Zielstellung dieser Arbeit ist es, die Bewertung von sanierungsbedürftigen Unternehmen zu untersuchen.Dazu werden im theoretischen Teil(Kapitel 2)die wesentlichen Forschungsansätze zum Thema Sanierungsbedürftigkeit (Distress)dargelegt und systematisiert. Der Autor versucht den Terminus der Sanierungsbedürftigkeit aus verschiedenen Perspektiven zu definieren und kategorisieren sowie die Verbindung zu den diesen Zustand auslösenden Unternehmenskrisen herzustellen. Indikatoren, welche die Sanierungsbedürftigkeit anzeigen, sind ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Im weiteren Verlauf der theoretischen Abhandlung werden Unternehmensbewertungsmodelle vorgestellt, welche explizit den Zustand der Sanierungsbedürftigkeit berücksichtigen.
Aufsetzend auf dem theoretischen Gerüst, welches unverzichtbares Vorwissen für die weitere Arbeit beinhaltet, beschäftigt sich der Hauptteil der Arbeit (Kapitel 3) mit einer Fallstudie zu
Unternehmenszusammenschlüssen in der Luftfahrt. Die Übernahmen der Swiss International Air Lines AG respektive der Austrian Airlines AG durch die Deutsche Lufthansa AG stellen dabei die Untersuchungsobjekte dieser Case Study dar. Als wissenschaftliches Framework zur Behandlung der Fallstudie wird die Methodologie nach YIN (2009) verwendet. Basierend auf den theoretischen Propositionen werden insbesondere die Feststellung der Sanierungsbedürftigkeit und die Unternehmensbewertung der Untersuchungsobjekte zentraler Gegenstand der Fallstudienanalyse sein. Damit einhergehend wird der durch die Lufthansa gezahlte Kaufpreis analysiert. Um das Verständnis der Akquisitionsprozesse beim Leser zu erhöhen, wird der Fallstudienanalyse i.e.S. eine Chronologie der Unternehmensübernahmen vorangestellt. Ferner werden strategische Beweggründe der Übernahmen durch Lufthansa erörtert. Im Schlussteil dieser Arbeit (Kapitel 4) werden die wesentlichen Erkenntnisse der Untersuchung zusammengefasst, Hypothesen zur Identifizierung und Bewertung sanierungsbedürftiger Unternehmen aufgestellt und Bedarf für weitere empirische Studien diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil: Sanierungsbedürftigkeit von Unternehmen
2.1. Begriffsabgrenzung
2.1.1. Sanierungsbedürftigkeit
2.1.2. Unternehmenskrise
2.1.3. Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit
2.2. Formen der Sanierungsbedürftigkeit
2.2.1. Wirtschaftliche Sanierungsbedürftigkeit
2.2.2. Finanzielle Sanierungsbedürftigkeit
2.2.3. Auftreten der Formen der Sanierungsbedürftigkeit
2.3. Bewertung sanierungsbedürftiger Unternehmen
2.3.1. Besonderheiten bei der Bewertung sanierungsbedürftiger Unternehmen
2.3.2. Bewertungsverfahren
2.3.2.1. Zukunftserfolgswert
2.3.2.2. Liquidationswert und Substanzwert
2.3.2.3. Marktwert
3. Fallstudie: Unternehmenszusammenschlüsse in der Luftfahrt
3.1. Forschungsmethodik
3.1.1. Fallstudien-Entwurf und Methodologie
3.1.2. Auswahl der Untersuchungsobjekte
3.1.3. Datensammlung
3.1.4. Datenanalyse
3.2. Fallstudienanalyse
3.2.1. Chronologie der Unternehmensübernahmen
3.2.1.1. Chronologie der Übernahme der Swiss International Air Lines AG durch die Deutsche Lufthansa AG
3.2.1.2. Chronologie der Übernahme der Austrian Airlines AG durch die Deutsche Lufthansa AG
3.2.2. Feststellung der Sanierungsbedürftigkeit
3.2.3. Unternehmensbewertung
3.2.4. Kaufpreisanalyse
3.2.5. Strategische Analyse der Übernahmen
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, Methoden zur Diagnose und Bewertung von sanierungsbedürftigen Unternehmen zu untersuchen und diese Erkenntnisse anhand einer Fallstudie zu den Übernahmen der SWISS und AUA durch die Deutsche Lufthansa AG praktisch anzuwenden.
- Theoretische Systematisierung von Sanierungsbedürftigkeit und Unternehmenskrisen.
- Analyse von Bewertungsverfahren für Krisenunternehmen unter Berücksichtigung von Insolvenzrisiken.
- Empirische Fallstudienanalyse der Lufthansa-Akquisitionen basierend auf quantitativen Bilanzdaten.
- Kaufpreisanalyse und Identifikation strategischer Beweggründe für die Unternehmenszusammenschlüsse.
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Feststellung der Sanierungsbedürftigkeit
In diesem Kapitel werden quantitative und qualitative Faktoren untersucht, die eine Sanierungsbedürftigkeit der beiden Untersuchungsobjekte erkennen lassen. Dafür werden Bilanzwerte und Kennzahlen der Unternehmen jeweils zwei Jahre vor Übernahme durch Lufthansa analysiert, interpretiert und miteinander verglichen. Darüber hinaus werden wesentliche Ereignisse im Vorfeld der Akquisitionen in den Bewertungsprozess einbezogen. Der Autor knüpft dabei an die theoretischen Vorbetrachtungen des zweiten Kapitels an, in welchem Indikatoren für das Vorliegen von Sanierungsbedürftigkeit ausführlich diskutiert wurden.
