Es ist schon bemerkenswert. Wird der Versuch unternommen, die Pensionierungsforschung in Schlagworten dazustellen, so fällt schnell auf, dass sich ein äußerst diffuses Bild darstellt.
Dies ist vermutlich dadurch zu begründen, dass der gesellschaftliche und historische Wandel beeinflussend auf die Analyse der Auswirkungen der Pensionierung wirken, denn diese stellt schon seit vielen Jahrzehnten ein gerontologisches Forschungsthema dar. Die Arbeiten dazu können in verschiedene Phasen eingeteilt werden, die im Folgenden kurz dargestellt werden. Dem folgt ein Blick auf eine aktuelle Studie und zudem wird der Versuch unternommen, die Zielgruppe der Manager zu fokussieren. Mit einem Fazit und Ausblick schließt diese Zusammenfassung.
Inhaltsverzeichnis
1. 50er und 60er Jahre
2. 70er und 80er Jahre
3. 90er Jahre bis heute
3.1 aktuelle Längsschnittstudie
4. Manager – und dann?
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Pensionierungsforschung im historischen Verlauf und fokussiert dabei gezielt auf die spezifische Gruppe der Manager und deren Übergang in den Ruhestand.
- Historische Entwicklung der Pensionierungsforschung seit den 1950er Jahren
- Vergleich von Querschnitt- und Längsschnittstudien zum Ruhestand
- Analyse der spezifischen Situation und Motive von Managern beim Berufsaustritt
- Bedeutung von Aufgaben mit Verpflichtung und Geistesleistung für die Lebensqualität im Alter
Auszug aus dem Buch
50er und 60er Jahre
Zu dieser Zeit überwogen Untersuchungen, die das Ausscheiden aus dem Beruf negativ darstellten. Einen Beitrag zu dieser Problemsicht leistete eine Studie des Psychologen Stauder (1955). Er analysierte materiell gesicherte bis vermögende Patienten, deren Krankheit zunächst als endogene Depression des höheren Lebensalters diagnostiziert wurde. Ihr Erwachsenenleben bestand aus Karriere, Machtzuwachs, Titel und Uniform. Sie waren erfolgreich im Beruf und identifizierten sich völlig mit diesem. In der Therapie stellte sich heraus, dass sich hinter der >Fassade< kontaktarme Menschen verbargen. Persönlichkeitsmängel und Reiferückstände wurden erkennbar. Den Pensionierungsbankrotteuren fehlt das Selbstwertgefühl, der innere Reichtum und die seelische Reife zur Bewältigung der Pensionierungssituation; „der Übergang von der Dynamik zur Introversion, von außen nach innen, die Harmonisierung und Transparenz“ misslingt.
Jores (1969) stellte bei der Analyse von Sterbehäufigkeiten fest, dass signifikant mehr Todesfälle – vor allem bei Frühpensionierten - in den ersten Jahren des Ruhestandes vorkommen und fasste dies unter den Begriff Pensionierungstod. Seine gemeinsam mit H.C. Puchta durchgeführte Untersuchung an 63 Hamburger Beamten zeigte auf, dass zwei Drittel dieser Beamten innerhalb von fünf Jahren nach der Pensionierung an Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs starben. Jordes/ Puschta führen als Beweis für das Phänomen des Pensionierungstodes auf, dass „psychologisch-soziologische Faktoren mindestens Auslösecharakter für Krankheiten haben, die zum Tode führen.“
Zusammenfassung der Kapitel
50er und 60er Jahre: In diesem Zeitraum konzentrierte sich die Forschung primär auf negative Aspekte und Krisenphänomene wie den sogenannten Pensionierungsbankrott oder Pensionierungstod.
70er und 80er Jahre: Groß angelegte Längsschnittstudien relativierten das bisherige negative Bild und zeigten, dass eine Mehrheit der Menschen den Ruhestand positiv erlebt.
90er Jahre bis heute: Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf differenzierte Betrachtungen der individuellen Anpassungsprozesse an die nachberufliche Zeit unter Berücksichtigung von Stressoren und Ressourcen.
Manager – und dann?: Dieses Kapitel untersucht spezifisch die Zielgruppe der Manager, die zwischen dem Wunsch nach beruflicher Rückkehr und der Flucht in den Ruhestand schwankt.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird festgehalten, dass ein gelungener Ruhestand für Manager maßgeblich von einer sinnvollen Kombination aus geistiger Herausforderung und Verpflichtung abhängt.
Schlüsselwörter
Pensionierungsforschung, Ruhestand, Manager, Pensionierungstod, Pensionierungsbankrott, Längsschnittstudie, Lebenszufriedenheit, Stressoren-Ressourcen-Ansatz, Gerontologie, Arbeitswelt, Anpassungsprozess, Führungskräfte, Erwerbsbiografie, Produktivität im Alter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Übersicht zur historischen Entwicklung der Pensionierungsforschung und überträgt diese Erkenntnisse auf die spezifische Berufsgruppe der Manager.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen den historischen Wandel der Forschungssicht, den Vergleich statistischer Erhebungsmethoden sowie die psychologische Verarbeitung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin zu ergründen, welche Beschäftigungen Manager nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben priorisieren und wie dieser Übergang erfolgreich gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse von Studien (Querschnitt- und Längsschnittdaten) sowie einer Auswertung von Publikationen aus dem Manager Magazin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Forschungskontexte seit den 1950er Jahren und eine anschließende Auseinandersetzung mit der Situation von Führungskräften im Übergang.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Pensionierungsforschung, Manager, Lebenszufriedenheit, Stressoren-Ressourcen-Ansatz und Gerontologie.
Warum wird der Begriff Pensionierungstod in der Arbeit kritisch beleuchtet?
Der Begriff stammt aus den 50er/60er Jahren und wird im Verlauf der Arbeit durch neuere, positivere Forschungsergebnisse historisch kontextualisiert und relativiert.
Welche Rolle spielt das Manager Magazin für die vorliegende Arbeit?
Da akademische Studien zur spezifischen Zielgruppe der Manager selten differenziert vorlagen, diente das Magazin als Quelle für aktuelle Tendenzen und die Selbstdarstellung ehemaliger Führungskräfte.
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- Dipl. Betriebswirt, Gerontologe M.A. Ivonne Kuss (Author), 2010, Pensionierungsforschung - Manager und dann?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187604