Die didaktisierte Handreichung zu dem 1970 erschienenen und seitdem weit über 2 Millionen Mal verkauften Jugendbuch bietet in neun Sequenzen detaillierte Vorschläge für einen leistungsdifferenzierten Unterricht in der Jahrgangstufe 7/8, zum Beispiel für Tafelanschriften, Tafelbilder, Rollenspiele, szenische Darstellungen, Gruppenarbeit, Projekte, Lernkontrollen. Die analytischen und kreativen Textzugänge ermöglichen einen abwechslungsreichen Unterricht. Zusätzliche Anregungen für einen handlungs- und produktionsorientierten Unterricht erlauben andere Schwerpunktbildungen. Eine Kurzbiografie Noacks, Ausführungen zu Noacks Bedeutung für die Kinder- und Jugendliteratur nach 1945 und Materialien zur Kinder- und Jugendhilfe runden das unterrichtspraktische Angebot ab.
Inhaltsverzeichnis
Hans-Georg Noack und Tendenzen der Jugendliteratur
Zum Inhalt
Didaktische Überlegungen
Stundenskizzen
Sequenz I Einführung in die Ganzschrift
Sequenz II Die Rolltreppe – Ort der Handlung und Symbol
Sequenz III Jochens Beziehung zu den anderen Personen
Sequenz IV Frau Jäger und Herr Hamel
Sequenz V Die Schuldfrage
Sequenz VI Alternatives Handeln
Sequenz VII Die Heimordnung
Sequenz VIII Das Gespräch zwischen Winkelmann und Hamel
Sequenz IX Erzähltechnische Mittel
Anregungen für handlungs- und produktionsorientierten Unterricht
Materialien
Auszug aus dem Jugendwohlfahrtsgesetz von 1961
Auszug aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz von 1990
„Das Ziel lautet: Wieder runter von der schiefen Bahn“
Hinweise auf audiovisuelles Material und Sekundärliteratur
Zielsetzung und Themen
Diese Handreichung bietet einen strukturierten didaktischen Leitfaden für den Deutschunterricht in den Jahrgangsstufen 7/8 zur Behandlung des Jugendromans „Rolltreppe abwärts“ von Hans-Georg Noack. Das primäre Ziel ist es, den Schülern durch eine analytische Auseinandersetzung mit der literarischen Vorlage ein Verständnis für die sozialkritischen Themen des Romans – wie Jugendkriminalität, familiäre Konflikte und Heimerziehung – zu vermitteln, ohne dabei die individuelle Reflexionsfähigkeit zu beeinträchtigen.
- Analyse der Lebenssituation und Identitätsfindung Jugendlicher
- Kritische Untersuchung von Erziehungsmethoden und institutioneller Macht
- Auseinandersetzung mit jugendlicher Delinquenz und deren Ursachen
- Reflexion über soziale Verantwortung und die Bedeutung von Freundschaft
Auszug aus dem Buch
Hans-Georg Noack und Tendenzen der Jugendliteratur
Für die deutsche Kinder- und Jugendliteratur bedeutete das Jahr 1945 keinen Neubeginn. In der Stunde größter Not blickte man zurück; eine Möglichkeit zur Weiterarbeit sah man im Rückgriff auf die erfolgreichen Bücher der Vergangenheit, auf internationale Klassiker, z. B. auf Defoes Robinson Crusoe, Stevensons Schatzinsel, Spyris Heidi, die Märchen der Brüder Grimm. Der demokratische Neubeginn in den Kommunen und deutschen Ländern sowie die Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 fanden keinen Widerhall in der Kinder- und Jugendliteratur, was jedoch den rückwärtsgewandten Strömungen der Zeit entsprach. „Gefordert wurden Werke, die Lebenshilfe boten, positive Grundhaltungen und ein intaktes Weltbild vermittelten, von inhaltlicher und formaler Geschlossenheit zeugten und keine Fragen offen ließen.“ Es ging vor allem um Anpassung, kaum um Auseinandersetzung.
In nur wenigen Büchern wurden die Gräuel der nationalsozialistischen Zeit oder gesellschaftliche Probleme der Gegenwart behandelt. Zu den Ausnahmen gehören das Tagebuch der Anne Frank (1950) und Bücher von Clara Asscher-Pinkhof und Lisa Tetzner. Ein deutliches Umdenken zeigt auch Erich Kästner in seiner Tierparabel Die Konferenz der Tiere (1949); sie lehrt, dass die Abschaffung von Krieg und Not möglich ist.
