen Weg sie in Zukunft gehen werden. Es zeichnet sich ein Zielkonflikt zwischen Qualitäts- und Kostendenken ab.

Diese Diplomarbeit befasst sich ausschließlich mit den zwei folgenden Trends auf dem deutschen TV-Markt:

- Zum Einen mit dem Trend zum Produzieren von „hochauflösenden“ Fernsehbildern (HDTV) und
- zum Anderen mit dem Trend zum Produzieren von „günstigen“ und „anderen“ Fernsehbildern (Videojournalismus).

1.2 Gegenstand der Untersuchung

Diese Diplomarbeit geht folgender Fragestellung nach:

Auf welchen Trend sollten TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen setzen: HDTV oder Videojournalismus?

Diese Fragestellung spiegelt eine aktuelle Problemsituation auf dem deutschen Fernsehmarkt wieder, da sich viele TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen noch nicht entschieden haben, ob sie auf das Produzieren von hochauflösenden oder günstigen Fernsehbildern setzen sollen.

Im Folgenden wird untersucht, welche Chancen sich für TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen durch die Trends zu HDTV und Videojournalismus ergeben und mit welchen Risiken sie konfrontiert werden.

1.3 Ziel der Diplomarbeit

Ziel dieser Diplomarbeit ist, die in Kapitel 1.2 formulierte Fragestellung zu beantworten und den deutschen TV-Programmanbietern und Produktionsfirmen Handlungsempfehlungen für ihre strategische1 Zukunftsplanung zu geben.

1.4 Inhaltlicher Aufbau und methodische Vorgehensweise

Diese Arbeit gliedert sich in drei Teilbereiche (siehe Abb. 1: Aufbau der Arbeit). In der Einleitung (Kapitel 1) wird die Fragestellung, das Ziel und der Aufbau der Arbeit vor- gestellt. Im Hauptteil wird zunächst der deutsche Fernsehmarkt und damit die Aus- gangslage der deutschen TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen analysiert (Ka- pitel 2). Im Anschluss daran werden die relevanten Trends HDTV (Kapitel 3) und Vi- deojournalismus (Kapitel 4) sowie die daraus resultierenden Chancen und Risiken für die deutschen TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen untersucht.

Um die im Einleitungsteil definierte Fragestellung zu beantworten, werden die beiden Trends HDTV und Videojournalismus nach der Chancen und Risiken-Analyse miteinander verglichen (Kapitel 5). Abschließend werden mögliche Handlungsempfehlungen für TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen gegeben (Kapitel 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit2

1.5 Begriffsdefinitionen

In diesem Kapitel werden die für diese Arbeit relevanten Begriffe definiert/eingegrenzt und dementsprechend verwendet.

TV-Programmanbieter

Unter TV-Programmanbieter sind alle öffentlich-rechtlichen3 und privaten Fernsehanstalten4, die Fernsehprogramm in analoger sowie digitaler Form über alle zur Verfügung stehenden Übertragungswege an die Rezipienten5 distribuieren, zu verstehen.6

Produktionsfirmen

Bei Produktionsfirmen, so wie sie in dieser Arbeit verstanden werden sollen, handelt es sich ausschließlich um Fernsehproduktionsfirmen.

Trend

Unter einem Trend wird der Ausdruck von Entwicklungen und Veränderungen über einen längeren Zeitraum hinweg verstanden. Er wird aus vergangenheitsbezogenen Daten erkennbar, zum Beispiel über das Nachfrageverhalten.7

HDTV

Die Abkürzung HDTV steht für High-Definition-TeleVision, also für hochauflösende Fernseh- und Videosignale. Es handelt sich dabei um eine Erweiterung des Standard- Definition-TeleVision (SDTV). HDTV hat im Vergleich zum herkömmlichen Bild in PAL- Norm8, die rund fünffach höhere Zeilenauflösung (vergleiche hierzu Tabelle 4). Außer- dem bietet HDTV eine größere Detailgenauigkeit, stärkere Kontraste, und eine klarere Farbwiedergabe. HDTV wird immer im 16:9 Format produziert. Des Weiteren hat HDTV eine Minimalauflösung von 720 vertikalen Zeilen mit 1280 horizontalen Bildpunk- ten (ca. 1 Mio. Bildpunkte pro Bild). Die maximale Auflösung beträgt 1080 vertikale Zeilen mit 1920 horizontalen Bildpunkten (ca. 2 Mio. Bildpunkte pro Bild). HDTV ist ein Aufnahme- und Produktionsstandard, der überwiegend in der Film- und Fernsehpro- duktion eingesetzt wird. TV-Programmanbieter, die HDTV ausstrahlen möchten, müs- sen ihr Programm mit speziellem High-Definition-Equipment (HD-Equipment) produzie- ren und über einen eigenen HDTV-tauglichen Distributionsweg ausstrahlen. Zum Emp- fang wird ein HDTV-Receiver benötigt. Solche Empfangsgeräte sind seit diesem Jahr auf dem Markt erhältlich. Für die Bilddarstellung von HDTV-Signalen wird ein Display mit HD-ready-Logo benötigt. HD-ready ist ein Güte-Siegel der EICTA (European Infor- mation & Communications Technology Industry Association). Das Siegel steht für defi- nierte Mindestanforderungen, die ein Fernsehgerät oder Display erfüllen muss, um HDTV empfangen und darstellen zu können. In Japan und den USA ist HDTV bereits der "Sendestandard" und in Südkorea und Australien laufen die ersten HDTV- Programme im Regelbetrieb. Auch bei uns in Europa wird das Thema HDTV immer weiter vorangetrieben.9

Videojournalismus

Durch den Videojournalismus wird die Arbeitsteilung zwischen Autor, EB-Team10 und Cutter aufgehoben. Der Videojournalist (VJ) konzipiert, dreht und schneidet seinen Beitrag in Eigenregie.11 Videojournalisten arbeiten mit kompakten Kameras im DVFormat und schneiden auf digitalen Schnittplätzen, die sich entweder in einem Laptop oder Desktop-PC / Apple-Modell befinden.

In dieser Arbeit wird der Videojournalismus als neue TV-Produktionsform definiert, die durch den Einsatz von DV-Kameras und Schnittsoftware es jeder Person (dem so genannten Videojournalisten) nach qualifizierter Schulung ermöglicht, die Tätigkeiten des Redakteurs, des Kameramanns und des Cutters zu übernehmen und selbstständig einen vollständigen Beitrag zu produzieren.

Besonderheit

Vom Videojournalisten zu unterscheiden ist der Videoreporter. Hierauf ist deshalb wert zu legen, da manche TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen die beiden Begriffe synonym verwenden oder ausschließlich den Begriff Videoreporter gebrauchen, damit aber nach der hier verwendeten Definition, Videojournalisten meinen. Während der VJ einen Beitrag alleine produziert, dreht der Videoreporter „nur“ das Material und gibt es anschließend an einen Reporter weiter, der dieses Material dann durch einen Cutter nach seinen Wünschen schneiden lässt.12

2 Der deutsche Fernsehmarkt

Im Nachfolgenden Kapitel wird der für diese Diplomarbeit relevante deutsche Fernsehmarkt vorgestellt. Zu Beginn (Kapitel 2.1) wird auf die geschichtliche Entwicklung bis hin zur Digitalisierung eingegangen. Im Anschluss daran (Kapitel 2.2) werden die relevanten Marktteilnehmer und deren Ist-Situation analysiert. Eine Schlussfolgerung (Kapitel 2.3) beendet dieses Kapitel.

