Das 18. Jahrhundert kann laut Rudolf Vierhaus als klassisches „Schwellenjahrhun-dert“ bezeichnet werden, denn der Weg führte aus der Frühen Neuzeit hinein in die moderne Welt. In dieser Zeit kam es zu einem entscheidenden politischen sowie ge-sellschaftlichen Strukturwandel, der in weiterer Folge den modernen Staat entstehen ließ.
In Österreich setzte die Epoche des aufgeklärten Absolutismus mit Maria Theresia ein. Die Kaiserin setzte sich behutsam für zahlreiche Reformen ein. Eine der bekann-testen davon ist die „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämmtlichen Kaiserl. Königl. Erbländern“ vom 6. Dezember 1774.
Die vorliegende Hausarbeit beleuchtet die Bildungsreform des niederen Schulwesens in Österreich näher. Als Hauptprinzipien der „Allgemeinen Schulordnung“ galten die Verstaatlichung sowie die Säkularisierung des Schulwesens. Die Schule sollte in erster Linie einen Nutzen für den Staat bringen. Gut ausgebildetes Personal wurde für den Verwaltungsapparat des Staates, sowie für die Wirtschaft benötigt. Inwieweit konnte aber der absolutistische Staat Österreich seine normativen Bildungspläne bis auf die ländliche, minderprivilegierte Bevölkerung ausdehnen? Wie weit sollte die Beschu¬lung durch die Obrigkeit auf das „gemeinen Volkes“ überhaupt gehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das niedere Schulwesen in der Monarchie Österreich vor 1774
3. Die ersten Versuche einer Bildungsreform und der Weg zur „Allgemeinen Schulordnung“ von 1774
4. Die „Allgemeine Schulordnung“ von Maria Theresia
4.1. Die wesentlichen Inhalte der „Allgemeinen Schulordnung“
4.2. Maßnahmen zur Realisierung der Schulordnung
4.3. Die Lehrerausbildung, die Lehrmethoden und die Lehrinhalte unter dem Aspekt der Sozialdisziplinierung
4.4. Die Errichtung und der Ausbau der niederen Schulen
4.5. Die soziale Stellung und Entlohnung der Lehrkräfte
4.6. Die Eltern oder Erziehungsberechtigten und die Einstellung zur „Allgemeinen Schulordnung“
5. Resultate und Abschlussgedanken zur „Allgemeinen Schulordnung“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung und Umsetzung der „Allgemeinen Schulordnung“ von 1774 unter Maria Theresia und analysiert, wie der absolutistische Staat durch Bildungsreformen versuchte, seine Bevölkerung zu disziplinieren und für staatliche Zwecke nutzbar zu machen.
- Historische Analyse des niederen Schulwesens vor 1774
- Die Reformschritte unter Maria Theresia und Johann Ignaz von Felbiger
- Strukturelle Neuerungen durch die Allgemeine Schulordnung
- Der Zusammenhang zwischen Bildung und gesellschaftlicher Sozialdisziplinierung
- Reaktionen der Bevölkerung und Herausforderungen bei der Umsetzung
Auszug aus dem Buch
4.2.Maßnahmen zur Realisierung der Schulordnung
Die Schulaufsicht sowie die Lehrerausbildung an den Normalschulen waren die wichtigsten Maßnahmen zur Realisierung der Schulordnung. In den Normal- und Hauptschulen führte die Schulaufsicht der Direktor durch. In den „Deutschen Schulen“ fiel diese Aufsicht zumeist an den Ortspfarrer oder eine ernannte Aufsichtsperson. Einmal jährlich wurde so eine Visitation „von oben“ durchgeführt. Hierbei wurden die Schulkataloge begutachtet, sowie die Fähigkeiten des Schullehrers überprüft, der Zustand und die Einrichtung des Schulgebäudes kontrolliert und wenn nötig auch über etwaige Widerstände seitens der Gemeinde gesprochen. Mängel sollten aufgezeigt werden und nach Möglichkeit sollte auch für deren Beseitigung Sorge getragen werden. Ebenso gab es eine Berichtspflicht die zweimal im Jahr an die nächsthöhere Instanz zu richten war.
