Pragmatik von Modalpartikeln - Zur Modalpartikel JA


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zum Gegenstand
1.2. Schwierigkeit der Terminologie

2. Die Bedeutung von ja /JA
2.1. Unbetontes ja
2.2. Betontes JA

3. ja / JA ein Fall von Polysemie

4. Zusammenfassung

5. Literaturnachweis

1. Einleitung

1.1. Zum Gegenstand

In vorliegender Arbeit sollen Untersuchungen zur Modalpartikel ( in folgenden MP) ja ange-stellt werden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass ja in unbetonter Form ( im Folgenden durch Kleinbuchstaben ja symbolisiert), als auch in betonter ( im Folgenden durch Groß-buchstaben JA symbolisiert) auftritt. Es soll dafür argumentiert werden, dass es sich hierbei um einen Fall von Polysemie handelt. Dazu wird die Bedeutung und die Funktion von ja/JA nach semantischen und pragmatischen Kriterien betrachtet.

1.2. Schwierigkeit der Terminologie

Bewegt man sich auf dem Gebiet der Partikelforschung, wird man mit dem Problem konfron-tiert, dass man einer terminologischen Unsicherheit gegenübersteht. Im Grunde muss jede linguistische Untersuchung zu diesem Thema zunächst den Begriff Partikel definieren. Helbig weist z.B. darauf hin, dass der Begriff heute zumindest in vierfacher Weise verwendet wird (Helbig 1990 : 19 ff). Ebenso gilt die Notwendigkeit einer Definition für die Termini MP und Modalität. Helbig z.B. benutzt den Begriff Abtönungspartikel äquivalent zu dem der MP (Helbig 1990 : 28). Engel (Engel 1988) unterscheidet dagegen innerhalb der Wortarten Abtönungspartikeln (ja, doch, schon) von MPn (freilich, sicherlich usw.).

In dieser Arbeit wird in Anlehnung an Helbig unter Partikeln eine Wortklasse verstanden, „[...] die nur solche unflektierbaren Wörter [umfasst], die [...] sich von den Adverbien und Modalwörtern, erst recht von den Präpositionen und Konjunktionen unterscheiden.“ (Helbig 1990 : 20).

Der Modalitätsbegriff, der ja zur Abgrenzung der MPn gegenüber anderer Partikelsubklassen dient, ist sehr unterschiedlich definiert (vgl. Gornik-Gerhardt 1981 : 16f). Man kann daraus le-diglich ableiten, dass die MPn nichts zur Proposition eines Satzes beitragen, also auch die Wahrheitsbedingungen nicht verändern können (vgl. Thurmair1989 : 3).

Die MPn bilden eine Subklasse der Partikeln, die sich auf den ganzen Satz beziehen, eine kommunikative Funktion erfüllen, in erster Linie in Aussage-, Ausrufe- und Fragesätzen vor-kommen, nicht verneint werden können und fast ausschließlich nicht erststellenfähig sind (vgl. auch hier Helbig 1990 : 34 – 35). Darüber hinaus gelten weitere, allerdings nicht in gleichem Maße spezifische Kriterien, wie sie Helbig auflistet (Helbig 1990 : 32f). Es erweist sich als sinnvoll das Kriterium der Unbetonbarkeit, wie es in anderen Definition zu finden ist ( vgl. Weydt 1969 : 68) außen vor zu lassen, da man ansonsten JA als Ausnahmefall diskutieren müsste.

2. Die Bedeutung von ja/JA

(a1) Komm JA nach Hause! (a2) Komm nach Hause! ( sonst )

( Drohung ) ( Drohung )

(a3) Komm nach Hause! ( bitte ! )

( Wunsch )

(b1) Er kommt ja nach Hause. (b2) Er kommt nach Hause.

Vorliegende Beispielsätze haben alle dieselbe Proposition; es geht nämlich darum, ‚dass jemand kommt‘. (a2) und (a3) zeigen allerdings, dass durch die fehlende MP JA eine andere Illokution möglich wird: die des Wunsches. Vergleicht man (b1) und (b2) so fällt auf, dass in (b2) eine Affirmationskomponente fehlt. Man könnte sagen, in (b1)‚ versichert / bestärkt der Sprecher (S), dass p’. Es lässt sich also feststellen, dass ja / JA nicht propositional sind. Weiter wird deutlich, dass ja / JA auf verschiedenen Ebenen wirken: ja steht auf einer Ebene, die auf den Äußerungsinhalt wirkt, JA dagegen wirkt auf die Illokution.