2.1 Geschichtliche Entwicklung

In diesem Kapitel werden zu Beginn die Anfänge des Fernsehens in Deutschland beschrieben, um ein besseres Verständnis für die anschließend folgende, technische Entwicklung von der MAZ-Technik bis hin zur Digitalisierung zu bekommen

2.1.1 Die Anfänge des Fernsehens in Deutschland

Im zweiten Weltkrieg wurde das Fernsehen in Deutschland von den Nationalsozialisten als Propagandainstrument in Beschlag genommen. Diese Zeit wird heute als „technische Steinzeit des Fernsehens in Deutschland“ angesehen.13

Nach dem Krieg wurde dann von den Briten der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) gegründet. Es war die erste Rundfunkanstalt in der Bundesrepublik Deutschland. Als das öffentlich-rechtliche Fernsehen am 25. Dezember 1952 mit dem Vorgänger des ersten Programms der ARD seinen regulären, damals noch in schwarz-weiß ausgest- rahlten Sendebetrieb, aufnahm, war es noch weit vom Status eines Massenmediums entfernt. Da zudem die Empfangsgeräte in der damaligen Zeit aufgrund noch nicht ein- setzender Serien- bzw. Massenfertigung noch sehr teuer waren, blieb der Empfang von Fernsehsendungen lediglich auf eine recht kleine, privilegierte Bevölkerungsgrup- pe beschränkt. Das änderte sich jedoch in den folgenden Jahren, als die Herstellung von TV-Empfangsgeräten immer kostengünstiger wurde. Dies hatte zur Folge, dass fast jeder bundesdeutsche Haushalt ein Fernsehgerät besaß.

Am 1. November 1954 hat die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rund- funkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) den Sendebetrieb aufgenom- men. Zu diesem Zeitpunkt wurde die tägliche Sendezeit der Rundfunkanstalten aus- geweitet und die Zahl der Zuschauer wuchs kontinuierlich. Für die Produktion bedeute- te dies, dass quantitativ mehr Programm hergestellt werden musste. In dieser Zeit be- gann sich das reguläre Programm nachhaltig zu verändern. Die Forderung der TV- Pioniere, Fernsehen müsse vorrangig live sein, erwies sich zunehmend als Behinde- rung für die Weiterentwicklung des Programmangebotes.14 Da seinerzeit die Programme vieler TV-Programmanbieter nicht ausschließlich live produziert wurden und nur mit einem sehr großen Mehraufwand auf Ausfälle reagiert werden konnte, wurden andere Produktionstechniken benötigt. Liveproduktionen belasteten zudem die Schauspieler und Sprecher sowie die anderen Protagonisten zunehmend. Im Jahre 1957 saßen immerhin etwa vier Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten, die jeden Fehler sahen. Ausschließlich mit Liveproduktionen konnte der tägliche Sendebetrieb für so viele TVProgrammanbieter nicht gewährleistet werden.15

Etwas musste demnach passieren, um den täglichen Sendebetrieb der TVProgrammanbieter zu gewährleisten. Noch im selben Jahr (1957) wurde das magnetische Aufzeichnungsverfahren (MAZ) eingeführt.16 Es war fortan möglich Sendungen in größerem Umfang vorzuproduzieren, anstatt sie überwiegend zeitgleich zur Ausstrahlung im Studio aufführen zu müssen. Dieser technische Fortschritt erleichterte die Planung und Koordination bei den einzelnen Anstalten, was zur Folge hatte, dass auch Wiederholungen technisch und organisatorisch möglich wurden.

2.1.2 Von der MAZ-Technik bis zur Digitalisierung

Ende der 50er Jahre war die MAZ-Technik nur ein Hilfsmittel. Bei Live-Pannen konnte auf Magnetbandaufzeichnungen, die bei der Generalprobe erstellt wurden, umgeschaltet werden.17 Das lag vor allem daran, dass die elektronischen Kameras zu diesem Zeitpunkt so groß und schwer waren, dass sie unmöglich das Stativ verlassen konnten. Sie waren somit an das Fernsehstudio gebunden.18

Die tagesaktuellen Berichterstattungen, wie z.B. Nachrichten, wurden in den 50er Jah- ren von Korrespondenten der TV-Programmanbieter produziert und in die Sendungen eingespielt. Es wurde zu dieser Zeit noch komplett auf 16 mm-Film produziert, da die elektronischen Kameras nach wie vor zu groß und zu schwer waren, um das Studio verlassen zu können. Durch die spätere Installation von Satelliten, konnten die Berichte jedoch immer öfter live eingespielt und später auch mit EB-Kameras magnetisch auf- gezeichnet werden.19

In den 70er und 80er Jahren löste sich die EB-Kamera fast vollständig vom Studio und wurde überwiegend für Sportübertragungen und die aktuellen Berichterstattungen im regionalen Bereich eingesetzt. Der bisherige 16 mm-Film-Produktionsstandard wurde in diesen Genres durch die elektronische Berichterstattung (EB) ersetzt. Mit der Regio- nalisierung der ARD-Programme fand in den 80er Jahren ein breiter Umstieg auf die EB in der Bundesrepublik Deutschland statt.20

Die EB hatte für die Produktionsfirmen und TV-Programmanbieter viele Vorteile. Auf- nahmen von Sportübertragungen konnten direkt gesendet und gleichzeitig gespeichert werden. Mit einer geringen zeitlichen Verzögerung konnten Aufnahmen reproduziert und als Wiederholung einer Sequenz in die laufende Sendung eingespielt werden. Durch die EB-Technik entstand also die Möglichkeit, schneller zu operieren, da Filmrol- len nicht extra entwickelt und Kopien schneller erstellt werden konnten. Eine For- schungsgruppe hat Mitte der 80er Jahre festgestellt, dass von den 131 westdeutschen TV-Programmanbietern, rund ein Drittel elektronisch produzierte oder zumindest eine elektronische Produktion plante. Es kamen ca. 650 EB-Kameras mit rund 260 elektro- nischen Schnittplätzen zum Einsatz.21

Obwohl immer mehr analog produziert wurde, waren sich die Ingenieure schon damals darüber im Klaren, dass die Zukunft digital sein würde. Der Hintergrund der Überlegungen war, dass man eine Möglichkeit zum verlustfreien Kopieren der Aufnahmen schaffen wollte. Im Jahr 1987 kam dann von Sony der erste digitale Videorekorder auf den Markt.22 Dies war der Beginn für die digitale Fernsehproduktion in Deutschland. Die Digitalisierung des Sendebetriebs hingegen sollte jedoch noch eine Weile dauern, da die Übertragungswege noch analog waren. Am 28. Juli 1996 erfolgte der erste Sendebetrieb des digitalen Fernsehens in Deutschland.23

Die Branche spricht in Bezug auf das digitale Fernsehen in Europa, auch vom Digital- Video-Broadcasting (DVB).24 Digitales Fernsehen (DVB) bezeichnet die Ausstrahlung von Video-, Audio- und Zusatzdiensten in digitaler Form. Je nach Übertragungsweg, wird die Abkürzung DVB um eine Kurzbezeichnung erweitert. Für die Übertragung per Satellit, Kabel und Terrestrik, werden die Kürzel ‚S’ (Satellit), ‚C’ (Kabel) und ‚T’ (Ter- restrik) angehängt. Es ist unerheblich, ob die Programmproduktion analog oder digital erfolgt. Entscheidend für den Begriff „Digitales-Fernsehen (DVB)“ ist die Tatsache, dass die Programmübertragung in digitaler Form erfolgt. Die analogen Informationen werden zunächst auf TV-Programmanbieterseite durch den Einsatz von Analog-Digital- Wandlern in einen Binärcode aus Einsen und Nullen zerlegt, codiert und auf Empfän- gerseite wieder decodiert, um zu Bildern, Tönen, Texten oder sonstigen Daten zu- sammengesetzt und schließlich dargestellt werden zu können.25

Auf einem Kanal für analoges TV-Programm kann eine Mehrzahl an digitalen Fernsehprogrammen übertragen werden. Durch Datenreduktionen wird es sogar möglich die Kanal-Kapazitäten um den Faktor fünf bis zehn zu erhöhen.