Um eine Krisendiagnose bei einem Unternehmen durchzuführen, bedarf es neben einer Bilanzanalyse, die „…nicht zwingend zur typgerechten Schwachstellendiagnose führt.“ zusätzlich einer Überprüfung ergänzender Informationen außerhalb einer Bilanz. Diese sollen bei Ausschöpfung der Auskunftsfähigkeit der Jahresabschlussdaten weitere wichtige, nicht quantifizierbare Erkenntnisse für die Krisendiagnose liefern. Eine klassische Bilanzanalyse kann aufgrund der Going Concern-Annahme und mangels Krisenorientierung kaum ausreichende Informationen liefern, um ein sanierungsbedürftiges Unternehmen hinreichend zu beurteilen. Durch Messwerte einer Bilanz lassen sich dessen ungeachtet grundsätzliche Aussagetendenzen feststellen, die eine Sanierungsbedürftigkeit vermuten lassen. Für die im Folgenden verwendeten Bilanzkennzahlen ist eine plausible Arbeitshypothese zu bilden, die angibt, wie der Kennzahlenwert zu interpretieren ist. Da es sich um eine retrospektive Krisenanalyse handelt, ist die Ausgangslage gegenüber einer Krisendiagnose während einer Krisenphase vorteilhafter, da dem Analytiker alle Ereignisse der Unternehmenskrise bekannt sind und eine Vielzahl von Informationen vorliegt.
SWISS und AUA werden sowohl aus finanz- als auch aus erfolgswirtschaftlicher Perspektive analysiert. Um eine finanzielle respektive wirtschaftliche Sanierungsbedürftigkeit feststellen zu können, werden die Unternehmen hinsichtlich charakteristischer Kennzahlen zum Gesamterfolg, zur Verschuldung und Liquidität untersucht. Zur Beleuchtung der erfolgswirtschaftlichen Situation der Untersuchungsobjekte werden der Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag (JÜ/JF), die Gesamtkapitalrentabilität (GKR) sowie die Umsatzrentabilität (UR) herangezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Themenwahl durch die industrielle Krisensituation in der Luftfahrt und definiert die Zielsetzung der Arbeit, Bewertungsmodelle für sanierungsbedürftige Unternehmen zu analysieren.
2. Theoretischer Teil: Sanierungsbedürftigkeit von Unternehmen: Dieses Kapitel erarbeitet den theoretischen Rahmen, indem es Begriffe der Unternehmenskrise und Sanierungsbedürftigkeit definiert und Methoden zur Unternehmensbewertung im Krisenfall vorstellt.
3. Fallstudie: Unternehmenszusammenschlüsse in der Luftfahrt: Der Hauptteil der Arbeit untersucht empirisch die Akquisitionen der SWISS und AUA durch die Lufthansa, wobei Bilanzkennzahlen analysiert und die Kaufpreise sowie strategische Motive bewertet werden.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Ergebnisse der theoretischen Analyse und der Fallstudie und reflektiert über die Identifikation sowie Bewertung von sanierungsbedürftigen Unternehmen.
Schlüsselwörter
Sanierungsbedürftigkeit, Unternehmenskrise, Luftfahrtindustrie, Unternehmensbewertung, Cash Flow, Liquiditätskrise, Insolvenzrisiko, Multiplikatorverfahren, Due Diligence, Akquisition, Restrukturierung, Going Concern, Turnaround, Finanzkennzahlen, Deutsche Lufthansa AG.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Methoden der Unternehmensbewertung im speziellen Fall von sanierungsbedürftigen Unternehmen anhand der Luftfahrtbranche.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die begriffliche Abgrenzung von Unternehmenssrisen, die theoretischen Ansätze der Krisendiagnose sowie die empirische Fallstudienanalyse von Übernahmen in der Airline-Branche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Methoden zur Diagnose von Sanierungsbedürftigkeit zu systematisieren und zu bewerten, wie diese bei der Preisfindung von akquirierten Unternehmen in der Praxis Anwendung finden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine qualitative Fallstudien-Methodik nach YIN (2009), kombiniert mit quantitativen Bilanzanalysen und der sogenannten Cross-Case-Synthese.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Fallstudie zu den Übernahmen der SWISS und AUA durch die Lufthansa, inklusive Chronologie, Sanierungsdiagnose und Kaufpreisanalyse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird wesentlich durch die Begriffe Sanierungsbedürftigkeit, Financial Distress, Unternehmensbewertung, Multiplikatorenmodell und Fallstudie charakterisiert.
Wie unterscheiden sich die Fälle SWISS und AUA hinsichtlich ihrer Sanierungssituation?
SWISS wurde primär als wirtschaftlich sanierungsbedürftig identifiziert, während bei AUA ein simultanes Auftreten von wirtschaftlicher und finanzieller Krise (Sanierungsbedürftigkeit i.e.S.) diagnostiziert wurde.
Welche Rolle spielten Besserungsscheine bei den Übernahmen?
Besserungsscheine dienten als variabler Kaufpreisbestandteil für die Großaktionäre, abhängig von der künftigen Wertentwicklung der Unternehmen und der Lufthansa-Aktie.
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- Andre Vörtler (Autor), 2011, Bewertung sanierungsbedürftiger Unternehmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187092