Ob man nun der MP ja / JA überhaupt eine Bedeutung zuordnet, hängt davon ab, wie man Bedeutung definiert. Siedelt man den Begriff allein auf der propositionalen Ebene an, so hätte die MP keine Bedeutung, da ja /JA, wie bereits gezeigt auf anderen Ebenen steht. Dies mag durchaus vertretbar sein; hier allerdings soll der Begriff Bedeutung mehr fassen: zum einen sei unter semantischer Bedeutung eine wörtliche, kontextunabhängige Bedeutung verstanden, die auf der Ebene der Proposition selbst steht, oder auf diese direkt wirkt, wie die Haltung / Einstellung von S zu p. Hier soll dafür plädiert werden, dass ja eine solche Einstellung aus-drückt. Zum anderen wird von einer pragmatischen Funktion ausgegangen, die stark vom Kon-text abhängt und auf der Ebene der Illokution steht. Entsprechend dieser Überlegung sollen nun ja / JA untersucht werden. Es wird sich zeigen, dass ja eine semantische Bedeutung hat und pragmatische Funktionen erfüllt. JA dagegen besitzt keine semantische Bedeutung, son-dern nur eine pragmatische Funktion:

2.1. Unbetontes ja

Vor allem bei Ormelius-Sandblom findet sich immer wieder das Postulat „[...] die Semantik und die Pragmatik der MPn strikt voneinander zu trennen.“ ( Ormelius-Sandblom 1997 : 116 ). Um dies zu erfüllen, führt sie als gemeinsames semantisches Merkmal der MPn ja, doch, schon den Begriff der Faktizität ein.

(1) „[Es] soll angenommen werden, daß ein Sprecher mit diesen MPn die Beziehung zwischen

Propositionen, d.h. Beschreibungen von Sachverhalten, einerseits und seinen Vorstellungen

über die Welt andererseits charakterisiert.“ ( Ormelius-Sandblom 1997 : 80)

Mit der MP drückt der Sprecher also aus, dass seiner Ansicht nach p ‚Fakt‘ ist, d.h. mit seiner „Vorstellung über die Welt“ übereinstimmt. Nun argumentiert Ormelius-Sandblom zwar, dass die MPn keine Einstellungsausdrücke seien (vgl. Ormelius-Sandblom 1997 : 76f), jedoch stellt sich die Frage, ob denn nun Faktizität nicht auch als Einstellung interprtiert werden muss. Was sollte anderes mit „Vorstellungen“ eines Sprechers gemeint sein, als dessen subjektive Wahr-nehmung und Interpretation der Welt? Der Sprecher drückt mit dem Faktizitätshinweis also nichts anderes aus, als seine Einstellung zu p, nämlich, dass p so ist, wie p einer Meinung nach sein muss. Die Einführung des Faktizitätskriteriums bringt also keine neue Lösung zur semantischen Bestimmung der MP.

Einen anderen Ansatz bietet Thurmair, indem sie für ja das Merkmal <BEKANNT>h ansetzt:

(2) <BEKANNT>h „Mit ja zeigt der Sprecher an, daß die Proposition nach seiner Meinung auch

dem Hörer bekannt ist.“ ( Thurmair 1989 : 104 )

(c) Das wundert mich nicht, daß Paul immer solche Kopfschmerzen hat. Der raucht ja eine Ziga-

rette nach der anderen. (Thurmair 1989 : 104)

Problematisch ist diese Analyse, insofern der Fall möglich ist, dass der Hörer (H) gar nicht weiß, dass Paul so viel raucht, oder überhaupt Raucher ist. Thurmair analysiert nun, dass durch ja H auch unbekanntes Wissen unterstellt werden kann, um quasi auf eine Stellungnahme von H zu der mit ja versehenen Äußerung zu drängen (vgl. Thurmair 1989 : 104). Ebenso proble-matisch ist dann jedoch auch der Fall, indem sich S auf sich selbst bezieht ( vgl. Meibauer 1994 : 136). Thurmairs Analysemodell führt also durch das Einbeziehen des Hörerwissens zu Fällen, die sich nicht ohne weiteres in ihre Erklärung einfügen lassen. Stellt sich nun die Frage, ob H denn überhaupt in eine Bedeutungsanalyse mit einbezogen werden muss.

Einen interessanten Ansatz ohne von H auszugehen bietet Linder (Linder 1991 : 178):

(3) „(P ja) (It is nescessary that) If the speaker uses MP ja in an illocution type IT refering to a

proposition p, then s/he assumes at the time of speaking t that it is not the case that it is not

the case that there is a proposition q in the set of propositions activated at t such that p is

not true.“ (Linder 1991 : 178)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Pragmatik von Modalpartikeln - Zur Modalpartikel JA
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (FB Germanistik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V18687
ISBN (eBook)
9783638229746
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pragmatik, Modalpartikeln, Modalpartikel
Arbeit zitieren
Andreas Weidmann (Autor), 2000, Pragmatik von Modalpartikeln - Zur Modalpartikel JA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18687

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