Trotz des digitalen Workflows (von der Produktion, über die Postproduktion, bis hin zum Empfangsgerät) wird digital produziertes Material in Deutschland heute noch zum größten Teil analog gesendet. Die folgende Tabelle bestätigt dies.

Tabelle 1: Entwicklung des Digitalisierungsgrades in Deutschland26

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bislang sind „erst“ 21,3% der deutschen Haushalte digital. Die Tendenz ist jedoch stark steigend. Dies zeigt sich daran, dass in den letzten fünf Jahren, die Zahl der gesamten digitalen Haushalte von 1,84 Mio. auf 7,46 Mio. verhältnismäßig stark gestiegen ist. Ein weiterer Grund, weshalb man davon ausgehen kann, dass der digitale Sendebe- trieb und die Verbreitung von digitalen Inhalten weiter stark zunimmt, ist der, dass sich die europäische Kommission27 für einen marktgetriebenen und raschen Umstieg mit einer kurzen Simulcast-Phase 28 ausspricht. Die europäische Kommission hat in einer Mitteilung vom 24.05.2005 das Jahr 2012 als Auslaufdatum für analoges Fernsehen in Europa vorgeschlagen. 29

Ob dieser Termin von allen EU-Mitgliedsstaaten eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Man sollte dennoch davon ausgehen, dass das analoge Signal in Zukunft auf allen Verbreitungswegen abgeschaltet wird.

2.2 Die relevanten Marktteilnehmer

In diesem Kapitel wird der Zusammenhang der drei für diese Arbeit relevanten Parteien auf dem deutschen TV-Markt (TV-Programmanbieter, Produktionsfirmen und Rezipienten), mit Hilfe eines Wirkungskreislaufs, grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der Wirkungskreislauf30

Die Produktionsfirmen produzieren die Inhalte für die TV-Programmanbieter. Diese senden sie an die Rezipienten. Die Rezipienten konsumieren die Inhalte. Anschließend beauftragen die TV-Programmanbieter wiederum die Produktionsfirmen, um neue Inhalte produzieren zu lassen.

Dieser Kreislauf ist vereinfacht dargestellt, da die Erlösmodelle der unterschiedlichen TV-Programmanbieter nicht berücksichtigt werden. Man unterscheidet bei den TV- Programmanbietern nach der Art der Programmfinanzierung. Es gibt gebühren-, wer- be- und entgeltfinanzierte TV-Programmanbieter auf dem deutschen Fernsehmarkt.31

Auf diese drei Finanzierungsmodelle wird im Folgenden kurz eingegangen.

Gebührenfinanziert

Die öffentlich-rechtlichen TV-Programmanbieter sind gebührenfinanziert. Der Rezipient entrichtet eine monatliche Gebühr an die Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Es ist dabei unerheblich, ob er das TV-Programm in Anspruch nimmt oder nicht (konsumiert), allei- ne der Besitz eines Bildwiedergabesystems genügt, um der Zahlung folge leisten zu müssen. Es handelt sich hierbei um die so genannte GEZ-Gebühr32.

Werbefinanziert

Bei den privaten TV-Programmanbietern muss der Rezipient kein Entgelt entrichten. Sie finanzieren sich hauptsächlich durch Werbeeinnahmen.

Folgende Abbildung zeigt den webefinanzierten Wirkungskreislauf (vereinfachte Dar- stellung).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Der werbefinanzierte Wirkungskreislauf33

Die beiden Formen gebühren- und werbefinanziert, fallen in Deutschland unter den Begriff ‚Free-TV’.34

Entgeltfinanziert

Ein weiteres Finanzierungsmodell ist das ‚Pay-TV’. Hierbei muss der Rezipient für die Inanspruchnahme des Programmangebotes ein spezielles Entgelt entrichten. Der Begriff ‚Pay-TV’ wird als Gegenteil von ‚Free-TV’ benutzt.

2.2.1 Entwicklung der TV-Programmanbieter

Die Entwicklung der TV-Programmanbieter nimmt durch die Digitalisierung und die dadurch entstehenden Bandbreiten stetig zu. Die Satellitenbetreiber SES ASTRA und Eutelsat prognostizieren für Europa in den nächsten Jahren einen Anstieg auf bis zu 1500 TV-Programme.

Die folgende Abbildung zeigt, wie stark sich das Angebot der TV-Programme (auch TV-Kanäle genannt) in den letzten Jahren entwickelt hat.35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der TV-Programme in Deutschland36

Im Jahr 2004 waren in Deutschland über 100 deutsche TV-Kanäle auf Sendung. Interessant ist die getrennte Betrachtung von öffentlich-rechtlichen und privaten TVProgrammanbietern. Die Verspartung des deutschen TV-Marktes wird hauptsächlich durch die privaten Anbieter getrieben. Bereits 61 private Spartenkanäle haben eine bundesweite Sendelizenz.

2.2.2 Entwicklung der Produktionsfirmen

In der folgenden Tabelle wird deutlich, wie stark sich die Produktionsbranche im Laufe der letzten Jahre entwickelt hat. Bis zum Jahr 2001 ist die Zahl der Neugründungen konstant gestiegen. Es wurden Ende des Jahres 2001 bereits 750 Produktionsfirmen registriert.37

Tabelle 2: Übersicht der aktiven Produktionsbetriebe und der Produktionsvolumina38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die im Jahre 2001 einsetzende Werbekrise führte im ersten Jahr zu einem kleinen Rückgang auf 738 Produktionsfirmen. Ein Gründungsboom im Jahre 2003 führte trotz anhaltender Werbekrise zu einer Rekordanzahl von 808 Produktionsfirmen in Deutsch- land. Die Möglichkeiten der Branche schienen mit diesem hohen Zuwachs an neuen Produktionsfirmen überfordert zu sein, denn ein Jahr später (2004) ist die Zahl der ak- tiven Produktionsfirmen auf 741 gesunken. Das entspricht ungefähr der Anzahl an Produktionsfirmen, die wir im Jahre 2002 auf dem deutschen TV-Markt hatten.

Das durchschnittliche Produktionsvolumen pro Jahr ist 2003 ebenfalls deutlich gesunken. Im Folgejahr stieg es zwar wieder an, liegt mit 980 Minuten aber immer noch deutlich unter den Werten vom Ende der 90er Jahre.