In der zweiten Hälfte der 50er-Jahre haben Autoren wie z. B. Otfried Preußler (Die kleine Hexe, 1957), James Krüss (Timm Thaler, 1962) und Michael Ende (Jim Knopf, 1960) mit ihren fantastischen Geschichten die Vorstellung einer autonomen Kindheit vertreten, ohne ihre jungen Leser mit der gesellschaftlichen Realität direkt zu konfrontieren. Erst in einem zweiten Schritt sollte diese Literatur wieder zurück in die Wirklichkeit führen, was in Timm Thaler deutlicher als in den beiden anderen Titeln zu erkennen ist. In späteren Werken, z. B. in Preußlers Krabat (1971) und Endes Momo (1973), ist dies in besonderer Weise gelungen.
Zusammenfassung der Kapitel
Hans-Georg Noack und Tendenzen der Jugendliteratur: Ein Überblick über die historische Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur nach 1945 mit Fokus auf den Übergang von pädagogisch geforderter Anpassung hin zu sozialkritischen Themen.
Zum Inhalt: Detaillierte Zusammenfassung der Romanhandlung, beginnend mit der familiären Vernachlässigung Jochens bis hin zu seiner kriminellen Laufbahn und dem Aufenthalt im Erziehungsheim.
Didaktische Überlegungen: Darlegung der pädagogischen Konzepte für den Unterricht, wobei der Roman als Medium zur Reflexion über gesellschaftliche Probleme und persönliche Reifeprozesse genutzt wird.
Stundenskizzen: Konkrete Unterrichtsvorschläge für neun aufeinanderfolgende Sequenzen, die von der Einführung in die Lektüre bis zur Analyse erzähltechnischer Mittel reichen.
Anregungen für handlungs- und produktionsorientierten Unterricht: Methodische Ergänzungen, die durch kreative Aufgabenstellungen wie Rollenspiele, Schreibanlässe oder die Erstellung von Standbildern die Lesemotivation steigern.
Materialien: Bereitstellung von rechtlichen Hintergrundinformationen zum Jugendwohlfahrtsgesetz und aktuellen Berichten zur Jugendgerichtshilfe, um das Textverständnis historisch und fachlich zu fundieren.
Hinweise auf audiovisuelles Material und Sekundärliteratur: Verzeichnis weiterführender Quellen, darunter Filme und akademische Schriften, zur vertiefenden Beschäftigung mit dem Werk.
Schlüsselwörter
Rolltreppe abwärts, Hans-Georg Noack, Jugendkriminalität, Jugendliteratur, Heimerziehung, Sozialisation, Unterrichtsentwurf, Schuldfrage, Adoleszenz, Erziehungsberatung, Jugendhilfe, literarisches Lernen, Gesellschaftskritik, Identitätsfindung, Perspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation bietet Handreichungen für Lehrkräfte, um den Roman „Rolltreppe abwärts“ von Hans-Georg Noack im Deutschunterricht der 7. und 8. Jahrgangsstufe fundiert zu behandeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die soziale Desintegration Jugendlicher, die Problematik von Erziehungsheimen, das Spannungsfeld zwischen Elternhaus und Gesellschaft sowie die Frage nach der Mitverantwortung des sozialen Umfelds für kriminelles Verhalten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, den Schülern durch eine textanalytische Auseinandersetzung zu ermöglichen, die Hauptfigur Jochen nicht nur als kriminellen Täter, sondern als ein durch gesellschaftliche Bedingungen geprägtes Individuum zu begreifen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine Kombination aus textorientierter Analyse, szenischer Interpretation und handlungs- sowie produktionsorientierten Verfahren vorgeschlagen, um sowohl kognitive als auch emotionale Zugänge zur Literatur zu schaffen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in didaktische Reflexionen und konkrete Stundenskizzen, die von der thematischen Einführung über die Symbolik der Rolltreppe bis hin zur juristischen Aufarbeitung der Schuldfrage mittels simulierter Gerichtsverhandlungen reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Jugendkriminalität, Sozialkritik, Identitätsfindung, Erziehungsmethoden und literarische Didaktik aus.
Wie bewertet die Arbeit die Figur des Erziehers Hamel?
Hamel wird als autoritäre Negativfigur dargestellt, deren Handeln jedoch aus seinem persönlichen Werdegang und seiner militärischen Sozialisation heraus erklärt wird, statt ihn pauschal als böse abzustempeln.
Welche Bedeutung hat das Ende des Romans für den Unterricht?
Da der Roman einen offenen Schluss besitzt, wird dieser im Unterricht gezielt genutzt, um Spielräume für eine eigene Meinungsbildung der Schüler zu schaffen und die Kommunikationsbereitschaft innerhalb der Lerngruppe zu fördern.
- Citation du texte
- Dieter Seiffert (Auteur), Georg Völker (Auteur), 2012, Handreichung für den Deutschunterricht zu Hans Georg Noack: "Rolltreppe abwärts", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186900