Im Jahre 1776 startete man in der Habsburgermonarchie erstmals mit der einheitlichen Lehrerausbildung in den Normalschulen. Ältere Lehrer wurden ebenso in der neuen Unterrichtsmethode unterwiesen, wie die zukünftigen Lehreraspiranten. Erstere standen teilweise vor großen Schwierigkeiten was die Umschulung betraf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über den politischen und gesellschaftlichen Wandel im 18. Jahrhundert und führt in die zentralen Fragestellungen der Bildungsreform Maria Theresias ein.
2. Das niedere Schulwesen in der Monarchie Österreich vor 1774: Dieses Kapitel beschreibt den desolaten Zustand des damaligen Schulwesens, das durch fehlende einheitliche Methoden, unzureichende Lehrerausbildung und mangelnde Infrastruktur geprägt war.
3. Die ersten Versuche einer Bildungsreform und der Weg zur „Allgemeinen Schulordnung“ von 1774: Hier werden die Voraussetzungen für die Reform, wie der absolutistische Staat, demografische Entwicklungen und die Aufklärungsbewegung, detailliert beleuchtet.
4. Die „Allgemeine Schulordnung“ von Maria Theresia: Das Hauptkapitel analysiert die Struktur, die Lehrinhalte und die Durchsetzung der neuen Schulordnung sowie deren sozioökonomische Auswirkungen auf Lehrer und Eltern.
5. Resultate und Abschlussgedanken zur „Allgemeinen Schulordnung“: Abschließend werden die Fortschritte bei der Alphabetisierung gegen die anhaltenden Schwierigkeiten abgewogen und die Rolle der Schule als Instrument der Sozialdisziplinierung reflektiert.
Schlüsselwörter
Allgemeine Schulordnung, Maria Theresia, Bildungsreform, Aufgeklärter Absolutismus, Sozialdisziplinierung, Normalschulen, Trivialschulen, Johann Ignaz von Felbiger, Alphabetisierung, Bildungsgeschichte, Österreich, Schulaufsicht, Lehrerausbildung, Unterrichtsmethode, Volksschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Bildungsreform des niederen Schulwesens in der österreichischen Monarchie unter Maria Theresia, mit besonderem Fokus auf die „Allgemeine Schulordnung“ von 1774.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Vordergrund?
Zentrale Themen sind die staatliche Steuerung des Bildungswesens, die Vereinheitlichung von Lehrplänen und Methoden sowie die soziale Disziplinierung der Untertanen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie der absolutistische Staat durch normierte Bildungspläne versuchte, das Schulwesen zu kontrollieren, die Alphabetisierung zu fördern und die Bevölkerung in den Dienst des Staates zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die primär unter Nutzung von Fachliteratur sowie zeitgenössischen Dokumenten die Entwicklung und Umsetzung der Bildungsreform nachzeichnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Paragraphen der Schulordnung, die administrativen Maßnahmen zur Realisierung, die Lehrerausbildung sowie die unterschiedlichen Einstellungen von Eltern und Lehrkräften gegenüber diesen Reformen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Aufgeklärter Absolutismus, Sozialdisziplinierung, Normalschule, Schulpflicht und die „Allgemeine Schulordnung“.
Welchen Einfluss hatte der Jesuitenorden auf das Bildungswesen vor 1774?
Der Jesuitenorden war stark bildungsdominant, lehrte jedoch nach veralteten Plänen von 1599 und verweigerte sich den praxisbezogenen Anforderungen der Zeit, was zur gezielten Schwächung des Ordens durch den absolutistischen Staat führte.
Wie versuchte Maria Theresia, das Ansehen des Lehrerberufs zu verbessern?
Der Staat unternahm Versuche, den sozialen Status des Lehrers durch Anweisungen zur respektvolleren Anrede durch staatliche Beamte sowie durch die Regelung der Gehaltszahlungen über Gemeinden oder Schulfonds zu heben, wobei die Wirkung dieser Maßnahmen in der Praxis umstritten blieb.
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- Marina Ehrngruber (Autor), 2011, Alphabetisierung von oben: Die Theresianische Schulordnung von 1774, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186913