Senderabhängig und senderunabhängig

Folgende Tabelle stellt den Unterschied einer senderabhängigen und senderunabhängigen Produktionsfirma dar.

Das Kriterium „Senderabhängigkeit“ wird in dieser Arbeit ausschließlich mit Vertragsoder Kapitalverbindungen zu TV-Programmanbietern definiert. Die Dominanz einzelner Auftraggeber bei einzelnen Auftragnehmern wird nicht berücksichtigt.

Tabelle 3: Vergleich der abhängigen und unabhängigen TV-Produktionsfirmen39

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Anzahl der abhängigen Produktionsfirmen ist in den letzten Jahren erkennbar zu- rückgegangen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Produktionsbetriebe lag 2004 bei nur noch 11 Prozent. Es zeigt sich allerdings, dass die Größenvorteile der abhängigen ge- genüber den unabhängigen Produktionsfirmen, gemessen am durchschnittlichen Jah- resoutput, immer noch immens sind. Die abhängigen Betriebe kamen im Jahr 2003 auf ein durchschnittliches Jahresvolumen von 2.570 Minuten und im Jahr 2004 auf 2.924 Minuten (gerundete Werte40 ). Für die unabhängigen Betriebe lagen diese Werte bei 659 bzw. 732 Minuten. Die unabhängigen Produktionsfirmen kamen nur auf ¼ des Jahresvolumens, welches die abhängigen Produktionsfirmen in den beiden letzten Jah- ren erreichten. Obwohl sich die Schere gegenüber 2001 und 2002, als das Größenver- hältnis zwischen unabhängigen und abhängigen Betrieben noch 1 zu 6 betrug, beim Auftragsvolumen verringert hat, bleibt der Zugang der abhängigen Produzenten zum Auftragsvolumen deutlich besser.

Hierzu ist festzuhalten, dass die senderabhängigen Produktionsfirmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den senderunabhängigen Produktionsfirmen haben.

2.2.3 Entwicklung der Rezipienten

In Kapitel 2.2 wurde die Erkenntnis gewonnen, dass die Anzahl der TVProgrammanbieter in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Diese Entwicklung lässt die Annahme zu, dass sich die steigende Anzahl an neuen Fernsehkanälen auch positiv auf den Fernsehkonsum der Rezipienten ausgewirkt hat.

Die folgende Abbildung zeigt, dass diese Annahme zutreffend ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Entwicklung der täglichen Sehdauer41

In Abbildung 5 wird deutlich, dass die tägliche Sehdauer der Zuschauer ab 3 Jahre in den letzten 10 Jahren um 36 Minuten pro Tag gestiegen ist. Das entspricht einem Wachstum von 21% (aufgerundet). Im Schnitt schaut der Zuschauer ab 3 Jahren pro Tag 3,5 Stunden fern.

Wie kein anderes Medium ist das Fernsehen als fixer Bestandteil in den Tagesablauf und das persönliche Leben der Menschen integriert. Es strukturiert den Alltag der Menschen und hilft ihre Gemütsverfassungen zu modulieren. Das Medium Fernsehen befriedigt das menschliche Grundbedürfnis nach sozialer und emotionaler Integration wie kein anderes Medium. Der Bildschirm ist dabei Fenster zur Welt. Er schlägt Brü- cken zu anderen Kontinenten, Lebensentwürfen und Weltanschauungen und schafft zugleich eine kollektive Heimat. Das Bildwiedergabesystem vermittelt das Gefühl, Anteil an fernen Geschehnissen zu haben.42

2.3 Zusammenfassung

Die gegenwärtige Ausgangslage auf dem deutschen TV-Markt scheint aus Sicht der TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen sehr gut zu sein. Bedingt durch die Digitalisierung nimmt die Anzahl der TV-Programmanbieter in Deutschland stetig zu. Die Verspartung der TV-Programmanbieter-Landschaft führt zu einem Bedarf an neuen Programminhalten. Folglich werden neue Aufträge an die Produktionsfirmen vermittelt. Vermutlich steigt die Anzahl der Produktionsfirmen ebenfalls an. Die Tatsache, dass auch der Zuschauer immer mehr fernsieht, kommt der Annahme einer steigenden Programmanbieter-Entwicklung ebenfalls zu Gute.

3 HDTV

Im Folgenden Kapitel wird das hochauflösende Fernsehen (HDTV) in seiner Gesam- theit vorgestellt. Zu Beginn wird auf die Entstehungsgeschichte (Kapitel 3.1) und die internationale Entwicklung von HDTV eingegangen (Kapitel 3.2). Anschließend werden in Kapitel 3.3 die technischen Voraussetzungen aufgeführt. Abschließend werden die wirtschaftlichen Aspekte von HDTV (Kapitel 3.4) auf dem deutschen TV-Markt darges- tellt.

3.1 Entstehungsgeschichte

In Europa wurde Ende der 80er Jahre ein erster Anlauf gemacht, HDTV als Standard zu etablieren. Das D2-MAC-Verfahren mit 1250 Zeilen und 50 Hertz (Hz) sollte unter dem Namen „HD-MAC“ den Weg für einen europäischen HDTV-Standard ebnen. Dafür gab es zwei Gründe: Zum Einen war die TV-Branche der Meinung, dass das Fernsehen mehr Glanz benötigte und zum Anderen sollte die TV-Geräte-Industrie in Europa gegenüber den japanischen Herstellern gestärkt werden.43

Dieses Vorhaben konnte jedoch nicht umgesetzt werden. Schwierigkeiten in Bezug auf die Sendeleistung und die unerwartete Konkurrenz durch private Satellitensysteme haben dazu beigetragen, dass HDTV sich nicht durchsetzen konnte. Ebenfalls kam erschwerend hinzu, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine HDTV-Inhalte gab. HDTV- fähige Empfangsgeräte (Satelliten-Receiver) waren zwar schon zu hohen Preisen auf dem Markt erhältlich, geeignete Bildwiedergabesysteme allerdings noch nicht.44 Da- mals flossen mehr als eine Milliarde Mark Fördermittel in das Prestigeprojekt.45

Der verwendete analoge Standard war jedoch zu diesem Zeitpunkt schon veraltet. Durch ein Veto Großbritanniens wurde die EG-Förderung für HD-MAC im Dezember 1992 beendet. Erst 11 Jahre später, am 1. Januar 2004, ging auch in Europa das erste HDTV-Projekt unter dem Namen „Euro 1080“ auf Sendung. Heute ist der TV- Programmanbieter unter dem Namen HD1 bekannt.46 Die erste HDTV-Übertragung in Deutschland verwirklichte der Pay-TV-Programmanbieter Premiere Anfang 2004, durch die Übertragung des ‚Super Bowl’47. Einen HDTV-Regelbetrieb konnten sie jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht anbieten. Am 26. Oktober 2005 starteten ProSieben und Sat.1, parallel zur SDTV-Qualität auch eine Ausstrahlung in HDTV-Qualität. Sie waren die ersten ‚Free-TV’ HDTV-Programmanbieter in Europa. Der deutsche Pay-TV- Programmanbieter Premiere folgte am 3. Dezember 2005 mit den drei Kanälen HDThema, HD-Sport und HD-Film.

3.2 Internationale Entwicklung

Außerhalb Europas ist HDTV schon weit verbreitet. Im Folgenden werden die Länder mit dem größten HDTV-Fortschritt vorgestellt.

