1 Einleitung
„Es ist nicht die Sprache, die sich verändert, sondern wir
sind es, indem wir sie täglich gebrauchen“(Nübling 2008: 1)
Wer kennt sie nicht, die Mehrkornroggenvollkornbrotmehlzulieferer; und auch die Feuerwehrrettungshubschraubernotlandeplatzaufseherin erfüllt einen wichtigen Beruf.
Doch wie kommt es zu Komposita, also zusammengesetzten Wörtern, wie diesen und vor allem: Gab es sie früher schon? Oder sind Wörter einem ständigen Wandel unterlegen? Wirft man einen Blick auf die deutsche Sprache der letzten Jahrhunderte, fällt einem auf, dass viele Wörter früher, im Alt- oder Mittelhochdeutschen, anders zusammengesetzt waren als heute. Doch nicht nur die Komposita haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, sondern auch die Suffixe.
Wenn es um die Erzeugung neuer Wörter geht, spricht man in der Morphologie von Wortbildung. Die Wortbildung ist ein wichtiger Teil der Morphologie, bei der man die Zusammensetzung von Wörtern untersucht.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit den morphologischen Grundbegriffen der Wortbildung; anschließend wird auf den Wortbildungswandel der deutschen Sprache eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wortbildung
2.1 Morphologische Grundbegriffe
2.2 Arten der Wortbildung
2.3 Wortstruktur
2.4 Der Kopfbegriff der Wortbildung
3 Wortbildungswandel
3.1 Wandel und Entstehung von Derivationsaffixen
3.1.2 Die Entstehung des Suffixes -bar
3.1.3 Konkurrenz zwischen Adjektivsuffixen
3.1.4 Das -er- Suffix
3.2 Komposita in der deutschen Sprachgeschichte
3.2.1 N+N- Komposita
3.2.2 Mehrgliedrige Komposita
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die morphologischen Grundlagen der Wortbildung im Deutschen sowie den historischen Wandel, dem diese Prozesse über die Jahrhunderte unterlegen sind. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Entwicklung von Suffixen und der Veränderung von Kompositionsmustern von der althochdeutschen bis zur neuhochdeutschen Sprache.
- Morphologische Grundbegriffe wie Morphem, Stamm und Wortkern.
- Die verschiedenen Typen der Wortbildung (Komposition, Derivation, Konversion).
- Diachrone Entwicklung und Produktivitätswandel von Suffixen (insb. -bar, -er, -lich).
- Die Struktur von Komposita und ihr Wandel in der Sprachgeschichte.
Auszug aus dem Buch
3.1 Wandel und Entstehung von Derivationssuffixen
Heutzutage kann man häufig nicht mehr erkennen, von welchen Wörtern Affixe abstammen. Ein Beispiel dafür wäre das Suffix -bar, was zur Bildung von Adjektiven dient: ess+bar, trink+bar, erklär+bar etc. Kaum jemand weiß, dass dieses Derivationsmorphem mit „Wörtern wie Geburt, Bahre oder gebären verwandt ist” (Nübling 2008: 68). Das Suffix -bar kann auf das althochdeutsche Verb beran zurückgeführt werden. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte sich dann die heutige Endung -bar aus dem althochdeutschen bári ´tragend´.
Im Laufe der Zeit wurde die deutsche Sprache um einige solcher Derivationssuffixe bereichert, unter ihnen -lich (menschlich), -tum (Reichtum) und - heit (Reinheit).
Allerdings ist in der Entwicklung der deutschen Sprachgeschichte nicht nur ein Zuwachs, sondern auch ein Schwund an Derivationsaffixen zu erkennen. Wenn man sich zum Beispiel das Nomen Dickicht anschaut, wird deutlich, dass das ehemalige Suffix -icht heute nicht mehr als solches zu erkennen ist. Der Grund dafür ist, dass in der heutigen Sprache nur sehr wenige Wörter mit dieser Endung existieren (Röhricht, Kehricht) und keine neuen mehr gebildet werden; die Ableitung dieser Wörter wird also nicht mehr wahrgenommen. Es ist nicht mehr erkennbar, dass das Suffix -icht mal als produktiv galt. „Unter produktiv versteht man, dass ein Suffix in vielen Wörtern vorkommt und zur Bildung neuer Wörter dient” (Nübling 2008: 68). Im Mittelhochdeutschen ist zum Beispiel -er wie in Lehrer oder Fußballer eins der produktivsten Derivationsaffixe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Wortbildung mit Bezug auf den Sprachwandel und Zielsetzung der Hausarbeit.
2 Wortbildung: Definition der wichtigsten morphologischen Grundbegriffe sowie Darstellung der verschiedenen Arten und Strukturen der Wortbildung.
3 Wortbildungswandel: Analyse der historischen Veränderungen von Suffixen sowie der Entwicklung von Komposita im Laufe der deutschen Sprachgeschichte.
Schlüsselwörter
Morphologie, Wortbildung, Sprachwandel, Komposita, Suffixe, Derivation, Morphem, Althochdeutsch, Neuhochdeutsch, Wortschatzerweiterung, Produktivität, Sprachgeschichte, Sprachstruktur, Wortbildungswandel, Linguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den morphologischen Grundlagen der Wortbildung im Deutschen und dokumentiert, wie sich diese Prozesse und Wortbildungsmuster über die Zeit verändert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition morphologischer Grundbegriffe, die verschiedenen Typen der Wortbildung, der diachrone Wandel von Suffixen sowie die historische Entwicklung von Komposita.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Wortbildungen keinen statischen Regeln folgen, sondern einem ständigen Wandel unterworfen sind, der sowohl morphologische als auch semantische Veränderungen umfasst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die Fachliteratur und historische Sprachdaten (vom Althochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen) heranzieht, um Wortbildungsmuster zu erläutern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der morphologischen Grundbegriffe (Morphem, Stamm, Kopf), die verschiedenen Arten der Wortbildung sowie eine detaillierte historische Analyse der Entwicklung von Suffixen und Komposita.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Morphologie, Wortbildung, Sprachwandel, Komposita, Suffixe und Derivation.
Wie hat sich das Suffix -bar historisch entwickelt?
Das Suffix -bar entwickelte sich aus dem althochdeutschen *bári ('tragend'), das wiederum auf dem Verb 'beran' (tragen) basierte. Über verschiedene lautliche Zwischenstufen und semantische Verschiebungen entwickelte es sich zur heutigen Bedeutung ('kann gemacht werden').
Welche Rolle spielen Baumdiagramme in der Wortbildung?
Baumdiagramme werden genutzt, um die interne Struktur komplexer Wörter sichtbar zu machen, Wortarten der Bestandteile zu zeigen und insbesondere die Ambiguität (Doppeldeutigkeit) von Wortbildungen aufzulösen.
- Citar trabajo
- Kira Wieler (Autor), 2008, Wortbildung und Wortbildungswandel, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187296