Japan

Japan ist der Pionier von HDTV. Im Jahr 1964 hat die Nippon Hoso Kyokai (NHK) mit Untersuchungen für ein verbessertes Fernsehbild begonnen. Im Jahr 1975 wurde dar- aufhin das Format mit 1125 Zeilen und 60 Hz im 5:3-Format festgelegt. Anfang der 90er Jahre hat eine regelmäßige analoge Übertragung (MUSE- Übertragungsverfahren48 ) begonnen, die auch heute noch besteht. Diese wird jedoch immer weniger genutzt, da man in Japan zur komplett digitalen Übertragung übergegangen ist. Ende des Jahres 2000 startete man in Japan mit der Verbreitung von digitalem HDTV-Programm (1080/60i) über den Satelliten BS-4b.49

USA

HDTV ist in den USA seit Beginn der 90er Jahre ein großes Thema. Es wurde urs- prünglich zur Verbesserung der terrestrischen Verbreitung konzipiert. Seitdem hat sich das Anwendungsfeld jedoch stark erweitert. HDTV ist in den USA mittlerweile sowohl bei den Offline-Medien als auch bei der Satelliten-, Kabel- und terrestrischen Übertra- gung im Gespräch. Diese Entwicklung wurde allerdings auch staatlich gefordert. In den USA müssen zum Beispiel über 1.000 TV-Programmanbieter, Teile ihres TV- Programms in HDTV senden, weil viele Kabel- und Satellitenanbieter sowie über 1.000 terrestrische TV-Programmanbieter übertragen heute bereits zwischen 10-30% ihrer gesamten Programminhalte in HDTV, überwiegend in der ‚Prime-Time’50. Das TV- Programm wird dabei sowohl im 1080/60i- als auch im 720/60p-Standard gesendet.51 Viele TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen produzieren ihr TV-Programm fast ausschließlich in HDTV.52

Korea

In Korea hat Ende des Jahres 2000 die terrestrische HDTV-Übertragung begonnen. Seit Ende des Jahres 2001 wird HDTV in Korea allerdings regelmäßig im Simulcastbet- rieb ausgestrahlt. Als Standard in der Übertragung haben sich die Koreaner auf 1080/60i festgelegt.53

Australien

HDTV startete in Australien zu Beginn des Jahres 2001. Es wurde von Anfang an digital in 1.080/50i sowie in 576/50i oder 576/50p übertragen. Der Regelbetrieb begann in Australien im Jahr 2003.54

3.3 Technische Voraussetzungen

In diesem Kapitel werden die technischen Voraussetzungen, die für die gesamte HDTV-Wertschöpfungskette relevant sind, erläutert.

3.3.1 Von SDTV zu HDTV

Die bis Mitte der 90er Jahre ausschließlich verfügbare analoge Fernsehtechnik basier- te weltweit einheitlich auf den Grundparametern: 625 Zeilen/50 Hz (PAL, Secam / Eu- ropa, Australien, China) bzw. 525 Zeilen/60 Hz (NTSC / Japan, USA). Diese weltweiten Standards gehören nach wie vor zu den SDTV-Signalen. Deutsche TV- Programmanbieter sendeten das PAL-Signal ausschließlich im 4:3-Bildseitenverhältnis. Die späteren Weiterentwicklungen waren im Prinzip nur Verfeinerungen, da sie nichts an den Grundparametern der Systeme änderten. Sie konnten stets rückwärts- kompatibel gestaltet werden. Das heißt, Sendungen im verfeinerten Standard konnten immer auch auf alten Fernsehgeräten empfangen werden, allerdings nur in der bisheri- gen Qualität. Die ab Anfang der 90er Jahre entwickelten digitalen Standards und Sys- teme (u.a. auch die DVB-Systeme), wurden auf Basis der vorhandenen Grundparame- ter (in Europa PAL und Secam) entwickelt.55 Auch wenn es für die TV- Programmanbieter hier keine Kompatibilität mehr gab, mussten sie die herkömmlichen analogen und die neuen digitalen Sendungen parallel (im Simulcast) übertragen. Nur so konnten sie gewährleisten, dass ihr Programm auch weiterhin die Zuschauer er- reicht, die sich keinen digitalen Empfänger (Set-Top-Box) angeschafft haben und eben auch diese, die dies getan haben. Eine solche zuschauerfreundliche Einführung ist bei HDTV jedoch nicht möglich. Mit der Einführung von HDTV muss nun die bisherige ge- meinsame Basis verlassen werden. Die Zeilenzahl wird auf bis zu 1080 Zeilen erweitert und auf das Bildseitenverhältnis von 16:9 ausgedehnt.56 Dies hat zur Folge, dass kei- nerlei Kompatibilität mit den bisherigen Systemen und Geräten mehr gegeben ist. Hin- zu kommt, dass für HDTV-Sendungen neben der höheren Zeilenzahl auch andere Komprimierungs- und Modulationsverfahren verwendet werden (siehe Kapitel 3.3.4), sodass sie selbst mit digitalen Set-Top-Boxen und Empfangsgeräten der bisherigen Generationen nicht empfangen und decodiert werden können. HDTV bietet dem Zuschauer allerdings auch viele Vorteile gegenüber SDTV. Die Hauptunterschiede werden in den folgenden drei Punkten zusammengefasst:57

- Durch die Darstellung einer bis zu fünffach höheren Bildauflösung gegenüber PAL (SDTV) erhöhen sich Bildschärfe, Farbwiedergabe, Detailgenauigkeit und Plastizität.
- Fernsehprogramme werden immer im 16:9-Breitbildformat ausgegeben und bringen daher ein ‚Kino-Feeling’ in die Haushalte.
- Der Ton wird digital im Mehrkanalverfahren ausgegeben.

In der folgenden Abbildung wird der Unterschied vom PAL-Signal (SDTV) zum HDTVSignal gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3.2 Film versus Video

Man unterscheidet in der Fernsehproduktion grundsätzlich zwischen Film und Video. Bei HDTV handelt es sich um ein Videoformat. Aus diesem Grund werden im Folgen- den die relevanten Merkmale, durch die sich ein Videoformat definiert, vorgestellt:59

1. Bildgeschwindigkeit

2. Aufnahmeformat

3. Auflösung

4. Bildformat

Bildgeschwindigkeit

Film kann mit jeder Bildgeschwindigkeit aufgenommen werden, aber normalerweise werden Kinofilme mit 24 Bildern pro Sekunde (B/s) aufgenommen und Fernsehproduktionen für PAL mit 25 B/s. Bei der Wiedergabe wird der Film auf 48 Bilder (im Kino), 50 Bilder (PAL-Norm) oder 60 Bilder (NTSC-Norm) beschleunigt.60

Ein Vorteil von Film ist die Tatsache, dass auch mit höheren Bildgeschwindigkeiten aufgenommen werden kann. Die momentan höchste Bildgeschwindigkeit für Video beträgt 60 Halbbilder pro Sekunde für NTSC oder 60 Vollbilder pro Sekunde für das 720p HDTV-Format (siehe Tabelle 4). Im Sportbereich und auch bei Naturdokumenta- tionen, wirkt sich die höhere Bildgeschwindigkeit durch die möglichen Zeitlupense- quenzen positiv aus. Der Hauptgrund, weshalb die meisten Fernsehsendungen mit 24 B/s aufgenommen werden, ist der, dass es sich um die weltweite Standardbildrate für Kinofilme handelt. Bilder mit einer 24er Bildgeschwindigkeit können einfacher zu NTSC (30 Vollbilder / 60 Halbbilder) und PAL (25 Vollbilder / 50 Halbbilder) übertragen wer- den.61

Um Kinofilme in das PAL-Format zu überspielen, werden Bild und Ton um 4,1% schneller abgespielt, um eine 25er Bildgeschwindigkeit zu erzielen. Ein Film von 100 Minuten Länge schrumpft dann auf ca. 96 Minuten zusammen. Bei erreichen dieser Geschwindigkeit, ist das Verhältnis von Film und Audio 1:1. Der sich daraus ergebende Ton wird nach diesem Vorgang um einen halben Ton höher sein. Es gibt aber mittler- weile Geräte, die die korrekte Tonhöhe halten können. Mit dieser Methode werden Fil- me seit Jahren erfolgreich auf Video umkopiert. Jeder Programminhalt, ob nun Spiel- film oder Fernsehsendung, kann somit in jeden Sendestandard umgewandelt werden. Dies gilt auch für Programme, die auf HDTV überspielt werden sollen.62

Aufnahmeformat

Beim Film handelt es sich um ein progressives Aufnahmeformat (Vollbilder).63 Gewöhnlich werden die Bilder von den TV-Programmanbietern oder vom DVD-Player in Form von Halbbildern auf die TV-Geräte übertragen und dargestellt. Die Zeilenstruktur des Fernsehbildes baut die Bilder im so genannten Zeilensprungverfahren (engl. interlaced) auf. Zur Veranschaulichung dient folgende Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Vom Zeilensprungverfahren zum Vollbild64

Halbbild A entsteht durch das Darstellen der ungeraden, Halbbild B durch das Darstellen der geraden Zeilen. Analog zur traditionellen 50 Hz-Technik flimmern diese Halbbilder beim PAL-System 50 mal pro Sekunde über den Bildschirm. Erst bei einer Bildwechselzahl von mehr als 48 B/s kann das menschliche Auge keine einzelnen Bilder mehr erkennen, sondern setzt die Bilder durch Zeilensprünge (A-B-A-B-A-B etc.) zu einer fließenden Bewegung zusammen.65

Computerbilder werden indessen anders dargestellt. Die Monitore arbeiten nicht mit dem Zeilensprungverfahren. Jedes Bild wird immer vollständig (progressiv) dargestellt. Zwar erfolgt auch ein zeilenweiser Bildaufbau, jedoch werden die Zeilen nacheinander geschrieben (Zeile 1, Zeile 2, Zeile 3 etc). Damit das Monitorbild nicht flimmert, muss der Computer mehr als 48 B/s darstellen. Das erfordert eine höhere Bandbreite und eine höhere Bildauflösung. Aufnahmesysteme mit progressiver Bildaufzeichnung arbei- ten nach dem gleichen System. Um ein Bildflimmern bei einer Aufnahme von 24 Voll- bildern pro Sekunde (24p) zu verhindern, wird jedes Bild mehrmals wiederholt, meis- tens 3-fach. Die Bildwiederholrate von 72 Hz bedeutet, dass jedes dargestellte Bild dreimal gezeigt wird (3 x 24 = 72).66

Auflösung

Die Bildauflösung ist das Produkt aus der Anzahl der Bildpunkte (engl. Pixel) multipliziert mit der Zeilenzahl. Die Auflösung von 1920 x 1080 bezieht sich auf 1920 Pixel x 1080 Zeilen. Die Auflösung von PAL beträgt 720 x 576 Pixel. Bei HDTV gibt es momentan drei verschiedene HD-Formate auf dem Weltmarkt:67

- 1080p

- 1080i

- 720p

In der nachfolgenden Tabelle werden die HD-Formate mit den SD-Formaten NTSC und PAL verglichen.

Tabelle 4: Formatvergleich SDTV (NTSC/PAL) und HDTV68

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das maximale HD-Format (1080p) bietet heute eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixel, also fünfmal mehr Bildpunkte als die PAL-Auflösung. Die Auflösung von 1280 x 720 Pixel ist in punkto Qualität um den Faktor 2,2 besser. Die unterschiedlichen Größenverhältnisse der Formate zeigt die folgende Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Größenverhältnisse der verschiedenen Formate69

Gegenüber dem Film haben die HD-Formate eine geringere Auflösung. Dies veranschaulicht die folgende Tabelle.

Tabelle 5: Vergleich von Film und Video70

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hierzu ist festzuhalten, dass die HD-Auflösung knapp an die 16 mm-Filmauflösung herankommt. Die 35 mm-Filmauflösung ist dagegen mit 4096 x 3112 Bildpunkten, mehr als doppelt so hoch wie die 1920 x 1080 HD-Auflösung.

Bildformat

Da es bei der Erfindung des Fernsehens technisch noch nicht möglich war, das TV- Format an das dem Blickfeld des menschlichen Auges eher entsprechenden Kinofor- mat anzupassen, wurde das bekannte 4:3-Format (1:1,33) als weltweiter Standard festgelegt. Die heutigen 16:9-Bildwiedergabesysteme (1:1,77) kommen dem menschli- chen Sehverhalten (das menschliche Auge guckt stärker in die Breite, weniger in die Höhe) sehr nah, was von den Spielfilmen jedoch nur gesagt werden kann, wenn sie im Original-Kinoformat aufgezeichnet und abgespielt werden. Aufgrund der vielen Bild- wiedergabesysteme im 4:3-Format werden die Filme jedoch häufig vor der Ausstrah- lung durch die Sendeanstalten bzw. vor der Übertragung auf DVD bearbeitet, wie die folgenden Beispiele zeigen:71

Pan & Scan

Bei dem Pan & Scan-Verfahren wird vom Cutter festgelegt, wie das Bild beschnitten werden soll. Dieses Verfahren wird eingesetzt, um keine schwarzen Balken bei 4:3- Bildwiedergabesystemen zu produzieren.72

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Das Pan & Scan-Verfahren73

Letterboxing

Um das Original-Kinoformat (Cinescope 21:9) auf einem 4:3-Bildwiedergabesystem beizubehalten, wird das Bild horizontal gestaucht und anschließend die Höhe des Bil- des angepasst. So entstehen die Briefkasten-Balken (engl. Letterboxes) am unteren und oberen Bildrand. Dies geschieht, damit aus den Darstellern keine "Eierköpfe" wer- den (siehe Abb. 11).74

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Das Letterbox-Verfahren75

Anamorph

Bei dem anamorphen Bild tritt der so genannte Eierkopfeffekt auf, weil das breite Kino- bild nur horizontal gestaucht und auf der DVD ohne schwarze Balken als Film abgelegt wird. Die meisten DVD-Player können das anamorphe Bild vor der Wiedergabe wieder entzerren. Auf einem 16:9-Bildschirm hat das Bild dann wieder das korrekte Format, auf einem 4:3-Bildwiedergabesystem hingegen zeigt sich der Briefkasteneffekt (siehe Letterboxing). Die Übertragung von HDTV findet immer im anamorphen Format statt.76

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Das anamorphe Bild77

3.3.3 Bildaufzeichnungsgeräte

Auf dem Markt für HDTV-fähige Videokameras gibt es zwei große Konkurrenten. Zum Einen den Sony-Konzern und zum Anderen den Panasonic-Konzern. Sony hat 2001 in Deutschland als erster Anbieter eine HDTV-fähige Videokamera auf den Markt ge- bracht. Es handelte sich um die Sony HDWF900, die als erste Videokamera mit Voll- bildern aufnehmen konnte und dadurch immer mehr dem Filmlook entsprach.78

HDCAM

Das Bandformat wurde HDCAM genannt und gehört zur Betacam-Familie. Somit war eine Abwärtskompatibilität zum Digital-Betacam-Format gewährleistet.79 Die Sony HDW-F900 kann sowohl die 1080-Zeilen-HD-Auflösung, als auch die 720-Zeilen-HD- Auflösung progressiv aufzeichnen. Die Sony-Strategie wurde von den anderen Herstel- lern übernommen. So hat auch Panasonic eine HDTV-fähige Vollbild-Videokamera auf den Markt gebracht.80

DVCPRO-HD

Es handelt sich dabei um die Panasonic AJ-HDC27F, die mit dem Bandformat DVCPRO-HD aufzeichnet. Das Format basiert auf DV, deshalb ist es abwärtskompati- bel zu allen gängigen DV-Formaten. Bei der Panasonic AJ-HDC27 F ist es möglich mit der vollen 1080-Zeilen-HD-Auflösung zu arbeiten, jedoch nur im Interlaced-Modus (1080i). Die 720-Zeilen-HD-Auflösung kann die Panasonic-Kamera auch progressiv aufzeichnen (720p).

In der folgenden Tabelle werden die beiden Formate HDCAM und DVCPRO-HD gegenübergestellt, um die jeweiligen Spezifikationen zu zeigen.81

Tabelle 6: Vergleich der Bandformate HDCAM und DVCPRO-HD82

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bandlaufzeit (max.) 48 Min. 46 Min.

3.3.4 Kompressionsverfahren

Die heute gängige digitale Übertragung von TV-Programmen ist erst durch die Fort- schritte bei der Datenreduktion in den letzten Jahren möglich geworden. Für Fernseh- bilder erfolgt diese Datenredukion in mehreren Etappen. Zuerst wird die so genannte Quellencodierung angewandt. Sie erfolgt heute fast ausschließlich durch das MPEG-2- Verfahren. In der zweiten Stufe, die im Wesentlichen die Fehlerkorrektur, Multiplexbil- dung und die digitale Modulation enthält, unterscheiden sich die Verfahren. Das liegt zum Einen daran, dass in diesem zweiten Schritt die Übertragungsparameter an die spezifischen Eigenschaften des Übertragungsweges angepasst werden (siehe Kapitel 3.3.5) und zum Anderen, um den unterschiedlichen Gegebenheiten der einzelnen Länder Rechnung zu tragen.

Die nächste Abbildung zeigt die Entwicklung der Bild- und Videocodierungsstandards.83

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Übersicht über die Standards der Bild- und Video-Codierung84

Ein uncodiertes TV-Bild benötigt eine Datenrate von über 160 MBit/s, ein HDTV-Bild in etwa 1 GBit/s und das digitale Kinobild sogar über 10 GBit/s. Mittlerweile kann HDTV mit nur unwesentlich größerer Kanalbitrate als SDTV übertragen werden.85

Die folgende Tabelle zeigt die drei gängigsten Kompressionsverfahren für HDTV.

Tabelle 7: Kompressionsverfahren für HDTV86

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für HDTV wurden bei MPEG zwei Standards festgelegt. Zum Einen MPEG-2 und zum Anderen MPEG-4 bzw. H.264/AVC. Der Windows Media 9 Standard (auch VC-1 Stan- dard genannt) wird zurzeit hauptsächlich für die Kompression von HD-Inhalten auf die herkömmliche Digital-Versatile-Disc (DVD) genutzt. Auf diese drei Standards wird im Folgenden näher eingegangen.

MPEG-2-Standard

MPEG steht für ‚Motion-Pictures-Expert-Group’.87 Diese Gruppe legt Dateiformate und Verfahren zum Platz sparenden Komprimieren und Speichern von Audio-, Video- und Multimediadaten fest.

Die nachfolgende Tabelle zeigt den MPEG-2-Standard mit seinen Spezifikationen.

Tabelle 8: Der MPEG-2-Standard88

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

MPEG-2 prägt als Standard das heutige digitale Fernsehen (DVB), die DVD und professionelle Videoanwendungen.

MPEG-4-Standard

Technisch gesehen funktioniert dieser Codec nach ähnlichem Prinzip wie MPEG-2, allerdings ist MPEG-4 für den Einsatz mit geringeren Bandbreiten (ab 4 KBit/s) optimiert. Die hohe Kompressionsrate, die Skalierbarkeit und die Flexibilität dieses Standards bieten sehr gute Voraussetzungen für HDTV, Video-Streaming über das Internet, (auch IP-TV genannt) sowie mobile Audio- und Video-Technologien.89

In der folgenden Tabelle werden die möglichen Datenraten und Anwendungsgebiete gezeigt.

Tabelle 9: Der MPEG-4 bzw. H.264/AVC Codec90

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Windows-Media-Video-9-Professional-Standard / VC1

Der Windows-Media-9-Standard ist ein von Microsoft entwickelter Kompressionsstandard. Er ist dem MPEG-2-Standard um den Faktor 2.25 bis 2.5 (bei vergleichbarer Auflösung) überlegen. Eine annehmbare Videoqualität ist schon mit ca. 2 MBit/s zu erreichen. Durch den WM-9-Standard kann auf einer DVD ein Spielfilm inkl. Bonusmaterial in sechsfacher Auflösung gespeichert werden.91

In Tabelle 10 werden die WM-9-Datenraten bei der jeweiligen HD-Auflösung gezeigt.

Tabelle 10: Der Windows-Media-Video-9-Professional-Standard92

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3.5 Übertragungswege

Die klassischen digitalen Übertragungswege welche von den TV-Programmanbietern auf dem deutschen TV-Markt primär genutzt werden, sind Folgende:

- DVB-C

- DVB-S

- DVB-T

Tabelle 11: TV-Empfang in Deutschland nach Übertragungswegen93

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Eine Strategie ist der Weg zum Ziel. Damit ist ein zielorientiertes Vorgehen gemeint.

2 Eigene Darstellung.

3 Gebührenfinanzierter Rundfunk.

4 Werbefinanzierter und durch Zuschauer (Abo-TV oder Pay-TV) finanzierter Rundfunk.

5 Zuschauer.

6 Vgl. Neumann (1998): Pay-TV in Deutschland, S. 37.

7 Vgl. Thommen/Achleitner (2001): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S.134.

8 Europäischer Fernsehstandard in SD-Auflösung, PAL bedeutet: Phase Alternating Line.

9 Fleischer (2005): Digitales Heimkino, S. 103.

10 Team für die elektronische Berichterstattung (EB). Setzt sich aus Redakteur, Kameramann und Tonassistent zusammen.

11 Vgl. Gehring/Holzmann (2004): Marketing-Gag oder digitale Revolution, S. 2.

12 Vgl. Kliebhan (2006): Experteninterview, siehe Anhang B. 3.

13 Vgl. Karstens/Schütte (1999): Firma Fernsehen, S. 16.

14 Ebenda, S. 16.

15 Vgl. Hickethier (2002): Geschichte der Fernsehproduktion, S. 229.

16 Vgl. Karstens/Schütte (1999): Firma Fernsehen, S. 16.

17 Vgl. Hickethier (2002): Geschichte der Fernsehproduktion, S. 230.

18 Vgl. Möllering (1993): Handbuch der professionellen Videoaufnahme, S. 147.

19 Vgl. Hickethier (2002): Geschichte der Fernsehproduktion, S. 232.

20 Vgl. Weischenberg (1995): Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation, S. 52.

21 Ebenda, S. 54

22 Vgl. Sony Corporation (2006): Sony History, http://www.sony.net.

23 Vgl. Nicklas (2000): Wettbewerb, Standardisierung und Regulierung, S. 47.

24 Vgl. Reimers (1995): Digitale Fernsehtechnik, S. 1.

25 Vgl. Schenk/Döbler/Stark (2002): Marktchancen des digitalen Fernsehens, S. 27.

26 AGF/GFK Fernsehforschung (2006): Digital TV, http://www.agf.de.

27 Die Digitalisierung des Rundfunks (Fernsehen und Hörfunk) im Hinblick auf die Entwicklung der künftigen Informationsgesellschaft voran zu bringen, ist Ziel der europäischen Kommis- sion.

28 Hybride Ausstrahlung von analogen und digitalen Fernsehsignalen.

29 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (2005): Digitaler Rundfunk im 21. Jahrhun- dert, S. 32.

30 Eigene Darstellung.

31 Vgl. Neumann (1998): Pay-TV in Deutschland, S. 37.

32 Wird von der Gebühreneinzugszentrale erhoben und beträgt zurzeit 17,01 Euro pro Monat.

33 Eigene Darstellung.

34 Frei empfangbares TV-Programm (gebühren- und werbefinanziert).

35 Vgl. Schenk/Döbler/Stark (2002): Marktchancen des digitalen Fernsehens, S. 27.

36 Vgl. Goldhammer (2004): Fata Morgana Digital, S. 12.

37 Formatt-Institut (2005): Fernseh- und Filmproduktionsmarkt Deutschland, S. 24.

38 Ebenda, S. 25.

39 Ebenda, S. 32.

40 Werte ergeben sich aus Produktionsvolumen gesamt, dividiert durch die Anzahl der Produkti- onsfirmen.

41 Vgl. Kühner (2006): 17 Fakten versus 17 Vorurteile, S. 16.

42 Ebenda.

43 Vgl. o.V. (2006): HDTV - So fing alles an, http://www.digitalfernsehen.de.

44 Vgl. Pallister/De Graaff (2005): Digital Media und HD, S. 59.

45 Vgl. Trozinski (2005): HDTV- Die neue Ära des Fernsehens, in: HD+TV, Nr. 1, S. 51.

46 Vgl. Schmidt (2005): Digitale Videotechnik, S. 126.

47 Endspiel im American Football mit mehr als 1 Milliarde Zuschauer.

48 Multiple Sub-Nyquist Sampling Encoding.

49 Vgl. Pallister/De Graaff (2005): Digital Media und HD, S. 32.

50 Beste Sendezeit. Im amerikanischen Fernsehen zwischen 19 und 23 Uhr.

51 Eine Erläuterung dieser Formate folgt in Kapitel 3.3.2.

52 Vgl. Pallister/De Graaff (2005): Digital Media und HD, S. 33.

53 Ebenda, S. 32.

54 Ebenda.

55 Vgl. Deutsche TV-Plattform (2005): HDTV in Deutschland, S. 4.

56 Die möglichen HD-Formate folgen in Kapitel 3.3.2 (Tabelle 4).

57 Fleischer (2005): Digitales Heimkino, S. 103.

58 Mit freundlicher Genehmigung von Lothar Kerestedjian (HIGH-DEF Technology).

59 Vgl. Ohanian/Phillips (2001): Digitale Filmherstellung, S. 238.

60 Ebenda, S. 239.

61 Vgl. Trozinski (2005): Die Tücken der Technik, in: HD+TV, Nr. 1, S. 62.

62 Vgl. Bitterhof (2006): Schlagzahl, in: HD+TV, Nr. 2, S. 46.

63 Vgl. Ohanian/Phillips (2001): Digitale Filmherstellung, S. 239.

64 Mit freundlicher Genehmigung von Lothar Kerestedjian (HIGH-DEF Technology).

65 Vgl. Ohanian/Phillips (2001): Digitale Filmherstellung, S. 239.

66 Ebenda.

67 Vgl. Fleischer (2005): Digitales Heimkino, S. 104.

68 Vgl. Matschuk (2004): HD- Die Basics, in: MedienBulletin, Nr. 3, S. 32.

69 Ebenda, S. 33.

70 Ebenda.

71 Vgl. Bitterhof (2006): Kastrierte Bilderwelt, in: HD+TV, Nr. 1, S. 49.

72 Vgl. Trozinski (2005): Die Tücken der Technik, in: HD+TV, Nr. 1, S. 61.

73 Mit freundlicher Genehmigung von Lothar Kerestedjian (HIGH-DEF Technology).

74 Vgl. Trozinski (2005): Die Tücken der Technik, in: HD+TV, Nr. 1, S. 61.

75 Ebenda.

76 Fleischer (2005): Digitales Heimkino, S. 106.

77 Mit freundlicher Genehmigung von Lothar Kerestedjian (HIGH-DEF Technology).

78 Vgl. Popow (2006): Achtung Nahaufnahme, in: HD+TV, Nr. 2, S. 60.

79 Vgl. Schmid (2005): Digitale Videotechnik, S. 532.

80 Vgl. Popow (2006): Achtung Nahaufnahme, in: HD+TV, Nr. 2, S. 61.

81 Vgl. Schmid (2005): Digitale Videotechnik, S. 533.

82 Vgl. Matschuk (2004): High-Definition-Camcorder, in: MedienBulletin, Nr. 9, S. 64.

83 Vgl. Schäfer (2005): HDTV-Codierverfahren und Formate, Deutsche TV-Plattform, S. 4.

84 Vgl. Schmidt (2005): Digitale Videotechnik, S. 189.

85 Ebenda, S. 161.

86 Trozinski (2005): Die Tücken der Technik, in: HD+TV, Nr. 1, S. 62.

87 Vgl. Büchele (2005): Digitales Filmen, S. 197f.

88 Trozinski (2005): Die Tücken der Technik, in: HD+TV, Nr. 1, S. 62.

89 Vgl. Schmidt (2005): Digitale Videotechnik, S. 163.

90 Vgl. Schmidt (2005): Digitale Videotechnik, S. 186.

91 Ebenda, S. 189.

92 Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 200 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken für TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen durch die Trends zu HDTV und Videojournalismus
Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,1
Autor
Jahr
2006
Seiten
200
Katalognummer
V186861
ISBN (eBook)
9783668687394
Dateigröße
1345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, HDTV, Videojournalismus, TV-Programmanbieter, Produktionsfirmen, Medienwirtschaft, Television, Fernsehen, Medienökonomie, Medientechnik
Arbeit zitieren
Daniel Richartz (Autor), 2006, Chancen und Risiken für TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen durch die Trends zu HDTV und Videojournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186861

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